Eine Entschuldigung funktioniert nur, wenn sie freiwillig ist. Bundespräsident Christian Wulff hat den Eindruck aufrichtiger Reue gleich zu Beginn seiner gestrigen TV-Abbitte geschmälert, als er sagte, er habe nie daran gedacht zurückzutreten.

Die Schuldeingeständnisse , die er in den Minuten danach folgen ließ, hatten nichts von Freiwilligkeit, sondern hinterließen den Eindruck, erzwungen zu sein – der Preis eben, den er für seinen Amtsverbleib zahlen muss. Schwer zu sagen, wie sehr es Wulff wirklich umtreibt, dass er seinem Amt mehrmals nicht gerecht wurde. Als er direkt zum Schaden für das Amt des Bundespräsidenten befragt wurde, flüchtete er sich in "man"-Formulierungen, als habe das Ganzen nichts mit ihm zu tun.

Es hat etwas Schales, dass er seine Entgleisungen mit der Attitüde eines schuldlos Überforderten begründet. Er habe sich hilflos gefühlt, als er Bild -Chefredakteur Diekmann wütend anrief ("mehr als Opfer"); man müsse seine Situation auch menschlich sehen; und später gar: Menschenrechte gelten auch für einen Bundespräsidenten, insbesondere einen, der ganz ohne Karenzzeit, aus heiterem Himmel ins Amt gekommen sei.

Wulff kokettiert schon länger mit seiner Unzulänglichkeit. Man erinnert sich noch an die Feststellung, er sei als Kanzler ungeeignet, weil zu wenig Alphatier. Was ihm damals etwas Symphatisches gab, funktioniert so jetzt nicht mehr. Es hat im Gegenteil etwas Perfides. Er wolle seine Glaubwürdigkeit wieder herstellen, indem er zeige, dass er aus seinen Fehlern lernt, teilte er den Interviewern von ARD und ZDF mit. Nach seiner Logik gibt es überhaupt kein Fehlverhalten, das ihn zum Rücktritt veranlassen könnte – schließlich lernt er und Fehler sind menschlich. Wulff, ahnt man, müsste Diekmann also schon ein zweites Mal in völliger Fehleinschätzung der Situation auf die Mailbox dröhnen, um selbst einen Grund zur Demission zu sehen.

Wulff löst den Zusammenhang zwischen Amt und Verantwortung auf. Man muss sich einmal vorstellen, was gewesen wäre, hätte dereinst Oberst Klein das verheerende Bombardement von Kundus mit seiner Unerfahrenheit begründet. Oder Ex-Postchef Zumwinkel seine Steuerhinterziehung damit, dass ihn seine Verantwortung als Konzernchef eben zur Selbstüberschätzung gebracht habe.