Parteien Die Linke beobachtet sich selbst

Im bayerischen Landeverband der Linken sorgt ein anonym verfasstes Dossier für Aufregung. Es fordert dazu auf, unliebsame Parteifreunde zu denunzieren und zu mobben.

Die beiden Vorsitzenden der Linken, Klaus Ernst und Gesine Lötzsch

Die beiden Vorsitzenden der Linken, Klaus Ernst und Gesine Lötzsch

Im bayerischen Landesverband der Linken kursiert ein Dossier über innerparteiliche Gegner, das selbst der Bundesvorsitzenden Gesine Lötzsch die Sprache verschlägt. Offenkundig von Insidern verfasst, enthält es nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung auf vier Seiten Ratschläge, wie unliebsame Parteifreunde durch gezieltes Mobbing, Indiskretion oder sonstige Denunziation mundtot gemacht oder ganz aus der Partei gedrängt werden könnten.

So heißt es über ein Mitglied, das unter Burn-out-Syndrom leidet, man solle es öffentlich lächerlich machen, seine "ausländische Herkunft immer wieder in Erinnerung rufen." Die Bundestagsabgeordnete Kornelia Möller solle als "Lügnerin und Intrigantin" gebrandmarkt werden, die Münchener Stadträtin Dagmar Henn als "unsympathisch und hässlich".

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Lötzsch war am Montag gerade dabei, auf einer Pressekonferenz die Beobachtung diverser Mitglieder der Bundestagsfraktion durch den Verfassungsschutz zu kritisieren, als sie auf das Dossier angesprochen wurde, in dem Parteifreunde sich gegenseitig beobachten. "Da muss erst einmal die Quelle geklärt werden", sagte Lötzsch, der nur die im Internet kursierende Fassung vorliegt, in der Namen geschwärzt und Passagen gekürzt sind. Tatsächlich ist der Urheber des Dossiers nach wie vor unbekannt.

Auch im Büro ihres Ko-Vorsitzenden Klaus Ernst will man das Papier nicht kennen. Dabei ist es aus der Perspektive des von ihm angeführten Gewerkschaftsflügels und gegen die Parteilinke geschrieben. Explizit als "Gegenkraft" genannt wird die Antikapitalistische Linke, gegen die man allerdings nicht zu offensiv vorgehen solle, da sie sich durch Inkompetenz schon selbst desavouiere. "Gelegentlich sollte man sich auf Parteiversammlungen über sie belustigen und bei Parteitagen vor allem deren weniger begabten und beliebten Mitgliedern Zeit zum Reden einräumen."

Unliebsame Kreisverbände lahmlegen

Der widerspenstige Jugendverband Solid hingegen, in dem sich basisdemokratische Formen durchgesetzt haben, solle "isoliert werden", seine Sprecherin mit "unangenehmen Aufgaben zugeschüttet" werden, "bis sie aufgibt". Bei Solid versuche man nämlich, "antipopulistische Positionen" in der Partei zu etablieren und sogar das "Abgleiten in antideutsche Positionen" zu fördern. Wo irgend möglich sollten, wenn die Stimmung weit genug gediehen sei, dem Jugendverband durch Satzungsänderung Mandate aberkannt werden.

Unliebsame Kreisverbände sollen durch das Schüren interner Spannungen, durch finanzielle und organisatorische Maßnahmen lahm gelegt werden. Worte wie "Pluralismus", so das Papier, sollten immer mit "Anbiederung an die SPD" übersetzt werden, "Basisdemokratie" mit "organisatorischer Unfähigkeit". 

Der Augsburger Bundestagsabgeordnete Alexander Süßmair hat seinen Namen mit Schrecken in dem Papier gelesen. Er will nun klären, wo es herkommt. Aber eines weiß er jetzt schon. "Das ist wirklich hässlich und widerlich".

 
Leser-Kommentare
  1. "ausländische Herkunft immer wieder in Erinnerung"

    das was ewig geleugnet wurde wird offentlich. Die Linke hat rechtsextreme Tendenzen.

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    Sie meinten sicher "zu munitionieren". Deshalb auch der militärisch-autoritäre Sprachgebrauch in dem Papier. Der VS hats eben einfach nicht drauf anständige Fälschungen in Umlauf zu bringen, selbst wenn das Papier, wie im Artikel richtig angemerkt "offenkundig von Insidern verfasst" ist. Natürlich ist es das oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass nur die Bundestagsabgeordneten unter Beobachtung stehen und nicht auch die Landesverbände? Dieses Papier ist doch der älteste Hut der Schlapphüte:

    [...]

    Die Partei ist gut beraten, solchen Mist unbeachtet rechts liegen zu lassen und weiterhin ihre inhaltlichen Vorstellungen zu verbreiten, wenn man denn schon in den Schlagzeilen ist.

    Gekürzt. Bitte verzichten auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Sie meinten sicher "zu munitionieren". Deshalb auch der militärisch-autoritäre Sprachgebrauch in dem Papier. Der VS hats eben einfach nicht drauf anständige Fälschungen in Umlauf zu bringen, selbst wenn das Papier, wie im Artikel richtig angemerkt "offenkundig von Insidern verfasst" ist. Natürlich ist es das oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass nur die Bundestagsabgeordneten unter Beobachtung stehen und nicht auch die Landesverbände? Dieses Papier ist doch der älteste Hut der Schlapphüte:

    [...]

    Die Partei ist gut beraten, solchen Mist unbeachtet rechts liegen zu lassen und weiterhin ihre inhaltlichen Vorstellungen zu verbreiten, wenn man denn schon in den Schlagzeilen ist.

    Gekürzt. Bitte verzichten auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    • Lutz2
    • 24.01.2012 um 13:08 Uhr

    Also so billig und naiv oder absichtlich genau so wie hier berichtet wird.
    Mann es ist dem Verfassungsschutz oder dem BND oder einer anderen deutschenGeheimdienstorganistion doch ein leichtes so ein Ding der Linken unterzujubeln.

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    Klar, der LINKEN wird alles untergejubelt. Mit einer rosaroten Brille kann man auch diese Perspektive schaffen.

    Die SED war ja auch eine pazifistische Partei: Dafür hat sie STASI-Gefängnisse gebraucht und das Massaker auf dem "Platz des Himmlichen Friedens" in Peking gut geheißen.

    Klar, der LINKEN wird alles untergejubelt. Mit einer rosaroten Brille kann man auch diese Perspektive schaffen.

    Die SED war ja auch eine pazifistische Partei: Dafür hat sie STASI-Gefängnisse gebraucht und das Massaker auf dem "Platz des Himmlichen Friedens" in Peking gut geheißen.

  2. ... häßlich und widerlich, und die Frage von Herrn Süßmair, wo das herkommt, kann sehr einfach beantwortet werden: es stand in der ZEIT.
    Ob das Ablenkungsmanöver aber ausreichend ist, uns vergessen zu lassen, daß ein sogenannter Verfassungsschutz (der die wirklich Mächtigen in dieser Republik vor der Verfassung schützt) Artikel 46 unseres Grundgesetzes umgeht, darf dann doch wohl bezweifelt werde.

  3. wohlbekannt. Die Linke hat wohl für das Gebiet noch ein paar Profis in ihren Reihen.

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    Wie im Artikel nachzulesen ist scheint das Papier aus der Feder des gewerkschaftnahen, sozialdemokratischen Flügels der Partei zu stammen. Das sind eben gerade keine ehemaligen SEDler, sondern, wie zb Klaus Ernst, ehemalige SPDler.
    Ob in dieser wiederwärtigen Machenschaften ehemalige Stasi Mitarbeiter verwickelt sind sei mal dahingestellt, aber gerade diejenigen, denen man eher eine inhaltliche oder methodische Nähe zur Stasi unterstellen würde werden in dem Papier aufs Korn genommen.

    Wie im Artikel nachzulesen ist scheint das Papier aus der Feder des gewerkschaftnahen, sozialdemokratischen Flügels der Partei zu stammen. Das sind eben gerade keine ehemaligen SEDler, sondern, wie zb Klaus Ernst, ehemalige SPDler.
    Ob in dieser wiederwärtigen Machenschaften ehemalige Stasi Mitarbeiter verwickelt sind sei mal dahingestellt, aber gerade diejenigen, denen man eher eine inhaltliche oder methodische Nähe zur Stasi unterstellen würde werden in dem Papier aufs Korn genommen.

  4. aber nicht überraschend. Es soll eine bequeme Linke geschaffen werden. Wer Initiator solcher Richtlinien ist bzw. welche Kräfte diese befeuern, das sollte auch klar sein. Dass das so billig abläuft wundert einen dann schon.

  5. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Klar, der LINKEN wird alles untergejubelt. Mit einer rosaroten Brille kann man auch diese Perspektive schaffen.

    Die SED war ja auch eine pazifistische Partei: Dafür hat sie STASI-Gefängnisse gebraucht und das Massaker auf dem "Platz des Himmlichen Friedens" in Peking gut geheißen.

  7. gerade jetzt solch ein Pamphlet in Umflauf gebracht wurde. Schön auch die DDR und Stasi Rufer. Herrlich. :)

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    • bugme
    • 24.01.2012 um 19:18 Uhr

    Das hätten Sie zu jedem anderen Zeitpunkt auch sagen können. Irgend wo stehen wir vor den Wahlen - irgend wo ist irgend ein Skandälchen was sich verbinden lässt.
    Aber wer weiß wo der Klassenfeind steht, der sieht auch die große Agenda des Kapitalismus - ob sie nun existiert oder auch nicht

    • bugme
    • 24.01.2012 um 19:18 Uhr

    Das hätten Sie zu jedem anderen Zeitpunkt auch sagen können. Irgend wo stehen wir vor den Wahlen - irgend wo ist irgend ein Skandälchen was sich verbinden lässt.
    Aber wer weiß wo der Klassenfeind steht, der sieht auch die große Agenda des Kapitalismus - ob sie nun existiert oder auch nicht

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