Im Schloss Bellevue, dem Amtssitz von Bundespräsident Christian Wulff © Sean Gallup/Getty Images

Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki bangt um die Chancen von Schwarz-Gelb bei der Landtagswahl am 6. Mai. Anlass seiner Sorge sind die Vorwürfe gegen Bundespräsident Christian Wulff , der wegen eines Privatkredits und seines Umgangs mit den Medien unter Druck steht. "Wenn das so weitergeht, dann kann das CDU und FDP den Sieg bei der Landtagswahl kosten", sagte Kubicki der Rheinischen Post. Offenbar gibt es bei Wahlkampfterminen kaum noch ein anderes Thema. "Egal wo wir mit den Bürgern diskutieren – es geht um Sitte, Anstand und Moral", sagte Kubicki.

Die Initiative zu Wulffs Kandidatur als Bundespräsident ging von CDU und FDP aus. Entsprechend könnten sich dessen Fehler vor allem auf die Wahlergebnisse dieser Parteien auswirken. Wulff hatte sich 2008 als Ministerpräsident in Niedersachsen Geld bei einem Unternehmerpaar geliehen. Der Unternehmen begleitete ihn auch auf Auslandsreisen. Als die Bild- Zeitung im Dezember 2011 darüber berichte wollte, drohte Wulff dem Chefredakteur auf dessen Handy-Mailbox Konsequenzen an. Zuletzt hatte Wulff in einem TV-Interview die Veröffentlichung aller Journalistenfragen angekündigt, dies aber nur teilweise eingelöst.

Kubicki verlangte, Wulff müsse endlich alle Fragen umfassend beantworten. "Mein Geduldsfaden reißt allmählich."

McAllister auf Distanz

Auch in der CDU steigt die Nervosität . Der schleswig-holsteinische CDU-Bundestagsabgeordnete Rolf Koschorrek nannte die Kommunikationsstrategie des Bundespräsidenten "desaströs" und mahnte ebenfalls weitere Aufklärung an. "Wir warten auf einen Befreiungsschlag", sagte Koschorrek. Noch am Freitag hatte dessen Fraktionskollege Johann Wadephul behauptet , Auswirkungen seien "derzeit nicht erkennbar".

Die Unsicherheit der CDU- und FDP-Wahlkämpfer war am Wochenende offenkundig geworden. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) ging auf Distanz zu seinem Vorgänger. "Sollte es falsche Auskünfte der Landesregierung gegenüber dem Parlament gegeben haben, werden wir sie richtigstellen", sagte McAllister, der in einem Jahr eine Landtagswahl zu bestehen hat. Manche Fragen werde aber nur Wulff selbst beantworten können. Auf eine Frage der Grünen 2010 im niedersächsischen Landtag hatte Wulff als Ministerpräsident gesagt, dass er in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen mit dem Unternehmer Egon Geerkens hatte. Der hatte ihm Urlaubsquartier gewährt und ihn bei der Finanzierung seines Privathauses bei Hannover beraten. Strittig ist derzeit, ob er das Geld gab oder seine Frau.

Debatte in Niedersachsens Landtag

In Schleswig-Holstein rückte CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager vom Bundespräsidenten ab. "Wenn Wulff es schafft, Antworten zu geben, die keine Mehrdeutigkeiten enthalten, dann gibt es für solche drastischen Schritte auch keinen Grund", sagte er zu Rücktrittsforderungen, die einzelne Vertreter der CDU erhoben.

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, die Fragen an Wulff müssten "endgültig geklärt werden". Dann gehe er aber davon aus, "dass Christian Wulff Vertrauen zurückgewinnen kann".

Die Vorwürfe gegen den früheren Ministerpräsidenten werden diese Woche auch den Landtag in Niedersachsen beschäftigten. Die Opposition will in einer Aktuellen Stunde unter anderem darüber debattieren, ob Wulffs 500.000-Euro-Darlehen bei dem Unternehmerpaar ein Verstoß gegen das Ministergesetz ist. Am Freitag steht ein Antrag der Linksfraktion auf einen Untersuchungsausschuss zur Abstimmung.