Geboren 2012 Wer regiert uns morgen?

Starke Bürger, wankende Parteien, ostdeutsche Experimente: Wie funktioniert das politische Geschäft der Zukunft? Vier Politiker wagen den Blick voraus

Guten Politiker denken immer nach vorne. Dies umso mehr, als die großen Herausforderungen, denen sich die Politik gegenwärtig zu stellen hat, sehr langfristig wirken werden: Klimawandel, demografischer Wandel, Globalisierung sind Trends, die die Welt über viele Jahrzehnte hinweg bestimmen werden.

Geboren 2012 - Die Themenwoche

Wenig fasziniert Menschen so sehr wie die Zukunft. Wie werden wir morgen leben? Wie werden sich unsere Umwelt und unsere Gesellschaft verändern? ZEIT ONLINE wagt den Blick voraus. In zehn Folgen einer Themenwoche fragen wir: Was für ein Leben wird ein Mensch haben, wenn er 2012 geboren wird? Wie wird er lernen, essen, kommunizieren, arbeiten, wie wohnen, lieben, krank werden, regiert werden? Wie wird es schließlich sein, wenn er selbst Kinder bekommt?

Die Antworten, die diese Serie gibt, sind keine allgemeinen. Denn Alexander Geseke, der Held der einzelnen Geschichten, wurde tatsächlich am 3. Februar in Hamburg geboren. Ein echter Mensch also, am Anfang seines Lebens. Geboren 2012 erzählt, was Alexander in seinem Leben begegnen könnte. Allerdings: Alexander ist nicht der richtige Name der Hauptperson. Auch die Namen seiner Eltern wurden geändert, Bilder und Videos der Familie sind nicht mit ihren wirklichen Namen verbunden.

Die Folgen der Serie

Bisher erschienen:

Zukunftsforschung: Warum wir das Unmögliche wagen

Geboren 2012: Alexanders Zukunft beginnt mit 3.690 Gramm

Lernen 2022: Hausaufgaben sind archaischer Unsinn

Politik 2030: Scheitert die Energiewende an einer Eiche?

Essen 2032: Da sagt der Kühlschrank etwas anderes

Kommunizieren 2037: Ein Holo für den Hemdenschneider

Arbeiten 2042: Gleitzeit für immer

Wohnen 2047: Tomaten aus dem Parkhaus

Lieben 2048: Und ewig lockt das Netzwerk

Im Krankenhaus 2050: Alexander wird durchsichtig

Eltern werden 2052: Was ist ein Baby?

Demografie-Rechner: Wo stehen Sie im Gruppenbild unserer Gesellschaft?

Dennoch ist es nicht leicht, sich vorzustellen, wie sich das politische Geschäft in Zukunft verändern wird. Denn Politik ist auch immer im Jetzt verhaftet. Täglich können die Bedingungen wechseln, unter denen Mehrheiten organisiert und Entscheidungen getroffen werden müssen:  Bündnisse, eben noch stabil, können plötzlich zerbrechen, die Wählergunst kann von jetzt auf gleich verloren gehen oder gewonnen werden.

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ZEIT ONLINE hat deshalb junge Politiker befragt, wie sie sich das politische Geschäft der Zukunft vorstellen. Sie alle betreiben die Politik professionell, vertreten verschiedene Weltanschauungen und blicken schon auf einige Jahre an Erfahrung zurück. Aber sie alle können berechtigt erwarten, dass sie noch lange Karriere im politischen Raum erwarten. Wie also stellen sie sich die Zukunft ihrer Profession vor?

Politiker müssen authentische Übersetzer werden

Robert Habeck

ist Landesvorsitzender der Grünen in  Schleswig-Holstein

"Das Erstaunliche ist doch, dass gerade im Zeitalter der Vermassung und größten Anonymität unter den Bürgern der Wunsch stark wächst, dass Politiker sich ihnen persönlich zuwenden. Sie sollen den Alltag möglichst jeden einzelne Wählers verstehen oder das zumindest glaubwürdig versuchen. Die Leute kuscheln eben nicht mit ihrem Handy oder ihrem Smartphone, die pure Information genügt ihnen nicht. Vielmehr werden persönliche Beziehungen wichtiger. Wer diesen Wunsch nach Nähe bedienen kann, hat die Chance,  innerhalb der demokratischen Spielmöglichkeiten von der Wahl bis zur direktdemokratischen Auseinandersetzung sehr viel Einfluss zu gewinnen. 

Geboren 2012
Wie werden wir morgen leben? Bitte klicken Sie auf das Bild, um zum Schwerpunkt Zukunftsforschung zu gelangen.

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Für den Politiker wird in Zukunft die Spannung noch stärker spürbar werden zwischen der Fachpolitik einerseits, in die er tief eintauchen muss, um sich nicht von Lobbyisten oder Teilen der Verwaltung über den Tisch ziehen zu lassen, und andererseits der Aufgabe, die immer komplexeren Entscheidungen für die Bürger verstehbar zu machen, sie in ihrer Relevanz für deren alltägliches Leben zu übersetzen. Entscheidend  für den Erfolg eines Politikers wird der Gestus sein, mit dem er diese Übersetzung betreibt. Denn wir haben es schon heute mit sehr selbstbewussten Bürgern zu tun, die nicht mehr Objekt, sondern Subjekt von Entscheidungen sein wollen."

Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv und verzichten auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

  2. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Also bei Grundsaatzfragen werden sich meiner Ansicht nach relativ leich Bürgerinitiativen etc. bbilden, die den Parteien konkurrenz machen. Auch die Komplexität von Fragestellungen wird da nicht abschreckend wirken, denn wer braucht schon Informationen wenn man ne Meinung hat^^

    Ich befürchte, dass den Parteien eher der Kleinkram bleibt, also die 1.000 Gesetzesänderungen pro Jahr die in der breiten Öffentlichkeit kein Schwein interessiert. Ob Parteien mit diesem Aufgabenfeld überleben können ist meiner Ansicht nach eine der Schicksalsfragen für die Zukunft der Politik.

  4. werden die Online Communitys den überkommenen politischen Parteien zunehmend den Rang ablaufen, was die politische Meinungsbildung betrifft. Nicht das die etablierten Parteien bisher diesen ihren Auftrag in der Praxis auch tatsächlich ernst und wahrgenommen hätten, zumindest nicht jenseits von überwiegend egoistisch intendierten Aktivitäten.

    Es werden sich zu jeweils im Raum stehenden, bedeutsamen Themen Diskussionsgruppen und ggf. Mehrheiten bilden, wenn nicht gar kritische Massen generieren, um diese Interessen wirksam zu thematisieren, zu bewerben und an geeigneten Stellen zu platzieren, die dann hoffentlich nicht mehr so einfach von Parteipolitikern übergangen werden können, wie es heute üblich ist, wenn das was da dem Bürger auf den Nägeln brennt, partout nicht in Parteiprogramm (oder den Gusto des Parteiklientels) passen will.

    Das alles gibt es zwar auch schon heute schon, wie am positiven Beispiel der Occupy-Bewegung deutlich sichtbar. Doch werden solche öffentlichen Meinungsbekundungen zukünftig immer weiter zunehmen, mehr Zuhörer und Befürworter finden, immer wirkmächtiger werden, während der Einfuß der politischen Parteien parallel dazu, dank künftig sicher noch weiter zunehmender Transparentwerdung der oft dubiosen und unredlichen Machenschaften von politischen Protagonisten und der unheilvollen Verfilzung von Politik und Wirtschaft/Kapital, dem entsprechend (verdient) dahin schwindet.

  5. ...und vor dem Aussterben bedroht.
    Die Idee des 18/19.Jahrhunderts, dass Menschen Parteien Wählen, die Abgeordnete stellen und dann im Namen des Volkes Entscheidungen treffen, passt nicht mehr ins 21.Jahrhundert.
    Der mündige Bürger ist nun mal schlauer als früher und will/braucht sich von Parteipolitikern nicht mehr in allem stellvertreten lassen -er/sie will selbst entscheiden.

    • Ullli
    • 23.02.2012 um 16:22 Uhr

    http://www.zeit.de/1975/1...

    Bisher habe ich noch keine aktuelle Statistik gefunden, aus der die Berufsgruppen der Parlamentarier im Bundestag, in den Land-und Kreistagen sowie in den Kommunen hervorgeht. Anscheinend sind Beamte und Angestellte aus dem öffentlichen Dienst in der Mehrheit, gefolgt von Rechtsanwälten und Gewerkschaftsfunktionären.
    Vermutlich wenden sich deshalb viele Wähler von den etablierten Parteien ab und wählen Piraten oder freie Wählergemeinschaften - wer weiß ?

  6. Parteien sind wichtig und werden die politische Richtung einer Nation vordenken und vorschlagen. Die Parteien gehören zur Lösungsfindung jeder Parlamentarischen, Präsidialen oder Direkten Demokratie.

    Was sich aber konkret ändern wird, ist die Rolle des Volkes, das die Vorschläge der Parlamentarier entweder still genehmigt oder mit einem Referendum per Volksabstimmung an der Urne endgültig entscheidet.

    Mit diesem Instrument wird das Volk zum Kontrollorgan der Regierung, die bis dato jeden Kurs einschlagen konnte (auch wenn er um 180° gedreht wurde), so lange er nicht verfassungsfeindlich war.

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