Nach Informationen des Spiegel soll ein Darlehen, das Christian Wulff zum Kauf eines Hauses verwendet hat, doch vom Unternehmer Egon Geerkens stammen, und nicht von dessen Frau Edith. Der Bundespräsident hatte erklärt, der Kredit sei ein "privater Vertrag mit Frau Geerkens" gewesen. Über seine Anwälte wies Wulff auch umgehend die Vorwürfe des Spiegel zurück und bekräftigte noch einmal, dass der umstrittene Hauskredit von der Frau des Unternehmers gekommen sei.

"Die Sparkasse Osnabrück hat bestätigt, dass der Scheck der Deutschen Bundesbank, der dem beurkundenden Notar zur Verfügung gestellt wurde, aus dem Konto von Frau Edith Geerkens gedeckt wurde", hieß es in der Erklärung des Bonner Anwaltsbüros Redeker Sellner Dahs. Eine Bestätigung der Sparkasse belege: "Der Vertrag über das Privatdarlehen wurde mit Frau Edith Geerkens geschlossen." Das Ehepaar Wulff habe zudem auch alle vereinbarten Zinszahlungen auf das Konto von Frau Geerkens geleistet.

Dem stehen im Spiegel Aussagen von Egon Geerkens entgegen, der sagt, er selbst habe die Verhandlungen über das Darlehen geführt und sich überlegt, "wie das Geschäft abgewickelt werden könnte". Die Zahlung des Kredits sei zwar über ein Konto seiner Frau erfolgt, er habe aber eine Vollmacht für dieses Konto. Wulff habe das Darlehen 2010 dann auf ein Konto zurückgezahlt, das beiden Eheleuten gehöre. Außerdem sei die freundschaftliche Verbindung zwischen seiner Frau und Wulff nur durch das Verhältnis der beiden Männer zustande gekommen.

Anonymer Scheck der Bundesbank

Laut Spiegel sind zudem die Vermögensverhältnisse des Ehepaars ein weiterer Hinweis darauf, dass der Kredit für Wulff ursprünglich von Egon Geerkens kam. Seine Frau habe bei der Hochzeit Mitte der neunziger Jahre kein nennenswertes Vermögen mit in die Ehe gebracht, wird der 67-Jährige zitiert. Nach der Hochzeit habe seine Frau dann aufgehört zu arbeiten.

Geerkens sagte dem Bericht zufolge auch, dass beide Seiten bei dem Kreditgeschäft auf Anonymität großen Wert legten. "Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt", wird er zitiert. Es sei ein anonymer Bundesbankscheck für den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten ausgestellt worden.

Umstrittene Aussage vor dem Landtag

Anlass der Kredit-Affäre ist eine Aussage Wulffs 2010 vor dem niedersächsischen Landtag. Zwei Abgeordnete der Grünen wollten vom damaligen Ministerpräsidenten im Zusammenhang mit der Air-Berlin-Affäre wissen, ob Wulff geschäftliche Beziehungen zum Unternehmer Geerkens oder einer Firma mit seiner Beteiligung habe. Wulff verneinte das. Nach einem Medienbericht musste der Bundespräsident vergangene Woche aber einräumen, dass er 2008 einen Kredit über 500.000 Euro von Geerkens' Ehefrau bekommen hatte. Mit dem Geld wurde Wulffs Wohnhaus in Osnabrück finanziert.

Trotzdem bleibt Wulff dabei, keine falschen Angaben gemacht zu haben. Der Bundespräsident ließ am Dienstag über seinen Sprecher erklären, Wulff habe die Anfrage der Grünen im Landtag damals "korrekt beantwortet". Die Anfrage im Landesparlament habe sich auf geschäftliche Beziehungen bezogen. Bei dem fraglichen Vertrag hätte es sich aber um "eine Vereinbarung" mit Geerkens Ehefrau Edith zu einem "Darlehen aus ihrem Privatvermögen" gehandelt.

Am Donnerstag bezeichnete der Bundespräsident es dann allerdings als Fehler, den Privatkredit vor dem Landtag nicht erwähnt zu haben. "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedaure das", teilte Wulff schriftlich mit. SPD und Grüne im niedersächsischen Landtag wollen nun prüfen, ob er das Parlament bei seiner Aussage belogen hat.