KreditaffäreChristian Wulff veröffentlicht private Urlaubsliste

Bundespräsident Wulff hat eine Liste seiner Urlaubsreisen vorlegen lassen. Die Aufenthalte stünden jedoch in keinem Bezug zu seinen öffentlichen Ämtern, beteuert er. von dpa

Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina Wulff bei einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche in Berlin

Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina Wulff bei einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche in Berlin  |  © Florian Schuh/dpa

Bundespräsident Christian Wulff hat eine Liste mit privaten Urlaubsreisen veröffentlicht, während derer er Gast von Freunden war. Die Liste, die Wulffs Anwälte verbreiteten, umfasst sechs Urlaubsaufenthalte zwischen 2003 und 2010, als Wulff noch Ministerpräsident in Niedersachsen war. Hinzu kommt ein bereits bekannter Aufenthalt in der Mallorca-Ferienanlage des Unternehmers Carsten Maschmeyer, wo sich Wulff kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2010 einmietete.

Insgesamt drei Mal verbrachten Wulff und seine Familie demnach einen Privaturlaub in Häusern des Osnabrücker Ehepaars Edith und Egon Geerkens, von denen auch sein umstrittener Privatkredit für den Hauskauf aus dem Jahr 2008 stammte. In den Jahren 2003 und 2004 sei Wulff Gast "in deren privaten Räumlichkeiten in Spanien" gewesen, teilte die Kanzlei mit. Zum Jahreswechsel 2009/2010 seien die Wulffs Gast im Haus der Geerkens in den USA gewesen.

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Dieser Urlaub hatte Wulff damals Ärger eingebracht, weil er sich mit seiner Gattin Bettina von der Fluggesellschaft Air Berlin kostenlos von der Economy- in die Business-Class hatte hochstufen lassen.

Im Jahr 2008 seien die Wulffs als Gäste des Finanzunternehmers Wolf-Dieter Baumgartl und dessen Frau Ingrid in Italien gewesen, hieß es weiter. In den Jahren 2008 und 2009 hätte die Familie auf der Insel Norderney Zeit in den privaten Räumlichkeiten des Ehepaars Angela Solaro und Volker Meyer verbracht.

Die Urlaube, die Wulff der Erklärung zufolge "überwiegend gemeinsam mit den jeweiligen langjährigen Freunden" verbrachte, hätten keinen Bezug zu seinen öffentlichen Ämtern, hieß es. "Dieses Verhalten steht uneingeschränkt in Einklang mit den Regelungen des niedersächsischen Ministergesetzes." 

Keine Urlaube in privaten Räumlichkeiten während seiner Amtszeit

Während seiner Amtszeit als Bundespräsident habe Wulff "keine Urlaube in privaten Räumlichkeiten von Freunden verbracht“, teilte die Kanzlei weiter mit.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hatte Wulff zuvor volle Rückendeckung zugesichert. "Ich habe volles Vertrauen in seine Aussagen", sagte Gröhe der Welt. Die Kritik der Opposition an Wulff wertete Gröhe als "Parteipolitik zu Lasten des höchsten Staatsamts". FDP-Chef Philipp Rösler sagte im ZDF, seiner Ansicht nach habe Wulff "alle Fragen beantwortet".

Die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag hatte angekündigt, alle Urlaubsreisen Wulffs zu seiner Zeit als Ministerpräsident zu überprüfen. In einer kleinen Anfrage hatte Fraktionschef Stefan Schostok auf eine Auflistung aller Urlaube zwischen 2003 und 2010 gedrängt.

Wulff steht seit Tagen wegen eines Privatkredits zum Kauf eines Eigenheims in Höhe von 500.000 Euro in der Kritik, den er 2008 als Ministerpräsident von Niedersachsen bekommen hatte. Er hatte bislang stets gesagt, Kreditgeberin sei die Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens gewesen. Gegenüber dem Spiegel räumte Geerkens nun aber ein, er selbst sei an den Kreditverhandlungen maßgeblich beteiligt gewesen.

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Leserkommentare
    • digidus
    • 18. Dezember 2011 17:55 Uhr

    Bleibt da überhaupt noch Raum für einen Urlaub, der nicht von "Freunden" gesponsert wurde und auch mal selbst gezahlt wurde?

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    ...das kann man nur konstatieren. Aber aus Sicht der Union und auch der FDP KANN er nicht zurücktreten: die Blamage für Angela Merkel, Horst Seehofer und die FDP-Führung, die Wulff als Bundespräsident mit allen Mitteln auch gegen die eigenen Parteien durchgesetzt haben, wäre nicht nur grenzenlos - nein, es wäre ein komplettes Deseaster.

    Eigentlich bleibt jetzt nur noch eines: Herr Wulff sollte auf der Stelle zusammen mit Angela Merkel und der gesamten Bundesregierung zurück treten.

    Nicht mehr als jeder andere.
    Aber die Überstunden ...

    Wer täglich 48 Std. arbeitet, der darf doch wohl ab und an mal ein paar ruhige Stunden bei und mit befreundeten "Leistungsträgern" verbringen.

    Bei der Gelegenheit erfährt man dann vielleicht, was wirklich wichtig ist, und wie man sich am besten in welcher Situation entscheiden sollte ....

    Anstatt konstruktive Kritik zu üben sehe ich immer nur das Gejammer "armer" Menschen wie "böße" alles doch ist.
    Rücktritt und am besten Auflösung der kompletten CDU/CSU FDP ist natürlich ein super Vorschlag...

    Solange ich hier keine bewiesenen harten Fakten vor mir sehe sollten die Vorwürfe an andere kontrollierende selbstständige Institutionen gehen oder an die "Opposition" die 95% ihrer Zeit damit verbringt teilweise schon historische Fehltritte an den Tag zu bringen anstatt selbst durch positive Meldungen auf sich aufmerksam zu machen. Abwarten was sich abschliessend offenbart, dann abschliessende Kommentare geben!

    leute, die sich permanent von freunden auf urlaube einladen lassen, sind für mich schlicht schnorrer.
    so ein verhalten ist eines bundespräsidenten unwürdig.

  1. Ist dieses Geschacher wirklich noch mit der "Würde" des Amtes zu vereinbaren?

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    Ich frage mich, wo bei Herrn Wulff die "Würde" ist, mit der er sein Amt begleiten sollte?

    Wenn man über das ganze Theater liest bekommt man den Eindruck,dass ein Ministerpräsident am besten arm,allein stehend,selbstlos und warum auch nicht,junfräulich unbefleckt sein sollte.

    Wollt ihr ein heiliger Bruder der Barmherzigkeit als Ministerpräsident?,dann sollte man lieber kein deutscher Politiker suchen,sondern ein Benediktiner-Mönch.

    Überschrift entfernt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/jz

  2. nur noch billig. Billig und verstörend zugleich, wenn man daran erinnert wird, dass jeder Mensch offenbar seinen Preis hat.

    Wäre ich Ministerpräsident eines Landes, würde ich mich tatsächlich wohl fühlen, wenn ich wüsste, dass ich Gegenleistung zu bringen habe, wenn ich in der Villa oder dem Strandhaus eines 'einflussreichen' Unternehmers nächtigen dürfte.

    Und jetzt, nachdem das Kind bereits in den medialen Brunnen gefallen ist, macht man einen auf Transparenz und versucht irgendwas von 'privat' und 'geschäftlich' in die Runde zu werfen.

    Das niedere Maß an Integrität und Seriosität dieses Politikers ist abenteuerlich. Und was wir hier sehen ist nur die Spitze des Eisberges!

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    • autist
    • 18. Dezember 2011 18:09 Uhr

    ist nicht so schlimm. Nur wie gering er offenbar manchmal ist.

  3. ...von wem und in welchen Situationen er im Vorfeld auf seine Kreditaffaire angesprochen wurde. Es ist doch kein Zufall, dass diese alte Kamelle ausgerechnet jetzt publik wird.

    Und so lange er nicht preis gibt, wer ihn erpresst oder droht, solange ist der als Bundesräsident nicht tragbar: Rücktritt!

  4. § 5 Absatz 4 Niedersächsisches Ministergesetz:

    "(4) Die Mitglieder der Landesregierung dürfen, auch nach Beendigung ihres Amtsverhältnisses, keine Belohnungen und Geschenke in Bezug auf ihr Amt annehmen. Die Landesregierung kann Ausnahmen zulassen. Sie kann diese Befugnis auf die Staatskanzlei übertragen."

    Das wäre zu klären... Vor allem wäre die Frage interessant, ob sich die "Gastgeber" mit Wulff abgegeben hätten, hätte er KEIN hohes Staatsamt bekleidet...

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    Allein die Inanspruchnahme eines Zinsvorteiles i.H.v. ~15.000,00 € (wohlwollend, bei einer Laufzeit von 3 Jahren und einem konservativ angenommen Vorteil von gerade einmal 1%, errechnet) stellt einen alles andere als milden Verstoß hiergegen dar. Es darf aber gern auch als Vorteilsnahme im Amt gewertet werden, das hätte dann auch strafrechtliche Konsequenzen. Wasimmer Herr Wulf dagegen vorzubringen gedenkt, allein "Dummheit schützt vor Strafe nicht". Ein Rücktritt ist hierbei nur das Mindeste.

    • Karst
    • 18. Dezember 2011 18:00 Uhr

    Wenn der Wulff zurücktreten sollte, sollte Merkel den zum Bundespräsidenten machen.
    Der ist ein noch schlimmerer Abnicker ohne eigene Positionen als der Wulff es jemals sein könnte.

    Wieso hab ich nur immer dieses eine Bild von Angela Merkel im Kopf? So Witzfiguren wie Wulff, Gröhe, Pofalla und Co. tanzen an Fäden die sie, beliebig wie sie ist, hin und her bewegt.
    Gern auch mal in die komplett andere Richtung in die sie einen Tag vorher hat marschieren lassen.

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Beiträge. Danke, die Redaktion/jz

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    ...die Arbeitslosen müssen sich ihre Zahnbürsten kontrollieren lassen, Bewerber Gesundheitschecks und jeder Steuerzahler wird vom Finanzamt nackig gemacht.

    [...]

    Gekürzt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • k2
    • 18. Dezember 2011 18:17 Uhr

    Es reicht eine Bloody Mary.

    • Sikasuu
    • 18. Dezember 2011 18:20 Uhr

    ... mit ein paar Leuten zum Essen gewesen und die Rechnung dann beim Finanzamt als Betriebskosten eingereicht?
    .
    Da kann es geschehen, das der bedienende Kellner/n wegen Trinkgeld=Steuerhinterziehung das er nicht bekommen hat Stress bekommt :-((

    Da fängt der Filz leider an.

    • Toni_B
    • 18. Dezember 2011 22:28 Uhr

    ...der letzten 10 Jahre.

  6. Aus "Bild":
    "Wulff hatte die Kanzlei nach deren Angaben beauftragt, „anhand seiner Aufzeichnungen, seiner Kalender und aller sonst zugänglichen Informationen” die Urlaubseinladungen zu dokumentieren. Es habe mehrere „Anfragen von Medienvertretern” zu Wulffs Urlauben gegeben."

    Soll das für Nichtpolitiker heissen, alles was sowieso nachvollziehbar ist, wird veröffentlicht, alles andere unter den Teppich gekehrt? Ein Schelm, wer böses....

    http://www.bild.de/politik/inland/christian-wulff/bundespraesident-chris...

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    • k2
    • 18. Dezember 2011 18:08 Uhr

    Hochwürden und seine Durchlaucht, König Wulff, kommuniziert mit seinem Volk über eine Anwaltsdressur

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Christian Wulff | Hermann Gröhe | ZDF | Philipp Rösler | SPD-Fraktion | Bundespräsident
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