Bundespräsident Christian Wulff sieht sich weiteren Vorwürfen ausgesetzt. Wie die Tageszeitung Die Welt berichtet, werfen mehrere Verfassungsrechtler – darunter der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim – Wulff vor, mit der Annahme des verbilligten Privatkredits gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen zu haben. Das verbiete es Ministern, verbilligte Kredite entgegen zu nehmen. Von Arnim wird mit den Worten zitiert, es gehe "längst nicht mehr nur darum, ob er den Landtag unvollständig informiert hat".

Der Staatsrechtler Ulrich Battis von der Humboldt-Universität in Berlin sagte dem Blatt: "Wenn es keine Sicherheiten gab – zum Beispiel einen Grundbucheintrag – und Herr Wulff also zu den genannten Konditionen gar keinen Kredit bei einer Bank bekommen hätte, muss man einen Verstoß bejahen“.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter forderte als erster Politiker der schwarz-gelben Koalition Wulff zum Rücktritt auf. "Statt mit präsidialem Glaubwürdigkeitskredit den Menschen in turbulenter Zeit Orientierung zu geben, ist der Bundespräsident gefangen im spitzfindigen Formulierungskampf um seinen Hauskredit", sagte Lotter. "Der umgehende Rücktritt ist ein Gebot des Anstands und der Verantwortung."

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsichen Landtag, Stefan Wenzel, sagte zu einem Spiegel-Bericht, wonach der Unternehmer Egon Geerkens den Kredit vermittelte und Zugriff auf das Konto seiner Frau hatte, von dem nach Darstellung beider Parteien das Geld floss: "Entscheidend ist nicht die Frage, von welchem Konto das abgewickelt wurde, sondern entscheidend ist, wer der wirtschaftlich Berechtigte war, wer tatsächlich Eigentümer des Geldes war und wer diese Geschäftsbeziehung in die Wege geleitet hat. Das ist im Geldwäschegesetz ganz klar geregelt."

Das seien auch die Fragen, die in einer Sitzung des Ältestenrates des niedersächsischen Landtags am kommenden Dienstag gestellt würden. "Im Kern geht es um die Frage: Hat sich jemand in wirtschaftliche Abhängigkeiten begeben?"

Wulff hatte im Jahr 2010 in einer Befragung im niedersächsischen Landtag betont, dass er keine geschäftliche Beziehung zu Egon Geerkens unterhalten habe. Nachdem ein Privatkredit über 500.000 Euro bekannt wurde, hatte Wulff betont, dass das Geld nicht von Geerkens sondern vom Konto von dessen Frau Edith stamme. "Wir haben den Eindruck, man hat auf unsere Frage nicht wahrheitsgemäß geantwortet", sagte Wenzel.

Geerkens sagte laut Spiegel, er habe selbst die Verhandlungen mit Wulff über den Kredit geführt und zudem Zugriff auf das Konto seiner Frau. Zudem sei die Rückzahlung des Darlehens im Jahr 2010 auf ein Konto geflossen, das beiden Eheleuten gehöre. "Wenn sich bestätigt, dass Herr Geerkens Verhandlungen mit Herrn Wulff geführt hat und der dies wusste, dann könnte das die Lage völlig verändern", sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele dem Magazin Focus. "Dann wird es eng für Herrn Wulff."

Auch die SPD kritisierte den Bundespräsidenten. Wulff solle endlich Klarheit über die Finanzierung seines Hauses in Osnabrück schaffen. "Wenn Bundespräsident Wulff das höchste Amt im Staat nicht beschädigen will, muss er jetzt endlich reinen Tisch machen", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Ein Bedauern reicht nicht, wenn Vorwürfe, wie sie jetzt in den Medien erhoben werden, im Raum stehen."

Nahles erklärte, die Bürger hätten ein Recht zu erfahren, in welchem "tatsächlichen Verhältnis" Wulff zu Egon Geerkens stehe. Wulff müsse "aus Respekt und aus Achtung vor unseren demokratischen Institutionen" alle Fakten auf den Tisch legen. "Es ist unerträglich, dass ausgerechnet der Bundespräsident durch sein Verhalten die Politikverdrossenheit in unserem Land spürbar vorantreibt."

Informationen des Focus zufolge hat sich Wulff während seines Kuwait-Besuches per SMS bei Geerkens entschuldigt. Er soll darin sein Bedauern über den Ärger um den umstrittenen Privatkredit geäußert haben.

Unterdessen schaltet sich auch der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel in die Diskussion ein. Der Bild am Sonntag sagte Scheel, er mache sich Sorgen um das Ansehen des Bundespräsidentenamts. “Sitten und Gebräuche haben sich seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland leider auch in der Politik sehr geändert. Ich bin dabei vor allem besorgt um das Amt des Bundespräsidenten“, sagte Scheel. Allerdings bleibe für ihn das immer das Wesentliche, "was der Bundespräsident am Ende aus seiner Amtszeit macht“.