BundespräsidentStaatsanwaltschaft will Wulffs Immunität aufheben lassen

Nach Prüfung neuer Unterlagen sieht die Behörde einen Anfangsverdacht der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Jetzt muss der Bundestag entscheiden, ob ermittelt wird.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat beantragt, die Immunität von Bundespräsident Christian Wulff aufzuheben. Das teilte die Behörde am Donnerstagabend mit.

Nach umfassender Prüfung neuer Unterlagen und der Auswertung von Medienberichten gebe es nun einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Jetzt muss der Bundestag entscheiden, ob gegen Wulff strafrechtlich ermittelt werden darf.

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Ermittelt wird auch gegen den Filmfondsmanager David Groenewold, der mit Wulff unter anderem auf Sylt Urlaub machte. Das Land Niedersachsen hatte für dessen Firma eine Bürgschaft bereitgestellt, die aber nicht in Anspruch genommen wurde. Groenewold soll den Urlaub bezahlt haben, Wulff will die Rechnung nach Angaben seines Anwalts später in bar beglichen haben.

"Diese Entscheidung hat die Staatsanwaltschaft Hannover unabhängig nach intensiver kollegialer Beratung getroffen. Weisungen vorgesetzter Behörden hat es nicht gegeben", teilte die Behörde mit.

Ermittlungsverfahren ohne Genehmigung nicht zulässig

Ebenso wie jeder Bundestagsabgeordnete genießt auch der Bundespräsident strafrechtliche Immunität, die im Grundgesetz garantiert ist. Das bedeutet, dass er wegen einer "mit Strafe bedrohten Handlung" nur dann verfolgt werden darf, wenn der Bundestag vorher zustimmt. Schon die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ist ohne die Genehmigung nicht zulässig.

Einen vergleichbaren Fall hat es bisher nicht gegeben. Folgt man der juristischen Kommentarliteratur, so muss das Plenum des Bundestags über die Aufhebung der Immunität Wulffs entscheiden.

Die Staatsanwaltschaft erläuterte in ihrer Mitteilung, Aufgabe der angestrebten Ermittlungen sei es, den Sachverhalt in einem förmlichen Verfahren zu erforschen. Nach ihrem gesetzlichen Auftrag werde die Staatsanwaltschaft nicht nur die zur Belastung, sondern auch die zur Entlastung dienenden Umstände ermitteln. Selbstverständlich gelte auch nach Bejahung des Anfangsverdachts die Unschuldsvermutung.

Die Ermittlungen im Fall Wulff werden von der Korruptionsabteilung der Staatsanwaltschaft Hannover geleitet. Den vier Staatsanwälten war Zögerlichkeit vorgeworfen worden, weil sie die Aufhebung der Immunität Wulffs nicht schon früher beantragten, um förmlich ermitteln zu können.

Der Präsident steht seit Wochen in der Kritik, vor allem wegen seiner Beziehungen zu reichen Unternehmern. Er sieht sich zahlreichen Vorwürfen ausgesetzt, Vergünstigungen angenommen zu haben. Angelastet wird ihm unter anderem, er habe einen günstigen Privatkredit für sein Haus, ein billiges Autoleasing und kostenlose Urlaube bei Unternehmern in Anspruch genommen, mit denen er auch geschäftlich in seiner Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen zu tun hatte.

Leserkommentare
  1. wird die CDU mit ihrer Korruptionstradition als vervassungs-
    feindlich eingestuft und verboten? Oder anders: wo sind eigentlich
    integre Politiker geblieben?
    Allein die Wahl des "Herrn" Wulff zum Bundesfressidenten gab mir
    sehr zu denken. Kein Anstand - nirgends MfG

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    Antwort auf "Wann endlich..."
  4. Hier:
    Herausgeber
    Bundespräsidialamt
    Spreeweg 1
    10557 Berlin

    Telefon: 030 / 2000 - 0

    E-Mail: bundespraesidialamt@bpra.bund.de

    Könnte man ja aktiv werden als Steuerzahler... Irgendwann wird es dann zu viel....

  5. Sie ist zwar Generalsekretärin der SPD, aber kann die Partei nicht mal jemand anderen, Steinmeier, Gabriel oder so Statements abgeben lassen. 4 x Nahles im TV sind einfach zuviel.

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  6. Hallo, ich habe an anderer Stelle einen Vorschlag zu einem möglichen NF gemacht, nämlich Björn Engholm. Zugegeben, Herr Engholm ist 72 Jahre alt, aber er passt m. E. ganz gut auf das, was Sie beschrieben haben in Ihrem Kommentar und meistenteils hat ein älterer Mensch naturgemäß mehr Erfahrung, innere Reife und vielleicht sogar Weisheit.

    Vielleicht sehen Sie das ja auch so?

    Nefertite

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    Antwort auf "Ein Sonderfall?"
  7. 383. Profis

    "Die Staatsanwaltschaft erläuterte in ihrer Mitteilung, Aufgabe der angestrebten Ermittlungen sei es, den Sachverhalt in einem förmlichen Verfahren zu erforschen. Nach ihrem gesetzlichen Auftrag werde die Staatsanwaltschaft nicht nur die zur Belastung, sondern auch die zur Entlastung dienenden Umstände ermitteln. Selbstverständlich gelte auch nach Bejahung des Anfangsverdachts die Unschuldsvermutung."

    Man merkt, dass da Profis am Werk sind. Aus der Unschuldsvermutung ergibt sich, dass ein Rücktritt aufgrund des Verfahrens nicht gefordert werden kann, denn das wäre ja schon eine Art von Bestrafung. Wenn, dann ein Rücktritt aus politischen Gründen. Für die politische Kultur wäre es ehr schlecht, wenn nach einem Rücktritt die Saatsanwaltschaft im Laufe der Voruntersuchung feststellt, dass kein Hauptverfahren zu rechtfertigen ist, da dann eine 'intensive kollegiale Beratung' zu Entscheidungen geführt hätte, die demokratischen Entscheidungsprozessen unterliegen sollte.

  8. für Herrn Wulff, dass er dem Ruf der Kanzlerin gefolgt ist und seinen Ministerposten aufgegeben hat. Ich denke nicht, dass seine Weste viel schmutziger ist, als von vielen anderen Politikern, aber sie ist es nun mal und von einem Bundespräsidenten darf und muss man Glaubwürdigkeit und Integrität erwarten dürfen, sonst brauchen wir ihn nicht. Ich hoffe, dass die Politiker in der Zukunft in der Wahl des Bundespräsidenten sensibler und weniger machtpolitisch vorgehen und vielleicht auch ein wenig "dem Volk aufs Maul" schauen, das ist nämlich weniger dumm als gemeinhin angenommen.

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