Spitzentreffen Regierung richtet Informationszentrum gegen Neonazis ein

Familienministerin Schröder will erfolgreiche Initiativen gegen Rechtsextremismus stärker vernetzen. Die Amadeu Antonio Stiftung kritisiert den Ansatz.

Die Bundesregierung plant die Einrichtung eines bundesweiten Informations- und Kompetenzzentrums gegen Rechtsextremismus. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will damit vor allem erfolgreiche Konzepte von Projekten gegen Rechtsextremismus sammeln und bundesweit anwenden.

"Wir haben kein Kompetenzdefizit, sondern eine Defizit im Transfer dieser Kompetenzen", sagte die Ministerin bei einem Spitzentreffen mit Vertretern von Kirchen, Kommunen und Verbänden in Berlin. Bei dem Treffen sollten Strategien für den Kampf gegen Rechtsextremismus erarbeitet werden.

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Für das neue Informations- und Kompetenzzentrum sieht Familienministerin Schröder einen Etat von zwei Millionen Euro vor. Damit sollten vor allem Jugendliche erreicht werden, die sich bereits in einem rechtsextremen Umfeld bewegten und daher besonders in Gefahr seien, von solchen Ideologien beeinflusst zu werden. Schwerer werde es, solche Jugendliche zu erreichen, bei denen sich ein rechtsextremes Gedankengut bereits manifestiert habe. Für solche "Härtefälle" müssten "weitere Überlegungen" angestellt werden, sagte Schröder.

Als Teilnehmerin der Konferenz kritisierte die zivilgesellschaftliche Initiative Amadeu Antonio Stiftung das Vorhaben der Familienministerin. Viel wichtiger als das angekündigte Kompetenzzentrum sei "die Stärkung und Unterstützung zivilgesellschaftlichen Engagements", sagte die Vorsitzende Anetta Kahane. "Eine weitere Bundeseinrichtung kann nicht die erfolgreiche Arbeit der zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen ersetzen", sagt sie.

"Es fehlt vielmehr an finanziellen Ressourcen"

Der Opferschutz, die fachliche Beratung, die Unterstützung von Innovation in der Projektentwicklung und der Ausbau von zivilgesellschaftlichen Netzwerken bedürfe keiner zusätzlichen staatlichen Koordinierung, ergänzte Kahane. "Es fehlt vielmehr an finanziellen Ressourcen zum Transfer, zur Qualitätsentwicklung sowie an gesellschaftlichen Austauschmöglichkeiten."

Ebenfalls beteiligt an der Konferenz war Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Der CSU-Politiker sieht zwar eine Abnahme der Zahl an Aktivisten mit rechtsextremer Gesinnung, trotzdem eine Zunahme der Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund. Man müsse daher auch "mehr als bisher die Opfer von rechtsextremer Gewalt in den Blick nehmen", sagte Friedrich.

Außerdem sei es wichtig, "mit dem Phänomen der Angst" vor ausländerfeindlicher Gewalt umzugehen. Ein Ansatz dazu sei, dass das Bundeskriminalamt eine Telefon-Hotline für Menschen eingerichtet habe, die sich bedroht fühlten.

Unter dem Dach des Bundesfamilienministeriums laufen verschiedene Programme gegen Rechtsextremismus zusammen. Allerdings stößt Ministerin Schröder mit ihrer Extremismusklausel auf Kritik. Demnach müssen Initiativen bei Anträgen auf staatliche Fördergelder erklären, dass sie und ihre Mitstreiter keine extremistischen Bestrebungen haben. Einige Initiativen empfinden das als Zumutung.

Innenminister Friedrich verteidigte die Beibehaltung der Extremismusklausel: Mit "dieser Demokratieerklärung" wolle er sicherstellen, dass "Rechtsextreme nicht mit Linksextremen bekämpft" würden.  Außerdem sei es in manchen Ländern wichtig, dass man die Extremismusklausel verlange, wenn man eine Kindertagesstätte gründe. Damit könne etwa in Mecklenburg-Vorpommern verhindert werden, dass Rechtsextreme solche Einrichtung gründeten.

 
Leser-Kommentare
  1. http://de.wikipedia.org/w...

    http://www.stern.de/polit...

    http://www.tagesschau.de/...

    http://www.spiegel.de/pol...

    Es gibt ja viele Politiker die ich persönlich für inakzeptabel halte. Das mag jeder für sich entscheiden.

    Aber den Vogel schießt bei mir eindeutig Frau Schröder ab:

    Die Dame hat in ihrem Leben ausser Schule, Studium und Politik nichts anderes gemacht.

    35 Jahre alt und schon Ministerin. Welch eine Lebensleistung!!

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    Ich glaube,es geht hierbei hauptsächlich um gesunden Menschenverstand (oder auch nicht) und die persönliche Einstellung. Es gibt genug Beispiele dafür, dass Lebenserfahrung sich nicht zwingend positiv auswirken muss. Auch kann es vorkommen, dass Menschen mit 30 schon viel erlebt und gelernt haben, mehr als manche 50jährigen. Jeder Minister hat Berater, Pressesprecher, Parteifreunde...da wird schon einer mit Lebenserfahrung dabei sein. Hat in dem Fall wohl auch nicht viel geholfen.

    Zudem glaube ich, dass Frau Schröders hauptsächlich für positive Boulevardmeldungen sorgen sollte (Schwangerschaft, halbwegs telegen, trotzig, jung...).

    Ich glaube,es geht hierbei hauptsächlich um gesunden Menschenverstand (oder auch nicht) und die persönliche Einstellung. Es gibt genug Beispiele dafür, dass Lebenserfahrung sich nicht zwingend positiv auswirken muss. Auch kann es vorkommen, dass Menschen mit 30 schon viel erlebt und gelernt haben, mehr als manche 50jährigen. Jeder Minister hat Berater, Pressesprecher, Parteifreunde...da wird schon einer mit Lebenserfahrung dabei sein. Hat in dem Fall wohl auch nicht viel geholfen.

    Zudem glaube ich, dass Frau Schröders hauptsächlich für positive Boulevardmeldungen sorgen sollte (Schwangerschaft, halbwegs telegen, trotzig, jung...).

    • sudek
    • 24.01.2012 um 16:00 Uhr

    Man kann den Damen und Herren nur empfehlen, ein paar Kilometer raus aus Berlin zu fahren - nach Frankfurt/Oder = 150km oder nach Eisenhüttenstadt = 180km von Berlin!

    Und dann sollten sie sich einfach mal einen Tag von dem Bürgermeister(FF), der Bürgermeisterin(EH) durch ihre Städte führen lassen, dort ein paar Tage verbleiben und nur zuhören, sehen, aufschreiben, Bier in denKneipen trinken, zur Kirche gehen - und dann alles auf sich wirken lassen.
    Nicht vergessen: die SchülerInnen in den Schulen vesuchen, zuhören, diskutieren.

    Und dann alles noch einmal von vorne denken ud dann handeln.

  2. ... selbstverständlich sein, aber gerade die aktuelle Debatte um das mehr als bedenkliche Wirken der Partei "Die Linke" (und ihres Umfeldes) zeigt, wie wichtig und unverzichtbar die "Extremismusklausel" ist.

    • WiKa
    • 24.01.2012 um 16:14 Uhr

    … noch ein Informationszentrum gegen korrupte Politiker bekommen? Der volkswirtschaftliche Schaden durch diese Gruppe dürfte wohl bei weitem den durch die braunen Pappnasen übertreffen und insoweit sollte dieses Thema Vorrang genießen. Die Braunen überleben offensichtlich nur mit Hilfe des Verfassungsschutzes, hier sollte es reichen ihnen diese Unterstützung zu entziehen. Die korrupten Politiker hingegen greifen scheinbar auf eine wirtschaftlich potente Klientel zurück die noch keineswegs bis in die letzten Winkel ausgeleuchtet ist und es noch eine Menge von Zusammenhängen aufzudecken gilt. Hier sollte man nicht einfach schweigen, nur weil die Gewalt hier monetär ausgeübt wird … (°!°)

    Hier ein wenig zur Funktionsweise dieser Gefahr: http://qpress.de/2011/05/...

  3. ... aber wer sollte es der Frau Schröder verdenken, wenn ja schon dafür das Geld fehlt? Woher sollte es dann für Jobs und Infrastruktur in den benachteiligten Gebieten kommen?

    Tja, die vorherrschende Wirtschafts- und Finanzideologie wird noch viele Opfer kosten...

    Eine Leser-Empfehlung
  4. In nicht allzu ferner Vergangenheit klagte Frau Schröder noch über "Deutschenfeindlichkeit" auf Schulhöfen, als ich eben nach einem Video davon googelte, musste ich leider auch sehen, dass viele braune Portale, dies zu ihren Nutzen aufgegriffen haben... Das war ja auch eine Steilvorlage.

    Zudem wollte Frau Schröder in noch jüngerer Vergangenheit die Mittel für den Kampf gegen rechts kürzen.

    Das Wort "unglaubwürdig" wäre in diesem Zusammenhang noch schmeichelnd...

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Ich glaube,es geht hierbei hauptsächlich um gesunden Menschenverstand (oder auch nicht) und die persönliche Einstellung. Es gibt genug Beispiele dafür, dass Lebenserfahrung sich nicht zwingend positiv auswirken muss. Auch kann es vorkommen, dass Menschen mit 30 schon viel erlebt und gelernt haben, mehr als manche 50jährigen. Jeder Minister hat Berater, Pressesprecher, Parteifreunde...da wird schon einer mit Lebenserfahrung dabei sein. Hat in dem Fall wohl auch nicht viel geholfen.

    Zudem glaube ich, dass Frau Schröders hauptsächlich für positive Boulevardmeldungen sorgen sollte (Schwangerschaft, halbwegs telegen, trotzig, jung...).

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    allerdings wenn das neuerdings Kriterien sind wie man sich Politiker aussucht, dann gute Nacht Marie.

    Da passt die angebliche Polemik doch genau!!

    allerdings wenn das neuerdings Kriterien sind wie man sich Politiker aussucht, dann gute Nacht Marie.

    Da passt die angebliche Polemik doch genau!!

  6. allerdings wenn das neuerdings Kriterien sind wie man sich Politiker aussucht, dann gute Nacht Marie.

    Da passt die angebliche Polemik doch genau!!

    Antwort auf "Verallgemeinerung..."
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    ...allerdings sehe ich das nicht ganz so negativ. Mittel- bis langfristig werden unehrliche Werbe- und Politstrategien auch von Menschen erkannt, die vom Staat eher als unmündige Bürger gesehen werden. Dabei spielt das Internet eine nicht unerhebliche Rolle. Die Medienkompetenz wird sich zwangsläufig verbessern, auch wenn diese im deutschen Bildungssystem eine viel zu untergeordnete Rolle spielt.

    ...allerdings sehe ich das nicht ganz so negativ. Mittel- bis langfristig werden unehrliche Werbe- und Politstrategien auch von Menschen erkannt, die vom Staat eher als unmündige Bürger gesehen werden. Dabei spielt das Internet eine nicht unerhebliche Rolle. Die Medienkompetenz wird sich zwangsläufig verbessern, auch wenn diese im deutschen Bildungssystem eine viel zu untergeordnete Rolle spielt.

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