BundespräsidentKoalition streitet über Gauck

Krach in der Koalition: Die FDP hat sich auf Joachim Gauck geeinigt, die Union lehnt den SPD-Favoriten ab. Das geplante Treffen mit der Opposition findet um 20 Uhr statt.

Die Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff bleibt weiter ohne Ergebnis. Die Parteivorsitzenden der Koalition kamen am Sonntag gegen Mittag im Kanzleramt zusammen, um weiter über mögliche Kandidaten zu sprechen. Dabei ist es offenbar zu Streit gekommen: Das FDP-Präsidium sprach sich am Sonntagnachmittag einstimmig für den SPD-Favoriten Joachim Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt aus. Es habe ein einstimmiges Meinungsbild gegeben, dass Gauck ein geeigneter Kandidat sei, sagte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ZEIT ONLINE.

Parteichef Philipp Rösler und Fraktionschef Rainer Brüderle hätten die Unterstützung des Präsidiums bekommen, mit diesem Vorschlag zurück in die Verhandlungen mit der Union zu gehen. Gesundheitsminister Daniel Bahr forderte die Union auf, im Hinblick auf Gauck "über ihren Schatten zu springen". Die von CDU und CSU vorgeschlagenen Kandidaten – der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und der CDU-Politiker Klaus Töpfer – wurden im FDP-Präsidium abgelehnt.

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Die Union dagegen erklärte, dass sie den SPD-Favoriten Gauck nicht als Bundespräsidentenkandidaten akzeptieren werde. Er sei CDU und CSU nicht zu vermitteln, hieß es. Für andere Kandidaten sei die Union offen.

Die Spitzenpolitiker der Koalition wollen mit der Opposition am Sonntagabend im Kanzleramt über weitere Kandidaten beraten. Koalitionskreise bestätigten das Treffen, das um 20 Uhr stattfinden soll.

"Hürden nicht zu hoch hängen"

Nach der Absage des klaren Favoriten Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, fällt es der schwarz-gelben Koalition schwer, SPD und Grünen einen geeigneten überparteilichen Kandidaten zu präsentieren. Auch innerhalb der Koalition gab es Differenzen bei einzelnen möglichen Kandidaten. Mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte ebenfalls ein möglicher Kandidat ab.

Das Verfahren ist für die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast bereits zu einem "quälenden Schauspiel" geworden. "Das ist dem Amt nicht angemessen", sagte sie. Künast bekräftigte, dass die Grünen aktive Kabinettsmitglieder als Kandidaten ausschlössen. Dies gelte aber nicht für aktive Politiker generell. "Die Parteien sind gut beraten, die Hürden nicht zu hoch zu hängen", sagte Künast. Es müsse nicht zwingend erneut zu drei Wahlgängen in der Bundesversammlung kommen wie 2010.

Anders als bei der vergangenen Bundespräsidentenwahl wollen sich Koalition und Opposition nun auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigen. SPD und Grüne favorisieren weiterhin Gauck.

Leserkommentare
  1. "Noch mal" bezieht sich darauf, dass ich das heute hier schon einmal geschrieben habe.

    "Verrat" bezieht sich ausschließlich auf das aktuelle Verhalten der SPD in der Kandidatenfindung.

    Im Übrigen ist die Herkunft des Spruchs umstritten und ruft kraft Reim zur Wiederholung.

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    Antwort auf "Bar jeder Bildung"
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    • bugme
    • 19.02.2012 um 16:28 Uhr

    ...wenn Sie bedenken, dass die Linke in der letzten BP-Wahl den Gegenkandidaten zu Wulff verhindert hat und wenn sie bedenken, dass jetzt die Koalitionsfraktion entschieden hat mit Parteien, die sie für geeignet hält zu sprechen, dann sollte man sich fragen, wer wann wo verraten haben soll.

    Wenn sie dies aber in den historischen Kontext des Zitates setzen ist es einfach geschmacklos bzw. ist auf dem Niveau von "Arbeit macht Frei"

    • bugme
    • 19.02.2012 um 16:28 Uhr

    ...wenn Sie bedenken, dass die Linke in der letzten BP-Wahl den Gegenkandidaten zu Wulff verhindert hat und wenn sie bedenken, dass jetzt die Koalitionsfraktion entschieden hat mit Parteien, die sie für geeignet hält zu sprechen, dann sollte man sich fragen, wer wann wo verraten haben soll.

    Wenn sie dies aber in den historischen Kontext des Zitates setzen ist es einfach geschmacklos bzw. ist auf dem Niveau von "Arbeit macht Frei"

  2. "Anforderungen an einen künftigen Bundespräsidenten inzwischen ins Unermessliche gestiegen"

    Das ist ja lustig. Unbestechlichkeit ist heute eine unermessliche Anforderung für die Parteifunktionäre.

    Welche Anforderungen sind das in der Realität?

    Mit 17 in die richtige Partei CDU, SPD oder FPD eingetreten zu sein, reicht doch für alle hohen Ämter in Deutschland.

    2 Leserempfehlungen
    • yeksaa
    • 19.02.2012 um 15:57 Uhr

    wird es schon wieder richten, so, wie sie es, ohne Verstand, zu richten "versteht".....

  3. Die Erkenntnis, mit einem Schuss Dritte-Reich-Wahl garniert, bestimmt leider heute wieder das politische Berlin. Der sogenannte gemeinsame Kandidat, der sich in der Bundesversammlung scheinwählen lässt, ist per se schon in einer Demokratie eine Nullnummer und hat keinen Respekt verdient.

    3 Leserempfehlungen
    • ludna
    • 19.02.2012 um 16:06 Uhr

    vielleicht hat Gorbatschow Lust, oder Nelson Mandela ?
    Das mit dem GG kriegen wir auch hin, hat ja auch in der Fussball-Bundesliga geklappt.

  4. Ulrich Wickert,
    der hat auch noch das richtige Alter.

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  5. Zunächst einmal ist es erbärmlich, dass der Altherrenverein SPD es wieder nicht schafft, einmal aus vollem Herzen eine Frau zu unterstützen...

    Wenn aber schon auf SPDnahen kirchlichen background zurückgegriffen werden soll, dann ist da wohl an erster Stelle

    NIKOLAUS SCHNEIDER

    zu nennen. Er wird in der ev. Kirche von einer breiten Welle der Zustimmung und Sympathie getragen, die er sich auch durch seine VOLKSTÜMLICHKEIT erworben hat.
    Dass er diesen Staat nicht nur repräsentieren, sondern auch hinter ihm stehen würde, steht wohl außer Zweifel.

    Ein Präsident lebt auch von dem Vertrauen, das man ihm entgegen bringt, und dazu bedarf es einer echten Herzlichkeit und Wärme.

    Schneider hat die Soldaten in Aghanistan aufgesucht!

    Ob Gesine Schwan noch einmal antreten würde? Zu nennen wären auch die Namen Jutta Limbach und Rita Süßmuth.

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