Gauck-NominierungRösler schildert das Kandidaten-Drama

Es hätte das Ende von Schwarz-Gelb sein können: Der Vize-Kanzler erzählt offen, wie die Kandidatensuche im Kanzleramt am Sonntagabend verlief.

FDP-Chef Philipp Rösler hat bestätigt, was bisher aus Kreisen der Teilnehmer verlautete: Die Suche nach einem konsensfähigen Präsidentschaftskandidaten wäre am Sonntag beinahe im Koalitionsbruch geendet. "Die Möglichkeit, die Koalition zu beenden, ist von der Union mehrfach genannt worden", sagte Rösler der Welt. Die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf das einstimmige Votum des FDP-Präsidiums für Gauck im Kanzleramt sei "scharf" gewesen.

Merkel hätte eigentlich lieber den früheren UN-Umweltexperten Klaus Töpfer nominiert. Während die CDU-Chefin das Parteipräsidium in einer Telefonrunde gegen Gauck eingeschworen hatte, legte Rösler seine oberste Parteispitze auf den Theologen und früheren DDR-Bürgerrechtler fest. Das einstimmige Votum des FDP-Präsidiums wurde der Verhandlungsrunde im Kanzleramt über Medienberichte bekannt – ein Affront gegen den Koalitionspartner. Nach Informationen des Tagesspiegel brüllte Merkel Rösler an. Die Heftigkeit der Reaktion habe überrascht, zitiert die Zeitung einen aus der Parteispitze.

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Von dem Moment an war klar, dass Rösler Gauck durchsetzen musste, wenn er nicht als Parteichef irreparablen Schaden erleiden wollte. Um die Koalition zu retten, beendete Merkel "dieses dramatische Zwischenspiel" und gab ihren Widerstand gegen Gauck auf, bestätigte Rösler. Kurz vor der 20-Uhr-Tagesschau rief sie erneut das CDU-Präsidium an die Telefone und sagte, im Interesse eines Fortbestandes der Koalition sei es unumgänglich, den früheren Bürgerrechtler zu nominieren.

Kritiker aus der Union hatten den Liberalen wegen ihres Vorgehens Vertrauensbruch vorgeworfen. Rösler entgegnete nun, das gute Verhältnis in der Koalition sei nicht zerstört. Eine funktionierende Partnerschaft meistere "Situationen, wo auch Eigenständigkeit gefragt ist, immer souverän".

Er verteidigte sein Handel mit dem Hinweis, eine eigenständige Partei wie die FDP habe auch eine eigene Position. Zur Präsidentschaftswahl 2010 hatten die Liberalen allerdings nicht Gauck, sondern gemeinsam mit der Union Christian Wulff nominiert.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring versuchte, die Bedeutung des Verhandlungsverlaufes im Kanzleramt herunterzuspielen. Die Liberalen hätten zu keinem Zeitpunkt die Frage des Präsidentschaftskandidaten mit dem Fortbestand der Koalition verbunden, sagte er.

Niebels Sinneswandel

Den Sinneswandel der FDP verdeutlichte auch Entwicklungsminister Dirk Niebel noch einmal: "Er ist einfach der beste Mann", sagte Niebel in einem Interview. Die FDP habe eine klare Position eingenommen, weil sie der Ansicht war, dass das höchste Staatsamt "nicht über einen langen Zeitraum mit jemandem besetzt sein sollte, der erst wieder Vertrauen gewinnen muss". Joachim Gauck habe das notwendige Vertrauen in der Bevölkerung bereits.

Niebel lobte die Kanzlerin für ihr Einlenken. "Wer neue Erkenntnisse gewinnt, ist in meinen Augen kein Umfaller", sagte er. Niemand sei persönlich beschädigt. Nach der Einigung auf einen gemeinsamen Kandidaten gebe es keinen Grund für persönliche Rachegefühle.

Auch an der Spitze der Unionsfraktion wird das Koalitionsklima nicht als nachhaltig gestört bewertet. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier, sagte, zwar sei die Festlegung der FDP auf den früheren DDR-Bürgerrechtler Gauck für die Union unerwartet gekommen und "zumindest ungewöhnlich" gewesen. Die Koalition sei aber handlungsfähig und werde das bei den anstehenden Entscheidungen unter Beweis stellen."

Die Kritik aus der Union am Koalitionspartner hielt aber weiter an. "Ich finde es beachtlich, dass sich die Liberalen mit SPD und Grünen ins Bett legen", sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU). "So weit ich weiß, haben wir noch eine Koalition mit der FDP."

Wahl am 18. März

Den Vorwurf der Opposition, die in Umfragen deutlich unter fünf Prozent liegende FDP habe mit ihrem Vorpreschen lediglich von der Beliebtheit Gaucks profitieren wollen, wies Parteichef Rösler zurück. "Uns ging es um Würde und Autorität des höchsten Amtes", sagte er. Die Liberalen hätten angesichts der Umfragewerte keine Neuwahl riskiert.

Nach dem Rücktritt von Christian Wulff soll der parteilose Gauck nun am 18. März zum Bundespräsidenten gewählt werden. Im Gegensatz zu 2010 tritt der 72-Jährige diesmal als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen an.

 
Leserkommentare
  1. Also die CDU nicht.

    SPD und Grüne irgendwie auch nicht, er wurde ihnen ja als ihr Kandidat "entrissen".

    Die FDP tut so. Vor 2 Jahren wollten sie ihn nicht. Also fragliche Freude, eher eigene Profilierung.

    Die Bevölkerung? Also in allen Zeitung sind die Kommentare allergrößtenteils skeptisch bis negativ.

    Also wer freut sich? Er ist doch so "beliebt" und wird sehr "verehrt", wie man in der ZEIT liest.

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    "Gemäß einer MDR-TV-Umfrage lehnen ca 80 Prozent der Ostdeutschen im Sendergebiet des MDR Joachim Gauck als Bundespräsidenten ab.

    Der MDR hatte eine Umfrage gestartet, die sich im Laufe des Abends immer deutlicher zu Ungunsten von Joachim Gauck entwickelte.

    Daraufhin brach der Sender die Umfrage gegen 20 Uhr komplett ab.

    Die Umfrage zu Gauck bezieht sich auf die südlichen Bundesländer der ehemaligen DDR. Im Norden der ostdeutschen Länder, ist die Tendenz eher links zu wählen, noch weiter verbreitet und in Brandenburg, Ost-Berlin und Mecklemburg-Vorpommern dürften die Werte zu Ungunsten des Anti-Linken Gauck noch deutlicher ausfallen.

    Schon in Wendezeiten um 1990 galt Joachim Gauck im Osten Deutschlands als "Wendehals" der im DDR System bequem lebte und sich arrangierte und auch Westreisekader war und der mit der Stasi kungelte.
    Später spielte er sich als Stasi-Opfer auf und liess vielleicht sogar Teile seiner Stasiakte verschwinden."
    http://juergenmeyer.blogg...

    • Kelhim
    • 21.02.2012 um 11:12 Uhr

    Es ist nicht diese Euphorie, wie sie bei manchen Journalisten durchblickt, eher eine Erleichterung darüber, nun offenbar einen integren Mann des Wortes mit einer respektablen Lebensgeschichte als Staatsoberhaupt zu gewinnen. Ich würde es als Offenheit und Interesse bezeichnen.

    Persönlich bin ich sehr froh über diese Kandidatur. Ich weiß nicht, wie viele Kommentatoren hier sich die Mühe machen, Reden in voller Länge zu lesen und zu hören. Ich habe mir sie jedenfalls vor zwei Jahren und auch diesmal wieder gemacht, und ich kann behaupten, dass ich Joachim Gauck gerne Gehör geschenkt habe und dies auch in Zukunft gerne tun werde. Ich verspreche mir mehr Intellektualität, aber auch Herausforderung, einfach mehr Diskurs.

    Gemessen an dem, wie er bisher auftrat - freue ich mich, ja.

    "Gemäß einer MDR-TV-Umfrage lehnen ca 80 Prozent der Ostdeutschen im Sendergebiet des MDR Joachim Gauck als Bundespräsidenten ab.

    Der MDR hatte eine Umfrage gestartet, die sich im Laufe des Abends immer deutlicher zu Ungunsten von Joachim Gauck entwickelte.

    Daraufhin brach der Sender die Umfrage gegen 20 Uhr komplett ab.

    Die Umfrage zu Gauck bezieht sich auf die südlichen Bundesländer der ehemaligen DDR. Im Norden der ostdeutschen Länder, ist die Tendenz eher links zu wählen, noch weiter verbreitet und in Brandenburg, Ost-Berlin und Mecklemburg-Vorpommern dürften die Werte zu Ungunsten des Anti-Linken Gauck noch deutlicher ausfallen.

    Schon in Wendezeiten um 1990 galt Joachim Gauck im Osten Deutschlands als "Wendehals" der im DDR System bequem lebte und sich arrangierte und auch Westreisekader war und der mit der Stasi kungelte.
    Später spielte er sich als Stasi-Opfer auf und liess vielleicht sogar Teile seiner Stasiakte verschwinden."
    http://juergenmeyer.blogg...

    • Kelhim
    • 21.02.2012 um 11:12 Uhr

    Es ist nicht diese Euphorie, wie sie bei manchen Journalisten durchblickt, eher eine Erleichterung darüber, nun offenbar einen integren Mann des Wortes mit einer respektablen Lebensgeschichte als Staatsoberhaupt zu gewinnen. Ich würde es als Offenheit und Interesse bezeichnen.

    Persönlich bin ich sehr froh über diese Kandidatur. Ich weiß nicht, wie viele Kommentatoren hier sich die Mühe machen, Reden in voller Länge zu lesen und zu hören. Ich habe mir sie jedenfalls vor zwei Jahren und auch diesmal wieder gemacht, und ich kann behaupten, dass ich Joachim Gauck gerne Gehör geschenkt habe und dies auch in Zukunft gerne tun werde. Ich verspreche mir mehr Intellektualität, aber auch Herausforderung, einfach mehr Diskurs.

    Gemessen an dem, wie er bisher auftrat - freue ich mich, ja.

  2. ... versuche ich mir gerade bildlich vorzustellen.
    Klappt irgendwie nicht richtig. Aber ne gute Vorlage für ne Karikatur is es auf jeden Fall.
    Hoffentlich zerfleischen die sich bald gegenseitig, damit es endlich Neuwahlen gibt. Dann ist Deutschland, Europa und die Welt endlich diese Gurkentruppe los. Eurokrise hin oder her!

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    die essen doch Bananen ... :D

    "Nach Informationen des Tagesspiegel brüllte Merkel" während zu Beginn Rösler, später dann Niebel und soweiter zitiert werden, wird hierfür der Tagesspiegel herangezogen.
    Das finde ich unglaubwürdig.
    Vorallem unglaubwürdiger finde ich jedoch, dass Frau Merkels Ablehnung gegenüber Herrn Gauck oft dramatisch dargestellt wird, jedoch völlig abgeht, wieso eigentlich. Wird sie dazu nicht gefragt? Sollte es stimmen, dass sie sogar die Fassung ob dieser Entscheidung seitens der FDP-Spitze verliert, müsste doch mal dezidiert offengelegt werden, was der Grund dafür ist - liegt es konkret in der Person Gauck oder an einem machttaktischen Fakt?

    die essen doch Bananen ... :D

    "Nach Informationen des Tagesspiegel brüllte Merkel" während zu Beginn Rösler, später dann Niebel und soweiter zitiert werden, wird hierfür der Tagesspiegel herangezogen.
    Das finde ich unglaubwürdig.
    Vorallem unglaubwürdiger finde ich jedoch, dass Frau Merkels Ablehnung gegenüber Herrn Gauck oft dramatisch dargestellt wird, jedoch völlig abgeht, wieso eigentlich. Wird sie dazu nicht gefragt? Sollte es stimmen, dass sie sogar die Fassung ob dieser Entscheidung seitens der FDP-Spitze verliert, müsste doch mal dezidiert offengelegt werden, was der Grund dafür ist - liegt es konkret in der Person Gauck oder an einem machttaktischen Fakt?

  3. "Gemäß einer MDR-TV-Umfrage lehnen ca 80 Prozent der Ostdeutschen im Sendergebiet des MDR Joachim Gauck als Bundespräsidenten ab.

    Der MDR hatte eine Umfrage gestartet, die sich im Laufe des Abends immer deutlicher zu Ungunsten von Joachim Gauck entwickelte.

    Daraufhin brach der Sender die Umfrage gegen 20 Uhr komplett ab.

    Die Umfrage zu Gauck bezieht sich auf die südlichen Bundesländer der ehemaligen DDR. Im Norden der ostdeutschen Länder, ist die Tendenz eher links zu wählen, noch weiter verbreitet und in Brandenburg, Ost-Berlin und Mecklemburg-Vorpommern dürften die Werte zu Ungunsten des Anti-Linken Gauck noch deutlicher ausfallen.

    Schon in Wendezeiten um 1990 galt Joachim Gauck im Osten Deutschlands als "Wendehals" der im DDR System bequem lebte und sich arrangierte und auch Westreisekader war und der mit der Stasi kungelte.
    Später spielte er sich als Stasi-Opfer auf und liess vielleicht sogar Teile seiner Stasiakte verschwinden."
    http://juergenmeyer.blogg...

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    Frau Merkel lebte in der DDR angepasst und reckte erstmals im Dezember 1989 ihr Köpfchen und schaute, wo sie am besten unterkommen könnte. Von Bürgerrechtlerin vor der Wende keine Spur. Im Gegensatz zu Herrn Gauck. Wenn man beide Biografien, die von Merkel und Gauck nebeneinander legt, und zwar die vor 1989, dann erkennt man den großen Unterschied zwischen beiden. Und das ist Frau Merkels größtes Problem. Sie hat im Gegensatz zu vielen anderen ihr "Ost"-Trauma nicht überwunden. Daher sehe ich in der Ablehnung von Herrn Gauck bei ihr zum großen Teil ganz persönliche Gründe. Sie macht sich daher, was Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Bigrafie angreifbar.

    • Jappie
    • 21.02.2012 um 11:43 Uhr

    ... und die folgende(n) Verlinkungen äußern Vorwürfe, die ich gestern versucht habe, im Original zu lesen. Soweit das überhaupt möglich ist, sind die Vorwürfe dann doch nicht so brisant, wie sie in der verkürzten Form erscheinen. Auch die Umfrage sagt deutlich, dass die Nein-Stimmen erst dann drasitsch anstiegen, als per Twitter mit #notmypresident darauf hingewiesen wurde - also ist die Umfrage stark tendenziös mit ablehnenden Meinungen überfrachtet und nicht aussagkräftig.

    Die Aufklärung von Gaucks DDR-Vergangenheit wird nicht einfach - könnte aber neues Verständniss für das Leben in Kirchenkreisen in der ehem. DDR bringen. Dort bestand bekanntermaßen ein Mikrokosmos, der sich deutlich vom allgemeinen Leben in der DDR unterschied. So waren Westreisen von Pastorinnen und Pastoren nicht etwa etwas so seltenes, wie gerne dargestellt (gerade ab Mitte der 80er). Auch dieser immer wieder genannte VW-Bus ist für mich erstmal nichts außergewöhnliches (das dieser von der Stasi stammt, finde ich nirgends belegt).

    Vergessen darf man nicht, dass in der Zeit nicht nur Parteien der Mitte und linke Gruppierungen entstanden, sondern auch Parteien wie die DSU, die rechts der CDU zu verorten sind. Auch deren Gründer waren im weitesten Sinne Bürgerbewegte - nur eben nicht auf progressive Umgestaltung, sondern auf Besitzstandswahrung ihrer oportunistisch-gehobenen Gesellschaftstsellung bedachte.

    Allerdings scheint der Begriff *Wendehals* für Gauck zutreffend.

    Ja, wo sie sind die Gauck-Verehrer weiß wohl nur das zdf. Hab auch noch keinen getroffen. Und der MDR hat ernsthaft ne Umfrage abgebrochen, die das belegt, weils nicht in den Kram passt?? Haben sie eine Quelle?

    > Gemäß einer MDR-TV-Umfrage lehnen ca 80 Prozent der Ostdeutschen im Sendergebiet des MDR Joachim Gauck als Bundespräsidenten ab.
    > Der MDR hatte eine Umfrage gestartet, die sich im Laufe des Abends immer deutlicher zu Ungunsten von Joachim Gauck entwickelte.
    > Daraufhin brach der Sender die Umfrage gegen 20 Uhr komplett ab.

    Also bitte, eine Onlineumfrage hat überhaupt nichts zu sagen. Da steht immer zu Recht: "nicht repräsentativ". Solche Umfragen kann man schnell kapern wenn man z.B. in einschlägigen Blogs jene verlinkt, hier Fefe. Nichts gegen Fefe, das zeigt ja nur wie unsinnig solche Umfragen sind und dass sie als Argumentationshilfe nicht taugen. Das zeigt übrigends auch die Reaktion des MDR, der die Umfrage lautlos einstampfte.

    Frau Merkel lebte in der DDR angepasst und reckte erstmals im Dezember 1989 ihr Köpfchen und schaute, wo sie am besten unterkommen könnte. Von Bürgerrechtlerin vor der Wende keine Spur. Im Gegensatz zu Herrn Gauck. Wenn man beide Biografien, die von Merkel und Gauck nebeneinander legt, und zwar die vor 1989, dann erkennt man den großen Unterschied zwischen beiden. Und das ist Frau Merkels größtes Problem. Sie hat im Gegensatz zu vielen anderen ihr "Ost"-Trauma nicht überwunden. Daher sehe ich in der Ablehnung von Herrn Gauck bei ihr zum großen Teil ganz persönliche Gründe. Sie macht sich daher, was Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Bigrafie angreifbar.

    • Jappie
    • 21.02.2012 um 11:43 Uhr

    ... und die folgende(n) Verlinkungen äußern Vorwürfe, die ich gestern versucht habe, im Original zu lesen. Soweit das überhaupt möglich ist, sind die Vorwürfe dann doch nicht so brisant, wie sie in der verkürzten Form erscheinen. Auch die Umfrage sagt deutlich, dass die Nein-Stimmen erst dann drasitsch anstiegen, als per Twitter mit #notmypresident darauf hingewiesen wurde - also ist die Umfrage stark tendenziös mit ablehnenden Meinungen überfrachtet und nicht aussagkräftig.

    Die Aufklärung von Gaucks DDR-Vergangenheit wird nicht einfach - könnte aber neues Verständniss für das Leben in Kirchenkreisen in der ehem. DDR bringen. Dort bestand bekanntermaßen ein Mikrokosmos, der sich deutlich vom allgemeinen Leben in der DDR unterschied. So waren Westreisen von Pastorinnen und Pastoren nicht etwa etwas so seltenes, wie gerne dargestellt (gerade ab Mitte der 80er). Auch dieser immer wieder genannte VW-Bus ist für mich erstmal nichts außergewöhnliches (das dieser von der Stasi stammt, finde ich nirgends belegt).

    Vergessen darf man nicht, dass in der Zeit nicht nur Parteien der Mitte und linke Gruppierungen entstanden, sondern auch Parteien wie die DSU, die rechts der CDU zu verorten sind. Auch deren Gründer waren im weitesten Sinne Bürgerbewegte - nur eben nicht auf progressive Umgestaltung, sondern auf Besitzstandswahrung ihrer oportunistisch-gehobenen Gesellschaftstsellung bedachte.

    Allerdings scheint der Begriff *Wendehals* für Gauck zutreffend.

    Ja, wo sie sind die Gauck-Verehrer weiß wohl nur das zdf. Hab auch noch keinen getroffen. Und der MDR hat ernsthaft ne Umfrage abgebrochen, die das belegt, weils nicht in den Kram passt?? Haben sie eine Quelle?

    > Gemäß einer MDR-TV-Umfrage lehnen ca 80 Prozent der Ostdeutschen im Sendergebiet des MDR Joachim Gauck als Bundespräsidenten ab.
    > Der MDR hatte eine Umfrage gestartet, die sich im Laufe des Abends immer deutlicher zu Ungunsten von Joachim Gauck entwickelte.
    > Daraufhin brach der Sender die Umfrage gegen 20 Uhr komplett ab.

    Also bitte, eine Onlineumfrage hat überhaupt nichts zu sagen. Da steht immer zu Recht: "nicht repräsentativ". Solche Umfragen kann man schnell kapern wenn man z.B. in einschlägigen Blogs jene verlinkt, hier Fefe. Nichts gegen Fefe, das zeigt ja nur wie unsinnig solche Umfragen sind und dass sie als Argumentationshilfe nicht taugen. Das zeigt übrigends auch die Reaktion des MDR, der die Umfrage lautlos einstampfte.

  4. Man sollte hier nicht unnötig dramatisieren. Wenn ich mich recht erinnere wurde Herrn Rösler zumeist vorgeworften, das kleine Hündchen von Frau Merckel zu sein. Nun hat er sie mal gebissen.

    Natürlich musste die FDP auch mal Position beziehen, insbesondere wenn der Kandidat weit eher mit der FDP und ihren Werten kompatibel ist, als mit den Visionen einer Claudia Roth oder Andrea Nahles (was die wohl noch nicht ganz kapiert haben).

    Nur weil die FDP bei der letzten Wahl den CDU Kandidaten unterstützten hat, macht daraus doch keine betriebliche Übung. Zumal schon damals viele Liberale insgeheim eher Gauck wählen wollten. Also bitte die Kirche im Dorf lassen.

    13 Leserempfehlungen
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    denn beharrt ein politiker auf seine position, ist er unflexibel,
    nimmt er neue möglichkeiten wahr und ändert eine ansicht, ist er ein umfaller oder jemandes hündchen.

    denn beharrt ein politiker auf seine position, ist er unflexibel,
    nimmt er neue möglichkeiten wahr und ändert eine ansicht, ist er ein umfaller oder jemandes hündchen.

  5. Da stellt sich eine knapp 3-Prozent-Partei hin und riskiert mit einem Affront ihre Existenz, in dem sie mit einem Bruch der Koalition droht und mit Neuwahlen spielt?

    Kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

    Aus meiner Sicht erleben wir hier gerade ein Riesenschauspiel. Ich tippe nach wie vor darauf, dass diese Charade im Bundeskanzleramt zwischen den Parteivorsitzenden im Vorfeld ausgetüfftelt wurde, um den Mini-Koalitionspartner aus dem Umfragetief zu holen.

    Alles andere macht für mich jedenfalls keinen Sinn.

    11 Leserempfehlungen
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    ... noch irgendein politisches Thema, bei dem nicht spätestens nach zwei Minuten alle Sorten sinistrer Verschwörungstheoretiker mit ihren phantasievollen Mutmaßungen aufwarten?

    Danke für Ihren Kommentar, genau so ist es!
    Ganz, ganz schlechtes Theater.
    Merkel & Co haben am Wochenende womöglich ernsthaft nochmal nachgedacht über eine Alternative. Klar musste aber für Sie und ihre Berater sein, dass Gauck in der Bevölkerung gewollt ist (auch wenn nach erstem Namen nennen, auch erste kritische Stimmen laut wurden, zu diesem Zeitpunkt war Gauck klarer Favorit). Und was macht man wenn man taktisch u. opportunistisch hantieren muss/möchte? Na, man gibt den letzten 8-9 verbliebenen FDPlern einen Brocken blutiges Fleisch, macht ein bisschen Theater von wegen "Erpressung" (dass ich nicht lache ;-) und hat so den Kandidaten den man anders ohne Gesichtsverlust nicht mehr hätte benenne können. Und im Zweifel kann man später auch nix dafür wenns schief geht, super!
    Alle Zweifel über diese oder eine sehr ähnliche Situation vorgestern, werden zerstreut, wenn man sich die Ansage von Rösler nochmal anschaut. Meine Güte, sie haben dem Kindchen bestimmt aufgeschrieben was er sagen soll... aber wie er es "vorträgt" ... wie der 8-jährige Hirte beim Weihnachtsspiel in der Grundschule. Ich hätt mir beinah vor Freude vor so viel Ungeschick, Pipi in die Hose gemacht!

    >> Kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. <<

    ... da nicht die Akteure? Ich würde "Hanlons Rasiermesser" bevorzugen:

    "Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist."
    Mehr: http://de.wikipedia.org/w...

    für das mehrfach um die Ecke denken...ja, ja, anders ganz es gar nicht gewesen sein...Sie liegen mit Ihren Vermutungen bestimmt nicht daneben...oder vielleicht doch?....nein, nein, genauso war und ist es.

    • Nest
    • 21.02.2012 um 11:06 Uhr

    wieso sollte Merkel sich der nahezu bedeutungslosen FDP beugen? Stehen doch SPD und Grüne schon bereit, ihr die Stiefel zu lecken.

    • Kelhim
    • 21.02.2012 um 11:15 Uhr

    Mittlerweile unterstellen manche Kommentatoren, in jeder noch so klaren Niederlage von Angela Merkel stecke eine ungeheure Strategie.

    Eine Partei, die sowieso unter der 5%-Grenze dümpelt, kann nur so wieder auftauchen. Auf die Meinung der Bevölkerung im Osten kann man ja pfeifen (nicht, dass ich mich damit identifiziere!) Aber im Westen wird es Eindruck machen. Jetzt gleich noch ein bisschen zur Opposition schielen und mit neuen Farbkombinationen spielen...

    ... noch irgendein politisches Thema, bei dem nicht spätestens nach zwei Minuten alle Sorten sinistrer Verschwörungstheoretiker mit ihren phantasievollen Mutmaßungen aufwarten?

    Danke für Ihren Kommentar, genau so ist es!
    Ganz, ganz schlechtes Theater.
    Merkel & Co haben am Wochenende womöglich ernsthaft nochmal nachgedacht über eine Alternative. Klar musste aber für Sie und ihre Berater sein, dass Gauck in der Bevölkerung gewollt ist (auch wenn nach erstem Namen nennen, auch erste kritische Stimmen laut wurden, zu diesem Zeitpunkt war Gauck klarer Favorit). Und was macht man wenn man taktisch u. opportunistisch hantieren muss/möchte? Na, man gibt den letzten 8-9 verbliebenen FDPlern einen Brocken blutiges Fleisch, macht ein bisschen Theater von wegen "Erpressung" (dass ich nicht lache ;-) und hat so den Kandidaten den man anders ohne Gesichtsverlust nicht mehr hätte benenne können. Und im Zweifel kann man später auch nix dafür wenns schief geht, super!
    Alle Zweifel über diese oder eine sehr ähnliche Situation vorgestern, werden zerstreut, wenn man sich die Ansage von Rösler nochmal anschaut. Meine Güte, sie haben dem Kindchen bestimmt aufgeschrieben was er sagen soll... aber wie er es "vorträgt" ... wie der 8-jährige Hirte beim Weihnachtsspiel in der Grundschule. Ich hätt mir beinah vor Freude vor so viel Ungeschick, Pipi in die Hose gemacht!

    >> Kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. <<

    ... da nicht die Akteure? Ich würde "Hanlons Rasiermesser" bevorzugen:

    "Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist."
    Mehr: http://de.wikipedia.org/w...

    für das mehrfach um die Ecke denken...ja, ja, anders ganz es gar nicht gewesen sein...Sie liegen mit Ihren Vermutungen bestimmt nicht daneben...oder vielleicht doch?....nein, nein, genauso war und ist es.

    • Nest
    • 21.02.2012 um 11:06 Uhr

    wieso sollte Merkel sich der nahezu bedeutungslosen FDP beugen? Stehen doch SPD und Grüne schon bereit, ihr die Stiefel zu lecken.

    • Kelhim
    • 21.02.2012 um 11:15 Uhr

    Mittlerweile unterstellen manche Kommentatoren, in jeder noch so klaren Niederlage von Angela Merkel stecke eine ungeheure Strategie.

    Eine Partei, die sowieso unter der 5%-Grenze dümpelt, kann nur so wieder auftauchen. Auf die Meinung der Bevölkerung im Osten kann man ja pfeifen (nicht, dass ich mich damit identifiziere!) Aber im Westen wird es Eindruck machen. Jetzt gleich noch ein bisschen zur Opposition schielen und mit neuen Farbkombinationen spielen...

  6. Da war doch dieser Artikel mit der Lobhudelei ....

    Es stand doch da >
    Die mühsame, rasche Einigung auf Gauck zeigt zweierlei: Schwarz-Gelb löst sich langsam auf. Und Merkel gewinnt – selbst dann, wenn sie einknickt. <

    Super. 95% aller Kommentare haben das Gegenteil behauptet. Und hier steht jetzt auch richtigerweise ...

    > Die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf das einstimmige Votum des FDP-Präsidiums für Gauck im Kanzleramt sei "scharf" gewesen. + Nach Informationen des Tagesspiegel brüllte Merkel Rösler an. <

    Genau. Mutti hat verloren, auf ganzer Linie. Allerdings hat Rösler auch nur vordergründig etwas "gewonnen".

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  7. ...wenn sie die vermeintliche Belastung der Koalition bis zur Sollbruchstelle so in Rage bringt, eigentlich vor wenigen Wochen auch ihre Parteifreundin Kramp-Karrenbauer angebrüllt?
    Oder hat sie etwa gemeint, weil die FDP da sehr moderat auf diesen CDU - Affront reagierte, man könne die Liberalen ad infinitum als Wischmop oder Fußabtreter behandeln? Hat sie da vielleicht nicht bedacht, was ihr Parteifreund Bosbach jetzt schäumend in Erinnerung zu rufen weiß? Daß man sich immer zweimal im Leben begegnet?
    Ich habe den Eindruck, daß die FDP spät, aber vielleicht noch nicht zu spät begriffen hat, daß Frau Merkel zwar das politische Ziehkind von Helmut Kohl sein mag, Strategie und Taktik von Machterringung,-ausübung und -sicherung aber
    offenbar bei dem Alten aus Rhöndorf studiert hat, der ja
    ein Meister darin war, kleinere Parteien an seine liebevolle Koalitionsbrust zu ziehen, um sie dort mählich in liebevoller Umarmung zu zerdrücken.
    Dieses Rezept - den kleineren Partner so schnell und so geschickt über den Tisch zu ziehen, daß er die dabei entstehende Reibungshitze für Nestwärme hält - ist diesmal nicht aufgegangen. Und das ist gut so.

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  8. von Eckhart Fuhr. Gerade aus dem Hause Springer hätte man solch Eingeständnis gar nicht erwartet. Wie dem auch sei.

    "Neu ist etwas anderes: Joachim Gauck ist der erste Medien-Bundespräsident der Bundesrepublik. Seine Legitimation ist ihm im Wortsinne zugeschrieben. Die Bundesversammlung kann diese Zuschreibung nur notifizieren, worüber verfassungspolitisch zumindest nachzudenken ist.

    Gab es in der Geschichte der Bundesrepublik je eine Situation, in der die Medien als sogenannte „vierte Gewalt“ sich so explizit als Teil der Staatsgewalt verstanden?

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