Eigentlich ist es ja ziemlich irrelevant, wen die Linke als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt nominiert . Joachim Gauck , der Kandidat von Schwarz-Gelb und Rot-Grün, wird mit großem Abstand gewinnen. In der Bundesversammlung hat der Linken-Kandidat keine Chance, so überzeugend er auch sein mag.

Dennoch ist es gut, dass sich die Linke am Donnerstag dafür entschieden hat, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Andernfalls hätten ihre Wahlmänner drei Optionen gehabt, jede einzelne nicht besonders attraktiv: Sie hätten Gauck wählen können, den man in der Linken aus mehreren Gründen ablehnt und den man nicht mitküren durfte. Oder einen rechtsextremen Kandidaten, den die NPD mutmaßlich noch nominieren wird. Oder sie hätten sich enthalten müssen. Da ist es schon besser zu zeigen, dass es auch im Umfeld der Linken interessante, wirkungsmächtige Persönlichkeiten gibt.

Damit beginnen allerdings die Probleme. Die Linken können sich auf eine einleuchtende Alternative zu Gauck nicht einigen. Vier Stunden tagte am Donnerstag der Parteivorstand. Die Pressekonferenz hinterher wurde mehrfach verschoben. Heraus kam, dass man "drei hervorragende Kandidaten" zur Verfügung habe, wie es Parteichefin Gesine Lötzsch hinterher verkündete.

Und diese treten nun vier Tage lang gegeneinander an. Bis Montag haben die drei Anwärter die Möglichkeit, vor einem nicht genauer benannten Gremium der Linken vorzusingen. "Seriöse Einzelgespräche" werden das, so verspricht Lötzsch. Bei der Urteilsfindung soll die öffentliche und innerparteiliche Meinung berücksichtigt werden. Auch den Dialog zu Gauck-Gegnern in anderen Parteien (explizit werden Piraten und Grüne genannt) will die Linke suchen.

Der perfekte Gegenkandidat zu Gauck

Entschieden wird am Montag. Das dann allerdings reichlich intransparent und hierarchisch: Der Vorstand plus Oskar Lafontaine kommt erneut zusammen. Das Karl-Liebknecht-Haus wird erst wieder verlassen, wenn man sich geeinigt hat.

Was muss er haben, der perfekte Gegenkandidat zu Gauck? In erster Linie Intellekt, argumentieren Lafontaine und einige andere. Er müsse sich auf einem ähnlichen rhetorischen und geistigen Niveau bewegen, damit sich die Linke nicht blamiert. Lafontaines Favorit heißt deshalb Christoph Butterwegge. Der Kölner Politikwissenschaftler würde seine Kandidatur nutzen, um mit all seiner akademischen Expertise auf "die soziale Spaltung in Deutschland" hinzuweisen, wie er bereits ankündigte. Eine Programmatik ganz nach dem Geschmack der Parteiführung.

Probleme hätte die Partei dagegen mit Beate Klarsfeld . Die Journalistin und Nazi-Jägerin hat in den vergangenen Tagen durch offenherzige Interviews aus Paris bereits gezeigt, dass sie von der Parteispitze kaum zu kontrollieren wäre. Sie werde als Kandidatin nicht die "Politik der Linken" vertreten, hat Klarsfeld bereits angekündigt. Sie würde vermutlich in erster Linie Chaos und Meinungsstreit bei den Linken produzieren, weniger eine mobilisierende Debatte gegen Gauck.