FDP-DreikönigstreffenBrüderle gefeiert, Rösler verspottet

Die FDP hadert mit ihrem Parteichef und den peinlichen Zitaten seines neuen Generalsekretärs. Fraktionschef Brüderle kostet das aus. von 

Rainer Brüderle schert sich nicht um die Vorgabe der Parteiführung. Eigentlich sollte der FDP-Fraktionschef auf dem Stuttgarter Landesparteitag bloß ein kurzes Grußwort halten. Maximal zehn Minuten waren vorgesehen. Das wurde ihm im Vorfeld extra mitgeteilt. Brüderle sollte auf dem traditionellen Dreikönigstreffen Parteichef Philipp Rösler nicht die Schau stehlen. Aber am Ende sind es schlappe 20 Minuten, die Brüderle in der Stuttgarter Liederhalle spricht. Statt eines Grußwortes bekommen die Delegierten eine Grundsatzrede zu hören. Sie danken es ihm mit einem langen, prasselnden Applaus.

Dabei ist es nicht mal eine besonders gute, innovative Rede. Aber sie ist laut und kräftig. Brüderle eben. Der lobt die Reformen der Bundesregierung , er beschwört liberale Grundwerte und er attackiert den politischen Gegner ("Sirtaki-Siggi", "Jürgen – ich spar mal ne Dose – Trittin"). Ziel ist es, der verunsicherten Parteibasis Mut zu machen: "Lasst euch nicht verunsichern! Fürchtet euch nicht!", ruft er. Die FDP liege auf dem "richtigen Kurs". Die Zeiten könnten "eigentlich nur wieder besser werden".

Anzeige

Diese liberale Erbauungsrhetorik mischt Brüderle mit kaum versteckten Spitzen gegen die eigene Parteiführung. Der Fraktionschef gilt seit längerem als Favorit für die Nachfolge, sollte der umstrittene Rösler mittelfristig aufgeben oder gestürzt werden.

Orchideen und Säuselliberalismus

"Hier im Südwesten" sei das wahre Kraftzentrum der Partei, trichtert Brüderle den Delegierten ein. Und eben nicht, so der Subtext, in Hannover , wo der junge Parteichef nebst neuem Generalsekretär herkommen. Inhaltlich, fordert Brüderle, müsse sich die FDP künftig mehr mit den großen globalen Herausforderungen beschäftigen, nicht mehr "mit Kleinigkeiten", oder mit "schönen Orchideen". All das erinnert an seinen Stuttgarter Auftritt genau vor einem Jahr. Damals zog er unter dem Gejohle der Delegierten über den " Säuselliberalismus " her. Und verhöhnte damit das Konzept des "mitfühlenden Liberalismus", das sich die Boygroup Lindner-Rösler ausgedacht hatte.

Auch dieses Jahr wird Brüderle gefeiert. Die Unzufriedenheit an der Basis mit der Parteiführung in Berlin ist groß. Sie wird auf den Parteitagsfluren in Stuttgart wahlweise als "unprofessionell" oder "überfordert" bezeichnet.

Für akuten Ärger sorgt das Porträt des neuen Generalsekretärs , das an diesem Donnerstag im Stern veröffentlicht worden ist. Patrick Döring bezeichnet Rösler darin recht unbeholfen als "dünnhäutig" und konfliktscheu, als "Wegmoderierer". Der Versuch, damit um Verständnis für seinen langjährigen Vertrauten Rösler zu werben, ging gehörig schief. "Der Chinese und der Dicke" (Zitat Döring) hätten schlechter kaum starten können.

In Stuttgart sind die Reaktionen auf diese Zitate Spott, Wut und Verzweiflung. Der frühere Wirtschaftsminister und FDP-Bundesvize Walter Döring schimpft auf der Rednerbühne über seinen Namensvetter: Er habe "uns alle lächerlich gemacht". Unter "dem Stichwort Attacke", die Döring als neuer General angekündigt habe, habe er nicht als erstes "Attacken gegen den eigenen Parteivorsitzenden" erwartet, sagt Walter Döring. Der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Jens Brandenburg, meckert ebenfalls öffentlich über die "Fehler in der Führungsarbeit". Er sei das desolate Erscheinungsbild der Partei leid. "Liefert endlich", fordert er in Anspielung an Röslers altes Versprechen. Am Freitag verteilen die Julis in Stuttgart deshalb Pizza-Kartons vor der Staatsoper. Motto: "Genug gebacken, liefert endlich!"

Leserkommentare
  1. F erteilt D ie P izza. Nicht nur die leeren Kartons!

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    nicht V-erteil D-ie P-izza, lieber Reimer.
    Wo nichts gesellschaftlich Verwertbares produziert wurde, kann auch nichts verteilt werden. Die JuLis warten daher vergeblich auf den Inhalt für ihre Pappendeckel.
    Und kennt etwa jemand einen 400-€-Pizza-Kurier der Wähler oder gar Mitglied der FDP wäre?
    Nein, angelegt ist das Modell F-inde D-ie P-izza so:
    Die Wirtschaftslobby finanziert die hochbezahlten Pizza-Kuriere der FDP in den Parlamenten über die Wählerstimmen. Dort bieten sie unter dem diskriminierenden Vorwand, eine angeblich leistungslose Gesellschaft zu bekämpfen, ihre leistungslosen Pizza-Pappendeckel-Luftnummern teuer an. Ergebnis ein Suchrätsel: F.inde D.ie P.izza. Inhalt versprochen, aber vermurkst bis nicht vorhanden, da außer den anmaßenden Vorgaben der Lobby keine Eigenleistung erfolgte. Schlimmer als an einer Losbude, die neben Nieten auch kleine Gewinne gibt. In den leeeren Pizza-Pappendeckeln aber, wie jetzt von den JuLis bestätigt: nichts, alles Nieten.
    Fragt man sich, wieso ist dann der Ausnahme-Lichtblick Leuthäuser-Schnarrenberger noch dabei? Wohl als Lobbyistin und in eigener Sache: Für den "ehrenwerten" Club der Juristen als Anwälte, Richter, Staatsanwälte und höhere Angestellte auf allen Administrations- und Wirtschaftsebenen gibt es keinen effektiveren (auch honorarsichernd) berufspolitisch verdichteten Posten als die Justizministerin. Ein Architekt als Bundesbauminister z.B. könnte diese berufsständische Effektivität nie erreichen...

    • awaler
    • 05. Januar 2012 19:34 Uhr

    überflüssig

    3 Leserempfehlungen
    • kyon
    • 05. Januar 2012 19:35 Uhr

    Vielleicht hätten die FDPler in der Stuttgarter Liederhalle Lieder singen sollen statt Reden zu halten.
    Auf der untergehenden Titanic war die Blaskapelle noch das Erfreulichste bei dem ganzen Drama.

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... mit der Titanic vergleichen.

    Bei aller Liebe, Ruderboot (Einer ohne Steuermann) wäre eher passend.

    Ja, soll ein Witz sein!!

  2. erklären sie uns, inwiefern ein V in FDP sinn machen würde, sie sprachgewalt?

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Infamia
    • 05. Januar 2012 21:42 Uhr

    Macht wohl keinen Sinn. Aber insoferm nützt auch der Foristen Name "Der Reimer" nichts, denn es macht den Spruch halt dadurch nicht witziger, sondern dümmlicher. Verteilt schreibt man halt mit V und FDP mit F.

  3. Die FDP sollte die FPÖ als Vorbild nehmen!

    Strache zeigt derzeit wie ein Rechts-Liberalismus funktonieren kann!

    Niemand braucht eine Liberale (Gleichgültige) bzw. Links Liberale (Pirten, Grüne und teile SPD) in Deutschland mehr.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • xpeten
    • 05. Januar 2012 19:59 Uhr

    meinen Sie damit, dass das unrühmliche Ende der dortigen Parteispitze auch eine Lösung für die FDP wäre?

    • Tro
    • 06. Januar 2012 0:51 Uhr

    ...sich die FDP die FPÖ als Vorbild nehmen würde ... könnten die es sich schon mal gemütlich machen in den 1-2 Landtagen wo die dann noch sitzen würden...
    FPÖ ist reiner Rechtspopulismus...das ist in dieser Form in Deutschland nicht möglich...zum Glück!

  4. nä is klar

    http://www.youtube.com/wa...

    Sowas brauchen wir noch...

    4 Leserempfehlungen
  5. Wie viel Raum wird eigentlich dieser 2% Partei noch geboten. Es dämmert der Vorwurf einer überproportionalen Vertretung in den Medien, warum nur. Die FDP ist eie Partei die niemand - pardon, nur jemand - braucht. Die Bundeskanzlerin weiss, wer.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bkkopp
    • 06. Januar 2012 11:00 Uhr

    Merkel braucht nicht die 'Partei' sondern nur die mit mehr als 14% gewählte FDP-Fraktion des amtierenden Bundestages.

    Wenn die meisten, die 2009 FDP gewählt haben, in 2013 CDU/CSU wählen, was ja auch nicht so sicher ist, dann braucht die FDP niemand mehr.

    Um den organisierten Liberalismus ist es trotzdem schade.

  6. "Die FDP liege auf dem "richtigen Kurs". Die Zeiten könnten "eigentlich nur wieder besser werden"."

    Natürlich liegt die FDP auf dem richtigen Kurs: Richtung bedeutungsloser Splitterpartei. Für dieses Land werden die Zeiten mit Sicherheit besser, sobald die Anwalt-,Apotheker- und Hoteliers Partei verschwunden sein wird:
    Vielleicht schaffen wir es ohne diese Lobbygruppe, die sich selbst "Partei" nennen darf einmal, dass in Deutschland Medikamentenpreise gezahlt werden, die dem Durchschnittspreis in der EU entsprechen.

    15 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • kfmb
    • 05. Januar 2012 22:57 Uhr

    Also langsam kann ich es nicht mehr verstehen, wieso sich alle daran ergötzen, dass die bislang einzige Partei, die zumindest traditionell für weniger Staat eingetreten ist, völlig bedeutungslos wird? Keine andere Partei in diesem land (außer den Piraten) definiert Freiheit als Eigenverantwortung. Keine andere setzte zumindest damals noch ein Zeichen für die großen, mittleren, kleinen und Kleinstunternehmer, dass sie ihre Firmen und Betriebe durch die schwierigen Zeiten bringen können und dass es auch in 20 Jahren noch gilt, dass der Mittelstand das Rückgrad der deutschen Wirtschaft ist.

    Anstatt dessen jubiliert man über eine Merkel, die Steuern erhöht und Banken füttert. Was ist los in diesem Land? Ist die freiheitliche Selbstbestimmung heute nicht mehr in Mode? Alle links geworden?

    Ich sage nicht, dass die FDP heute wäöhlba rist. Ich verstehe die Umfragen mit nur noch 2 Prozent. Die Leute sehen: die FDP steht nicht mehr zu ihrem ureigenen Inhalt. Trotzdem! Kann man sich in einem krakenartigen Staat Deutschland wünschen, dass eine freiheitliche Partei untergeht?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service