Offen reden will in der CDU-Führung momentan niemand. Die Konservativen würden in der Partei sehr ernst genommen, auch daher sehe man alles sehr "entspannt". Man wolle nicht noch mehr Aufmerksamkeit produzieren, heißt es. Es handele sich doch nur um ein Gespräch. Sonst hüllen sich die Beteiligten in einmütiges und damit doch eher unentspannt wirkendes Schweigen.

Das Gespräch, gern auch als interner Gedankenaustausch (mit Betonung auf intern) bezeichnet, sollte am Dienstagabend in der CDU-Parteizentrale stattfinden. Generalsekretär Hermann Gröhe hatte dazu einige erklärte Konservative aus den Ländern und der Bundestagsfraktion eingeladen. Sie nennen sich "Berliner Kreis" , ein Zusammenschluss initiiert vom hessischen Fraktionsvorsitzenden Christean Wagner .

Der Berliner Kreis trifft sich schon seit drei Jahren unregelmäßig und in unterschiedlicher Zusammensetzung. Den beteiligten Politikern missfällt der Modernisierungskurs der Union, sie möchten gerne den konservativen Markenkern der Partei wieder stärker herausgehoben sehen. Hintergrund für die Verunsicherung sind auch die Unions-Entscheidungen des vergangenen Jahres: Wehrpflicht abgeschafft , Hauptschule infrage gestellt , Atomausstieg beschlossen und Mindestlohn in Überlegung .

"Es geht nicht, dass so etwas institutionalisiert wird"

Die Basis wisse nicht mehr, wo das konservative Wertefundament der CDU noch zu finden sei, erzählen Beteiligte. Vor Weihnachten gab es dann Gerüchte, die erklärten Konservativen wollten sich nun organisieren, gar so etwas wie einen eigenen parteiinternen Flügel mit hauptamtlichem Geschäftsführer und Homepage gründen. Volker Kauder , Fraktionschef der Union im Bundestag, reagierte alarmiert: "Es geht nicht, dass so etwas institutionalisiert wird", versuchte er in einem Interview ein Machtwort.

Während es innerhalb der SPD mit dem Seeheimer Kreis einen aktiven konservativen und wirtschaftsnahen Zusammenschluss gibt, ist die Führung der Christdemokraten an einem vergleichbaren Flügel nicht interessiert. Bisher verstand sich die CDU immer als ganzheitliche Partei. Auch deswegen hat Generalsekretär Gröhe die aufmüpfigen Parteigenossen für Dienstag zu sich eingeladen. Ab 21 Uhr wird man im Konrad-Adenauer-Haus zusammenkommen, die Presse ist nicht erwünscht.

Nur wenige bekennen sich offen zu dem Kreis

Dem Berliner Kreis sollen angeblich inzwischen bis zu zwanzig Politiker aus Bund und Ländern angehören. Doch neben dem Hessen Christean Wagner bekennen sich nur der sächsische Fraktionsvorsitzende Steffen Flath und Bundespolitiker wie Wolfgang Bosbach sowie die frühere Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach und Fraktionsvorstandsmitglied Thomas Bareiß öffentlich dazu.

Über die Ziele des Zusammenschlusses geben sich die Beteiligten ebenfalls recht bedeckt. Nur Bosbach, der sich schon mit seiner vehementen Ablehnung des Euro-Rettungskurses bei der Parteiführung unbeliebt gemacht hat , äußerte sich vor dem Treffen am Dienstag offen. Natürlich mache es Sinn, den bisher losen Zusammenschluss von Konservativen in der Partei als Institution zu verankern, sagte er im Deutschlandfunk . Viele an der Parteibasis hätten schon Interesse an einer Mitarbeit bekundet. "Mich wundert, dass die Parteiführung ein Problem damit hat, wenn sich engagierte Christdemokraten, engagierte Bürger zusammensetzen, um nur die Frage zu erörtern, wie können wir verloren gegangene Stammwähler zurückgewinnen", sagt Bosbach. Der Initiator des Berliner Kreises, Wagner, indes möchte sich vor dem Treffen mit Gröhe nicht äußern. Das Gespräch sei für ihn "intern", lässt er vorsichtig über seinen Sprecher mitteilen.