Piraten: Die Anti-Partei wird professioneller
2012 soll ein weiteres Erfolgsjahr der Piraten werden. In Berlin haben sie ihre Pläne vorgestellt. Die Partei wird professioneller und langweiliger.
Der Chef der Piraten in Schleswig-Holstein heißt Torge Schmidt. Er ist Student, Jahrgang 1988, und ziemlich selbstbewusst. Bei der Landtagswahl im kommenden Mai will er seine Partei auf "sieben bis acht Prozent" sehen.
Schmidt schwärmt von der Mitgliedszahl seiner Landespartei, die sich in kurzer Zeit verdoppelt hat (auf jetzt 650) und von der neuen Landesgeschäftsstelle in Kiel, die in der vergangenen Woche eröffnet worden ist. Das Wahlprogramm sei auch schon "zu 80 Prozent" fertig. Top-Thema hierin sind – für Piraten nicht verwunderlich – Transparenz und Internet. Es werden aber auch Offline-Themen wie die Landwirtschaft behandelt. Die Piraten im Norden sind gegen die Gen-Technik.
Mit dieser Erweiterung vollziehen die Schleswig-Holsteiner eine Entwicklung der ganzen Bundespartei nach. Die Piraten wollen sich etablieren und professionalisieren. Sie wollen sich inhaltlich breiter aufstellen, Strukturen schaffen und mehr Kompetenz anhäufen. Zwar sind sie in den Umfragen noch nicht ganz so stark wie von Schmidt gewünscht. Auch auf Bundesebene haben sie im Vergleich zum vergangenen Herbst ein wenig an Zustimmung verloren. Dennoch ist ihr zweiter Einzug in ein Landesparlament tatsächlich nicht unwahrscheinlich. Es wäre nach dem Erfolg in Berlin ein Erfolg in einem gänzlich anderen Bundesland, in einem ländlichen, westdeutschen.
Die Devise: Aus Berliner Fehlern lernen
Anfängerfehler, wie sie in Berlin gemacht worden sind, sollen in Kiel vermieden werden. Stolz referiert Schmidt den Schuldenstand seines Bundeslandes: "27,6 Milliarden". Der Berliner Spitzenkandidat Andreas Baum hatte noch passen müssen, als er in einer TV-Runde nach Berlins Schuldenberg gefragt worden ist. Auch interne Streitigkeiten und kleinere Skandale, mit denen die Berliner von sich reden machten, wollen die Kieler vermeiden.
Drei Monate liegen zwischen dem Einzug ins Berliner Landesparlament und heute. Dass sich seitdem etwas verändert hat, merkt man deutlich, als sich Schmidt und drei andere Piraten den Fragen der Bundespressekonferenz stellen. Es geht schon damit los, dass der Andrang der Hauptstadtpresse diesmal sehr viel geringer ist als beim ersten Auftritt der Spitzenpiraten in Berlin. Diese neue, junge Partei faszinierte und reizte die Medien. Diesmal gibt es etliche leere Stühle. Die Fragen klingen nicht mehr so neugierig, sondern routinierter.
Auch die Akteure haben sich verändert, sie sind routinierter geworden. Der 28-jährige Parteivorsitzende Sebastian Nerz lächelt gequält, wenn ihm unbequeme Fragen gestellt werden. Die 24-jährge Bundesgeschäftsführerin Marina Weisband klagt über stereotype Berichterstattung. Die Anzahl der Phrasen hat sich erhöht. Ein bisschen klingt der Dialog zwischen Piraten und Journalisten wie bei etablierten Parteien. Es ist fast ein bisschen langweilig.
Manches ist natürlich auch gleich geblieben: Die Partei hat nach wie vor keine Antworten und Lösungsvorschläge zu den großen politischen Fragen. Euro-Krise? Afghanistan? Fehlanzeige. Man habe dazu noch keine Parteitagsbeschlüsse gefasst, seufzt Nerz. Für eine neue Partei gebe es eben "sehr viele Themen zu bearbeiten". Spätestens bis zur Bundestagswahl 2013 werde man Antworten zur Finanz- und Außenpolitik liefern.
Auch persönlich will sich Nerz zum Euro nicht äußern. Er schüttelt den Kopf: Seine eigene Meinung sei "irrelevant". Der Parteichef hat zuletzt mehrfach negative Erfahrungen gemacht mit dem freimütigen Formulieren. Immer wieder wird er in den diversen Foren der Partei als "Selbstdarsteller" kritisiert.
Die Piraten halten sich selbst zugute, dass sie keine "vorschnellen Antworten" produzieren, nur um einen medialen Bedarf zu befriedigen. Ihr proklamiertes Ziel sind "gute Antworten" mit Haltbarkeit. Ein Unterschied zu den etablierten Parteien, sagt Nerz. Die hätten 60 Jahre Vorsprung und würden oft doch nur unbrauchbare, populistische Konzepte verkünden.
Wulff soll zurücktreten
Die noch existierenden programmatischen Leerstellen sollen peu a peu gefüllt werden. Inzwischen existieren zahlreiche, lustig klingende Untergruppen, die sich die brach liegenden Themenfelder erschließen. So ringen die Anti-Atom-Piraten und die Nuklearer um den richtigen energiepolitischen Kurs. Weisband berichtet zudem von der neo-feministischen Debatte unter den Piratinnen.
Zum Bundespräsidenten haben sie jetzt schon eine dezidierte Haltung. Die Piraten fordern den Rücktritt von Christian Wulff. Beschäftigte im öffentlichen Dienst würden ihre Tätigkeit verlieren, wenn sie mit den gleichen Vorwürfen konfrontiert wären wie das Staatsoberhaupt, sagte der stellvertretende Parteichef Bernd Schlömer. Er sehe "ein Stück weit den Vorwurf der Vorteilsnahme als verwirklicht". Damit geht die Partei weiter als fast alle anderen. Und doch klingt Schlömers Satz fast wie der eines normalen Parteivizes.






Grüne Partei. Sehr origniell, gegen die Gentechnik zu sein. Leider wird es hierbei ebenso an Sachverstand fehlen wie bei den Grünen.
Entfernt. Bitte setzen Sie sich argumentative mit der Meinung anderer Leser auseinander. Die Redaktion/mak
Entfernt. Bitte setzen Sie sich argumentative mit der Meinung anderer Leser auseinander. Die Redaktion/mak
... Themen zu besetzen ist vielleicht nicht originell, aber für jede Partei überlebensnotwendig (haben manche Parteien aber noch nicht begriffen).
Mir wäre es lieber die PIRATEN würden niemals erwachsen werden. Wozu auch, davon haben wir schon zuviele Parteien einschließlich der Grünen. Das Reizvolle am Chaotischen ist doch gerade die derzeitige Unfassbarkeit und auch Unberechenbarkeit für Lobbyisten. Die PIRATEN sollten keine Beteiligung an Regierungen anstreben, sondern immer unabhängig und quertreibend sein. Genau das fehlt Deutschland, sonst nix. Wir brauchen aufklärende und unabhängige Fürsprecher für die wahren Volksinteressen! PIRATEN seit wachsam!
Dorian Gray könnte durchaus der Prototyp der Zukunft werden. Ihr Wunsch, Majestät, hat gute Aussichten, in Erfüllung gehen. Diese Gesellschaft ist auf dem besten Wege, auf immer jugendlich zu bleiben. Näheres auf die Schnelle bei Wikipedia unter Dorian-Gray-Syndrom nachzulesen.
http://de.wikipedia.org/w...
Solange dies erst phasenweise gelungen ist, schlage ich vor, 21 als Altersobergrenze für Mitglieder der Piratenpartei festzusetzen. Manchmal muss man den Fortschritt erzwingen. Wusste schon Lenin.
Dorian Gray könnte durchaus der Prototyp der Zukunft werden. Ihr Wunsch, Majestät, hat gute Aussichten, in Erfüllung gehen. Diese Gesellschaft ist auf dem besten Wege, auf immer jugendlich zu bleiben. Näheres auf die Schnelle bei Wikipedia unter Dorian-Gray-Syndrom nachzulesen.
http://de.wikipedia.org/w...
Solange dies erst phasenweise gelungen ist, schlage ich vor, 21 als Altersobergrenze für Mitglieder der Piratenpartei festzusetzen. Manchmal muss man den Fortschritt erzwingen. Wusste schon Lenin.
Ich hoffe nur, das diese nicht im Einheitsbrei untergehen.
Als kleiner Partner in der CDU/SPD würden diese ihre Glaubwürdigkeit einbüßen!
geht ihr gaaanz schnell wieder klang- und sanglos unter.
alle haben ihre 100 tage. eure sind schon vorbei und bislang habt ihr noch nicht viel gezeigt ,-(((
die FDP hat euch z.B. doch sooo viele felder (z.B. den unerträglichern bevormundsstaat BRD und in der krönung die EU-Verwaltung) überlassen - da könntet/solltet ihr reingehen.
nur freie fahrt im öPNV und internet sind etwas kurz gesprungen?! ?!
warum die BRD der UN-Charta gegen Korruption noch nicht beigetreten ist und auch nicht beitreten wird. Mein Lieblingsthema : "Lobbyismus"!!! Ich wäre glücklich, wenn ich ein Rezept hätte, dieses Unwesen beseitigen zu können. Denn das ist meiner Meinung nach das Grundübel unseres Staates geworden. Er hat sich wie Mehltau über alle parlamentarische Einrichtungen und deren Entscheidungsträgern gelegt!!!
Ich finde es schon alleine sehr bedenklich, daß Korruption mit dem Wort Lobbyismus schöngeredet wird. In anderen Staaten wird Deutschland als sehr korrupter Staat angesehen, das ist vielen vielleicht nicht bewusst.
Gibt es auch hier im großem Stil.
Ich finde es schon alleine sehr bedenklich, daß Korruption mit dem Wort Lobbyismus schöngeredet wird. In anderen Staaten wird Deutschland als sehr korrupter Staat angesehen, das ist vielen vielleicht nicht bewusst.
Gibt es auch hier im großem Stil.
>>Die Partei hat nach wie vor keine Antworten und Lösungsvorschläge zu den großen politischen Fragen. Euro-Krise? Afghanistan? Fehlanzeige. <<
Welche der sog. etablierten Parteien hat denn eine Antwort oder gar ein komplettes Konzept? Fragt man dort nach, bekommt man nur Wischi-Waschi-Antworten, weil es die es nämlich auch nicht wissen. Aber leider scheint es so zu sein, dass man Wischi-Waschi in der Presse ernster nimmt, als die ehrlich Antwort, dass man noch kein Konzept habe. Die Piraten werden sich deswegen aber nicht verbiegen und keine verlogenen Statements abgeben und so tun als hätten sie die Weisheit gepachtet.
>>So ringen die Anti-Atom-Piraten und die Nuklearer um den richtigen energiepolitischen Kurs.<<
Wer erzählt denn so etwas? Nicht nur, dass es einen Parteibeschluss gibt, in dem der Ausstieg festgeschrieben ist, nein, viel peinlicher für die Zeit: Die Nukleria sind 5 Leute - 5 von 20000 Mitgliedern. Wer da behauptet, man würde um einen Kurs ringen, sollte sich dringend Nachhilfe in Sachen Relation organisieren.
auch bei dieser Disskusion sehr bewegt, nämlich der Trend der Medien, den dieser Bericht jetzt schon versucht, die Piraten mit den etablierten Parteien gleichzusetzen. Was nichts anders bedeutet, als nichts aber auch gar nichts zu den brennenden Themen unserer Zeit zu sagen und was noch viel, viel schlimmer ist, auch nichts zu tun!!! Man kann den Piraten nur wünschen unkonventionell, unartig, unbequem, zu bleiben, wie ein Stachel im Fleisch der etablierten Parteien. Bis die endlich begriffen haben, daß sie "fürs" Volk da zu sein haben und nicht wie es heutzutage geschieht, dagegen!!! Professionalität kann man auch lernen,"ohne" sich zu verbiegen und dem sogenannten Mainstream hinterherzulaufen. Ich wünsche es den Piraten sehr, daß sie dies auf die Reihe bekommen!!! Dann werde ich sie auch wählen!!!
auch bei dieser Disskusion sehr bewegt, nämlich der Trend der Medien, den dieser Bericht jetzt schon versucht, die Piraten mit den etablierten Parteien gleichzusetzen. Was nichts anders bedeutet, als nichts aber auch gar nichts zu den brennenden Themen unserer Zeit zu sagen und was noch viel, viel schlimmer ist, auch nichts zu tun!!! Man kann den Piraten nur wünschen unkonventionell, unartig, unbequem, zu bleiben, wie ein Stachel im Fleisch der etablierten Parteien. Bis die endlich begriffen haben, daß sie "fürs" Volk da zu sein haben und nicht wie es heutzutage geschieht, dagegen!!! Professionalität kann man auch lernen,"ohne" sich zu verbiegen und dem sogenannten Mainstream hinterherzulaufen. Ich wünsche es den Piraten sehr, daß sie dies auf die Reihe bekommen!!! Dann werde ich sie auch wählen!!!
Der Autor tadelt, dass die Piraten noch keine Lösungsvorschläge zu den grossen politischen Fragen wie die Euro-Krise oder Afghanistan haben.
Dabei scheint er zu vergessen, dass die ganze Welt dazu noch keine Antworten gefunden hat.
Aber viel schlimmer:
Auch wenn die Piraten die besten Lösungen hätten - sie könnten diese gar nicht einbringen. Denn jeder weiss, dass in einer Parlamentarischen Demokratie mit Regierung und Opposition nur die Regierung etwas zu entscheiden hat.
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