Duisburg: Eine Stadt atmet auf
Duisburg hat Adolf Sauerland abgewählt, die Symbolfigur der Loveparade-Katastrophe. Warum der Rathauschef sich diese Schmach zumutete, bleibt unklar.
Sogar bei seinem letzten Auftritt lassen sie ihn nicht in Ruhe. Als Adolf Sauerland, der nun abgewählte Oberbürgermeister, die paar Schritte von seinem Auto zum Rathaus läuft, das so viel Jahre sein Rathaus war, muss er vorbei an seinen feiernden Gegnern. Rund 50 jubelnde Duisburger stehen da, sie schießen Raketen in die Luft.
Unter Buhrufen bahnt sich Sauerland den Weg, stellt sich dann ein letztes Mal vor die blaue Wand mit dem Logo seiner Stadt. Dann spricht er, mit stockender Stimme, schwer atmend. Dass er das Votum der Bürger natürlich akzeptiere, auch wenn er sich "ziemlich sicher" gewesen sei, dass es anders ausgeht. Kaum drei Minuten dauert seine letzte Rede. Die Loveparade gehöre genauso wie "kommunalpolitische Erfolge" zu seiner Amtszeit, sagt Sauerland. Von eigenen Fehlern kein Wort, auch heute nicht. Er schließt mit den Worten: "Gott schütze die Stadt Duisburg." Dann verschwindet er so schnell, wie er gekommen war. Es ist der unspektakuläre Schlusspunkt einer anderthalbjährigen, unseligen Hängepartie.
129.626 Duisburger haben sich an diesem Sonntag gegen ihren umstrittenen Oberbürgermeister gestellt. Das sind mehr als 85 Prozent aller abgegeben Stimmen und rund 35,52 Prozent aller Wahlberechtigten. Damit haben die Duisburger Abwähler das erforderliche Quorum von 25 Prozent so deutlich übertroffen, wie es selbst die größten Optimisten unter ihnen kaum zu hoffen gewagt hatten. Zum ersten Mal in der Geschichte Nordrhein-Westfalens haben Bürger ihr eigenes Stadtoberhaupt direkt aus dem Amt gewählt. Ein Vorgang, der in seiner Einzigartigkeit passt zum so einzigartigen Schicksal Duisburgs in den vergangenen knapp 20 Monaten, seit jener Katastrophe am 24. Juli 2010, als bei der Loveparade 21 Menschen starben.
Dabei war der selbst Wahltag noch geprägt von nervöser Spannung, besonders bei den Abwahl-Initiatoren selbst. Im Rathaus, wohin man sie geladen hatte, liefen sie von Grüppchen zu Grüppchen, wurden von Journalisten belagert. So aufgedreht waren Sauerlands Gegner, dass sie irgendwann Wetten abschlossen auf das exakte Ergebnis: Fünf Euro Einsatz, der Gewinner bekommt alles. Natürlich tippten sie alle auf Sieg.
Manche weinen vor Erleichterung
Um kurz vor 19 Uhr gingen bereits Gerüchte um, dass Sauerland abgewählt sei, aber offiziell bestätigen wollte es da noch niemand. Man konnte aber Ralf Jäger beobachten, den aus Duisburg stammenden SPD-Innenminister von NRW, wie er im Vorbeigehen bestimmt und vielsagend herübernickte zu Theo Steegmann, einem der Sprecher der Abwahl-Initiative. Jäger, so hörte man später, wusste da wohl bereits Bescheid. Dann vermeldeten erste Medien die Niederlage Sauerlands, aber weil es noch keine offizielle Bestätigung gab, mussten Steegmann und Co. weiter zittern. Als Stadtdirektor Peter Greulich, einer der letzten engen Verbündeten Sauerlands, um kurz nach halb acht das Ergebnis verkündet, explodiert der Jubel im Rathaus. Manche weinen vor Erleichterung.
Später am Abend, nur einige hundert Meter vom Rathaus entfernt, feiern die Sauerland-Gegner in ihrer Stammkneipe ihren Triumph. Mindestens hundert Leute drängen sich hier, sie liegen sich in den Armen und können selbst kaum fassen, wie deutlich sie am Ende gewonnen haben. "Jetzt können wir endlich wieder mit erhobenem Haupt nach vorne blicken", ruft Bündnis-Sprecher Steegmann unter Applaus.
Nach vorne blicken, das tun die Parteien schon. Ralf Jäger kündigt für die SPD an, dass man schon am kommenden Tag die Gespräche "mit allen Kräften, auch der Bürgerinitiative" suchen werde, um einen breiten Konsens für einen Neuanfang zu finden. Eine Vertreterin der Grünen preist ganz grundsätzlich das bürgerschaftliche Engagement und die Linke verbucht die Abwahl kurzerhand als eigenen Erfolg, weil sie auf Landesebene das entsprechende Gesetz angestoßen habe. Auch das ist eine Konsequenz der heutigen Abwahl: Jetzt, wo der übergroße Blitzableiter Sauerland demontiert wurde, werden die alten, normalen Rituale und Gräben der Parteipolitik wieder sichtbarer. Man kann das bedauern, aber in Duisburg hat man in den vergangenen Monaten erfahren, dass es wirklich Schlimmeres gibt.





Ich bin immer wieder schockiert, wenn ich hier die Beiträger so mancher Foristen lese: Da ist von "Lynch-Demokratie", "Mob", "Pöbel" und "Hinrichtung" die Rede und beiläufig wird die Demokratie in Frage gestellt. Würden diese Foristen den selben Standpunkt einnehmen, wenn es sich um einen Grünen OB handeln würde?
Hier geht es um kollektives Verdrängen einer kollektiven Schuld.
Hier wurde statt umfassend aufzuklären,eine Sau durch's Dorf getrieben und an den Pranger gestellt.
Niemand versucht Sauerland in Schutz zu nehmen.Ich hasse die CDU.Aber auch ein Sauerland hat das Recht auf menschenwürdige Behandlung.
Ich möchte sie mal sehen wenn sie für einen folgenschweren Fehler M I T V E R A N T W O R T L I C H wären und ihnen der "Mob",wie sie es nennen,versucht die alleinige Schuld zukommen zu lassen.
Das was hier als Sieg der Demokratie gefeiert wird,ist der Demokratie unwürdig!!!
Ja, das würde ich
Hier geht es um kollektives Verdrängen einer kollektiven Schuld.
Hier wurde statt umfassend aufzuklären,eine Sau durch's Dorf getrieben und an den Pranger gestellt.
Niemand versucht Sauerland in Schutz zu nehmen.Ich hasse die CDU.Aber auch ein Sauerland hat das Recht auf menschenwürdige Behandlung.
Ich möchte sie mal sehen wenn sie für einen folgenschweren Fehler M I T V E R A N T W O R T L I C H wären und ihnen der "Mob",wie sie es nennen,versucht die alleinige Schuld zukommen zu lassen.
Das was hier als Sieg der Demokratie gefeiert wird,ist der Demokratie unwürdig!!!
Ja, das würde ich
>> Atavistisch magische Attribuierung von Schuld! Wo nach Normen aufgeklärter Zivilstrukturen keine Schuld besteht. <<
... nicht um Schuld, es geht um Verantwortung. Der Bürgermeister, der die Veranstaltung gewollt hat, trägt dafür die Verantwortung, aber ganz sicher nicht die alleinige Schuld.
Die Schuldfrage wird letztendlich nicht vollständig zu klären sein, wenn Anordnungen nicht schriftlich erteilt wurden. Hier kann man nur vermuten - ein "der Bürgermeister will aber" kann schon dafür sorgen, dass Bedenken unter den Tisch fallen.
Wer in seinem Leben schon mal unter hierachischen Strukturen gearbeitet hat, weiß, wie Entscheidungsfindung läuft: Der Boss sagt, was um jeden Preis realisiert werden muss und die, die das (wie auch immer)realisieren, halten ihren Kopf dafür hin. Genau so war es auch in Duisburg: Die Bochumer Bürgermeisterin, die aufgrund ungeeigneter räumlicher Verhältnisse der Love-Parade einen Korb gegeben hatte, wurde mit Häme und Spott aus dem Keis ihrer toughen CDU-Kollegen überschüttet. Der Polizeipräsident, der aufgrund des in Duisburg zur Verfügung stehenden Geländes strikt gegen die Ausrichtung der Massenveanstaltung war, wurde in den Vorruhestand geschickt. Die Bedenkenträger im Baudezernat wurden mit der Begründung, hier handele es sich um eine Chefsache, in ihre Schranken verwiesen. Der gesunde Menschenverstand, der bei einer einzigen Besichtigung des Geländes, seiner Umkesselung und dessen Zugangsmöglichkeiten JEDEM deutlich machen musste, dass eine emotionsgeladene Massenveranstaltung hier auf gar keinen Fall ohne dass es zu einer Katastrophe kommt, stattfinden kann- das wäre selbst bei Kirchentagsbesuchern passiert!- wurde bei ALLEN ENTSCHEIDUNGSTRÄGERN konsequent ausgeschaltet. Die Gier nach Gewinn und Reputation und die Unkenntnis, wie eine solche Veranstaltung abläuft (Herr S. war sicher noch nie Teilnehmer einer Love-Parade)haben diese Katastrophe billigend in Kauf genommen - aber hinterher von all dem nichs mehr gewusst...
Muss ich aber noch mal nachhaken. In meinen wilden Jahren habe ich in Frankfurt, zu Zeiten des "Omens", also in den Anfängen der elektronischen Musik auch immer schön abgefeiert. Ich kann mich da an eine ganz bestimmte, regelmäßig stattfindende Party in einem "Tunnel" erinnern, die meiner Meinung nach, von der Location her viel gefährlicher war, als das in Duisburg. Stellen Sie sich das viel kleiner vor, aber das relativiert sich dann ja wieder. Da waren halt nur 5000 Leute, aber es war eben ein wirklich kleiner Tunnel. Da ist nie was passiert, weil es von der Polizei und der Organisation bestens organisiert war. Muss man hier nicht ganz klar sagen, dass hier "alle" Dreck am Stecken haben?
Ich habe jetzt auch noch mal ein wenig gegoogled und habe nicht wirklich Fakten gefunden, die belegen, dass dies alles passiert ist, weil Hr. Sauerland zu allem "Ja und Amen" gesagt hat. Ich will hier nichts verharmlosen oder jemanden in Schutz nehmen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass hier ALLE versagt haben.
Gruss
Anscheinend reicht diese politische und charakterliche Unkultur aus, um bei manchen Bürgern als Held dazustehen.
Jedenfalls scheint das bei manchen Kommentatoren hier so zu sein. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.
Er hätte längst seinen Hut nehmen und reinen Tisch machen müssen - das war er den Menschen, die ums Leben gekommen sind und seiner Stadt schuldig - er hat es nicht gemacht.
Mit dieser letzten Fehlentscheidung wird auch er Leben müssen.
Bitte, gern geschehen. Natürlich, ich gebe Ihnen recht, ist Herr Sauerland mitnichten der einzige, der versagt hat. Aber das ist der einzige Sinn von Hierachien, dass es einen gibt, der die Verantwortung übernehmmen muss - auch für die Fehler anderer. Auch den Veranstalter der Love-Parade, der um die zu erwartenden Menschenmasen genau wusste und der auch hätte wissen müssen, dass ein Abzählen derer, die auf das Geländer dürfen und ein Abzählen derer, die das Glände verlassen, nicht regelbar ist, trägt natürlich erhebliche Schuld.
Und zu Ihrem Frankfurter Tunnel: Der hatte wenigesten 2 Öffnungen, das Gelände der Duisburger Veranstaltung nur eine. Der Ein- und der Ausgang befanden sich in dem einen Tunnel, fast ohne jede Fluchtmöglichkeit.
Außerdem sollte endlich die Aussage revidiert werden, dass es sich um eine Massenpanik gehandelt habe, die die Katastrophe ausgelöst hat. Das wird den jungen Menschen nicht gerecht: Ich habe so viele Menschen auf den zahlreichen Videos gesehen, die Gestürzte mit ihrem eigenen Körper schützten, so viele, die Verletzte trugen und weiterreichten, so viele, die trotz der drangvollen Enge, Ruhe zu bewahren versuchten. Wäre wirklich eine Massenpanik ausgebrochen, wäre die Zahl der Opfer fraglos erheblich größer!
Das Image dieser vom Niedergang der Montanindustrie gebeutelten Ruhrgebietsstadt ist auch schon vor dem Unglück der LP ein schlechtes gewesen. Diese Region verlassen daher nach und nach alle diejenigen, die mit guter Ausbildung und Mobilitätsmöglichkeit versehen, in anderen Teilen der Republik für sich ein besseres Auskommen und höhere Lebensqualität erhoffen.
Genau dies ist der Ansatz dafür gewesen, die LP nach Duisburg zu holen. Nur wenn eine seit langem inkompetente Stadtverwaltung auf politischen Größenwahn trifft und befeuert von der Gier eines Veranstalters, wo ist dann Verantwortung zu erwarten. Gut, dass die Bürger die Fratze des selbstgefälligen Biedermanns und seiner Kumpanen, die unberührt vom Leid der Verunglückten ihr Ränkespiel längst möglich fortgesetzt haben, für alle sichtbar offengelegt haben.
Ich habe großen Respekt vor dem ausdauernden Engagement der Bürgerbewegung und der gestrigen Entscheidung!
Ein Blick in die Zukunft verheißt Spannung: Jetzt ist die Schutzschildfunktion durch den Rauswurf Sauerlands abhanden gekommen und die verantwortungsscheuen Protagonisten und ihre abstrusen Methoden sind jetzt umso mehr im Blickfeld der interessierten Öffentlichkeit.
von dem ich sprach, hatte nur einen Ausgang. Dann habe ich mich mit dem Wort Tunnel falsch ausgedrückt, falls ein Tunnel in der Regel immer zwei Aus- bzw. Eingänge hat. Allerdings sehe ich bestimmte Dinge, die Sie ansprechen etwas anders. Natürlich ist eine Hierarchie dazu da, dass Dinge in unterschiedliche Gewalten eingeteilt sind. Das sind Strukturen, die mir selbst auch bekannt und auch notwendig sind. Zumindest in Unternehmen. Aber: Was ich immer noch nicht weiß, und deshalb bin ich da auch vorsichtig beim Austeilen der Schuld: Hat Hr. Sauerland alles abgenickt, was recht war, um die LP stattfinden zu lassen. Hat er wirklich sämtliche Bedenken einfach vom Tisch gewischt und ignoriert? Da bin ich noch auf der Suche nach Fakten, die das bestätigen.
Wenn ich mir die pdf's anschaue, die jemand als Link vorhin gepostet hat, dann wird mir da aber ganz anders. Vor allen Dingen beim Namen Lopavent bekomme ich eine Gänsehaut. Auch der Brief eines Zeugen, der schildert, das die Polizei stundenlang filmt und quasi nichts macht, um einer Panik vorzubeugen, ist sehr unheimlich.
Wenn hier Hierarchien die Verantwortung tragen, dann aber nicht nur die im Rathaus, sondern auch die vor Ort. Ich kenne Hr. Sauerland nicht, er ist mir nicht un- oder sympathisch. Es wäre allerdings schlimm, wenn sich jetzt alles im Sande verliert, weil die Pyramidenspitze zerbröckelt ist.
Gruss
Das klingt all zu sehr nach dem deutschen Verständnis einer hierarchischen Struktur. Es spielen zwar viele Faktoren eine konstituierende Rolle, aber nur EIN Mann trägt die Verantwortung für das Ganze. Hmm.. kommt mir sehr bekannt vor. Der Kopf des Oberbürgermeisters rollt und alles soll wieder in Ordnung sein und der Mob ist zufriedengestellt. Nein, meine Freunde so funktioniert die Demokratie nicht. Sie haben Demokratie in diesem Land nicht verstanden: Sie bewerten demokratische Entscheidungsfindungen mit diktatorischen Lösungen und erkennen nicht, dass das nicht einmal auf eine Diktatur zutrifft. Das wirklich Tragische daran ist, dass der Deutsche Bürger seine demokratischen Instrumente, die er regelmäßig in Form einer niedrigen Wahlbeteiligung als sinnlos abstraft, dann nutzt, wenn es darum geht, jemanden abzustrafen.
Ein Mann, ein Name, eine Strafe und der Mob ist besänftigt.
sondern jeder seiner Mitarbeiter, der es besser gewußt hat, aber sich hat einschüchtern lassen, jede Behörde, die mit der Durchführung betraut war, der Veranstalter, dem es nur um den Gewinn ging. Aber dass der, der diese Veranstaltung UNBEDINGT (s.u.)wollte, nicht die politische Verantwortung übernommen hat und darüber hinaus nicht die menschliche Größe besessen hat, angesichts seiner Verantwortung den Angehörigen der Opfer und den überlebenden Opfern gegenüberzutreten, seine Fehler einzugestehen und auch persönliche Nachteile, wie den Verlust der Rentenansprüche in Kauf zu nehmen, das zeugt von sehr niedriger Gesinnung. Es sei auf folgendes Dokument verwiesen: "Herr Rabe stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse."
Themen :
Brandschutzkonzept, Beschränkte Anzahl von Besuchern und Entfluchtung.
http://linksunten.indymed...
Politisch steckt der OB da voll mit drin.
Aber natürlich hat ein OB Untergebene, die Ihre Unterschriften leisten müssen.
Muss ich aber noch mal nachhaken. In meinen wilden Jahren habe ich in Frankfurt, zu Zeiten des "Omens", also in den Anfängen der elektronischen Musik auch immer schön abgefeiert. Ich kann mich da an eine ganz bestimmte, regelmäßig stattfindende Party in einem "Tunnel" erinnern, die meiner Meinung nach, von der Location her viel gefährlicher war, als das in Duisburg. Stellen Sie sich das viel kleiner vor, aber das relativiert sich dann ja wieder. Da waren halt nur 5000 Leute, aber es war eben ein wirklich kleiner Tunnel. Da ist nie was passiert, weil es von der Polizei und der Organisation bestens organisiert war. Muss man hier nicht ganz klar sagen, dass hier "alle" Dreck am Stecken haben?
Ich habe jetzt auch noch mal ein wenig gegoogled und habe nicht wirklich Fakten gefunden, die belegen, dass dies alles passiert ist, weil Hr. Sauerland zu allem "Ja und Amen" gesagt hat. Ich will hier nichts verharmlosen oder jemanden in Schutz nehmen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass hier ALLE versagt haben.
Gruss
Anscheinend reicht diese politische und charakterliche Unkultur aus, um bei manchen Bürgern als Held dazustehen.
Jedenfalls scheint das bei manchen Kommentatoren hier so zu sein. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.
Er hätte längst seinen Hut nehmen und reinen Tisch machen müssen - das war er den Menschen, die ums Leben gekommen sind und seiner Stadt schuldig - er hat es nicht gemacht.
Mit dieser letzten Fehlentscheidung wird auch er Leben müssen.
Bitte, gern geschehen. Natürlich, ich gebe Ihnen recht, ist Herr Sauerland mitnichten der einzige, der versagt hat. Aber das ist der einzige Sinn von Hierachien, dass es einen gibt, der die Verantwortung übernehmmen muss - auch für die Fehler anderer. Auch den Veranstalter der Love-Parade, der um die zu erwartenden Menschenmasen genau wusste und der auch hätte wissen müssen, dass ein Abzählen derer, die auf das Geländer dürfen und ein Abzählen derer, die das Glände verlassen, nicht regelbar ist, trägt natürlich erhebliche Schuld.
Und zu Ihrem Frankfurter Tunnel: Der hatte wenigesten 2 Öffnungen, das Gelände der Duisburger Veranstaltung nur eine. Der Ein- und der Ausgang befanden sich in dem einen Tunnel, fast ohne jede Fluchtmöglichkeit.
Außerdem sollte endlich die Aussage revidiert werden, dass es sich um eine Massenpanik gehandelt habe, die die Katastrophe ausgelöst hat. Das wird den jungen Menschen nicht gerecht: Ich habe so viele Menschen auf den zahlreichen Videos gesehen, die Gestürzte mit ihrem eigenen Körper schützten, so viele, die Verletzte trugen und weiterreichten, so viele, die trotz der drangvollen Enge, Ruhe zu bewahren versuchten. Wäre wirklich eine Massenpanik ausgebrochen, wäre die Zahl der Opfer fraglos erheblich größer!
Das Image dieser vom Niedergang der Montanindustrie gebeutelten Ruhrgebietsstadt ist auch schon vor dem Unglück der LP ein schlechtes gewesen. Diese Region verlassen daher nach und nach alle diejenigen, die mit guter Ausbildung und Mobilitätsmöglichkeit versehen, in anderen Teilen der Republik für sich ein besseres Auskommen und höhere Lebensqualität erhoffen.
Genau dies ist der Ansatz dafür gewesen, die LP nach Duisburg zu holen. Nur wenn eine seit langem inkompetente Stadtverwaltung auf politischen Größenwahn trifft und befeuert von der Gier eines Veranstalters, wo ist dann Verantwortung zu erwarten. Gut, dass die Bürger die Fratze des selbstgefälligen Biedermanns und seiner Kumpanen, die unberührt vom Leid der Verunglückten ihr Ränkespiel längst möglich fortgesetzt haben, für alle sichtbar offengelegt haben.
Ich habe großen Respekt vor dem ausdauernden Engagement der Bürgerbewegung und der gestrigen Entscheidung!
Ein Blick in die Zukunft verheißt Spannung: Jetzt ist die Schutzschildfunktion durch den Rauswurf Sauerlands abhanden gekommen und die verantwortungsscheuen Protagonisten und ihre abstrusen Methoden sind jetzt umso mehr im Blickfeld der interessierten Öffentlichkeit.
von dem ich sprach, hatte nur einen Ausgang. Dann habe ich mich mit dem Wort Tunnel falsch ausgedrückt, falls ein Tunnel in der Regel immer zwei Aus- bzw. Eingänge hat. Allerdings sehe ich bestimmte Dinge, die Sie ansprechen etwas anders. Natürlich ist eine Hierarchie dazu da, dass Dinge in unterschiedliche Gewalten eingeteilt sind. Das sind Strukturen, die mir selbst auch bekannt und auch notwendig sind. Zumindest in Unternehmen. Aber: Was ich immer noch nicht weiß, und deshalb bin ich da auch vorsichtig beim Austeilen der Schuld: Hat Hr. Sauerland alles abgenickt, was recht war, um die LP stattfinden zu lassen. Hat er wirklich sämtliche Bedenken einfach vom Tisch gewischt und ignoriert? Da bin ich noch auf der Suche nach Fakten, die das bestätigen.
Wenn ich mir die pdf's anschaue, die jemand als Link vorhin gepostet hat, dann wird mir da aber ganz anders. Vor allen Dingen beim Namen Lopavent bekomme ich eine Gänsehaut. Auch der Brief eines Zeugen, der schildert, das die Polizei stundenlang filmt und quasi nichts macht, um einer Panik vorzubeugen, ist sehr unheimlich.
Wenn hier Hierarchien die Verantwortung tragen, dann aber nicht nur die im Rathaus, sondern auch die vor Ort. Ich kenne Hr. Sauerland nicht, er ist mir nicht un- oder sympathisch. Es wäre allerdings schlimm, wenn sich jetzt alles im Sande verliert, weil die Pyramidenspitze zerbröckelt ist.
Gruss
Das klingt all zu sehr nach dem deutschen Verständnis einer hierarchischen Struktur. Es spielen zwar viele Faktoren eine konstituierende Rolle, aber nur EIN Mann trägt die Verantwortung für das Ganze. Hmm.. kommt mir sehr bekannt vor. Der Kopf des Oberbürgermeisters rollt und alles soll wieder in Ordnung sein und der Mob ist zufriedengestellt. Nein, meine Freunde so funktioniert die Demokratie nicht. Sie haben Demokratie in diesem Land nicht verstanden: Sie bewerten demokratische Entscheidungsfindungen mit diktatorischen Lösungen und erkennen nicht, dass das nicht einmal auf eine Diktatur zutrifft. Das wirklich Tragische daran ist, dass der Deutsche Bürger seine demokratischen Instrumente, die er regelmäßig in Form einer niedrigen Wahlbeteiligung als sinnlos abstraft, dann nutzt, wenn es darum geht, jemanden abzustrafen.
Ein Mann, ein Name, eine Strafe und der Mob ist besänftigt.
sondern jeder seiner Mitarbeiter, der es besser gewußt hat, aber sich hat einschüchtern lassen, jede Behörde, die mit der Durchführung betraut war, der Veranstalter, dem es nur um den Gewinn ging. Aber dass der, der diese Veranstaltung UNBEDINGT (s.u.)wollte, nicht die politische Verantwortung übernommen hat und darüber hinaus nicht die menschliche Größe besessen hat, angesichts seiner Verantwortung den Angehörigen der Opfer und den überlebenden Opfern gegenüberzutreten, seine Fehler einzugestehen und auch persönliche Nachteile, wie den Verlust der Rentenansprüche in Kauf zu nehmen, das zeugt von sehr niedriger Gesinnung. Es sei auf folgendes Dokument verwiesen: "Herr Rabe stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse."
Themen :
Brandschutzkonzept, Beschränkte Anzahl von Besuchern und Entfluchtung.
http://linksunten.indymed...
Politisch steckt der OB da voll mit drin.
Aber natürlich hat ein OB Untergebene, die Ihre Unterschriften leisten müssen.
Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie stehen die Initiatoren der Bürgerbewegung "Neuanfang für Duisburg" alle der SPD recht nahe. Haben die Bürger der Stadt hier tatsächlich entschieden oder wurden sie vom politischen Gegenspieler des OB instrumentalisiert? Haben wir es gar mit einer perfiden Spielart des Wahlkampfes zu tun, ausgetragen auf den Rücken der Unglücks-Opfer? Das kann ich nicht beurteilen, aber des Gedankens erwehren kann ich mich angesichts der Bilder auch nicht.
Vergessen wir nie, dass die Bürgerrechtler von heute die Loveparade-Veranstalter von morgen sind, jedenfalls zeichnet sich dieser Trend in der Weltgeschichte ab.
Gott schütze die Stadt Duisburg.
freuen sich diejenigen, die sich als Fürsprecher der Toten gerieren, über die Abwahl in ausgelassener Heiterkeit. Wäre ich Opfer dieses Unglücks geworden oder hätte ich durch diese unselige Parade Angehörige verloren, wollte ich mich nicht von solchen marktschreierischen Siegertypen präsentiert sehen. Stilfragen scheinen in Duisburg nur in zweiter Linie eine Rolle zu spielen. Das hat man ja auch unmittelbar nach der Katastrophe am Verhalten aller, also auch der Stadtführung, gesehen.
... durch die Staatsanwaltschaft geführt wird - und zwar gegen
Beschuldigte aus den Bereichen Stadtverwaltung Duisburg,
Veranstalter und Polizei, nicht etwa gegen Herrn Sauerland! -
jemals etwas herauskommen wird (im Sinne einer individuellen
Schuldfeststellung nebst entsprechender Anklageerhebung),
steht in den Sternen. In einer solchen Situation neigen
deutsche Wutbürger regelmäßig dazu, sich einen Sündenbock,
auch Prügelknabe genannt, zu suchen. Und wer bot sich dafür
in geradezu idealer Weise, einerseits durch seinen (von ihm selbst so eingestanden) unsensiblen Umgang mit der Katastrophe, ihren Opfern und deren Hinterbliebenen, andererseits aufgrund seiner Eignung, auf dem Herdfeuer
seiner Abwahl ein leckeres (partei-)politisches Süppchen zu kochen, an? Der Sauerland natürlich.
"Warum der Rathauschef sich diese Schmach zumutete, bleibt ein Rätsel." - Finde ich gar nicht. Es reichen psychologische Grundkenntnisse, um das Phänomen der Verleugnung, das mit Projektion - die anderen waren es, nicht ich - einhergeht, zu kennen. Das Negative,'Böse' kann nur durch Verleugnung existieren. Sobald es als das erkannt und benannt ist, was es ist, ist es seiner Existenzgrundlage beraubt und die Wiederholungsgefahr gebannt.
[...]
Dabei ist es sicher schmerzhafter die Verantwortung für 21 Tote zu übernehmen, als für mittlere Abzockereien. Wäre Sauerland ein reifer, erwachsener Mensch, wäre er spätestens drei Tage nach dem Ereignis, d.h. nach dem ersten Schock, zurückgetreten. Leider sind reife Menschen in hohen Ämtern aller Lebensbereiche eher die Ausnahme(Frau Kässmann war hier eine rühmliche Ausnahme) als die Regel.
Das liegt vielleicht daran, dass diese Leute immer zu sehr mit ihrer Karriere beschäftigt waren, die oft nur dazu dient, innere, frühkindliche Selbstwertwunden zu verpflastern. Bei Konflikten werden die Pflaster abgerissen und der Betroffene reagiert mit Wehgeschrei, aber keinesfalls adäquat.
Teil entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/lv
warum sich Sauerland diese Schmach antut. Hat er denn nicht wahrgenommen, dass er als Oberbürgermeister die moralische und politische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe trägt ? Er ist kein "Bauernopfer" weil er als 1. Bürger Duisburgs, weil seine Behörden zum Teil versagt haben, Schuld auf sich geladen hat.
Was mich allerdings stört ist das Auftreten von oppositionellen Parteien. Wenn die versuchten und in Zukunft versuchen, ihr politisches Süppchen aus der Sache zu kochen, ist auch das eine Schande. Aus dem Tod so vieler Menschen schlägt man kein parteipolitisches Kapital. D a s t u t m a n n i c h t !
warum sich Sauerland diese Schmach antut. Hat er denn nicht wahrgenommen, dass er als Oberbürgermeister die moralische und politische Verantwortung für die Loveparade-Katastrophe trägt ? Er ist kein "Bauernopfer" weil er als 1. Bürger Duisburgs, weil seine Behörden zum Teil versagt haben, Schuld auf sich geladen hat.
Was mich allerdings stört ist das Auftreten von oppositionellen Parteien. Wenn die versuchten und in Zukunft versuchen, ihr politisches Süppchen aus der Sache zu kochen, ist auch das eine Schande. Aus dem Tod so vieler Menschen schlägt man kein parteipolitisches Kapital. D a s t u t m a n n i c h t !
Ist es schmachvoll für einen Bürgermeister, sich dem rechtlich vorgesehenen Abwahlverfahren zu stellen, anstatt schnell durch Rücktritt zu kneifen? Weniger moralisierende und dafür mehr sachlichere Berichterstattung wäre nicht schlecht! Die straf- und zivilrechtliche Klärung ist mit der Abwahl im übrigen nicht weitergekommen. Hier ging es ausschließlich um Symbolik. Auch die strukturellen Probleme, die mit der Abschaffung der Gemeindedirektoren als Behördenleiter einhergehen, sind ungelöst. Die Neigung bleibt, politisch erwünschte Entscheidungen gegen rechtliche Bedenken durchzusetzen. Hier Konsequenzen zu überlegen, wäre hilfreicher als politische Amtsträger in die Wüste zu schicken. Irgendwann hat keiner mehr Lust, Verantwortung zu übernehmen, wenn er wochen- und monatelang in der Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preisgegeben wird.
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