Am heutigen Montag feiert Elizabeth II . den Jahrestag ihrer Proklamation zur Queen. Die Royalisten des Landes freut das, also nahezu alle Briten. Zahlreiche Veröffentlichungen und Umfragen belegen die irrsinnige Beliebtheit der Königshauses. Der britische Schriftsteller (und Royalist) Harry Mount erklärt das Verhalten in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zusammenfassend mit den Worten: "Alle wissen: die Königin ist da, als Stabilisator im Hintergrund."

Zur gleichen Zeit lesen wir, dass unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel beliebt ist wie seit langem nicht. Könnten die Deutschen ihren Regierungschef direkt wählen, würden – je nachdem, gegen wen Merkel anträte – zwischen 46 und 57 Prozent sie derzeit zur Kanzlerin machen. "Derzeit" bedeutet: in Zeiten der anhaltenden Krise. Und in dieser anhaltenden Krise arbeitet Merkel weitgehend skandalfrei. Das ist offensichtlich Grund genug.

Während wir die Queen beim Eröffnen von Kindergärten sehen oder beim Pflanzen von Bäumen, betrachten wir Merkel auf Treffen mit Vertretern der EU und der Finanzwelt. Wir lesen, sie arbeite daran , die drohende Pleite Griechenlands abzuwenden, und verkörpere die Hoffnung, dass Europa nach Überwinden der Krise gestärkt dastehe. Nebenbei bezahlt sie ihre Kleider kommentarlos selbst und bezieht keine Stellung zum Verhalten anderer, die beispielsweise Bobbycars als Geschenke annehmen. Darin wirkt Merkel schon beinahe royal: Sie schweigt fast immer.

Das scheinen die Deutschen zu schätzen. Wahrscheinlich arbeitet Merkel hart, ihre Verpflichtungen und ihr Terminkalender rechtfertigen diese Vermutung. Vor allem aber ist sie da. Damit kann man sogar seine Existenz rechtfertigen. So wie die Queen. Die herrscht seit 60 Jahren.