Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) hat Bundespräsident Christian Wulff trotz der Kredit- und Medienaffäre erneut ihr Vertrauen ausgesprochen. Auf die Frage, wie viel Zukunft Wulff habe, sagte Merkel der Zeitung Bild am Sonntag laut Vorabbericht: "Unser Bundespräsident wird viele weitere wichtige Akzente für unser Land und unser Zusammenleben setzen."

Einer Direktwahl des Staatsoberhauptes erteilte die Kanzlerin eine Absage: "In den USA oder Frankreich , wo der Präsident direkt gewählt wird, ist das Amt mit viel mehr Macht ausgestattet", sagte Merkel. "Der Bundespräsident hat in Deutschland eine ganz andere Rolle, zu der, wie ich finde, die Wahl durch die Bundesversammlung sehr gut passt." Diese gebe ihm "größte Legitimität und Autorität ", die Bundesrepublik sei damit "über Jahrzehnte gut gefahren".

Die Bevölkerung ist anderer Meinung

Bei den Bürgern hat Wulff allerdings weiter an Rückhalt verloren . Laut ZDF- Politbarometer wünscht sich die Hälfte der Befragten seinen Rücktritt. 45 Prozent finden, Wulff solle im Amt bleiben. Drei Viertel der Bürger halten den Bundespräsidenten durch seine Kredit-und Medienaffäre für dauerhaft beschädigt. In der Vorwoche hatten sich laut ARD- Deutschlandtrend nur 46 Prozent für einen Rücktritt ausgesprochen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier merkte an, dass Wulff mit seinem Verhalten dem Ansehen Deutschlands in der Welt schaden könnte. "Deutschland ist für viele Länder ein Vorbild, was die Sauberkeit der Politik und die Unabhängigkeit ihrer Verantwortungsträger angeht", sagte Steinmeier der Zeitung Welt am Sonntag laut Vorabbericht. Die Debatte nehme Deutschland "sicherlich einiges von diesem Nimbus".

Wulff steht seit Wochen wegen eines umstrittenen Immobilienkredits , den er während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident von einem befreundeten Unternehmer annahm, sowie wegen seines Umgangs mit der Affäre in der Kritik . Zuletzt ging es zudem um die Frage, ob die damalige Landesregierung die umstrittene private Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog" unterstützt und dies vor dem niedersächsischen Landtag verheimlicht hat.