Den Piraten steht ein Machtkampf bevor, nur wollen sie es offiziell nicht so nennen. Ende April soll auf dem Bundesparteitag in Neumünster ein neuer Parteichef gekürt werden. Vier Piraten haben ihre Kandidatur angekündigt . Nur zwei davon haben realistische Chancen, sich am Ende auch durchzusetzen: Amtsinhaber Sebastian Nerz und sein bisheriger Stellvertreter Bernd Schlömer .

Beide versichern, dass sie in "freundschaftlicher Konkurrenz" zueinander stehen. Den Begriff "Kampfkandidatur" weisen sie zurück. Auch nach der Wahl werde man im Team weiter zusammenarbeiten, beteuern sie. Das habe bisher ja auch gut geklappt. Der Verlierer werde dann einfach Vize sein.

Klingt alles ganz nett und kollegial. Aber wie realistisch ist es? Tatsächlich wird im Hintergrund, am Telefon oder in den diversen Chat-Foren schon eifrig Stimmung gemacht.

Der ideale Chef-Pirat ist unsichtbar

Mit dem amtierenden Vorsitzenden Nerz sind schließlich viele Parteimitglieder unzufrieden. Sie halten den 28-jährigen Bioinformatik-Studenten für zu ängstlich und zu zögerlich. Bisher habe er kaum Themen gesetzt, Prozesse angestoßen oder sonst irgendwie zum positiven Image der Piraten beigetragen, heißt es oft.

Stattdessen war für Nerz ein gegenteiliges Amtsverständnis stilprägend. Er hielt sich zurück und vermied es konsequent, eigene Standpunkte zu formulieren. Die persönliche Meinung des Piraten-Chefs sei "irrelevant" , sagte er unlängst vor der Bundespressekonferenz. Zu drängenden Themen der Gegenwart – Euro-Krise, Afghanistan-Einsatz – verweigerte Nerz schlichtweg die Aussage, da er der Meinungsbildung der Parteibasis nicht vorgreifen will.

In gewisser Hinsicht ist das clever. Selbstdarsteller mögen die Piraten nämlich noch sehr viel weniger als Leisetreter. Egoistische Politiker, wie etwa der Berliner Christopher Lauer, fallen bei den internen Wahlen in schöner Regelmäßigkeit durch, mögen sie auch noch so tolle Rhetoriker sein.

Durchgesetzt haben sich in der basisdemokratischen Partei meist diejenigen, die möglichst unanstößig agieren. "Der ideale Piratenchef ist unsichtbar und kümmert sich in erster Linie ums Kuschelklima innerhalb der Partei", sagt ein Pirat mit beißender Ironie. Auch Nerz hat diese Erfahrung gemacht: Kaum äußerte er einmal eine konkrete Präferenz, etwa dass er am liebsten mit FDP und Grünen koalieren würde, schon wurde er in den Foren zerpflückt. Daraufhin wurde er noch einsilbiger.