AffäreUngereimtheiten über weiteres Wulff-Buch

Neue Vorwürfe gegen Christian Wulff: Er soll bei einem Buch-Projekt begünstigt worden sein und sich dafür möglicherweise erkenntlich gezeigt haben.

Die Finanzierung eines weiteren Buchprojekts könnte Christian Wulff in Bedrängnis bringen. Nach Recherchen von Spiegel Online soll ein Unternehmerfreund des damaligen Ministerpräsidenten Wulff dem Autor des Buches Christian Wulff – Deutschland kommt voran im Jahr 2005 mehrere Tausend Euro gezahlt haben. Damals stand das Projekt kurz vor dem Aus.

Der Autor, Karl Hugo Pruys, bestätigte Spiegel Online am Montag dieser Woche zunächst die Zahlung. Demnach habe der mit Wulff befreundete Filmproduzent David Groenewold ihm zusätzlich zu den Leistungen des Verlags ein Autorenhonorar von 10.000 Euro gezahlt. Er selbst habe Groenewold nur flüchtig gekannt, das Geld aber gerne angenommen, weil es sich um einen Freund von Wulff gehandelt habe.

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Das Geld sei zu einem guten Zeitpunkt gekommen, sagte Pruys gegenüber Spiegel Online. "Ich wollte schon fast aufhören, das Buchprojekt zu machen. Ohne Groenewolds Hilfe hätte ich es nicht geschafft", so Pruys. Wulff selbst habe er von seinen Finanzierungsproblemen zuvor aber nichts erzählt. Er sei lediglich über das Buchprojekt als solches informiert gewesen.

Laut Spiegel Online wirft der Fall mehrere Fragen auf. Auffällig sei vor allem, dass sich Wulff in dieser Zeit als Ministerpräsident stark für die Interessen der Filmbranche eingesetzt habe, in der auch Groenewold aktiv war. Wulff machte sich damals unter anderem für Steuerprivilegien für Fonds stark, die deutsche Filmproduktionen finanzierten – so wie es Groenewolds Medienfonds GFP tat.

Der Inhalt des Buchs – ein gut 200 Seiten starker Band – ist auffallend Wulff-freundlich. Unter anderem wird der Politiker als "aufsteigender Stern der deutschen Politik" und "Mann für jede Jahreszeit" bezeichnet. Auch Unternehmer Groenewold kommt darin zu Wort. Er bezeichnet seinen Freund Wulff als "charmant wie nur wenige Politiker" und als einen "Bullterrier, wenn die Interessen Niedersachsens auf dem Spiele stehen".

Pruys verweist auf "große Erinnerungslücken"

Autor Pruys widerspricht inzwischen den Angaben, die er noch am Montag gegenüber Spiegel Online gemacht hat. Den Angaben zufolge berief er sich während eines zweiten Gesprächs auf "große Erinnerungslücken". Es habe sich damals wohl nicht um eine Buchfinanzierung gehandelt, sondern vielmehr um Honorare für Kommunikationsberatungen, die er Groenewold geboten habe, sagte er.

Auch Groenewold widersprach der ersten Darstellung Pruys'. Durch seinen Anwalt ließ er mitteilen, dass die Zahlung ausschließlich für Pruys' textliche Überarbeitung von Unternehmensbroschüren geleistet worden sei. Darüber hinaus habe Pruys Groenewold in dieser Zeit als "Rhetorik-Coach" betreut.

Der Fall wirft erneut ein zweifelhaftes Licht auf die privaten Bekanntschaften des Bundespräsidenten. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass AWD-Gründer Carsten Maschmeyer eine Werbekampagne für den im niedersächsischen Landtagswahlkampf 2007 erschienenen Interviewband Besser die Wahrheit bezahlt hatte. Wulff will davon nichts gewusst haben.

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Leserkommentare
    • TomFynn
    • 10. Januar 2012 20:19 Uhr

    Vorausgesetzt man hat die richtigen Beziehungen, um das Astroturfing zu finanzieren.

    8 Leserempfehlungen
  1. Liebe Deutsche Presse,
    Lass Dich nicht beeinflussen. Weder von den schwarzen Schafen in Deinen eigenen Reihen, noch von dem schwarz rot goldenen Bundesadler und auch nicht von den goldenen Euro-Monstern aus dem Reich der Reichen.

    Lass Dich nicht irritieren. Nicht von Ablenkungsmanövern wie belanglosen Mitschnitten auf unwürdigen Anrufbeantwortern, 400 nichtssagenden Antworten und nicht von Stahlgewittern, die sich - wie seichte Diskussionen um schlechtes Krisenmanagement - auf Nebenkriegsschauplätzen tummeln.

    Focusiere Dich. Halte den Blendern den Spiegel vor. Nimm Dir Zeit für die Welt. Im Frankfurter Allgemeinen, wie im süddeutschen Speziellen.

    Geh' den Dingen auf den kühlen Grund. Führe saubere Rechergie im Bundesheimatfilm, aber singe weder die Volksweisen im Soapran noch die Königslieder im Falschset.
    Deine Tonart ist nicht Fies Murks.
    Zeige, was Ehre, Ethik und Ehrlichkeit ist. Vielleicht bist Du unsere letzte Hoffnumg.

    Ein Präsident hat die Pflicht zur Öffentlichkeit. Ein Scheck kein Recht auf Anonymität.

    Suche beharrlich nach den verborgenen Kreditgebern, sie haben Schulden bei allem was ehrlich ist.
    Sei nicht knausrig mit klaren Worten über die Nebelschwafler der heimlichen Spender.
    Finde die billigen Bleiben, aber selbst bleibe wertvoll in allem was Du sagst und schreibst.
    Hetzjagden nach Menschen sind entwürdigend. Hetzjagden nach der Wahrheit aller Mühen wert.

    Liebe Deutsche Presse,
    die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn Du aber sie beatmest, wird sie überleben.

    42 Leserempfehlungen
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    • fanta4
    • 10. Januar 2012 23:14 Uhr

    die ihren Job macht:

    "Auf einer Pressekonferenz stellte der Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel einen 100 Punkte umfassenden Fragenkatalog vor.

    Insbesondere wollen die Landtagsgrünen klären, ob es irgendeine Form von Gegenleistung der Landesregierung, von Mitgliedern der Landesregierung, vom Land insgesamt oder von Institutionen, die maßgeblichem Einfluss des Landes unterliegen für Sponsoring, Parteispenden, Anzeigen, kostenlose Urlaube etc. gab und damit ein Amtsbezug vorliegt."

    http://www.fraktion.gruen...

    • ingel
    • 10. Januar 2012 23:38 Uhr

    kein "Medienunser" schreiben können.

    Grandios, grandios!

  2. dass wir jetzt schon bei 2005(!) angekommen sind - die werden uns jetzt rückdatiert bis 1968 jeden Tag mit einem neuen unerhörten Skandalon zudröhnen

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    was dem Wohlfahrtsausschuss die Guillotine war und dem ZK der KPdSU der Rotgardist, muss bei uns die freie Presse sein.
    Die Demokratie braucht Wächter, sonst geht sie gnadenlos unter.
    Weiter so!

    Nun, wenn es da noch mehr Seltsames aufzudecken gibt, dann will ich doch schwer hoffen, dass das alles ans Licht kommt. Hier zeigt sich scheinbar, wie man in der Politik vorankommen kann und gleichzeitig einem Lebenststil frönen, den man sich eigentlich gar nicht leisten kann.

    Ich hoffe, dass jeder Gefallen ans Licht kommt, den Wulff gewährt, oder mitgenommen hat. So lange, bis auch solch obrigkeitsverliebte Menschen, wie Sie, den Sumpf sehen, der sich da auftut. Es geht hier schon lange nicht mehr um einen Freundschaftskredit. Es geht um ein "System Wulff" das so anrüchig ist, dass es mich fassungslos macht, das es hier Menschen gibt, die das immer noch als Privatsache verharmlosen.

    graphicdog

    • WiKa
    • 10. Januar 2012 20:25 Uhr

    Es wird bitter langweilig, die USA wird gerade zur Diktatur, der Iran soll überfallen werden, reichlich Schneefall, Naturkatastrophen, können wir nicht mal das Thema wechseln?

    Oder wir erweitern es auf die gut 600 Bundestagsabgeordneten, ihre Bankverbindungen, ihre Kredite und die seltsamen Zusammenhänge mit dem Abstimmungsverhalten zur Bankenrettung … da könnten wir erst ein Fass aufmachen. Schließlich wissen wir, dass 90 Prozent der Bevölkerung dagegen war aber 90 Prozent im Bundestag dafür gestimmt haben … eine seltene Diskrepanz die nach Aufklärung schreit, da sollte sich Wulff jetzt mal an die Spitze der Bewegung setzen … hier die Spitze dazu, damit der Skandal nicht so einseitig bleibt, was für ein Elend:

    http://qpress.de/2011/12/...

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    ... ist genau das, worauf unser werter Herr BP spekuliert.
    Mehr noch, bereits seinen Mitarbeitern orakelt:
    Zitat Zitat Ende.

    Kontinuierlich unredliches Verhalten, welches offensichtlich bereit früh begonnen hat.

    • kfmb
    • 10. Januar 2012 20:26 Uhr

    andauernd etwas über Wulff zu lesen. An Stelle dieser unsäglich dummen Geschichte, sollte etwas über Griechenlands Pläne geschrieben werden, für mehrere Milliarden aufzurüsten. Warum wird da nicht recherchiert.

    Bekommen die Griechen die Milliarden aus dem Fonds etwa nur mit Gegenleistung bzw. gibt es politische (deutsche/europäische) Vergaben, wofür das Geld in Griechenland ausgegeben werden soll?

    Warum sind es gerade diese Geschichten, die einen halben Nachmittag online und dann völlig von der Bildfläche verschwunden sind?

    Hört auf mit Wulff. Es ist tatsächlich alles gesagt. Niemand wird ihm mehr zuhören. Lasst ihn doch auf seinem Präsidentenessel hocken. Sollen ihn doch die Diplomaten hofieren.

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    Sie vergessen ganz, dass zum Finanzdeseaster eben das entsprechende gekaufte politische Personal gehört, das die "Märkte" und die dort tätigen Akteure von der Leine gelassen hat. Der Fall Wulff und die vielfältigen gravierenden Probleme, mit denen wir es im aktuellen Casino-Capitalismus zu tun haben, gehören zusammen.

    Es ist nicht genug! Ich möchte an dieser Position ein Vorbild und keinen kuruppten sitzen haben!
    Was habe ich da denn für einen Menschen sitzen, der die Fehler zugibt, aber die Konsequenzen nicht zieht?
    Ich habe einen Kleinkrimminellen, der Deutschland in der Öffentlichkeit presentiert und als Cloun im Ausland, weil die wohl wissen was in Deutschland läuft! Der schadet unserem Ansehen mehr wie man zu glauben mag und jedes Video was ich sehe(Nachrichten), da frage ich mich, wieso verweigern sich die Leute auf den Empfängen nicht seiner Gesellschaft???? Deutschlands Eliten verblööden auch schon?

    • joG
    • 11. Januar 2012 8:07 Uhr

    ...., dass es schoen waere, wenn man zuverlaessige politische und rechtliche institutionen haette und man is her waere, dass man sich nun Anderem zuwenden koennte. leider ist das nicht die Erfahrung.

    • S0T86
    • 10. Januar 2012 20:26 Uhr

    Die Medien sollten an der Sache dranbleiben. Schließlich geht es darum, Fakten aufzudecken.

    In den letzten Tag kommen viel zu viele Apologisten zu Wort, die die Affäiren des Präsidenten gerne unter den Teppich gekehrt haben möchten.

    Medien sollten sich der Wahrheit verpflichtet fühlen und keinen Stimmungen. Deswegen ist es richtig, dass Wulffs Leben kritisch beäugt wird. Niemand möchte einen möglicherweise korrupten Präsidenten haben.

    Insofern wollte man die zynischen Stimmen nicht akzeptieren, die relativ unaufgeklärt das Ende der Debatte fordern. Eine Debatte ist zuende, wenn es nichts mehr zu sagen gibt. Aber offenbar ist noch nicht alles gesagt.

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    • TDU
    • 10. Januar 2012 20:37 Uhr

    Bei Manchen wird gar nichts gesagt. Da kann also auch nichts aufhören und das geht dann immer weiter. Gleichbehandlung pur.

    • WiKa
    • 10. Januar 2012 20:40 Uhr

    … nur bleibt dabei zu viel anderer Dreck liegen um den sich die Journalie jetzt nicht mehr kümmert, oder ist das der Plan? Darüber hinaus diskreditiert sich die „Vierte Gewalt“ durch die Intensität und teils durch die Absurdität dessen was sie da aufbläst selbst … und das wiederum verzerrt die Pressefreiheit weil diese jetzt Gefahr läuft, dass teils hirnlose Hetze unter eben diesem Prädikat und Deckmantel hoffähig wird. Mäßigung und dranbleiben wäre richtig, denn so sieht es nur nach einer reinen Kraftmeierei und Machtprobe zwischen zwei Institutionen aus, dass ist der Beigeschmack der bemängelt wird.

  3. Keep ON Wulffing!

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  4. was dem Wohlfahrtsausschuss die Guillotine war und dem ZK der KPdSU der Rotgardist, muss bei uns die freie Presse sein.
    Die Demokratie braucht Wächter, sonst geht sie gnadenlos unter.
    Weiter so!

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    Vorratsdatensammler - 2005 archiviert, mal sehen wozu mans nochmal brauchen kann

    Sie sagen es, "deri punkt partei":
    GNADENLOS wird die Demokratie untergehen.
    In der heutigen Informationsgesellschaft lassen derart viel Informationen gewinnen, dass mit gnadenlosen Umgang damit,
    kein Politiker, auf den es die Medien abgesehen haben, länger als ein paar Monate im Amt bliebe. Ob es dann einen Adenauer, Kiesinger, Erhardt, Brandt, Schmidt oder Kohl gegeben hätte?
    Je mehr in Kürze fallen, desto weniger wollen sich doch die verbliebenen exponieren in der Angst, ebenfalls aus Korn genommen zu werden.
    Niemand von uns ist ohne Schuld. Ist das bei der Presse anders, werfe sie den ersten Stein.
    Wer erklärt mir das Phänomen, dass noch nie ein Journalist auf den heissen Stuhl musste?
    Ist doch interessant...Irgendwie können die alle aus mehr oder weniger Anonymität operieren.
    Oder sollte die Antwort einfach lauten: die Journalisten sind die wahren Potentaten der Gegenwart.
    Question: "where does a 300 Pound Gorilla shit?"
    Answer: "Where HE chooses to do so!"
    Haben wir die neue Mediendiktatur schon?
    Gleichzeitig mit Wulff erleben wir bei weitaus brisanteren, jedoch für die Presse durchaus gefährlicheren Terrains ausgedehntes Schweigen im Blätterwald. Da ist von 3000 sog. "Ehrenverbrechen" allein in Grossbritannien im Jahr 2011
    z.B. keine Rede.

    http://ikwro.org.uk/2011/...

    Man bekommt eine Ahnung, warum...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Christian Wulff | David Groenewold | Carsten Maschmeyer | Filmproduktion | Spiegel | Werbekampagne
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