Fernsehkritik Plauderstunde mit dem Präsidenten
Ein beichtender Bundespräsident, zwei freundliche Stichwortgeber: Das Publikum ist nach Wulffs TV-Auftritt nicht viel schlauer als zuvor.
Es war ein medialer Staatsakt, den die Republik am Mittwoch erlebte. Schon am Mittag jagten Nachrichtenagenturen Eilmeldungen in Serie über den Ticker. Der Bundespräsident werde sich äußern! In einem großen Interview in beiden öffentlich-rechtlichen Sendern, nicht etwa vor der störrischen Berliner Hauptstadtpresse, wolle er zu den neuen Vorwürfen und allen anderen Beschuldigungen Stellung nehmen.
Auf Twitter und Nachrichtenportalen durfte die Republik Zeuge werden, wie über die Modalitäten gerungen wurde. Ausstrahlung um 19 Uhr? Oder früher? Erst nach der Tagesschau? Auf einem Kanal? Oder beiden?
Dann die ersten Vorab-Informationen. Wulff werde nicht zurücktreten, ließ ARD-Studioleiter Ulrich Deppendorf die Zuschauer in einer Sonder-Ausgabe der Tagesschau am späten Nachmittag wissen. Und: Der Bundespräsident gestehe Fehler ein und gedenke auch in Zukunft, bei Geschäftsfreunden Urlaub zu machen. So viel "überraschende" Neuigkeiten könne er schon mal verraten, verkündete Deppendorf leicht gehetzt.
Um 20.15, direkt nach der Tagesschau, war es dann soweit. Christian Wulff, Deppendorf und dessen ZDF-Kollegin Bettina Schausten an einem Tisch. Und gleich die erste schwer investigative Frage, mit einer ebenso überraschenden Antwort: Ob er, der Herr Bundespräsident, in den letzten Tagen schon mal an Rücktritt gedacht habe? Natürlich nicht! Warum auch?
Im Folgenden vernahmen die Bürger, dass sich der Präsident zunächst einmal freundlich für die "große Unterstützung" bedankte, die er "die ganzen Wochen über" aus seinem Volk, von Freunden, sogar auch von Mitarbeitern erfahren habe. Es klang ein wenig wie jene Wahlverlierer, die am Wahlabend nach einer schweren Niederlage erst einmal den Wählerinnen und Wählern danken.
Und ähnlich gestanzt wirkten die Fragen. Kein Nachhaken, als Wulff von "normal üblichen Konditionen" für den Kredit sprach, kein kritisches Wort, als der Bundespräsident darüber klagte, dass sein Privatleben in den vergangenen Wochen öffentlich geworden sei. Hatte nicht er in Bild und Bunte damit angefangen? Und auch die Beziehung zum Unternehmer Egon Geerkens durfte Wulff als eine rein freundschaftliche darstellen, ohne dass er von störenden Fragen behelligt wurde. Warum fuhr Geerkens auf Dienstreisen mit, wenn es doch eine rein private Beziehung war? Deppendorf und Schausten wollten es nicht wissen.
So viel Freundlichkeit nutzte Wulff weidlich aus. Gefragt nach seinen Urlaubsaufenthalten in Feriendomizilen vermögender Wirtschaftsfreunde fragte der Bundespräsident die verdutze Frau Schausten ganz unschuldig zurück, ob sie denn Freunden jedes Mal eine Rechnung ausstelle, "wenn die bei Ihnen übernachten". "Ja", stammelte die Interviewerin nach einer Schrecksekunde.
Und als Wulff auch noch die Bibel zitierte ("Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein"), wagten die Fragesteller erst recht nicht mehr, nachzuhaken. Wer wollte bei einem reuigen, menschlichen Sünder noch nachtreten?
Neue Erkenntnisse hat dieser Fernsehabend den Zuschauern nicht gebracht. Außer der, dass Wulff für jeden (zugegebenen) Fehler eine mehr oder weniger gute Erklärung parat hat. Und wie erfreut er sei "wie stark die Bürger wollen, dass ich Bundespräsident bleibe". Na dann...
Passend, dass in der ARD gleich anschließend ein Film ("Die lange Welle hinter dem Kiel") mit Veronica Ferres folgte. Ihr Gatte: Wulff-Intimus Carsten Maschmeyer, der in der Wulff-Affäre ebenfalls eine tragende Rolle spielt. Irgendwie gehört doch alles irgendwie zusammen.
- Datum 05.01.2012 - 10:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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;-)
...."Und ähnlich gestanzt wirkten die Fragen. Kein Nachhaken, als Wulff von "normal üblichen Konditionen""
Wie will man harte Fragen stellen, wenn man nicht weiß, ob der Mann nächsten Monat noch im Amt ist als öffentliche Anstalt? Er hätte dann noch die Möglichkeit Einem die Kariere zu versauen.
...."Und ähnlich gestanzt wirkten die Fragen. Kein Nachhaken, als Wulff von "normal üblichen Konditionen""
Wie will man harte Fragen stellen, wenn man nicht weiß, ob der Mann nächsten Monat noch im Amt ist als öffentliche Anstalt? Er hätte dann noch die Möglichkeit Einem die Kariere zu versauen.
Vermutlich waren auch alle Fragen zuvor einzureichen und vom Bundespräsidialamt zu genehmigen - um unangenehme und unerwartete Situationen zu verhindern. Mir kommt das alles so vor, als habe das Bundespräsidialamt lediglich den Hofberichterstatter gewechselt.
Zu sehen gab's einen Amtsinhaber, der sich selbst zum Opfer einer "infamen Kampagne" stilisiert, der nichts dabei findet, als Inhaber von Staatsämtern Vorteile in Kauf zu nehmen - und für sich dann dreist "andere Bewertungsmaßstäbe" einfordert.
Herr Wulff ist nicht nur seit Jahrzehnten Berufspolitiker, sondern auch Jurist mit Befähigung zum Richteramt. Er ist kein politischer und juristischer Laie und sollte deshalb mit den Gepflogenheiten des Amtes des Ministerpräsidenten und des Bundespräsidenten vertraut sein.
Jeder Beamte und jeder Angestellte im Öffentlichen Dienst würde bei solchen Tatbeständen auf dere Stelle nicht nur fristlos entlassen werden, sondern wäre mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konfrontiert. Herr Wulff begnadigt sich selbst und zeigt keinerlei Unrechtsbewusstsein. Für das Rechts- und Gerechtigkeitsverständnis hier in diesem Lande ist sein Verhalten katastrophal.
....werden so lange in den Köpfen der Bevölkerung die Rechtsordnung in Frage stellen, bis geklärt wurde, ob Wulff kriminelle Handlungen tatsächlich unternahm. In einem Rechtsstaat macht das der Richter. Dabei ist aber die Gefahr, dass man einem Richterspruch nicht trauen würde, weil die Erfahrung das Gefühl in der Bevölkerung geweckt hat in den letzten Jahren, dass das Recht nicht allgemein durchgesetzt wird. Dabei braucht man nur an Kohl zu denken und dessen Wort, das er gab.
So sind wir hier in einer aus vergangenen Schludereien schwierigen Lage, die für das Recht ähnlich destabilisierend sein kann, wie durch die Schuldenkrise für die Legitimität des Vertragswerks von Maastricht und Lissabon, das den Komplex EU/Euroland definiert.
Es ist erstaunlich, nicht dass wir so viele Weichen schlecht stellten -das musste ja jeder eigentlich wissen- sondern, dass so viele dieser Wechsel zeitgleich vorgelegt werden. Das acht es sehr schwierig damit umzugehen. Schon alleine den Überblick zu behalten grenzt an eine übermenschliche Herausforderung.
… einer Kampagne. Nur hat er dann genügend Zündstoff selber geliefert und der wird reichlich genutzt. Das er eine Fehlbesetzung war wussten wir doch auch alle. Er sollte von Merkels Gnaden dort auf ein Ruhekissen gebettet werden, damit er woanders keinen Schaden anrichtet. Dass er es jetzt so versemmelt hatte wohl niemand erwartet. Warum und weshalb man ihn aber dort jetzt nicht einfach durchschnarchen lässt ist die viel interessantere Frage.
Die Intensität mit der er konsortial von den Medien gejagt wird spricht dafür, dass da noch was im Hintergrund steckt, denn in aller Regel schert ein wenig Dreck die Medien nicht, solange sie denjenigen lieb haben. Sonst wäre ja schon der halbe Bundestag ausgeräuchert, die sind alle nicht viel ehrlicher als der Präsident.
Schade nur, dass uns darauf die Antwort nicht vergönnt ist … Wulff ist überflüssig und „Deutschland rennt sich einen Wulff“ … Link, so werden Winternachts(alb)träume war … (°!°)
....werden so lange in den Köpfen der Bevölkerung die Rechtsordnung in Frage stellen, bis geklärt wurde, ob Wulff kriminelle Handlungen tatsächlich unternahm. In einem Rechtsstaat macht das der Richter. Dabei ist aber die Gefahr, dass man einem Richterspruch nicht trauen würde, weil die Erfahrung das Gefühl in der Bevölkerung geweckt hat in den letzten Jahren, dass das Recht nicht allgemein durchgesetzt wird. Dabei braucht man nur an Kohl zu denken und dessen Wort, das er gab.
So sind wir hier in einer aus vergangenen Schludereien schwierigen Lage, die für das Recht ähnlich destabilisierend sein kann, wie durch die Schuldenkrise für die Legitimität des Vertragswerks von Maastricht und Lissabon, das den Komplex EU/Euroland definiert.
Es ist erstaunlich, nicht dass wir so viele Weichen schlecht stellten -das musste ja jeder eigentlich wissen- sondern, dass so viele dieser Wechsel zeitgleich vorgelegt werden. Das acht es sehr schwierig damit umzugehen. Schon alleine den Überblick zu behalten grenzt an eine übermenschliche Herausforderung.
… einer Kampagne. Nur hat er dann genügend Zündstoff selber geliefert und der wird reichlich genutzt. Das er eine Fehlbesetzung war wussten wir doch auch alle. Er sollte von Merkels Gnaden dort auf ein Ruhekissen gebettet werden, damit er woanders keinen Schaden anrichtet. Dass er es jetzt so versemmelt hatte wohl niemand erwartet. Warum und weshalb man ihn aber dort jetzt nicht einfach durchschnarchen lässt ist die viel interessantere Frage.
Die Intensität mit der er konsortial von den Medien gejagt wird spricht dafür, dass da noch was im Hintergrund steckt, denn in aller Regel schert ein wenig Dreck die Medien nicht, solange sie denjenigen lieb haben. Sonst wäre ja schon der halbe Bundestag ausgeräuchert, die sind alle nicht viel ehrlicher als der Präsident.
Schade nur, dass uns darauf die Antwort nicht vergönnt ist … Wulff ist überflüssig und „Deutschland rennt sich einen Wulff“ … Link, so werden Winternachts(alb)träume war … (°!°)
Es gab kein kritisches Nachfragen bei selbst hanebüchenen Antworten. Eine entscheidende Frage, die sich mir daher stellt:
Waren die Fragen dem Herrn BP bekannt und mit ihm abgestimmt oder wurden die Fragen spontan von den "Journalisten" gestellt?
Mir scheint es offensichtlich, dass keine spontane Nachfrage erlaubt war. Anders ist das nicht vorhandene, genauere Nachfragen auf die Ausführungen des Herrn Wulff schwer zu begreifen.
...gab es keine inhaltlichen Absprachen (Quelle: http://www.tagesschau.de/... ). Allerdings lassen mich die bisher angewandten Methoden aus der Werkzeugkiste der Winkeladvokatur, die Wulff bisher hat anwenden lassen, hier zweifeln.
...gab es keine inhaltlichen Absprachen (Quelle: http://www.tagesschau.de/... ). Allerdings lassen mich die bisher angewandten Methoden aus der Werkzeugkiste der Winkeladvokatur, die Wulff bisher hat anwenden lassen, hier zweifeln.
schreibenden Zunft eine gewisse Häme in diesem Artikel spürt, weil keiner dabei sein durfte?
Wie wäre es wenn mal die Zeit ihren Fragen- und Anklagenkatalog faktisch präzisieren würde...
Einige Fragen sind ja schon präzisiert worden. Aber ich übernehme das mal, andere können ja ergänzen:
Herr Wulff kann Freundschaften pflegen, wie er mag. Dann haben seine Freunde aber auch nur im privaten Umfeld aufzutreten und haben im dienstlichen Umfeld nichts zu suchen. (Dort allenfalls in der Bundesversammlung auf der Zuschauerbank erlaubt) - Was hat Geerkens also bspw. auf der Dienstreise zu suchen? Wieso die Werbung Maschmeyers für das Buch?
Wieso ist zwischen 2008 bis heute immer wieder versucht worden, die wahren Umstände der diversen Kredite zu verschleiern? Dass Wulff nicht "vollumfänglich" und "bis ins Detail" die Dinge u.a. am 13.12. offen gelegt hat (und u.a. damit gestern gelogen (oder mal wieder "nicht vollumfänglich die Wahrheit gesagt) hat!), lässt sich unter www.bundespraesident.de nachlesen.
Wieso meint Herr Wulff, dass er selbst ausreichend beurteilen kan, ob seine "privaten Freundschaften" (er grenzt sie von "geschäftlichen" ab!) seine Amtsgeschäfte beeinflusst haben und überlässt diese Urteil nicht einer neutralen Instanz?
Welche Beziehungen ("Freundschaften"?!) und Vereinbarungen in Bezug auf Leistung und Gegenleistung gab und gibt es zu bestimmten Medienvertretern, insbesondere zu solchen des Springerverlages und hier ganz besonders zur BILD? Wodurch sind diese "gestört" worden? In dem Zusammenhang: Was hat Wulff nun genau Diekmann auf den AB gesprochen? Er kann die Veröffentlichung erlauben, wenn seine gestrige Aussage stimmt.
Einige Fragen sind ja schon präzisiert worden. Aber ich übernehme das mal, andere können ja ergänzen:
Herr Wulff kann Freundschaften pflegen, wie er mag. Dann haben seine Freunde aber auch nur im privaten Umfeld aufzutreten und haben im dienstlichen Umfeld nichts zu suchen. (Dort allenfalls in der Bundesversammlung auf der Zuschauerbank erlaubt) - Was hat Geerkens also bspw. auf der Dienstreise zu suchen? Wieso die Werbung Maschmeyers für das Buch?
Wieso ist zwischen 2008 bis heute immer wieder versucht worden, die wahren Umstände der diversen Kredite zu verschleiern? Dass Wulff nicht "vollumfänglich" und "bis ins Detail" die Dinge u.a. am 13.12. offen gelegt hat (und u.a. damit gestern gelogen (oder mal wieder "nicht vollumfänglich die Wahrheit gesagt) hat!), lässt sich unter www.bundespraesident.de nachlesen.
Wieso meint Herr Wulff, dass er selbst ausreichend beurteilen kan, ob seine "privaten Freundschaften" (er grenzt sie von "geschäftlichen" ab!) seine Amtsgeschäfte beeinflusst haben und überlässt diese Urteil nicht einer neutralen Instanz?
Welche Beziehungen ("Freundschaften"?!) und Vereinbarungen in Bezug auf Leistung und Gegenleistung gab und gibt es zu bestimmten Medienvertretern, insbesondere zu solchen des Springerverlages und hier ganz besonders zur BILD? Wodurch sind diese "gestört" worden? In dem Zusammenhang: Was hat Wulff nun genau Diekmann auf den AB gesprochen? Er kann die Veröffentlichung erlauben, wenn seine gestrige Aussage stimmt.
„Der Anruf bei dem Chefredakteur der „Bild“-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mit leidtut, für den ich mich entschuldige.“
Wieso?
Wulff behauptete doch nur, angerufen zu haben um um eine verschobene Berichterstattung geben zu haben?
Warum tut ihm das leid?
Hat er sich im Ton vergriffen, als er um Aufschub bat?
Das wäre die Mitte der Vorwürfe aber ebenfalls bereits eines BuPrä nicht würdig.
Oder hat er doch gedroht um eine Unterlassung zu erreichen?
Dieses Interview hat keine Klarheit gebracht, nur noch mehr Verwirrung.
Herr Wulff, der dies über sich in dem sensationellen Fernsehinterview sagte, ganz offensichtlich nicht.
Verharmlosen, abstreiten, wenn es gar nicht mehr anders geht, Fehler, schwere Fehler, allerschwerste Fehler eingestehen, um Nachsicht bitten, und dann: Weitermachen, wie gehabt.
Kritisches Hinterfragen seiner selbst und von anderen: Nicht erwünscht.
Ein Armutszeugnis. Nicht nur für den Bundespräsidenten.
... eigentlich nichts hinzuzufügen.
Außer, dass einer, der sich permanent entschuldigen muss, nicht für das Präsidentenamt geeignet ist.
Das gilt ganz unabhängig von allen Vorwürfen gegen Wulff. Was, wenn er das nächste Mal nicht auf Diekmanns AB austickt, sondern auf Auslandsreisen?
... eigentlich nichts hinzuzufügen.
Außer, dass einer, der sich permanent entschuldigen muss, nicht für das Präsidentenamt geeignet ist.
Das gilt ganz unabhängig von allen Vorwürfen gegen Wulff. Was, wenn er das nächste Mal nicht auf Diekmanns AB austickt, sondern auf Auslandsreisen?
...gab es keine inhaltlichen Absprachen (Quelle: http://www.tagesschau.de/... ). Allerdings lassen mich die bisher angewandten Methoden aus der Werkzeugkiste der Winkeladvokatur, die Wulff bisher hat anwenden lassen, hier zweifeln.
>> Es war ein medialer Staatsakt, den die Republik am Mittwoch erlebte. <<
... eher, als hätte ich einem Trauerspiel beigewohnt.
Was für eine Heulsuse!
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