Bayern Linkspartei sieht sich Berufsverboten ausgesetzt

Wer in den bayerischen Öffentlichen Dienst will, darf keiner extremistischen Organisation angehören. Weil die Linke dazu zählt, kritisiert Parteichef Ernst diese Praxis.

Linkspartei-Chef Klaus Ernst hat dem Freistaat Bayern eine "Berufsverbotspraxis" gegen unliebsame politische Konkurrenten vorgeworfen. Die von der Verfassung geschützte Berufsfreiheit werde eingeschränkt, sagte Ernst der Mitteldeutschen Zeitung.

Anlass für den Vorwurf ist eine in Bayern übliche Praxis bei der Einstellung von Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes. Diese müssen eine Erklärung unterzeichnen, in der es unter anderem heißt: "Mit dieser Verpflichtung des Beamten ist insbesondere unvereinbar jede Verbindung mit einer Partei, Vereinigung oder Einrichtung, die die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung ablehnt oder bekämpft." Dieser Erklärung liegt ein Verzeichnis extremistischer oder extremistisch beeinflusster Organisationen bei. In der Rubrik "Linksextremismus" findet sich – neben anderen Gruppierungen – auch die Linkspartei.

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Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verteidigte diese Praxis. "Es ist richtig und notwendig, bei einem Mitglied der Linkspartei, das sich für den Staatsdienst bewirbt, genau hinzuschauen." Verfassungsfeinde dürften bei den Staatsdienern nicht geduldet werden. "Kann ein Bewerber entsprechende Zweifel nicht ausräumen, kommt eine Einstellung auch nicht in Betracht", sagte Herrmann.

Eine Einstellung von Mitgliedern der Linkspartei sei nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Bei großen Teilen der Mitglieder der Linken seien aber erhebliche Zweifel angebracht, ob diese Verfassungstreue gewährleistet sei. Teile der Linken stellten das Recht auf Privateigentum infrage, andere pflegten den Kontakt zur kurdischen Terrororganisation PKK.

Haseloff kritisiert Linkspartei

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat Zweifel an der Verfassungstreue der Linkspartei. Er sehe Klärungsbedarf auf allen Ebenen, sagte er. Das betreffe die Forderung nach einem Systemwechsel, die Aktivität innerparteilicher Gruppen wie der Kommunistischen Plattform, die Kontaktpflege einzelner Abgeordneter zu Diktaturen in aller Welt und zu gewaltnahen linksextremistischen Gruppen in Deutschland.

Mit Blick auf die Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz und ein von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ins Spiel gebrachte Verbotsverfahren sagte Haseloff: "Es liegt also in der Hand der Partei Die Linke selbst, wie sich die Debatte weiterentwickelt."
 

 
Leser-Kommentare
  1. Ich finde es befremdlich, daß laut diesem Artikel Herr Ernst eher etwas gegen die Praxis keine Anhänger extremistischer Gruppierungen einstellen zu wollen, hat, als dagegen, daß seine Partei in Bayern als solch eine extremistische Gruppierung angesehen wird. Muss man sich Sorgen machen?

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    Das ist verständlich, schließlich definieren die Gerichte, was Extremismus im konkreten Fall ist und nicht irgendwelche Verwaltungs-Hanseln.

    • joG
    • 31.01.2012 um 21:08 Uhr

    ...wenn Abgeordnete von Verfassungsschutz verfolgt und Mitglieder einer legalen Partei staatlich ausgegrenzt wurden. Noch mehr Sorgen müsste man haben, wenn die Bevölkerung ihren Politikern das durchgehen liese. Eine Minderheit staatlich zu unterdrücken und zu bedrohen, weil sie eine andere Meinung hat als die Machthaber ist nämlich ziemlich undemokratisch, ein grober Bruch allgemeiner rechtsanwendung und nach mancher Definition rassistisch.

    • Elite7
    • 31.01.2012 um 22:41 Uhr

    Auch in der FDP und der CDU. Aber die sind natürlich nicht verfassungsfeindlich. Hört man nur ständig in den Nachrichten, dass das neue Gesetz mal wieder nicht verfassungsfest sei.

    Das ist verständlich, schließlich definieren die Gerichte, was Extremismus im konkreten Fall ist und nicht irgendwelche Verwaltungs-Hanseln.

    • joG
    • 31.01.2012 um 21:08 Uhr

    ...wenn Abgeordnete von Verfassungsschutz verfolgt und Mitglieder einer legalen Partei staatlich ausgegrenzt wurden. Noch mehr Sorgen müsste man haben, wenn die Bevölkerung ihren Politikern das durchgehen liese. Eine Minderheit staatlich zu unterdrücken und zu bedrohen, weil sie eine andere Meinung hat als die Machthaber ist nämlich ziemlich undemokratisch, ein grober Bruch allgemeiner rechtsanwendung und nach mancher Definition rassistisch.

    • Elite7
    • 31.01.2012 um 22:41 Uhr

    Auch in der FDP und der CDU. Aber die sind natürlich nicht verfassungsfeindlich. Hört man nur ständig in den Nachrichten, dass das neue Gesetz mal wieder nicht verfassungsfest sei.

  2. Die CSU scheint sich in Bayern als Staatspartei zu sehen, die andere Parteien nach gut Dünken rechte zubilligen oder entziehen kann. Das sind genau die Methoden die am realexistierenden Sozialismus zurecht kritisiert werden.

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  3. kommen einige Wirrköpfe auf die Idee, die Linken verbieten zu wollen. Nachvollziehbare Gründe wurden bisher nicht geliefert. Wenn sich die Partei als insgesamt verfassungsfeindlich herausstellen sollte, wäre ich ja noch dabei, jedoch lehne ich es ab, verspinnerte Utopien einzelner Mitglieder der Linken in den Rang der Verfassungsfeindlichkeit zu erheben. Außerdem plagen uns doch eher die tatsächlichen Verfassungsfeinde vom rechten Rand. Dort ist für ein Parteiverbot doch offensichtlich eher etwas zu finden. Bei den Linken finde ich es hingegen lächerlich, die "Alle Wege führen nach Moskau" - Angst aus der Adenauerära wiederzubeleben. Sogar total lächerlich!

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  4. Vor allem Abs. 2 ist interessant, denn der erlaubt es, auch unseren oberen 10.000 mal gehörig in die Taschen zu greifen, um damit für die Allgemeinheit dienliche Sachen zu finanzieren. Seltsamerweise traut sich dies unsere Regierung nicht.

    22 Leser-Empfehlungen
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    Das die meisten wenn nicht alle ohnehin zu den "oberen 10000" gehören

    Das die meisten wenn nicht alle ohnehin zu den "oberen 10000" gehören

    • Marone
    • 31.01.2012 um 20:12 Uhr

    Haseloff: "Es liegt also in der Hand der Partei Die Linke selbst, wie sich die Debatte weiterentwickelt."

    Wenn sie keinen kurzen Rock getragen hätte, dann wäre sie auch nicht vergewaltigt worden.

    22 Leser-Empfehlungen
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    ... vielleicht sollten Sie in der Verhöhnung der Opfer von Vergewaltigungen etwas zurückfahren?

    ... vielleicht sollten Sie in der Verhöhnung der Opfer von Vergewaltigungen etwas zurückfahren?

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