2005 war für den Filmproduzenten David Groenewold ebenso wie für seinen Männerfreund, den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff , ein entscheidendes Jahr.

Groenewold bangt in dieser Zeit um sein Geschäftsmodell, das ihn trotz seiner jungen Jahre bereits zum Millionär gemacht hatte: die großzügige Steuerbegünstigung für die seit der Jahrtausendwende florierenden Film-und Medienfonds, welche der damalige Finanzminister Hans Eichel ( SPD ) streichen will. Der 32-jährige Berliner, der den Glamour der Filmwelt liebt, betreibt gleich drei davon. In sie haben rund 3.000 Zahnärzte, Anwälte, Mittelständler und andere Anleger 100 Millionen Euro eingezahlt, um bis zu 100 Prozent ihrer Einlagen von der Steuer absetzen zu können.

Wulff wiederum, zwei Jahre zuvor zum Regierungschef in Hannover gewählt, macht sich daran, in Niedersachsen eine rigide Sparpolitik umzusetzen und das von der SPD geprägte Schulsystem umzukrempeln. Zudem hofft er als stellvertretender CDU-Vorsitzender auf einen Regierungswechsel im Bund, der ihm dort Mitsprache verschaffen soll. Und Zutritt zur Berliner Bühne.

Die Interessen der beiden treffen sich. Am 7. Juli 2005 lädt der Filmfonds-Manager Groenewold, der dringend Unterstützer gegen die Eichel-Pläne sucht, in die schicke China Lounge im Berliner Hotel Adlon zu einem festlichen Dinner "zu Ehren des Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff". Anlass ist die Verleihung des deutschen Filmpreises. Rund 150 Gäste kommen, darunter zahlreiche Filmschaffende, Schauspieler und Darstellerinnen.

Dinner-Rede für den Freund

In seiner Dinner-Rede fordert Wulff, ganz im Sinne seines Freundes und Gastgebers, den Erhalt der Steuerförderung für den deutschen Film. Und er macht sich angeblich besonders für Groenewolds German Film Productions (GFP) stark, die sich – im Gegensatz zu konkurrierenden Fonds – als einzige nur auf deutsche Fernseh- und Kinoproduktionen konzentriert. Die Anwesenden, allen voran Groenewold, sollen begeistert gewesen sein. Und Wulff freut sich, dass er an diesem Abend nach einem NDR-Bericht in Berührung mit allerlei Filmstars wie Til Schweiger und Heike Makatsch , aber auch Regisseuren und Produzenten kommt.

Kennen- und schätzen gelernt haben sich Wulff und Groenewold 2003 bei der Premiere für dessen von Niedersachsen geförderte TV-Produktion Das Wunder von Lengede . Aus dem ersten Treffen wird rasch eine persönliche, für beide Seiten nützliche Freundschaft. Fortan halten sie enge Tuchfühlung und fahren gemeinsam immer mal wieder zu Kurzurlauben nach Sylt, begleitet von Wulffs späterer zweiter Frau Bettina. Wobei – wie inzwischen bekannt – Groenewold mehrfach die Hotelrechnung und die Miete für eine Ferienwohnung des Ministerpräsidentenpaares begleicht, oder zumindest vorstreckt.

Insgesamt 50.000 Euro an die CDU

Der umtriebige Filmfinanzier bedankt sich für den Einsatz seines Ministerpräsidentenfreundes zum Erhalt seines steuerbegünstigten Geschäftsmodells auf seine Weise: Im Juli 2005, parallel zu der Dinner-Einladung, schaltete er im CDU-Blatt Magazin für Niedersachsen eine doppelseitige Anzeige, auf der GFP bei den christdemokratischen Lesern für das Filmwerk Der Tod kommt krass mit Erkan und Stefan und für sich wirbt. Kosten: 20.000 Euro. 

Arrangiert hat die Annonce die Frau von Wulffs Regierungssprecher und engem Vertrauten Olaf Glaeseker, damals Leiterin des CDU-Magazins. Im selben Jahr spendet Groenewold zudem direkt an die CDU 20.000 Euro sowie 6.900 Euro an die Junge Union , wie sein Anwalt Christian-Oliver Moser ZEIT ONLINE bestätigte. Zusammen zahlt er also rund 50.000 Euro an Wulffs Partei.

 Das Steuersparmodell wurde trotzdem abgeschafft

Der wiederum kämpft weiter für die unternehmerischen Belange seines Freundes: In den Koalitionsgesprächen mit der SPD nach der Bundestagsneuwahl im Herbst 2005 setzt er sich als CDU-Unterhändler für ein Modell ein, das ziemlich genau dem entspricht, das Groenewold betreibt, wie die Financial Times Deutschland berichtete . "Durch die generelle Abschaffung aller Fonds" würde "der deutschen Filmbranche der Boden unter den Füßen weggezogen", hatte er schon vorher interveniert.

Groenewold sitzt gleichzeitig in einer Arbeitsgruppe von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), die Vorschläge für die künftige Filmförderung machen soll. Dort versucht er, ebenfalls ein Modell durchzusetzen, nach dem es bei der steuerlichen Begünstigung bleiben würde, jedoch nur noch für deutsche Produktionen. Das würde den von ihm verwalteten Fonds zugute kommen, da alle anderen ihr Geld in Hollywood-Filme stecken.

Der vereinte Einsatz von Wulff und Groenewold hat allerdings keinen Erfolg: Das Steuersparmodell wird von der Großen Koalition Ende 2005 für alle geschlossenen Fonds abgeschafft. Für gut verdienende Anleger sind sie fortan nicht mehr attraktiv, das Geschäft, das Groenewold reich gemacht hatte, bricht zusammen.

Der Filmfinanzier schwenkt daher um und drängt seine Anleger, mit den Fondsgeldern die Münchner Produktionsfirma Odeon zu kaufen. Doch auch bei ihr bleibt der Erfolg aus, trotz Finanzierungshilfe auch durch eine niedersächsische Landesbürgschaft für die Tochtergesellschaft Waterfall . Odeon steht schon ein Jahr später fast vor der Pleite, der Aktienkurs stürzt in den Keller. Die Investoren der Groenewold'schen Fonds GFP I – III sehen sich um ihr Kapital gebracht.

Im November 2011 wird Odeon schließlich, wieder auf Drängen des zwischenzeitlichen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Groenewold, wie Beteiligte erzählen, mehrheitlich an den Filmunternehmer Herbert Kloiber verkauft, einen früheren Manager von Leo Kirch – zu einem Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises. Die genaue Summe offenbart Groenewold seinen geprellten Anlegern bis heute nicht.

Zornige Anleger

Die sind nun doppelt sauer: auf Groenewold, der ihnen einst gewaltige Renditen versprach. Und auf Wulff, den sein Freund mehrfach großzügig einlud. Und dessen Partei er ebenso großzügig mit Spenden und einer Anzeige versorgte.

"Groenewold hat sich immer damit gebrüstet, einen ganz engen Draht zu Wulff zu haben", sagt der Essener Bauunternehmer und Konferenzdolmetscher Albert Eskenazy, der bei GFP 150.000 Euro investiert hat – in der Hoffnung auf einen satten Gewinn. Und der nun, wie wohl die meisten der Mitanleger, das Geld für sich abgeschrieben hat. "Die Kassen sind leer. Groenewold hat das ganze Geld verbraten – für seine Freunde, seine Fehlinvestitionen und andere unnütze Ausgaben und für sich", schimpft Eskenazy, früher nach eigenen Angaben selbst ein enger Vertrauter des Filmmanagers, im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Unter den Geschädigten von Groenewolds Fonds soll übrigens auch ein niedersächsischer Staatssekretär sein. Sein angeblicher drohender Verlust: 15.000 Euro.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes war davon die Rede, dass Herr Groenewold Herrn Wulff "auf Kosten von GFP/Odeon" mehrfach eingeladen habe. Herr Groenewold und sein Anwalt beharren im Gespräch mit ZEIT ONLINE darauf, dass er diese Einladung selbst bezahlt und nicht über GFP/Odeon abgerechnet habe.Deshalb haben wir diesen Halbsatz nachträglich gestrichen.Die Redaktion.