Wulff-Interview im Wortlaut "Dieser Anruf war ein schwerer Fehler"
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"Man wird demütiger. Man wird lebensklüger"

Schausten: "Demütiger?"

Wulff: "Und man wird auch ein bisschen demütiger. Man wird lebensklüger. Und man muss aus eigenen Fehlern lernen. Und gerade die Glaubwürdigkeit, die man als Bundespräsident braucht, die wird man nur zurückerlangen, wenn man auch im Umgang mit seinen eigenen Fehlern Lernfortschritte unter Beweis stellt. Darauf wird es jetzt ankommen, gerade auch bei Diskussionen mit jungen Leuten. Wir machen in diesem Jahr einen Jugendtag zur Stärkung der Demokratie. Oder bei anderen Aktivitäten. Dass man auch selber berichtet, wie schnell man sozusagen in der Frage sein kann, privat, beruflich, politisch Verantwortung anscheinend hat. Dass man hier einfach sich selbst, vor sich selbst immer wieder Rechenschaft ablegen muss."

Deppendorf: "Haben Sie, zusammengefasst noch mal gefragt, nicht durch Ihr Verhalten in den letzten Wochen das Amt des Bundespräsidenten schwer beschädigt?"

Wulff: "Das Amt des Bundespräsidenten ist aus vielerlei Gründen in Deutschland schwieriger geworden. Und durch diese Art von Umgang mit den Dingen hat man dem Amt sicher nicht gedient. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ich durch eine ganze Reihe von Aktivitäten in der Amtszeit das Amt des Bundespräsidenten wieder gestärkt habe. Dass es eine hohe Anerkennung genießt. Ich bin geradezu überrascht, wie stark die Bürgerinnen und Bürger es von mir selbst auch erklärt, erläutert bekommen wollen und letztlich darauf setzen, dass ich Bundespräsident bleibe. Denn ich nehme meine Verantwortung wahr. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und ich habe ein nachhaltiges Interesse an unserem Land, es voran zu bringen. Und wir brauchen auch jetzt die Kraft, und wieder um Politik zu kümmern in diesem Jahr, wenn dieses Jahr jetzt beginnt. Denn es kommen schwierige Aufgaben auf uns zu. Und da braucht es eben auch einen Bundespräsidenten, der sich diesen Aufgaben zuwenden kann."

Schausten: "Dann sind wir gespannt, was wir da hören. Können Sie Können Sie denn garantieren, dass nicht noch etwas anderes nachkommt in der Affäre, über die wir jetzt sprechen?"

Wulff: "Also bei 400 Fragen – und wenn gefragt wird, was es zu essen gab bei Ihrer ersten Hochzeit und wer Ihre zweite bezahlt hat und ob Sie den Unterhalt für Ihre Mutter gezahlt haben – und ich könnte jetzt 1000 Sachen mehr nennen – und wer die Kleider für Ihre Frau bezahlt hat, welche geliehen waren, welche sozusagen als geldwerter Vorteil versteuert werden – dann kann ich nur sagen: Ich geb Ihnen gern auf die 400 Fragen 400 Antworten. Da ist jetzt etwas, was einen dann innerlich auch nach solchen drei Wochen irgendwo frei macht, dass man sagt: Also jetzt ist wirklich alles von innen nach oben und umgekehrt gewendet. Und man muss sich dann auch fragen, ob nicht dann auch es irgendwann akzeptiert wird, dass auch ein Bundespräsident ein privates Leben haben darf."

Schausten: "Heißt, dass Herr Christian Wulff ein Bundespräsident auf Bewährung vorerst bleibt?"

Wulff: "Die Begrifflichkeit finde ich völlig daneben. Weil wir diesen Begriff kennen, wenn gegen Gesetze verstoßen wurde. Ich habe weder jetzt im Amt als Bundespräsident gegen irgendein Gesetz verstoßen noch vorher. Es geht nicht um Rechtsverstöße, sondern es geht um die Frage von Transparenz, von Darlegung, von Erklärung. Dazu nutze ich auch diese Gelegenheit, um zu erklären, was ist und was war. Aber wie gesagt: Den Begriff der Bewährung halte ich für abwegig. Sondern ich bin jetzt schweren Herausforderungen ausgesetzt. Aber man muss eben auch wissen, dass man nicht gleich bei der ersten Herausforderung wegläuft, sondern dass man sich der Aufgabe stellt. Und auch weiß, wem es in der Küche zu heiß ist, der darf nicht Koch werden wollen. Wie es Harry S. Truman gesagt hat. Und deswegen muss man offenkundig auch durch solche Bewährungsproben hindurch."

Schausten: Vielen Dank, Herr Bundespräsident, für dieses Gespräch. Liebe Zuschauer, Ihnen vielen Dank für Ihr Interesse, einen schönen Abend in den Programmen von ZDF und ARD. Tschüss.

Wulff: Tschüss. Wiedersehen.

Das Video des Interviews hat die ARD hier veröffentlicht.

 
Leser-Kommentare
  1. Wulff hat sich gestern den letzten Rest Hoffnung verspielt. Er ist überfordert...die Reisen, die vielen Termine, erst Ministerpräsident und dann gleich Bundespräsident, keiner hat Ihn gewarnt... wir könnten also froh sein dass sich überhaupt noch einer solch einem Job stellt.... bla bla bla!
    Und: er lügt sogar noch im Interview. Die Bildzeitung hat gleich dementiert. Er hat nicht um "Aufschub" der Veröffentlichung gebeten....
    Wulff, geh besser, es kann nur noch härter kommen!

  2. Es ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik: Heute Mittag erklärte das Amt des Bundespräsidenten seinen Rücktritt von Christian Wulff sowie von sämtlichen verfassungsmäßigen Rechten und Pflichten.

  3. Wenn ich die Wahrheit über Deutschland, seine Banken, seine Medienzaren und deren Hofschranzen in der Parlamenten und Regierungen hören will, dann schaue ich mir ganz gewiss kein Beamten TV, kein devotes Katzbuckeln von willfährigen Pseudo-Journalisten in sogenannten aufgezeichneten Brennpunkten an, sondern Georg Schramm!

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  4. Warum fragt eigentlich niemand danach, warum es ein Ministerpräsident/Bundespräsident nötig hat, sich bei Freunden Geld zu leihen (wo ihm doch die Bank sogar günstigere Konditionen eingeräumt hat) und sich so in unnötige und unangemessene Abhängigkeitsbeziehungen begibt? Einem Freund, von dem ich mir Geld leihe, würde ich mich moralisch immer stärker verpflichtet fühlen als einer Bank. Wenn er dann noch davon spricht, dass es sich um einen "väterlichen Freund" handelt, dann beschleicht mich der Eindruck, der Kredit sollte vielleicht nicht mit Geld, sondern auf andere Weise beglichen werden. Hinzu kommt, dass es nach Aussage von Wulff Egon Geerkens war, der den Kontakt zur BW-Bank vermittelte und den "Kredit unter Freunden" somit auflöste (aber erst, nachdem die Presse davon Wind bekommen hatte).
    Sollte ein Bundespräsident sich so abhängig von einem "väterlichen" Gönner machen?

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  5. Wie wir in den letzten Jahren vetreten werden ist nur noch zum Schämen.
    Eine Bundeslanzlerin ohne Visionen, nur noch von "den Märkten" getrieben,
    ein Außenminister, der eigentlich ein Draußenminister ist, eine Familienministerin, die mehr an eine Barbiepuppe erinnert,
    eine "Boygroup" wie aus Bullerbü,
    ein gegeelter, völlig hemmungsloser "vorerst gescheiterter" Hochstapler,
    ein Bundespräsident, den man nicht mal mehr als reinen Grüßaugust ernst nehmen kann.
    Ärgerlich nur - wenn der jetzt geht füttern wir einen Anfang 50-jährigen auf unsere Kosten fürstlich durch während Otto Normalverbraucher gerade in die Rente mit 67 einsteigt.
    Ja es kann einem schon mal übel werden.

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  6. Das Verhalten ist repräsentativ, nicht nur für unseren Bundespräsidenten.
    Und es gilt für andere, weit wichtigere Verfehlungen der Regierungen ebenfalls.

    Wer opportunistischen Versuchungen erliegt, sollte nicht ein solches Amt bekleiden, auch wenn er will. Was aber sind denn die Demokraten eines Landes, wenn sie akzeptieren, dass so Jemand im Amt bleibt, nur weil er das will?
    Wie viel ist unsere Demokratie wert? Was ist das Christentum, das sowieso kaum noch existent ist und kann ein Mensch, der ein solches Amt bekleidet, mit Recht fragen, ob nicht auch er Recht auf Schwäche haben kann?

    • zappp
    • 05.01.2012 um 14:07 Uhr

    Allen Fehlern gemeinsam war die jeweils falsche Annahme, damit durchzukommen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die Vorfälle rechtswiedrig oder gar strafbar sind.

    Herr Maschmeyer muss sich dubiose Geschäftspraktiken vorwerfen lassen. Vor diesem Hintergrund stellt er sich eben gerne als grosse Unternehmerpersönlichkeit und Strippenzieher im Lande Niedersachsen dar. Der im Ruhestand in der Schweiz lebende Herr Geerkens mochte auch mit seinem alten Freund Wullf angeben. Als Ex-Schrotthändler und Juwelier wäre er unter anderem Umständen kaum auf die Auslandsreisen eines Ministerpräsidenten mitgenommen worden. Das sind keine monetär messbaren Gegenleistungen, aber es irritiert schon.

  7. sind m.E. NICHT die Finanzierung der 500.000 Euro, sondern das Verhalten danach, das offensichtlich bewusste Verschweigen vor dem Landtag, das schnell noch Geraderücken durch einen schnell beschafften alternativen Kredit, dann die unsäglichen Versuche, die Presse unter Druck zu setzen (auch wenn es bloss die Blödzeitung ist, aber auch die "Welt" war betroffen), dann jetzt der Versuch, alles harmlos darzustellen ...
    Der Gipfel ist für mich erreicht, wenn er Menschenrechte für sich reklamiert und andeutungsweise seine "arme" Familie ins Spiel bringt, an die er auf dem Weg nach oben offensichtlich weniger gedacht hat, aber jetzt scheut er sich nicht, diese als Schutzschild zu missbrauchen.

    Beschämend ist das.

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