Wulff-NachfolgeAbsagen erschweren den Kandidatenpoker

Rot-Grün wollte Norbert Lammert nicht. Nun hat er abgesagt. Ebenso Geheimfavorit Andreas Voßkuhle. Die Union sperrt sich ihrerseits gegen Joachim Gauck. Von M. Schlieben

Eigentlich wollen alle einen überparteilichen Bundespräsidenten. Die Ankündigung der Bundeskanzlerin, den Nachfolger von Christian Wulff im Konsens zwischen dem schwarz-gelben Regierungs- und dem rot-grünen Oppositionslager zu suchen, stieß durchweg auf Zustimmung. Offiziell zumindest.

Das Präsidium der Union segnete das Vorgehen noch am Freitag ab. Die FDP betonte zwar, dass sich erst Schwarz-Gelb untereinander verständigen müsse, bevor man Rot-Grün konsultiere. Aber das Kokettieren in FDP-Kreisen mit Frank-Walter Steinmeier oder Joachim Gauck als denkbaren Lösungen zeigt, dass die FDP bereit ist, sich zu öffnen. Was bleibt ihr auch anderes übrig? Sie ist die Kraft im Präsidentenpoker, auf die es am wenigsten ankommt.

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Derzeit verhandeln vier Parteien über das künftige deutsche Staatsoberhaupt. Zählt man die CSU mit, sind es sogar fünf. Keiner will sich dabei über den Tisch ziehen lassen. Längst kursieren in Berlin unterschiedliche Interpretationen, wie unabhängig und überparteilich der Kandidat tatsächlich auszusehen habe.

Auch Rot-Grün gibt sich reichlich staatstragend. Das ist zumindest das Signal, dass die Oppositionsspitzen auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz am Samstag im Willy-Brandt-Haus aussenden wollen. Man habe den "ernsthaften Willen", einen gemeinsamen Kandidaten mit der Regierung zu finden, beteuert die grüne Fraktionschefin Renate Künast. Man dürfe sich nun nicht im Parteistreit verlieren, sagt SPD-Chef Sigmar Gabriel. Schon im Januar hatte er Merkel seine Hilfe angeboten, im Falle eines Rücktritts von Wulff.

 

Allerdings stört die Oppositionspolitiker auch einiges am bisherigen Verlauf der Präsidentensuche. So gibt es bislang noch keine formelle Einladung zu einem Treffen. Die Kanzlerin hat zwar mehrere Oppositionsspitzen noch am Freitag persönlich angerufen und um Zusammenarbeit gebeten. Aber ordentlich terminiert sei die Verhandlung noch nicht, meckert Gabriel. Auch sei noch nicht klar, wie groß die Verhandlungs-Delegationen sein werden. Schon am Freitag betonte die SPD, dass sie der Kanzlerin nicht zur Dankbarkeit verpflichtet sei, nur weil sie jetzt den Konsens suche. Merkel sei angesichts der dünnen Mehrheitsverhältnisse schlichtweg auf die Opposition angewiesen. Übertriebene Kompromissbereitschaft sei nicht zu erwarten, sagte etwa Generalsekretärin Andrea Nahles.

Lieber formulieren die Oppositionspolitiker am Samstag einige Bedingungen – ganz höflich, versteht sich. Man stehe nur für einen wirklich "überparteilichen Kandidaten" zur Verfügung. Genauer: Es dürfe kein Kabinettsmitglied sein und, wie Künast es formuliert, "kein aktiver Politiker". Auf Nachfrage wird sie noch genauer: einfach nur "Ämter rotieren" zu lassen reiche nicht aus.

All das zielt indirekt auf Norbert Lammert. Der Bundestagspräsident ist bei vielen Abgeordneten – lagerübergreifend – beliebt. Dennoch wollen ihn die Grünen und auch die SPD-Linke nicht nach Bellevue wählen. Sie sehen in ihm zu sehr einen CDU-Vertreter, einen eher konservativen zumal.

Lammert, so meldet es am Samstagabend dpa, hat inzwischen abgesagt. Ohnehin war er nicht der Favorit der Kanzlerin. Sie kannte die Bedenken der Oppositionslinken und hat sich auch selbst schon häufiger über die Renitenz und das Selbstbewusstsein Lammerts geärgert.

Leserkommentare
  1. Wir sind zwar Christen, aber die meisten Deutschen kennen die Kirche nur noch von außen. Was soll der Unsinn, Käßmann oder Huber zum BP zu ernennen? Beide sind außerdem zu jung und kosten uns im Falle des Rücktritts viel, viel, viel Ehrensold.

    P.S.: Man muß in diesen Zeiten auch an´s Finanzielle denken.
    So einen BP wie Papa Heuss wäre schön. Er wurde von allen Deutschen regelrecht geliebt.

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    Man könnte ja mal seinen Enkel Ludwig Theodor Heuss fragen, ob er Lust hat

    Man könnte ja mal seinen Enkel Ludwig Theodor Heuss fragen, ob er Lust hat

  2. es ist doch egal, wer politisch suizidal dieses amt übernimmt. er oder sie steht jetzt schon im colloseum und die gutmeinenden hyänen warten schon. oder es ist eine person aus dem eher "linken lager" - dann wird den eher "bürgerlichen" schon genug einfallen, diese person zu demontieren.
    die medien leben davon und erst, wenn es langweilig geworden ist, festzustellen, daß jeder dreck am stecken hat, wird wieder ruhe in bellevue einziehen.
    mein gott, es verhungern täglich hunderte kinder, mädchen werden genital verstümmelt, nazis schlagen menschen tot und und der gutmeinende michel bekommt einen infarkt, weil der bundesgrüßer einen kugelschreiber geklaut hat.

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  3. " Dabei wäre Huber doch wirklich mal eine integre Person, mit der sich sicher die meisten Deutschen anfreunden könnten.
    Außerdem ist er ein bekanntes Gesicht, ohne dass es in der Öffentlichkeit einmal negatives über ihn zu berichten gab. "

    Huber war es doch der jahrelang als "Botschafter" der INSM - einem arbeitgeberfinanzierten Lobby-Thinktank - durch die hiesigen Polit-Talkshows tingelte und der Agenda2010 seinen Segen gab.
    Das ein praktizierender, ethisch integrer Christ ein Wirtschaftssystem begrüßt, in dem Verantwortung und Gerechtigkeit grundsätzlich einen Wettbewerbsnachteil darstellen und so ganz natürlich minimiert werden, erscheint mir wenig glaubhaft.
    Was hätte Jesus zu so einem gesagt, der behauptet hätte, goldene Kälber anzubeten sei grundsätzlich in Ordnung?

    M.E. ein Opportunist der sich den gesellschaftlichen Machtverhältnissen und dem Zeitgeist ganz geschmeidig anpassen kann.
    Scheint charakterlich voll auf der Linie seiner Vorfahren zu sein:
    http://feynsinn.org/?p=12599

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    Antwort auf "Haha..."
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    ... wenn man sucht, findet man gegen jeden irgendwas. Ist wie mit dem Bundestrainer. Alle können es besser und jeder hat an jedem irgendwas zu meckern.

    Bei Gauck stören mich diese ganzen Schlagwörter. "Der Theologe" oder "der DDR-Bürgerrechtler" und dann reden die Kritiker alle von Neoliberalismus... wer betreibt da Propaganda und wer nicht?

    ... wenn man sucht, findet man gegen jeden irgendwas. Ist wie mit dem Bundestrainer. Alle können es besser und jeder hat an jedem irgendwas zu meckern.

    Bei Gauck stören mich diese ganzen Schlagwörter. "Der Theologe" oder "der DDR-Bürgerrechtler" und dann reden die Kritiker alle von Neoliberalismus... wer betreibt da Propaganda und wer nicht?

  4. daher sollte er in seinem Amt bleiben, denn nur er hat die Politikermeute sehr gut im Griff. Ich wüßte auch nicht, wer Lammert ersetzen könnte.

    Er weiß es anscheinend auch selber, denn er hat bereits abgesagt.

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    Antwort auf "Gut gemacht"
  5. Super Song! Danke für den Link! Ist schon an viele echte Freunde weitergeleitet worden ;-))

  6. nur 100 Tage durchhalten und es gibt 200 000 Euro und so wie die Rechtslage ist, reicht wahrscheinlich schon ein einziger Tag im Amt des Bundespräsidenten. Man könnte den Job auch auf 100 Hungerleider verteilen, das wäre mal eine soziale Maßnahme.

    • bebra
    • 18.02.2012 um 22:15 Uhr

    Hier wurden u.a. Frau Käsmann und Uli Hoeness als Kandidaten vorgeschlagen. Leider würden die das wohl nicht machen. Das ist sehr schade.- Das wäre interessant.

    • klaro
    • 18.02.2012 um 22:16 Uhr

    sind wohl offensichtlich nicht zu finden. Ihnen ist wohl die Integrität egal. Sehr tolerant!

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