Die Rheinische Post sieht Wulff nach Bekanntwerdens des Drohanrufs bei Springer in der Bedrängnis. "Inzwischen geht es tatsächlich darum, ob das Ende seiner Amtszeit erst Ende Juni 2015 gekommen ist. Oder Ende dieser Woche." Seit Mitte Dezember wiederhole sich der bedenkliche Vorgang, dass die  Wogen nach jeder scheinbaren Beruhigung um die Hauskreditaffäre wenig später umso höher schlagen, analysiert die Zeitung. Der Rheinischen Post zufolge liegt es jetzt an Wulff zu handeln: "Wer mit der Bild -Zeitung im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten." Den Knopf nach oben bzw. unten habe Wulff selbst verwechselt. "Ob er die Fahrtrichtung korrigieren kann, bevor er ganz unten angekommen ist, hatte und hat er selbst in der Hand."

Die Stuttgarter Zeitung versteht Wulff nicht mehr: Mit jedem neuen Detail, das über die Amigo-Affäre des Bundespräsidenten ans Tageslicht komme, werde es schwerer Christian Wulff zu verstehen und was diesen Mann eigentlich umtreibe. "Wulffs Verteidigungsstrategie erweckte von Anfang an den Verdacht, er bedauere und räume nur gerade das ein, was ohnehin nicht mehr zu leugnen ist. Sein Krisenmanagement ist stümperhaft, ja geradezu katastrophal. Es offenbart zudem ein höchst problematisches Amtsverständnis."

Die Süddeutsche Zeitung hält das Amt des Bundespräsidenten für Christian Wulff inzwischen für zu groß. Und erinnert daran: "Er ist nicht der Landrat von Osnabrück und auch nicht mehr Ministerpräsident von Niedersachsen , sondern das Oberhaupt des Staates." Die Mischung aus Naivität und Dreistigkeit, mit der Wulff agiert habe, bestürze. "Die Sicherungen, die bei einem Präsidenten im Falle einer – politischen wie privaten – Krise funktionieren sollten, funktionieren bei ihm nicht."

Auch die Berliner Morgenpost hält Wulffs Verhalten längst nicht mehr für angemessen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Politiker bei Chefredakteuren anrufen, schreibt das Blatt. "Die Ängstlichen betteln um Gnade, die Coolen fragen, ob sie Details beisteuern dürfen, die Abgebrühten erinnern an gemeinsame Ausflüge. Drohungen stoßen nur die Unsouveränen aus. Und die wirklich Ungeschickten schimpfen auf die Mailbox, wofür jeder Journalist dankbar niederkniet."

Der eigentlich bemerkenswerte Vorgang in der Wulff-Affäre sei aber ein anderer: "Christian Wulff hat nicht  ein-, sondern zweimal in der Chefredaktion von Bild angerufen. Zuerst meckerte er, dann "meldete er sich erneut, nun aber als ein ganz anderer Wulff, gleichsam im Schafspelz, der sich entschuldigte und seinen Respekt für die Freiheit der Medien kundtat." Die Berliner Morgenpost fragt: Welcher ist nun der echte Wulff? Die Zeitung sieht ihn inzwischen als "doppelten Präsidenten" der hinter den Kulissen ein "tapsiges, wenngleich eiskaltes Machtspiel spielt", während es auf der Bühne vor lauter Miteinander und Verständnis nur so menschele. Die Morgenpost attestiert Wulffs Verhalten "systemische Züge". Der Bundespräsident sei nun "gefangen zwischen einer unberechenbaren Vergangenheit" und den aktuellen "Eseleien". Wulff ist dem Urteil der Zeitung zufolge ein Getriebener und nicht mehr handlungsfähig.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sich Wulffs frühere Bekenntnisse zur Pressefreiheit angeschaut, in den vergangenen Wochen habe er dreimal von der Pressefreiheit gesprochen: Das erste Mal tat er es in Katar ; zum zweiten Mal, als er kurz vor Weihnachten eine Erklärung in eigener Sache abgab; zuletzt gestern, nachdem Berichte über eine ausführliche Nachricht erschienen waren, die Wulff auf der Mailbox des Bild -Chefredakteurs Diekmann hinterlassen hat, kurz nachdem er am Golf über die Bedeutung der Pressefreiheit gesprochen hatte. Was über Wulffs Äußerungen in diesem Anruf kursiere, passe zu den öffentlichen Bekenntnissen freilich so wenig wie die Finanzierung eines Hauskaufs mittels eines rollierenden Geldmarktdarlehens zur schwäbischen Hausfrau. Es passe nur zu einem Staatsoberhaupt, das von allen guten Geistern verlassen worden sei.

Die Leipziger Volkszeitung versucht sich Wulffs Verhalten immer noch zu erklären und spekuliert: "Vielleicht hat Christian Wulff auch mit noch Schlimmerem bei Bild gerechnet - und es wurde dann zunächst doch nur eine lästige Kreditaffäre publik?" Das entschuldigt für die Leipziger Volkszeitung jedoch nicht das Verhalten des Bundespräsidenten: "Manches macht man nicht. Wir brauchen einen Bundespräsidenten, der weiß, was wichtig ist und der relativ instinktsicher agiert. So wie jetzt geht es nicht weiter."


Der Bremer Weser-Kurier will sich Wulffs Verhalten hingegen nicht mehr erklären, die Zeitung hält den Mann für so gut wie erledigt. "Diese Schmierenkomödie mögen nun auch jene nicht mehr sehen, welche die "Bild"-Zeitung hassen und Wulff zugestehen, wenigstens zu Integration und Religion ein paar kluge Sätze gesagt zu haben. Es ist der Zeitung zufolge nur noch eine Frage der Zeit bis auch die Union auf Distanz geht: "Wer mag dem Mann noch zuhören, wer will ihn noch ernst nehmen? Irgendwann wird auch die Kanzlerin kühl kalkulieren, dass sein Verbleiben im Amt ihr und dem Land mehr schadet als ein zweiter Präsidentenrücktritt."