Bayern: Wenn die schwarze Heimat grünt
Heimat war in Bayern lange Zeit die Domäne der CSU. Die Grünen wollen das ändern. Ein Streitgespräch zwischen CSU-Umweltminister Huber und Grünen-Politiker Dürr
ZEIT ONLINE: Die Grünen beschäftigen sich seit einiger Zeit intensiv mit dem Begriff Heimat. Wie passt das zusammen, Herr Dürr, Grüne und Heimat?
Sepp Dürr: Das hat schon immer gepasst. Unser Motto war stets: aus der Region, für die Region. Und natürlich: global denken, lokal handeln.
ZEIT ONLINE: Gibt’s Heimat ohne Muff?
Sepp Dürr von den Grünen steht zu seiner bayerischen Herkunft. Der Biobauer und promovierte Literaturwissenschaftler aus Germering bei München ist seit 1998 Mitglied des Bayerischen Landtages. Dürr gehört zu den Initiatoren des ersten grünen „Heimat-kongresses“, bei dem die Fraktion im Dezember in Regensburg mit Experten über modernen Patriotismus und Heimatverbundenheit diskutierte.
Dürr: Der alte Heimatbegriff war eine Katastrophe, keine Frage. Zuerst haben ihn die Nazis missbraucht, nach dem Krieg kamen dann die schnulzigen Heimatfilme und Heimatromane. Diese Art von Heimatpflege war unerträglich. Aber das sagt nichts aus über das Bedürfnis vieler Menschen, sich regional identifizieren zu wollen. Dem muss man politisch nachkommen, ohne Scheuklappen.
ZEIT ONLINE: Herr Huber, was halten Sie davon, dass die Grünen der CSU jetzt die Deutungshoheit über den Heimatbegriff streitig machen?
Marcel Huber: Ich muss zugeben, dass ich mir noch nicht so viele theoretisch-philosophische Gedanken zu diesem Thema gemacht habe. Das hat mir der Sepp voraus (lacht). Aber die Leute, die sich der CSU verbunden fühlen, reden auch nicht darüber. Die leben Heimat einfach.
ZEIT ONLINE: Was ist denn Heimat für die CSU?
Huber: Heimat ist ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit, sich unter Menschen aufzuhalten, die gleiche oder ähnliche Maßstäbe haben. Es geht um eine Landschaft, die man schön findet, um Traditionen, um Religion. Wenn das alles zusammenpasst, ist das Heimat.
Marcel Huber, Bayerns neuer Umweltminister, hat keinen bayerisch klingenden Vornamen, darf aber trotzdem für sich in Anspruch nehmen, ein echter Bayer zu sein Der 54-jährige CSU-Politiker war Tierarzt, bevor er in die Politik wechselte. Er kommt aus Ampfing, einem Dorf nahe Mühldorf am Inn, war viele Jahre Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr und spielt Tuba in einer Blaskapelle.
ZEIT ONLINE: Und die Grünen sind für Sie nach wie vor heimatlose Gesellen?
Huber: Die Grünen haben sich Weltoffenheit, Multikulturalität und Distanzierung von religiösen Prägungen auf die Fahne geschrieben. In diesen Punkten entfernen sich grüne Positionen von dem Heimatbegriff, den viele Menschen in Bayern für selbstverständlich halten.
ZEIT ONLINE: Ihr Generalsekretär Alexander Dobrinth sagte kürzlich, die Grünen versuchten unter dem Deckmantel des Heimatbegriffs nur, ihr "altes ideologisches Multi-Kulti-Denken" zu verkaufen.
Huber: Eine absolute Öffnung nach allen Seiten birgt die Gefahr der Beliebigkeit und höhlt den Heimatbegriff aus. Aber eine gewisse Welterfahrung schadet keinem Bayern.
Dürr: Es geht zunächst um ein Grundbedürfnis nach sozialer Sicherheit, nach sich aufgehoben fühlen in der Gemeinschaft. Das unterstützen wir. Aber was machen denn die, die anders leben wollen, die werden von dem alten Heimatmodell ausgegrenzt. Dieses "mia san mia" hat mit den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen nix mehr zu tun.
Mein Vorwurf an die CSU lautet: Der alte Heimatbegriff hat nur funktioniert, indem man in der eigenen Bevölkerung Minderheiten definierte und ausgrenzte: Ausländer, Homosexuelle, Unverheiratete, lange auch Frauen. Doch heute sind diese Minderheiten oft die Mehrheit, auch in Bayern. Bestes Beispiel ist die Wahl eines jungen, offen schwulen, evangelischen SPD-Landrates im Bayerischen Wald. Deswegen braucht es einen neuen, offenen Heimatbegriff.
ZEIT ONLINE: Wie sieht der aus?
Dürr: Wir müssen uns davon verabschieden, dass es irgendwelche Einheimischen gibt, die schon immer da waren und sagen, wo es lang zu gehen hat. Wir meinen, jeder, der hier lebt, muss auch das Recht haben, die Regeln mitzubestimmen.





Wenn man das Interview so liest, dann kann man sich nicht vorstellen, dass die CSU jemals wieder eine absolute Mehrheit bekommen kann. Dafür lähmt sie eine falsch verstandene Tradition und ein daraus abgeleitetes Heimatgefühl. Dem letzten Satz von Hr. Dürr kann man eigentlich nur Applaus spenden! Toll auch "global denken, lokal handeln" - ein leider viel zu oft vergessener Leitsatz aus Rio...
a) ... an die Redaktion: Der CSU-General heißt Dobrindt mit dt. Google fragt einen sogar: "Meinten Sie Dobrindt?"
b) ... an Herrn Dürr: Mia san mia, aber hallo! Einen prägnanteren Ausdruck für unseren Freistaat gibt es i.m.o. kaum. Vielleicht assoziiere ich aber auch biographisch bedingt etwas anderes (positiveres) damit als Sie, das kann auch sein. Wie auch immer: Nicht Heimat per se ist reaktionär, sondern das, was manche Leute (immer noch) darunter verstehen.
c) ... an Herrn Huber: Sie wettern gegen Multikulti-Beliebigkeit und stellen im gleichen Atemzug heraus, wie toll Sie mit indischen Pfarrern und marokkanischen Blechbläsern klar kommen. Das ist Anbiederung, weil es unglaubwürdig ist. Sie sehen sich von der Lebenswirklichkeit des 21. Jahrhunderts dazu gezwungen, Ausländer irgendwie nicht ganz so fürchterlich zu finden wie früher, aber Sie sind nicht davon überzeugt. Das merkt man. Gerhard Polt hat Ihre Einstellung einmal sehr schön auf den Punkt gebracht: "In Bayern wird kein Mensch gezwungen, eine Minderheit zu sein. Jeder hat das Recht, sich der Mehrheit anzuschließen."
greetz, BG
An den Wahlergebnissen der letzten Jahrzehnte kann man es ablesen: ohne Not haben CDU und CSU das Bildungsbürgertum in den Städten aufgegeben - dort wählt man GRÜN. Die Gründe ist sehr leicht zu finden - die UNIONS-Wahlkampfdauerbrenner "Freiheit oder Sozialismus" oder "Bundeswehreinsatz im Innern" ziehen nicht mehr. Und vorm Roten bzw. Grünen Mann, der von Moskau gesteuert wird, fürchtet sich niemand.
Auch in der Agrarpolitik hat sich so manches von der UNION weg entwickelt: CDU und CSU halten immer noch an den Zielen des Eurokratischen Mansholt-Plans von 1968 (!) fest - Landwirte müssen entweder wachsen oder weichen. Die Folgen für den ländlichen Raum sind fatal - und überall ablesbar. Aber auch dort liefern die GRÜNEN Alternativen, die sich inzwischen bewährt haben. Ausser einem lahmen "Weiter so!" kommt von der UNION nichts - ihr sind die Konzepte abhanden gekommen.
Fakt ist: Die GRÜNEN entwickeln sich immer mehr zu einer auch für konservative Kreise wählbaren Alternative. Und je mehr CDU und CSU dagegen wüten, umso stärker werden die Grünen.
will dich gerne in deinem Glauben lassen.
Nach Statistik stimmt es ja auch. ALlerdings werden konservative genau dann aufwachen, wenn sie die Steuer und FInanzpolitik der Grünen am eigenen Leibe zu ertragen haben.
Selbt für ein beruhigtes Gewissen ein sehr hoher Preis
will dich gerne in deinem Glauben lassen.
Nach Statistik stimmt es ja auch. ALlerdings werden konservative genau dann aufwachen, wenn sie die Steuer und FInanzpolitik der Grünen am eigenen Leibe zu ertragen haben.
Selbt für ein beruhigtes Gewissen ein sehr hoher Preis
Die Grünen werden nur gewählt,weil die Bauern mit den Grünen
Geld verdienen,es gibt viele Subventionen für Biogasanlagen,
Solaranlagen usw.,den Bauern interessiert nur das Geld!Ich
lebe auf dem Lande und gewählt wird,der ihnen Geld bringt,
mit Schweinen kann man nichts mehr verdienen ausser man hat
einen Grossbetrieb,da macht es die Masse.Viele Bauern sind
für Bio,es gib sogar Bio-Pommes,natürlich wird das Extra be-
zahlt.Wer wählt in Bayern denn noch CSU,die Landbevölkerung,
da muss man sich entscheiden als CSU beim Gen-Mais,dafür oder dagegen und nicht beides wie Seehofer!Bei uns in Nie-
dersachsen genauso,Vechta,Cloppenburg und Oldenburger Land
sind Schwarz,aber gibts kein Geld mehr für die Bauern,auch
aus Brüssel,wird was anderes gewählt,bislang wählt man in
den Familien seit drei Generationen CDU/CSU.Die Kinder wer-
den schon dazu erzogen,für mich haben diese Leute ein Brett
vorm Kopf!Die KLIENTEL der CDU/CSU sind Bauern,Rentner,Be-
amte und Mittelständler(Wirtschaft),jetzt mit Wegfall der
FDP, haben sie noch von denen Zulauf und noch mehr sozial-
demokratische Politik von Merkel bringt auch noch Wähler aus
der Arbeiterschaft.
will dich gerne in deinem Glauben lassen.
Nach Statistik stimmt es ja auch. ALlerdings werden konservative genau dann aufwachen, wenn sie die Steuer und FInanzpolitik der Grünen am eigenen Leibe zu ertragen haben.
Selbt für ein beruhigtes Gewissen ein sehr hoher Preis
[...] Dobrindt ist falsch, bei "nach sich aufgehoben fühlen" muss nach dem Wort "nach" Großschreibung mit Bindestrichen folgen (nach WEM/WAS? --> Substantiv), Schreibweisen wie "nix" gehören vielleicht in einen ICQ-Chat, aber nicht in einen Artikel einer der "führenden" deutschen Zeitungen.
[...]
Gekürzt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die REdaktion/ls
Wenn die Grünen auf langer Sicht die CSU ersetzen können, kann es in diesem Land endlich weiter gehen. Weg vom Rassismus der Mitte, der Rückständigkeit im Schulsystem und in der Frauenförderung. Hin zu ökologischem und tierschutzorientiertem Denken. Der Arbeit an der Chancengleichheit und einem toleranterem Miteinander.
...ich hoffe nicht, wenn doch trägt ihr Beitrag einen deutlichen Anflug von Realsatire.
Heimat, wie Herr Dürr, sie definiert, kennt man schon unter einem anderen Namen Multikulturalismus.
Seine Feindbilder sind schnell ausgemacht: Einheimsche, Männer und Heterosexuelle, diese sind "priveligiert" und müssten dementsprechend benachteiligt werden.
Die Grünen sind Träger und Repräsenteten jener Denkschule, die manche "Politische Korrektheit" andere "Multikulturalismus" nennen:
http://wikimannia.org/ima...
Rassismus der Mitte?
den Rassismus der Mitte gibt es, wenn überhaupt bei den "linken" Parteien, und richtet sich gegen Deutsche und Europäer. So hat RotGrün in NRW wie auch in Berlin millionenschwere Integrationsgesetze erlassen, die die gezielte Bevorzugung von Migranten (besonders im öffentlichen Dienst) und im Umkehrschluss die Benachteiligung von Nichtmigranten vorsehen.
Rückständigkeit im Schulsystem?
Bayern hat das nachweislich beste Schulsystem in Deutschland. Es sind die Schulsystem traditionell rotgrün regierter Länder, die im bundesweiten Vergleich in allen Bereichen zurückfallen.
http://www.spiegel.de/fla...
...ich hoffe nicht, wenn doch trägt ihr Beitrag einen deutlichen Anflug von Realsatire.
Heimat, wie Herr Dürr, sie definiert, kennt man schon unter einem anderen Namen Multikulturalismus.
Seine Feindbilder sind schnell ausgemacht: Einheimsche, Männer und Heterosexuelle, diese sind "priveligiert" und müssten dementsprechend benachteiligt werden.
Die Grünen sind Träger und Repräsenteten jener Denkschule, die manche "Politische Korrektheit" andere "Multikulturalismus" nennen:
http://wikimannia.org/ima...
Rassismus der Mitte?
den Rassismus der Mitte gibt es, wenn überhaupt bei den "linken" Parteien, und richtet sich gegen Deutsche und Europäer. So hat RotGrün in NRW wie auch in Berlin millionenschwere Integrationsgesetze erlassen, die die gezielte Bevorzugung von Migranten (besonders im öffentlichen Dienst) und im Umkehrschluss die Benachteiligung von Nichtmigranten vorsehen.
Rückständigkeit im Schulsystem?
Bayern hat das nachweislich beste Schulsystem in Deutschland. Es sind die Schulsystem traditionell rotgrün regierter Länder, die im bundesweiten Vergleich in allen Bereichen zurückfallen.
http://www.spiegel.de/fla...
Eine gute Diskussion. Wie BlindGuardian (2.Widerspruch) es schon schön auf den Punkt brachte, klingt Herr Huber nicht authentisch, man verweist auf wenige 'exotische' Beispiele, aber kann sich von den überkommenden Heimatbegriff doch nicht lösen. Herr Dürr schlägt sich gut, aber im Grunde bei ihm nicht anders, nur mit umgekehrten Vorzeichen ("nur wenn ich weiß, wo ich hin will, weiß ich wo ich herkomme"? heißt doch nichts anderes, als dass ich mir meine Herkunft nicht bewusst mache, sondern blind in die Zukunft reise - um dann zu erfahren, wo und damit warum es hakt, sich reibt, Widerspruch erzeugt). Und walhalla (4. Die Subventionen sind's) weist auf eine wichtige Motivationslage - die Grünen sind längst etablierte Partei und arbeiten mit den gleichen Mitteln des Wählerfangs, wie die alten. Fraglich, ob ihnen das bewusst ist, "Herkommen" verdient eben doch intensivere Beschäftigung.
Aber sowohl von Huber, alsauch von Dürr eine gute Diskussion. Beide haben valide Punkte und sollten jetzt versuchen, wo denn daraus sich ein neuer, frischer und zukunftsfähiger Heimatbegriff entwickeln lässt. Denn "Konservieren" ist auch keine Antwort - Gesellschaft entwickelt sich eben.
Und auf diesem gemeinsamen Begriff sollten sie dann aufbauen und danach die Wahlkampftaktik erst aufsetzen. Sonst wird der Begriff nur zur Polarisierung missbraucht - das schadet am Ende nur allen.
In diesem Sinne: mehr davon!
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