Rechtsterrorismus Parlamentarische Aufklärer in Nöten
Deutsche Politiker wollen das Versagen der Behörden bei der Verfolgung der Terrorzelle NSU untersuchen. Ob sie überhaupt etwas erreichen können, ist unklar.
Für das offenkundige Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Verfolgung der Zwickauer Rechtsterroristen gibt es viele Beispiele. Ein sehr drastisches stammt vom Anfang der Ermittlungen: Warum behielt die Thüringer Polizei Uwe Böhnhardt nicht im Auge, als 1998 seine Garage nach Sprengstoff durchsucht wurde? Der als gewaltbereit bekannte Rechtsextremist setzte sich einfach ins Auto und fuhr davon. Als die Polizei die 1,4 Kilogramm TNT fand, waren er, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe längst abgetaucht.
Später erkannten die Ermittler keinen Zusammenhang zwischen den Banküberfällen in Sachsen und den plötzlich ausgestandenen Geldproblemen der Untergetauchten, über die V-Leute aus dem Umfeld der Rechtsterroristen zuvor immer berichtet hatten. Das sind zwei Beispiele, es gibt viele Ungereimtheiten mehr.
Die "Schnittstellen des Föderalismus" haben versagt
"An den Schnittstellen des Föderalismus" sei bei der polizeilichen und geheimdienstlichen Arbeit etwas absolut schief gelaufen, sagen Bundespolitiker heute einmütig. Im Nachhinein weiß man es leider immer besser. Mehr als 30 Sicherheitsbehörden waren mit den Ermittlungen gegen die drei befasst, doch wichtige Hinweise gingen verloren. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat daher bereits Ende 2011 ein "Gemeinsames Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus" einberufen. Dort soll die Arbeit der Behörden durch regelmäßige Lagebesprechungen zentral vernetzt werden.
Seit dieser Woche wird außerdem gleich auf mehreren politischen Ebenen untersucht, ob sich etwas grundsätzlich ändern muss an der deutschen Sicherheitsarchitektur.
Zwei Untersuchungsausschüsse und eine Kommission
Im Bundestag will ein Untersuchungsausschuss mögliche "Fehler und Versäumnisse von Bundesbehörden, auch in ihrem Zusammenwirken mit den Landesbehörden" aufklären. So ist es im gemeinsamen Einsetzungsbeschluss der Fraktionen formuliert.
Daneben existiert ebenfalls seit dieser Woche eine Bund-Länder-Kommission mit vier Mitgliedern. Auch sie soll die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern hinterfragen – vor allem aus Sicht der Länder. So sind in der Kommission mit dem Berliner Erhart Körting (SPD) und dem Hamburger Heino Vahldieck (CDU) zwei ehemalige Innensenatoren vertreten. Die Kommission, eingesetzt von den Landesinnenministern, hat eine föderale Zwitterfunktion inne: Ihre Geschäftsstelle wird im Bundesinnenministerium eingerichtet.
Und im Landtag von Thüringen startet kommende Woche ebenfalls ein Untersuchungsausschuss. Darin soll es vor allem um das Versagen der Landesbehörden zu Beginn der Ermittlungen gehen. Zum Beispiel darum, warum die Landespolizei Uwe Böhnhardt damals in Jena einfach wegfahren ließ.
Doch die Vielzahl der politischen Gremien birgt so allerlei Probleme in sich. Eines davon liegt auf der Hand: Es wird Überlappungen in der Aufklärungsarbeit geben. Schließlich wollen sowohl Bundestagsausschuss als auch Kommission Defizite in der Zusammenarbeit von Bund und Ländern herausarbeiten. Sie dürften damit an den gleichen Untersuchungsakten interessiert sein.
Die genauen Ermittlungsideen der Gremien bleiben zudem bisher im Unklaren. "Wir mussten uns die Pressekonferenz der Bund-Länder-Kommission angucken, um herauszufinden, was sie so vor hat", erzählen Vertreter des Untersuchungsausschusses. Jetzt hofft man erst einmal auf ein Treffen Anfang März, um peinliche Doppelarbeit zu vermeiden.
- Datum 10.02.2012 - 17:31 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die offenen Fragen zu den zahlreichen "Pannen" könnten ein schlechtes Licht auf die Arbeit der Behörden werfen:
Wie konnte es Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gelingen sich 13 Jahre einer Verhaftung zu entziehen, obwohl V-Leute in ihrem Umfeld aktiv waren,sie unter Beobachtung standen und der Verfassungschutz über ihre Bewaffnung im Untergrund informiert war ? Warum verliefen die Ermittlungen des MAD im Umfeld des Trios im Sande, nachdem sie TNT aus einem Bundeswehrdepot entwendet hatten ?
Gab es tatsächlich Verbindungen des Trios zu einem V-Mann des Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz ? Warum sahen die Staatsanwaltschaft Gera und die Bundesanwaltschaft keinen Anlass, ein Verfahren wegen „Bildung einer terroristischen Vereinigung“ einzuleiten, obwohl das Trio ganz offensichtlich unter der Verwendung von TNT Bomben baute und schon vor ihrem „Abtauchen“ 1998 im Visier der Behörden war ? Warum ließ die Polizei den zuvor rechtskräftig Verurteilten Böhnhardt am 26.1.1998 einfach mit dem Auto davon fahren, bevor die zweite Garage durchsucht wurde ? Warum wurden erst am 28.1.1998 Haftbefehle gegen die drei Neonazis erlassen ? Bevor das Neonazi-Trio 1998 untertauchte, soll es einem Medienbericht zufolge einen Anschlag in Jena verübt haben, der fehlschlug.Warum erklärte ein Sprecher des Thüringer Landeskriminalamtes (LKA) auf Anfrage des MDR zunächst, der Vorgang sei im Amt nicht bekannt ?
Das TNT stammt nach allen öffentlich verfügbaren Erkenntnissen nicht aus einem Diebstahl in einem NVA-Depot nahe Jena im Jahr 1990, als sie noch nicht wirklich im diebstahlsfähigen Alter waren. Die geständigen TNT-Diebe wurden 1996 verurteilt und haben nichts mit der rechten Szene zu tun, weitere TNT-Diebstähle dort sind nicht bekannt..
Möglicher Anschlag: Es gab einen Sprengsatzfund (nicht explodiert) 1997 in Stadtroda nicht weit weg von Jena in einem Haus, in dem portugiesische Bauarbeiter untergebracht waren. Nach allen öffentlich verfügbaren Informationen ist die Täterschaft nach wie vor unklar. Solche Altfälle sind 16 Jahre später auch für ein LKA nicht auf Anhieb greifbar.
Zwischen im "Visier der Behörden" und "terroristischer Vereinigung" ist glücklicherweise noch ein großer Unterschied - wobei TNT-Sprengsätze natürlich mehr als nur grenzwertig sind.
Dennoch - das "Wieso" ist tatächlich seit dem Verschwinden 1998 DAS große Rätsel - und es wird eigentlich mit jeder weiteren Information größer, was die Behörden entgegen ihrer damaligen Behauptungen vom "spurlosen" Veschwinden wussten. Jüngstes Beispiel: Der sächsische Unterstützer W., der sowohl wegen seiner Aktivitäten für "Landser" unter Beobachtung stand als vermutlich auch wegen des bevorstehenden Blood&Honour-Verbot.
Für VT bin ich trotzdem nicht zu haben - denn was sollten 3 Mittzwanziger informationshungrigen Geheimdiensten schon groß an Observations-Erkenntnissenliefern können. Rätselhaft bleibt es.
Das TNT stammt nach allen öffentlich verfügbaren Erkenntnissen nicht aus einem Diebstahl in einem NVA-Depot nahe Jena im Jahr 1990, als sie noch nicht wirklich im diebstahlsfähigen Alter waren. Die geständigen TNT-Diebe wurden 1996 verurteilt und haben nichts mit der rechten Szene zu tun, weitere TNT-Diebstähle dort sind nicht bekannt..
Möglicher Anschlag: Es gab einen Sprengsatzfund (nicht explodiert) 1997 in Stadtroda nicht weit weg von Jena in einem Haus, in dem portugiesische Bauarbeiter untergebracht waren. Nach allen öffentlich verfügbaren Informationen ist die Täterschaft nach wie vor unklar. Solche Altfälle sind 16 Jahre später auch für ein LKA nicht auf Anhieb greifbar.
Zwischen im "Visier der Behörden" und "terroristischer Vereinigung" ist glücklicherweise noch ein großer Unterschied - wobei TNT-Sprengsätze natürlich mehr als nur grenzwertig sind.
Dennoch - das "Wieso" ist tatächlich seit dem Verschwinden 1998 DAS große Rätsel - und es wird eigentlich mit jeder weiteren Information größer, was die Behörden entgegen ihrer damaligen Behauptungen vom "spurlosen" Veschwinden wussten. Jüngstes Beispiel: Der sächsische Unterstützer W., der sowohl wegen seiner Aktivitäten für "Landser" unter Beobachtung stand als vermutlich auch wegen des bevorstehenden Blood&Honour-Verbot.
Für VT bin ich trotzdem nicht zu haben - denn was sollten 3 Mittzwanziger informationshungrigen Geheimdiensten schon groß an Observations-Erkenntnissenliefern können. Rätselhaft bleibt es.
wie so oft, nicht an gutem Willen, wohl aber an Mut, Entschlossenheit und Standfestigkeit gegenüber Regierungen (auch der Länder), Behördenleitern, Fraktions- und Parteispitzen.
In den USA würden die Verantwortlichen für die offensichtlich gewordenen Zustände unserer Sicherheitsbehörden von Senatoren und Abgeordneten geradezu "gegrillt", wie man dort sagt.
Bei uns knickt man schon im Vorfeld ein, anstatt wenigstens einen Minister Schünemann zurechtzuweisen.
Für eine gründliche Aufklärung muss Druck auf Regierung und Behörden ausgeübt werden - wozu haben wir denn ein Bundes- und 16 Länderparlamente? Wenn die Abgeordneten dazu nicht bereit sind, dann wird das wieder mal nichts richtiges.
Übrigens:
mit einer energischen Untersuchung der Fehler und Schlampereien wäre der Sache mehr gedient, als mit Schuldbezeugungen, Entschuldigungen und dem stillschweigenden Einverständnis damit, dass genauso weitergewurschtelt werden kann wie vorher.
... genetische Vorbelastungen... doch wohl kaum .... ???
Bundesweit haben Ermittler,uns über die Medien in die Irre
geführt und die gezielt und geplanten Morde aus Ausländerhass über zehn Jahre lang als Mafia und Ehrenmorde aufgetischt
Verfassungsschützer,Polizeibeamte,Geheimdienst und...und...und...
Ehrlich gesagt wird es mir schlecht,wenn darüber nachdenke
wer alles dabei beteiligt war
Aha, was ganz ganz neues in der politischen Landschaft, nun endlich „Kommission und Ausschuss“. Seit Jahren geistern nun diese Neonazi Gespenster ganz real durch die Republik jetzt nun aber, dem Gott sei Dank, endlich ein sehr effizientes Mittel im Kampf gegen diese Demokratie zerstörenden politischen Gruppierungen der AUSSCHUSS. Der wird es ganz bestimmt nun jetzt doch evtl. bringen, oder wird es wieder ausgesessen und dann doch nur wieder p = Ausschuss produziert? Gelle.
Wie kommt denn jemand auf die Idee, das Parlament könnte dort aufklären, wo seine Kontrolle nur eine Farce ist. Eine Geheimdienst mit braunen Wurzeln, ein Geheimdienst, aufgebaut mit der Hilfe vom Massenmördern, die man vor ihrer gerechten Strafe bewahrt und statt dessen mit fürstlichen Pensionen ausgestattet hat, kann doch nicht allen Ernstes zum Schützer einer demokratischen Verfassung taugen. Ein Geheimdienst, dessen Hauptziel die Verbreitung antikommunistischer Propaganda ist, der aber trotz zahlreicher V-Leute nichts von den Vorgängen in der rechtsextremistischen Szene mitbekommen haben will, kann doch nicht erwarten, daß er gesellschaftliche Akzeptanz erfährt. Es wird höchste Zeit, daß man endlich einmal daran geht, eine der Stasiakten-Behörde ähnliche Einrichtung zu schaffen, die den Menschen in den alten Bundesländern die Augen darüber öffnet, wie sie bespitzelt wurden. Das wäre doch mal ein Beitrag zur Deutschen Einheit. Und ich bin allerdings sicher, dort tauchen nur Leute auf, die verdächtig sind, den einen oder anderen linken Gedanken gehabt zu haben.
Es gilt gerade hier, was eigentlich eher für die Küche gilt: Viele Köche verderben den Brei.
Es läuft doch eigentlich genau darauf hinaus, daß am Ende eigentlich niemand mehr weiß, was eigentlich überprüft und untersucht und was am Ende dabei herauskommen sollte.
Wir kriegen das schon wieder hin, daß alle vergessen haben, was da eigentlich los war. Darin sind wir doch besonders gut. Es gab übrigens nicht nur neun sondern mehr als 140 Opfer rechter Gewalt und jedes ist eines zuviel in einem Staat, der auch nie wieder Krieg auf seine Fahne geschrieben hatte.
Da solle ein Ausschuss darüber Aufklärung bringen, warum er selbst versagt hat?
Bisher sind Ausschüsse das beste Instrument zur Vertuschung eines Umstandes. (Tatbestandes) Jetzt soll einer sich selbst erklären. Da bin ich aber mal gespannt.
"Da solle ein Ausschuss darüber Aufklärung bringen, warum er selbst versagt hat?
Bisher sind Ausschüsse das beste Instrument zur Vertuschung eines Umstandes. (Tatbestandes) Jetzt soll einer sich selbst erklären."
Das Gefühl habe ich auch. Angesichts des Mauerns von Diensten und Behörden und des Zurückhaltens von Unterlagen und Akten, vor allem aber der parteipolitischen Verfilzung in diesem Bereich vermag ich noch nicht so richtig den echten Willen zur Aufklärung erkennen. Da haben einfach zu viele Leute zu viel gemeinsame Leichen im Keller.
Hier mal ein interessanter Blog mit der Aufzählung einer der größten Ungereimtheiten und Widersprüchen in diesem Fall:
http://friedensblick.de/
"Da solle ein Ausschuss darüber Aufklärung bringen, warum er selbst versagt hat?
Bisher sind Ausschüsse das beste Instrument zur Vertuschung eines Umstandes. (Tatbestandes) Jetzt soll einer sich selbst erklären."
Das Gefühl habe ich auch. Angesichts des Mauerns von Diensten und Behörden und des Zurückhaltens von Unterlagen und Akten, vor allem aber der parteipolitischen Verfilzung in diesem Bereich vermag ich noch nicht so richtig den echten Willen zur Aufklärung erkennen. Da haben einfach zu viele Leute zu viel gemeinsame Leichen im Keller.
Hier mal ein interessanter Blog mit der Aufzählung einer der größten Ungereimtheiten und Widersprüchen in diesem Fall:
http://friedensblick.de/
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