Es ist wieder derselbe große Saal im Schloss Bellevue. Ende Dezember ist Christian Wulff hier schon einmal aufgetreten . Damals war er noch überzeugt, die Affäre durchstehen zu können. Er gab sich kämpferisch und reumütig zugleich. Einerseits bedauerte er, Landtag und Öffentlichkeit mit seinen Aussagen über einen Privatkredit irritiert zu haben. Andererseits lobte er sich selbst für die lückenlose Aufklärung und Transparenz, zu der er künftig beitragen wolle.

Diesmal ist es genau anders herum. Wulff hat aufgegeben, und die Schuld sucht er bei anderen. Dass er an diesem trüben Februarvormittag zurücktreten würde, hatte sich in den Stunden davor schon angekündigt. Aber schon mit den ersten Sätzen seines vierminütigen Statements wird daraus Gewissheit. Wulff spricht im Imperfekt. Seinem Amt habe er sich "gern gewidmet". Es sei ihm "eine Herzensangelegenheit" gewesen, Gutes für die Gesellschaft zu tun.

Er ist von seiner Unschuld überzeugt

Es folgt eine Mini-Programmatik. Allen Menschen, die "hier bei uns in Deutschland leben" - ganz gleich, "welche Wurzeln sie haben", habe er sich verpflichtet gefühlt, sagt Wulff. Gern wäre er ein Integrationspräsident geworden. Er ahnt vermutlich, dass der einzige Satz, der positiv von seiner Präsidentschaft in Erinnerung bleiben wird, vom Islam handelt, der zu Deutschland gehöre. Eines von Wulffs Lieblingswörtern als Präsident war "Willkommenskultur". Nun ist er selbst in seinem Staatsamt nicht mehr willkommen, wie ihm spätestens am Donnerstagabend aufgegangen sein dürfte, als die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität beantragte .

Wulff betont, dass er selbst von seiner Unschuld überzeugt sei. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden "zu einer vollständigen Entlastung führen". Er habe sich "stets rechtlich korrekt verhalten". Er räumt zwar auch abermals "Fehler" ein. Aber unterm Strich spricht Wulff sich selbst frei: "Ich war immer aufrichtig".

Woran es liegt, dass er zurücktritt? Implizit weist Wulff den Medien und der öffentlichen Meinung ein nicht kleines Maß an Mitschuld zu. Seine Glaubwürdigkeit habe gelitten, so dass seine Präsidentschaft nicht mehr von "einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen" werde. Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, "haben meine Frau und mich verletzt", wirft Wulff den Journalisten vor, die sich auf einer dreistufigen Pressetribüne vor ihm aufgebaut haben. Dennoch wünscht er ihnen am Ende "ausdrücklich" eine "gute Zukunft".

Bettina Wulff ist diesmal – anders als bei Wulffs Auftritt im Dezember – auch dabei. Sie steht während seiner kurzen Ansprache neben ihm. Vordergründig wirkt sie fröhlicher als ihr Ehemann. Sie blickt mit gefrorenem Lächeln in das Blitzlichtgewitter, während er doch reichlich zerknirscht wirkt. Seit Schülertagen ist Wulff Berufspolitiker. Diese Karriere ist seit diesem Freitag vorbei.