FührungsdebatteFDP-General Döring hält Rösler für keinen Kämpfer

Moderieren statt Basta: Der neue Generalsekretär der Liberalen hat FDP-Chef Rösler als wenig kampfeslustig bezeichnet. Seinem Vorgänger Lindner unterstellt er Kalkül.

Kurz vor dem jährlichen Dreikönigstreffen der FDP hat deren Generalsekretär Patrick Döring dem Parteivorsitzenden fehlenden Durchsetzungswillen attestiert. Philipp Rösler sei "kein Kämpfer", sagte Döring dem Stern. Der erst vor wenigen Tagen angetretene Generalsekretär stuft Parteichef Rösler eher als konsens-orientierten Vorsitzenden ein: Rösler sei ein "Wegmoderierer", sagte Döring dem Magazin.

Rösler will diese Woche in Stuttgart seine erste Rede als Parteivorsitzender auf einem Dreikönigstreffen halten. Die Delegierten erhoffen sich Hinweise darauf, wie die Dauerkrise der FDP zu beenden und die Liberalen aus dem Umfragetief zu holen sind.

Anzeige

Denn so lange wie noch nie dümpelt die FDP unter der Fünfprozenthürde, ein Wahlforscher sieht sogar die Existenz der Partei bedroht. Auch die Ablösung des langjährigen Vorsitzenden Guido Westerwelle durch Rösler vor knapp einem Jahr änderte nichts, ebenso die Übernahme des wichtigen Wirtschaftsressorts der Bundesregierung durch Rösler. Ein weiterer, mit Rösler angetretener Hoffnungsträger, Generalsekretär Christian Lindner, trat Mitte Dezember überraschend zurück – zwei Tage vor dem für die FDP heiklen Mitgliederentscheid zum Europäischen Rettungsschirm ESM. Selbst der Parteichef hatte nur kurzfristig davon erfahren.

Rösler hatte Lindners Nachfolger Döring im Dezember unter anderem mit den Worten vorgestellt, er werde die Kampagnenfähigkeit der FDP wiederherstellen. Der Rösler-Vertraute Döring kündigte an, dem entsprechen zu wollen. Er werde mehr Klartext reden und ein anderer Generalsekretär als Lindner sein. "Ich bin rhetorisch so geschult, nicht die Girlanden zu winden, sondern durchzumarschieren", sagt er. "Man muss Politikern Leidenschaft und Authentizität ansehen."

Seinem Vorgänger Lindner warf er vor, vom Amt des Generalsekretärs nur deshalb zurückgetreten zu sein, um dadurch zügig FDP-Chef werden zu können. "Er hat geglaubt, dass die Lage (...) so instabil ist, dass Philipp Rösler zurücktreten muss und dass die Partei ihn, den großen Intellektuellen, dann ruft", sagte Döring. Lindners Abgang "haben alle als brandbeschleunigend empfunden, auch die ihm menschlich näher stehen", sagte er.

Für Rösler sei Lindners Rücktritt hart gewesen. Die Situation hatte "psychologisch-menschlich für ihn sicher ein Maß an Härte", wie er sie "in seinem Leben noch nicht hatte".

Döring deutete an, dass der interne Machtkampf in der FDP nicht spurlos an Rösler vorbei gegangen sei. "Dieses Jeder gegen Jeden ist mir auch zuwider, und ihm noch mehr."

Leserkommentare
  1. "Man muss Politikern Leidenschaft und Authentizität ansehen."
    Bei Döring? Der ist eher Leiden schaffend ....

    9 Leserempfehlungen
  2. ... Döring hat Rösler beleidigt, nachdem er ihn befördert hat ? Das ist ja.... unerhört ! So ein Rüpel !
    Sind beides eh nur.. von der FDP. Gibts da Unterschiede ? Bla.
    Wen interessiert überhaupt noch die FDP und, wenn ja, warum ?

    10 Leserempfehlungen
  3. Döring ist ja als Mann fürs Grobe bekannt und wohl dehalb auch für dieses Amt ausgesucht worden.
    Dass er jetzt intern herumkeilt ist doch besser als jede Satire.

    Diese Clowns von der FastDreiProzent-Partei sind manchmal sogar lustig.

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der in seinem Lieferwagen allen im Rückspiegel zeigt, wo der liberale Hammer wirklich hängt!

    der in seinem Lieferwagen allen im Rückspiegel zeigt, wo der liberale Hammer wirklich hängt!

    • kyon
    • 04.01.2012 um 11:36 Uhr

    Da wird sich ja Herr Rösler riesig über dessen Einschätzung seines Kampfgeistes gefreut haben.
    Geradezu begeistert dürfte er von dem Ehrentitel "Wegmoderierer" sein.

    Wer einen solchen Generalsekretär hat, braucht keine politischen Gegner mehr!

    9 Leserempfehlungen
  4. Könnte mir mal bitte jemand erklären, warum hier versucht wird aus der Aussage Dörings einen Angriff auf Rösler zu konstruieren? Oder ist ein Negativ Artikel über die FDP einfach die neue Form des "cheap-applause"?

    Oder ist es seid neustem eine Schwäche oder gar ein Verbrechen, wenn man Konflikte eher durch Moderation als durch "Hau-drauf" regelt? Naja, am Freitag kommt erstmal Dreikönigstreffen und dann sieht man weiter...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • kyon
    • 04.01.2012 um 11:52 Uhr

    Nun, eine Partei, die gegen Null tendiert, könnte sicher eine Person mit Charisma und Führungsstärke an ihrer Spitze gebrauchen.

    Es könnte sonst passieren, dass der "Wegmoderierer" die Partei vollständig weg moderiert.

    • kyon
    • 04.01.2012 um 11:52 Uhr

    Nun, eine Partei, die gegen Null tendiert, könnte sicher eine Person mit Charisma und Führungsstärke an ihrer Spitze gebrauchen.

    Es könnte sonst passieren, dass der "Wegmoderierer" die Partei vollständig weg moderiert.

    • Arno85
    • 04.01.2012 um 11:50 Uhr

    Man bedenke: Dieser Mann ist ständig überarbeitet, da er noch sicherlich einige Aufsichtsratsmandate hat. Aber davon wird wohl die ganze Führungsclique betroffen sei. Diese Pöstchen sind wichtig, damit sie wissen, wessen Lied sie singen müssen.
    In BW hatten wir auch schon einen Namensvetter von Patrick. Dieser wollte als bester Sohn Baden-Württembergs von einem gewissen Herrn Sleep ein angebliches Millionenerbe antreten. Oh Herr, lass Hirn für die Leistungsträger herab regnen.

    2 Leserempfehlungen
    • awaler
    • 04.01.2012 um 11:50 Uhr

    Wenn man sich als Partei seit geraumer Zeit unterhalb der Irrelevanzgrenze bewegt, muss man eben etwas lauter sprechen.
    Aber laut nichts sagen ist so ähnlich wie schnell warten.

    Bald sind Wahlen in SH. Stell dir vor dann bekommt eine Splitterpartei einen neuen Vorsitzenden und keiner merkt's.

    5 Leserempfehlungen
    • kyon
    • 04.01.2012 um 11:52 Uhr

    Nun, eine Partei, die gegen Null tendiert, könnte sicher eine Person mit Charisma und Führungsstärke an ihrer Spitze gebrauchen.

    Es könnte sonst passieren, dass der "Wegmoderierer" die Partei vollständig weg moderiert.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Harzer
    • 04.01.2012 um 13:38 Uhr

    ... und wieder neue Neuigkeiten aus dem Bestattungsinstitut ... .

    wenn diese pharma-gastronomiepartei verschwindet !

    • Harzer
    • 04.01.2012 um 13:38 Uhr

    ... und wieder neue Neuigkeiten aus dem Bestattungsinstitut ... .

    wenn diese pharma-gastronomiepartei verschwindet !

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service