Verfassungsschutz Gysi will über Linken-Beobachtung abstimmen lassen

Ob Linke vom Verfassungsschutz beobachtet werden dürfen, soll nach dem Willen ihres Fraktionschefs der Bundestag beschließen. Die Spitzel-Debatte spaltet Schwarz-Gelb.

Der Bundestag soll nach Auffassung der Linkspartei entscheiden, ob die Beobachtung von 27 ihrer Abgeordneten durch den Verfassungsschutz fortgesetzt werden soll. Man werde einen entsprechenden Antrag stellen, sagte Linke-Fraktionschef Gregor Gysi. "Es ist jetzt an der Zeit, diesen Spuk zu beenden."

Während Linke-Politiker beobachtet würden, habe das Bundesamt für Verfassungsschutz die Taten der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund nicht auf dem Schirm gehabt. Gysi: "Das ist ein Pfeifenverein sondergleichen. Der sollte sich auflösen."

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Gysi verwies auf die auffallend hohe Zahl an beobachteten Linke-Politikern aus Ostdeutschland, die teils schon seit den neunziger Jahren im Visier des Verfassungsschutzes stünden. "Die stecken noch mitten im Kalten Krieg", sagte der Fraktionschef über den Dienst. "Denen hat keiner gesagt, dass es die DDR nicht mehr gibt." Die Überwachung sei eine Unverschämtheit. Zudem hätten Menschen Angst, dass in Sprechstunden bei Abgeordneten etwas mitgeschnitten werden könnte.

Bundesinnenminister Friedrich (CSU) warf Gysi ein krudes Demokratieverständnis vor, weil er die Linke in eine Reihe mit der NPD gestellt habe. "Der politisch Verantwortliche für die Geheimdienste in diesem Land folgt einem kruden undemokratischen Politik- und Verfassungsverständnis, das den Bismarckschen Sozialistengesetzen sehr nahe und den demokratischem und sozialen Rechtsstaat sehr fern steht", so Gysi.

In der Bundesregierung sorgten die Berichte zu den Beobachtungen für Unruhe – das Thema spaltet die Regierungskoalition. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bezeichnete es als "unerträglich", wenn frei gewählte Abgeordnete von den Verfassungsschützern beobachtet würden. "Die Arbeit von frei gewählten Bundestagsabgeordneten darf nicht durch den Verfassungsschutz beeinträchtigt werden", sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Nach den Pannen um die rechtsextreme Neonazi-Zelle solle der Verfassungsschutz seine Arbeit und seine Schwerpunkte überdenken. 

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) widersprach seiner Kabinettskollegin und verteidigte das Vorgehen des Verfassungsschutzes. Es gebe eine "Reihe von Hinweisen" darauf, dass es in der Linkspartei verfassungsfeindliche Tendenzen gebe, sagte der Minister. Deshalb müsse der Verfassungsschutz "zumindest darüber berichten". Das gelte insbesondere für Führungsmitglieder der Partei. Es sei "einigermaßen abwegig", wenn Leutheusser-Schnarrenberger ein Ende der Beobachtung von Abgeordneten fordere.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt verlangte, die Beobachtung der Linksfraktion noch auszuweiten. Die Beobachtung "gehört intensiviert statt reduziert", sagte Dobrindt der Passauer Neuen Presse. Es stelle sich die Frage, warum nicht die gesamte Bundestagsfraktion beobachtet werde. Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) bezeichnete es als "schwer erträglich", dass Leutheusser-Schnarrenberger "das gesetzmäßige Vorgehen im Geschäftsbereich ihres Kollegen so kritisiert".

Innenminister Friedrich sagte auch, die Parteispitze des Linkspartei werde beobachtet, aber nicht überwacht. Es gehe also um die Auswertung von Reden und Schriften, aber nicht um geheimdienstliche Mittel.  Das sagte auch ein Ministeriumssprecher. Linksfraktionschef Gregor Gysi hat dem Verfassungsschutz vorgeworfen, ihn mit geheimdienstlichen Methoden überwacht zu haben. Ein Beleg dafür sei, dass in Verfassungsschutz-Akten über ihn, die er eingesehen habe, Stellen geschwärzt worden seien.

 
Leser-Kommentare
    • SuR_LK
    • 24.01.2012 um 16:59 Uhr

    der VS sollte seine Bobachtung auf alle Parteien im Bundestag ausdehnen, immerhin ist der Eid vom Amtsantritt in Gefahr wenn ich so in die Gesetzestexte vom ESM schaue. Allerdings ist das natürlich nun ein feines Thema um von der Euro-EU Thematik abzulenken :)

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    Linksextremismus oder Rechtsextremismus, egal welcher Coleur, beides muss beobachtet werden. Der Verfassungsschutz sollte da keinen Unterschied machen und jegliche Art von Extremismus und Terrorismus beobachten und nachgehen. Auch die Méinungsmacher, Politiker und Bürger sollten generell den Oberbegriff "Extremismus" verwenden, denn Extremismus gibt es überall. Es erübrigt sich dann, daß Politiker ständig mit dem Finger auf die andere Partei zeigen.

    Das ist meine persönliche Sichtweise.

    Linksextremismus oder Rechtsextremismus, egal welcher Coleur, beides muss beobachtet werden. Der Verfassungsschutz sollte da keinen Unterschied machen und jegliche Art von Extremismus und Terrorismus beobachten und nachgehen. Auch die Méinungsmacher, Politiker und Bürger sollten generell den Oberbegriff "Extremismus" verwenden, denn Extremismus gibt es überall. Es erübrigt sich dann, daß Politiker ständig mit dem Finger auf die andere Partei zeigen.

    Das ist meine persönliche Sichtweise.

  1. dem Gysi nur zustimmen.

    Ein Unding sondergleichen.

    Ich frage mich erneut wieso die Linke so stark unter Beobachtung steht wohingegen die CSU mit ihren klar verfassungsfeindlichen und gefährlichen Gedanken nicht beobachtet wird (zumindest nicht soweit mir bekannt). Ich erinnere hier wieder an die 2 Promille und die Fahrtüchtigkeit. Wie irrational die sich z. B. in Sachen Videospielen verhalten ist auch eine Sache für sich. Und dann die Vorratsdatenspeicherung aka Abschaffung der Unschuldsvermutung.

    Pfeifenverein wer sowas nicht beachtet.

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    Stichwort: Erika Steinbach, zwar CDU aber egal.

    Hätten Personen aus anderen Parteien sich so verhalten wäre ein riesen Fass aufgemacht worden.

    Stichwort: Erika Steinbach, zwar CDU aber egal.

    Hätten Personen aus anderen Parteien sich so verhalten wäre ein riesen Fass aufgemacht worden.

  2. ist ja nun nachweislich das Innenministerium. Wie oft musste das BVerG Angriffe aus diesem Ministerium in den letzten Jahren abwehren? Friedrich bitte Friedrich überwachen lassen!

    Mal ehrlich - wer sollte hier wen kontrollieren - die Regierung den Geheimdienst oder andersherum?

    14 Leser-Empfehlungen
  3. werde ich die Linken wählen.

    Ansonsten ist eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz absoluter Blödsinn. Die Linke ist demokratischer als die gesamte FDPCxU u. Teile der SPD.

    15 Leser-Empfehlungen
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    • bugme
    • 24.01.2012 um 18:58 Uhr

    Sie bagatellisiert das, was die SED und die Stasi der ehemaligen DDR angetan haben.

    Nichtsdestotrotz erwarte ich eine Klärung, wie oft und lange wer aus dem Bundestag überwacht wird/wurde und aus welchem Grund (welche Daten wurden gesammelt, wer hat sie bekommen und welche Verbrechen konnten verhindert werden).

    • bugme
    • 24.01.2012 um 18:58 Uhr

    Sie bagatellisiert das, was die SED und die Stasi der ehemaligen DDR angetan haben.

    Nichtsdestotrotz erwarte ich eine Klärung, wie oft und lange wer aus dem Bundestag überwacht wird/wurde und aus welchem Grund (welche Daten wurden gesammelt, wer hat sie bekommen und welche Verbrechen konnten verhindert werden).

  4. Wärend bei den Einen noch vor der Untersuchung feststeht, dass kein Anfangsverdacht vorhanden ist, wird bei den Anderen verzweifelt nach einem gesucht.

    Der Verfassungsschutz scheint auch nur noch ein Instrument der Regierung zu sein, um die Opposition zu diffamieren und eigene Personen zu schützen.

    13 Leser-Empfehlungen
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    Unsere wahre Bedrohung sitzt u.a. in der CDU, meine Güte: wie verlogen das alles ist.
    Hier der kurze Film zu den CDU-Nazis, das muss man sich mal anhören... sakradi
    http://www.youtube.com/wa...

    Unsere wahre Bedrohung sitzt u.a. in der CDU, meine Güte: wie verlogen das alles ist.
    Hier der kurze Film zu den CDU-Nazis, das muss man sich mal anhören... sakradi
    http://www.youtube.com/wa...

    • WiKa
    • 24.01.2012 um 17:19 Uhr

    … da können die ach so demokratischen Parteien mal unter Beweis stellen wie ernst sie es mit ihren Prinzipien meinen. Vielleicht kommt ja am Ende ein Bekenntnis zum neuen Überwachungsstaat dabei heraus. Unter Merkel dann vielleicht doch noch eine Stasi 2.0, weil es so schön war und die Erinnerungen einfach nicht verblassen wollen? Auf diese Abstimmung (so unter Kollegen) sollte man sich jedenfalls freuen, bringt ein wenig Stimmung in die Bude, gut gemacht Gysi … (°!°)

    • vonDü
    • 24.01.2012 um 17:22 Uhr

    Die CSU meint: Der Feind steht links!

    Dobrindt legt nach und es hat den Anschein, als ob die CSU versucht, mit einer Neuauflage des Images vom "Kommunistenfresser" zu punkten. Nur bei wem? Lockt man in Bayern mit so etwas wirklich noch jemand an die Wahlurne oder in die Partei? Kann ich mir nicht vorstellen.

    Oder ist es ein Entlastungsangriff für Wulff und die CSU macht den Prügelknaben? Vom Titel verdrängt haben sie ihn schon.

    Erst finanzieren wir den halben Mitarbeiterstab der NPD ohne brauchbares Ergebnis und jetzt noch das Sammeln von Zeitungsausschnitten und anderem öffentlichen Infomaterial über linke Abgeordnete? Ich nenne das Veruntreuung von Steuergeldern, weil kein Sinn und kein Nutzen für die Öffentlichkeit dahinter steckt.

    18 Leser-Empfehlungen
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    ist mir extrem suspekt. Was der schon von sich losgelassen hat...

    ist mir extrem suspekt. Was der schon von sich losgelassen hat...

  5. Unsere wahre Bedrohung sitzt u.a. in der CDU, meine Güte: wie verlogen das alles ist.
    Hier der kurze Film zu den CDU-Nazis, das muss man sich mal anhören... sakradi
    http://www.youtube.com/wa...

    Antwort auf "Anfangsverdacht"

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