Bundesanwaltschaft : Mutmaßlicher marokkanischer Spion in Berlin festgenommen

Die Bundesanwaltschaft hat einen mutmaßlichen Spion Marokkos festnehmen lassen. Der Mann soll marokkanische Aktivisten an den Geheimdienst seines Landes verraten haben.
Eine Truppe der Westsahara-Rebellenbewegung Frente Polisario, deren Anhänger der mutmaßliche Spion verraten haben soll. © Dominque Faget/AFP/Getty Images

Die Bundesanwaltschaft hat in Berlin einen 56-jährigen Marokkaner wegen mutmaßlicher Spionage festnehmen lassen. Er sei dringend verdächtig, Informationen über in Deutschland lebende Landsleute an den marokkanischen Geheimdienst weitergegeben zu haben. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs ordnete Untersuchungshaft an.

Dem Festgenommenen wird geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen. Insbesondere soll er Informationen über Anhänger der Widerstandsbewegung für die Westsahara , Frente Polisario, beschafft haben. Die Rebellenbewegung kämpft mit Unterstützung Algeriens für die vollständige Unabhängigkeit der Westsahara . Die Region war früher eine spanische Kolonie, die nach ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1975 von Marokko annektiert wurde.

Zugleich wurden seine Wohnung sowie die Wohn- und Geschäftsräume zweier weiterer Beschuldigter durchsucht. Der Bundesanwaltschaft zufolge wurden neben der Wohnung des Festgenommenen und den Räumlichkeiten eines Vereins auch die Wohn- und Geschäftsräume zweier weiterer Beschuldigter durchsucht. An dem Einsatz waren etwa 60 Polizisten beteiligt.

Erst Anfang Februar waren in Berlin zwei mutmaßliche syrische Agenten festgenommen worden, die seit Jahren in Deutschland lebende Oppositionelle planmäßig beobachtet und ausgeforscht haben sollen. Die beiden Männer im Alter von 47 und 34 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Gegen sechs weitere Verdächtige wird ermittelt. Wenige Tage später hatte die Bundesregierung vier syrische Diplomaten ausgewiesen.

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Zufall oder ist die Bundesanwaltschaft = Aussenpolitik

Also diese Nachricht wundert mich nicht mehr. Es ist allerdings sehr auffallend, dass Deutschland zu einer Eskalation im Nahen Osten beitraegt, indem es angebliche Spione aus dem Nahen Osten verhaftet. Und es ist sehr traurig, dass Auslaender nun kriminalisiert werden. Es waere gut, wenn die Bundesanwaltschaft sich mal wieder um ihren Zustaendigkeitsbereich kuemmert fuer den sie auch zustaendig ist und das ist seit Ende des Kalten Krieges nicht die Terrorismusbekaempfung, sondern hauptsaechlich andere Gebiete. Es ist auch nur allzu verstaendlich, dass nach der Aktenlage und den Umbau der Sicherheitsbehoerden ein Schachern um die Sachgebiete und Finanzquellen beginnt. Denn nachdem aufgedeckt wurde, dass der Verfassungsschutz vornehmlich geschlafen hat und Kriminelle unterstuetzt hat, ist wohl klar, dass auch hier eine Art Ablenkung versucht wird, um sein 'Hoheitsgebiet' zu sichern.
Ein anderer Punkt ist die Tatsache, dass es erschreckt, wie Deutschland nun Aussenpolitik, macht und dabei auslaendische Buerger in den Fokus rueckt. Denn eines ist klar, durch die absolute Abschottung gegenueber anderen Kulturen, wird das Bild Deutschlands im Ausland nicht unbedingt sympatischer. Und in der jetzigen angespannten Situation zwischen Iran und Israel finde ich es mehr als fragwuerdig, um nicht zu sagen geradezu sehr undiplomatisch und falsch, auslaendische Buerger als Spione zu deklarieren nur um seine eigenen Interessen durchzusetzen.