Bundespräsident Christian Wulff ist durch neu bekannt gewordene Details unter verstärkten Erklärungsdruck geraten. Zum Geburtstag des gemeinsamen Sohnes des Ehepaares Wulff habe der Geschäftsführer eines Berliner Autohauses im Mai 2011 ein Bobby-Car an die Privatadresse der Wulffs in Burgwedel bei Hannover geschickt. Dafür habe sich Wulff in einem Schreiben mit dem offiziellen Briefkopf des Bundespräsidenten bedankt und den Geschäftsführer zum Sommerfest des Bundespräsidialamtes 2012 eingeladen, berichtet die Berliner Zeitung.

"Meine Frau und ich hoffen (...), dass wir in den nächsten Jahren zu Ihnen wieder Kontakt bekommen", heißt es in dem Brief. "Erst einmal habe ich Sie auf die Gästeliste für das Sommerfest im nächsten Jahr genommen und hoffe, dass Sie die Teilnahme sicherstellen können", schrieb der Bundespräsident.

Wulffs Anwalt erläuterte, die Eheleute Wulff würden den Autohändler und seine Frau aus der Zeit in Hannover kennen. Das Geschenk befinde sich "in der Kinderspielecke im Schloss Bellevue und kann dort von Besuchskindern genutzt werden".

"Keine Rede von Rabatt"

Die Zeitung berichtet zudem, die Frau des Bundespräsidenten habe für einen Audi Q 3 von dem Autohaus "einen VIP-Vertrag mit sehr günstigen Leasing-Konditionen" bekommen. Je nach Motor koste das Fahrzeug zwischen 31.000 und 36.000 Euro. Laut der Zeitung sollen als monatliche Ratenzahlungen "1,2 Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung" vereinbart worden sein. Üblich seien 1,5 Prozent.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr teilte mit, von einem "Prominentenrabatt" könne keine Rede sein. Der von Frau Wulff bestellte Q 3 werde erst Mitte dieses Jahres ausgeliefert. Deshalb habe Audi ihr am 22. Dezember "einen Wagen gleichen Fahrzeugtyps gegen Zahlung einer monatlichen Pauschale aus dem eigenen Fahrzeugpark zur Verfügung gestellt".

Seit Wochen unter Druck

Der Bundespräsident habe den Autohändler "ausdrücklich" aufgefordert, "den ganz normalen Tarif" zu nehmen und klar gemacht, dass keine "Sonderbehandlung" erwünscht sei, sagte Lehr. Für die Anmietung zahle Frau Wulff monatlich 850 Euro.

Der Bundespräsident ist seit Wochen unter Druck, weil er 2008 einen zinsgünstigen Privatkredit annahm. Das Geld kam von einem Unternehmerpaar, der Unternehmer Egon Geerkens hatte Wulff als Ministerpräsident Niedersachsens auf Auslandsreisen begleitet. Als die Bild-Zeitung im Dezember 2011 darüber berichten wollte, drohte Wulff – als Bundespräsident – der Redaktion mit Konsequenzen. Das Darlehen löste Wulff später mit einem Kredit der BW-Bank ab.

Zudem wurde bekannt, dass Wulff teils kostenlos bei befreundeten Unternehmern Urlaube verbrachte. Am heutigen Mittwoch befasst sich der Landtag in Hannover erneut mit dem Fall Wulff. 2010 hatte er im Landtag beteuert, keine geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens gehabt zu haben.

Termin abgesagt

Die Bild-Zeitung berichtete, Wulff habe einen geplanten Besuch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos abgesagt. Das Präsidialamt nannte demnach "terminliche Gründe".

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilte mit, dass sie gegen die BW-Bank kein Ermittlungsverfahren einleitet. Die Anhaltspunkte für einen Anfangsverdacht seien nicht ausreichend, hieß es. Eingegangen waren etwa ein Dutzend Anzeigen.