"System Wulff": Die Wulff-Affäre kehrt nach Niedersachsen zurück
Zum Privatkredit und BW-Bank-Darlehen des Bundespräsidenten sind bis heute viele Fragen offen. Die Opposition in Hannover spricht von einem "System Wulff".
Bobbycar, Hotel-Upgrades, Kochbücher für Sponsoren: Die Affäre des Bundespräsidenten nahm zuletzt fast bizarre Züge an. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Christian Wulffs langjährigen Sprecher und Vertrauten Olaf Glaeseker haben die Affäre nun aber dorthin zurückgebracht, wo sie ihren Ursprung nahm. Nach Niedersachsen. Dort regierte Wulff von 2003 bis 2010 als Ministerpräsident, dort war er CDU-Landeschef, von dort stammen fast alle seine zahlreichen Wirtschaftsfreunde, mit denen er bis heute ein überaus enges Verhältnis pflegt.
Nun geht es nicht mehr allein um einen fragwürdigen Hauskredit eines Mittelständlerehepaares, um ein günstiges Darlehen einer Landesbank, mit dem die Privatschuld abgelöst wurde, um Gratisurlaube und sonstige Vergünstigungen. Nun geht es darum, ob Wulff und die Landesregierung zu den vielfältigen Vorwürfen, die gegen den vormaligen Regierungschef nicht erst seit dem Bild-Bericht über seinen Privatkredit Mitte Dezember erhoben werden, vor dem Landtag und der Öffentlichkeit die Wahrheit gesagt haben. Ob Wulff korruptive Machenschaften in seinem unmittelbaren Umfeld geduldet oder gar selbst befördert hat. Ob Sponsoren einer privaten Lobby-Veranstaltungsreihe und CDU-Spender, die vielfach zum Freundeskreis Wulff gehören und ihn zum Teil mit geldwerten Vorteilen bedachten, womöglich nur Dank erstatten für großzügige Finanz- und sonstige Hilfen und Bürgschaften des Landes und des Ministerpräsidenten.
Im Kern geht es darum, ob – wovon die Opposition in Niedersachsen überzeugt ist – hinter den privaten Begehrlichkeiten des Karrierepolitikers Wulff und seiner Gattin Bettina ein regelrechtes "System Wulff" steckt, eine Vetternwirtschaft, ein schwarzer Filz aus Landesregierung, CDU, Unternehmern und Privatinteressen der Beteiligten. Ob also, wie es der niedersächsische SPD-Oppositionsführer Stefan Schostok formuliert, "die Regierung Wulff den Staat zur Beute gemacht hat".
- Nord-Süd-Dialog
-
Der Unternehmer Manfred Schmidt organisierte in den Jahren 2007 bis 2009 drei Treffen in Hannover und Stuttgart, auf denen sich Firmen aus Niedersachsen und Baden-Württemberg präsentieren und in Kontakt mit Vertretern der Politik aus beiden Ländern kommen sollten. Schirmherren waren der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff und sein baden-württembergischer Kollege Günther Oettinger (beide CDU).
Die Staatsanwaltschaft wirft Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker vor, von dem Eventmanager Manfred Schmidt mit kostenlosen Urlauben bestochen worden zu sein. 2009 hatte die Landesregierung die Party mit dem Einsatz von Studenten und kostenlosen Kochbüchern für die Gäste unterstützt, was sie aber lange bestritt. Wulff habe davon nichts gewusst, sagt sein Anwalt.
- Bestechung und Vorteilsnahme
-
Die Vorwürfe, die gegen Wulff und und seinen früheren Sprecher Olaf Glaeseker erhoben werden, sind unterschiedlich schwer. Im Fall Glaeseker prüft die Staatsanwaltschaft, ob Wulffs Ex-Sprecher sich durch die Annahme der Gratis-Urlaube der Bestechlichkeit schuldig gemacht hat. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft. Nach Paragraf 332 Strafgesetzbuch wird ein Amts- oder Dienstträger bestraft, wenn er einen Vorteil fordert oder annimmt als Gegenleistung für eine Handlung, die seine Dienstpflichten verletzt. Gegen den Unternehmer Schmidt wird wegen Bestechung ermittelt, weil er Glaeseker Vorteile gewährt haben soll.
Die mildere Form der Käuflichkeit ist die Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung, die die Staatsanwaltschaft Hannover im Fall Wulff als Anfangsverdacht angab. Dafür sind die strafrechtlichen Voraussetzungen weiter gefasst. In diesem Fall muss der Amtsträger nicht gegen seine Dienstpflichten verstoßen haben. Es reicht, wenn er einen Vorteil fordert oder annimmt. Es muss allerdings einen Bezug zu seinem Amt oder seiner öffentlichen Funktion geben. Rein private Geschäfte und Kontakte fallen nicht hierunter. Die Strafe für Vorteilsnahme beträgt bis zu drei Jahre Haft, allerdings werden etwa 70 bis 80 Prozent aller Ermittlungsverfahren wieder eingestellt.
- Beamtenrecht
Die Vorschriften sind hier zum Teil noch schärfer. Ein Beamter oder Politiker soll sich nach dem Willen des Gesetzgebers gar nicht erst dem Verdacht aussetzen, käuflich zu sein. Deshalb dürfen Beamte Geschenke auch nur in äußerst geringem Umfang annehmen, in Niedersachen bis zum Wert von zehn Euro. Für Minister gelten die gleichen, zum Teil sogar noch schärferen Bestimmungen. So dürfen sie in Niedersachsen auch keine Privatkredite annehmen, sofern es eine Verbindung zum jeweiligen Amt gibt.
- Aufhebung der Immunität
-
Die Staatsanwaltschaft Hannover hat beantragt, die Immunität von Bundespräsident Christian Wulff aufzuheben. Hier ihre Pressemitteilung dazu im Wortlaut:
"Anfangsverdacht gegen Bundespräsident Christian Wulff und David Groenewold
Nach umfassender Prüfung neuer Unterlagen und der Auswertung weiterer Medienberichte sieht die Staatsanwaltschaft Hannover nunmehr zureichende tatsächliche Anhaltspunkte (§ 152 Abs. 2 StPO) und somit einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme bzw. Vorteilsgewährung. Sie hat deshalb bei dem Präsidenten des Deutschen Bundestages die Aufhebung der Immunität des Bundespräsidenten beantragt.
Diese Entscheidung hat die Staatsanwaltschaft Hannover unabhängig nach intensiver kollegialer Beratung getroffen. Weisungen vorgesetzter Behörden hat es nicht gegeben.
Aufgabe der angestrebten Ermittlungen ist es, den Sachverhalt in einem förmlichen Verfahren zu erforschen. Nach dem gesetzlichen Auftrag (§ 160 Abs. 2 StPO) hat die Staatsanwaltschaft dabei nicht nur die zur Belastung, sondern auch die zur Entlastung dienenden Umstände zu ermitteln. Selbstverständlich gilt auch nach Bejahung des Anfangsverdachts die Unschuldsvermutung.
Über die Aufhebung der Immunität befindet der Deutsche Bundestag. Die Staatsanwaltschaft Hannover ist deshalb aus rechtlichen Gründen an weiteren Stellungnahmen gehindert."
Die Verbindungslinien in diesem engen Geflecht aus Landespolitik und Wirtschaft sind nicht leicht nachzuvollziehen, "die Grauzone ist groß", so Schostok. Auch weil Wulff und die jetzige Landesregierung unter seinem Nachfolger David McAllister auf viele Fragen bislang klare Antworten verweigern. Doch die erkennbaren Puzzleteile ergeben schon jetzt ein ziemlich deutliches Bild, das nicht günstig ausfällt für den Bundespräsidenten.
Der Geerkens-Kredit
Um den Kauf seines Hauses in Großburgwedel für sich und seine zweite Frau zu finanzieren, nahm Wulff im Oktober 2008 ein Privatdarlehen in Höhe von 5000.000 Euro bei dem mit ihm befreundeten Unternehmerehepaar Egon und Edith Geerkens auf. Wulff behauptet bis heute, dass das Geld allein von Frau Geerkens stammte.
Viele Indizien legen allerdings den Schluss nahe, dass das so nicht stimmen kann. Wenn das Geld aber zumindest auch von Herrn Geerkens kam, hätte Wulff gegen die Landesverfassung verstoßen, als er im Februar 2010 im Landtag auf eine Anfrage der Grünen bestritt, geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens zu haben. Denn Artikel 24 Abs. 1 der Verfassung verlangt eine "vollständige" Antwort – "nach bestem Wissen".
Die 500.000 Euro nahmen einen verschlungenen Weg: angeblich von einem Konto von Frau Geerkens in der Schweiz auf ein Konto von ihr bei der Sparkasse Osnabrück, für das ihr Mann Vollmacht besitzt. Egon Geerkens, der die Details der Transaktion mit Wulff absprach, beantragte daraufhin einen Scheck der Landeszentralbank in gleicher Höhe und übergab ihn an Wulff, der ihn an den Notar weiter reichte. Der Vorteil: Die Herkunft des Geldes war nun nicht mehr zu erkennen. Der Notar beglich mit dem Geld die auf dem Haus lastende Grundschuld und zahlte den Rest des Kaufpreises von 415.000 Euro an den Verkäufer aus.





... weil es momentan politisch nicht erwünscht ist, gegen Wulff zu ermitteln. Objektive Gründe für einen Anfangsverdacht liegen reichlich vor. Die Justiz versagt in dieser Beziehung, und auch jeder Staatsanwalt, der sich an die unausgesprochene Order von oben hält.
solch eine Order geben, wenn man bedenkt wieviel Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte Parteimitglieder sind. Dass da oft ungewöhnliche Urteile rauskommen zeigt sich vielfach, wenn ein prominenter Spitzenpolitiker etwas angestellt hat.
solch eine Order geben, wenn man bedenkt wieviel Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte Parteimitglieder sind. Dass da oft ungewöhnliche Urteile rauskommen zeigt sich vielfach, wenn ein prominenter Spitzenpolitiker etwas angestellt hat.
ich wollte nicht den Eindruck erwecken, jemand Anderem seine Meinung vorschreiben zu wollen. Die Botschaft, die ich vermitteln wollte ist die, dass in dieser Sekunde weit besorgniserregendere Dinge geschehen als Affären Deutscher Politiker. Egal wie wenig/stark gesellschaftskritisch man sein mag: Ich denke, diese meine Ansicht ist eine relativ verbreitete. Als totalitär würde ich eine solche Formulierung trotzdem nicht bezeichnen.
"...Kreditgeber laut Vertrag war Frau Geerkens, nicht das Unternehmerehepaar Geerkens..."
ach sooo...mensch, sagen Sie das doch gleich! na dann lassen wir doch den armen mann in ruh^^ er braucht doch den job, ne halbe million muss zurückbezahlt und einige interessen durchgesetzt werden;)
sorry, aber es ist eher enttäuschend wie naiv manche sind.
Ihnen mag es vielleicht egal sein, aber ich möchte nicht von jemandem regiert werden der unternehmern und bänkern näher ist als dem volk. in dem moment vertritt er nämlich nicht die interessen der bürger sondern der lobbyisten.
eine übertretung kann auch einem hochrangigen politiker verziehen werden sofern er echte reue zeigt und wiedergutmachung leistet. beim wulff ist es weder bei einer geblieben, noch versucht er was gut zu machen, noch bereut er.
solch eine Order geben, wenn man bedenkt wieviel Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte Parteimitglieder sind. Dass da oft ungewöhnliche Urteile rauskommen zeigt sich vielfach, wenn ein prominenter Spitzenpolitiker etwas angestellt hat.
Bitte setzen Sie sich inhaltlich und argumentativ mit anderen Kommentaren auseinander. Danke, die Redaktion/fk.
Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak
Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich Wahrnehmung und Bewertung von Realität sein kann. Das Problem in unserer Gesellschaft ist, dass selbst die abwegigsten Realitätsbeschreibungen toleriert und veröffentlicht werden. Man ist ja so demokratisch. Ihre Einlassungen sind so abwegig und ohne Realitätsbezug, dass mir eine inhaltliche Auseinandersetzung sinnlos erscheint.
Gekürzt. Verzichten Sie auf unangebrachte Vergleiche und bemühen Sie sich um einen sachlichen Tonfall und Argumente. Die Redaktion/mak
trifft es gut, aber es wird hoffentlich irgendwann auf sie zurückfallen. Die meisten Menschen sind nicht so blöd, wie die "da oben" vielleicht hoffen.
Mehrheit für Wulffs Rücktritt
Mittlerweile leidet Wulffs Ansehen in der Bevölkerung zunehmend: Nach dem aktuellen ZDF-Politbarometer finden mittlerweile 75 Prozent der Befragten, dass der Bundespräsident dauerhaft beschädigt ist.
http://www.spiegel.de/pol...
und hier
http://www.focus.de/polit...
trifft es gut, aber es wird hoffentlich irgendwann auf sie zurückfallen. Die meisten Menschen sind nicht so blöd, wie die "da oben" vielleicht hoffen.
Mehrheit für Wulffs Rücktritt
Mittlerweile leidet Wulffs Ansehen in der Bevölkerung zunehmend: Nach dem aktuellen ZDF-Politbarometer finden mittlerweile 75 Prozent der Befragten, dass der Bundespräsident dauerhaft beschädigt ist.
http://www.spiegel.de/pol...
und hier
http://www.focus.de/polit...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren