Umfrage : Mehrheit der Deutschen spricht sich für Wulffs Rücktritt aus

Nur noch 16 Prozent der Deutschen halten Bundespräsident Christian Wulff für ehrlich. Kanzlerin Angela Merkel ist hingegen so beliebt wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Demonstranten protestieren vor dem Schloss Bellevue in Berlin gegen Bundespräsident Christian Wulff. © Carsten Koall/Getty Images

Die Mehrheit der Deutschen will Bundespräsident Christian Wulff nicht mehr im Amt haben. Im Deutschlandtrend der ARD sprachen sich 54 Prozent der Befragten für einen Rücktritt aus, das sind acht Prozent mehr als Mitte Januar. Nur 43 Prozent sehen Wulff als einen Menschen, der Respekt vor den geltenden Gesetzen hat. Die Arbeit des Bundespräsidenten bewerteten nur 33 Prozent der Befragten zufrieden. Nur noch 16 Prozent halten ihn demnach für ehrlich.

Die Regierung ist im Vergleich zum Vormonat hingegen im Ansehen der Deutschen gestiegen. Die Zufriedenheit mit der schwarz-gelben Koalition lag mit 42 Prozent so hoch wie noch nie seit ihrem Amtsantritt. Besonders Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde so positiv wie in den vergangenen zwei Jahren nicht bewertet. 64 Prozent der Befragten gaben sich mit Merkels Auftreten und ihrer Arbeit in der Euro-Krise zufrieden. 69 Prozent sehen in Merkel eine "gute Bundeskanzlerin". Sie vertrete Deutschland in der Welt gut, gaben 85 Prozent an. Dabei empfindet über die Hälfte die Bundeskanzlerin als eine Politikerin, die über den Parteien steht.

Wolfgang Schäuble ist beliebtester Politiker

Auch Union und FDP konnten sich in der Wählergunst verbessern. In der Sonntagsfrage stimmten 36 Prozent der 1.501 Befragten für die Union. Die FDP legte um einen Punkt zu, blieb mit drei Prozent aber unter der Fünf-Prozent-Schwelle. Die SPD und die Grünen hingegen verloren jeweils einen Punkt und kamen auf 29 Prozent und 15 Prozent. Die Linke gewann einen Punkt hinzu und erreichte sieben Prozent. Die Piratenpartei blieb unverändert bei sechs Prozent.

Beliebtester Spitzenpolitiker ist der Umfrage zufolge Finanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ), mit dessen Arbeit 65 Prozent der Befragten zufrieden sind. Ihm folgen Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) mit 60 Prozent. Auf je 55 Prozent Zustimmung kommen die als mögliche SPD-Kanzlerkandidaten gehandelten Politiker Peer Steinbrück und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier .

Einen Sprung von neun Prozentpunkten machte Außenminister Guido Westerwelle (FDP): Mit seiner Arbeit waren 34 Prozent zufrieden. Westerwelle ist damit beliebter als Wulff.

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Kommentare

165 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Was Medien so alles erreichen

Die Diskussion ist bald schnell am Ende, wenn herauskommt das Schnäppchen Wulff nicht alleine dasteht, sondern einer unter vielen ist. Siehe Beck, Cem u.v.a.m.

Er ist Deutschland, geiz ist geil und hinter welcher Ecke bekomme ich das nächste Schnäppchen.

Im übrigen sind Journalisten dem Höhren nach auch nicht zimperlich im Annehmen von Vergünstigungen!

Deutschland hat sich Wulff verdient!

Sprechen Sie bitte nur für sich

Wenn Sie das Verhalten Wulff's OK finden, sich darin wiedererkennen - Ihre Sache.
Aber bitte Verallgemeinern Sie nicht. ES gibt in Deutschland genügend ehrliche, integere Menschen.

Abgesehen davon:
Wer in Fragen der Moral mit der Moral anderer argumentiert - der hat keine eigene!

Stehlen Sie? Wiel es Diebe gibt...
Lügen Sie? Weil es unehrliche Menschen gibt...
Töten Sie? Weil es Mörder gibt...???

Im Übrigen könnte ich, wie vermutlich auch viele andere, durchaus mit einem BuPrä leben, der mal (!!!) 'n Gratisurlaub oder eine schönes Kleid für seine Frau entgegennimmt, obwohl er es nicht darf.

Aber ich mag nicht mit einem Schnorrer leben, der sich nicht zu peinlich ist mir was von Ehrlichkeit zu erzählen, der ständig abstreitet und postwenden scheibchenweise zugibt, der Anwälte braucht um mit dem Volk zu reden, der mit dem Finger auf andere zeigt und "physische Schmerzem leidet"...

Nicht was sondern wie

Es geht wie bei Guttenberg mittlerweile weniger darum was er getan hat, sondern wie er sich verhält, nachdem es bekannt wurde. Das ist genau die gleiche schmierige und heuchlerische Art wie damals bei Guttenberg: Zugeben was nicht mehr zu leugnen ist, Anwälte sprechen lassen, leere Metaphern wie "handwerkliche Fehler" aber nirgendwo eine aufrichte Stellungnahme bzw. eine Einsicht. Seit der Rede vor Weihnachten nie wieder ein Wort darüber vom Herrn Präsidenten gehört, obwohl die Vorwürfe immer weitergehen.

Nein, ich spreche nicht nur über mich!

Sie finden sich in dem Verhalten des Herrn Wulff, das öffentlich angeprangert nicht wieder.

Mal ehrlich, in der Steuerklärung mal nicht ein "bisschen" frei Interpretiert, die Geschenke der Firma x und der Firma y angenommen, für ein paar Euro Ersparnis die billige Schokolade die mit der Kinderarbeit hergestellt wurde gekauft, na merken sie was?

Wo hört ihre Moral auf, wo soll die Moral der anderen anfangen? Herrn Wulf wurde bisher keine Straftat angeklagt und erst recht keine nachgewiesen!

Dass sein Verhalten unappetitlich ist, streite ich nicht ab, aber so sind wir Deutschen halt!

Wenn Sie sich davon freisprechen, was durchaus denkbar ist, würde ich sie nicht als typisch deutsch bezeichnen!

Wulff ist nicht irgendein Hanswurst

Sondern Bundespräsident. Da gelten nunmal andere Regel. Es hat ihn niemand gezwungen das Amt anzunehemen und die Regel waren auch nicht neu. Er wusste worauf er sich einlässt.

Es geht auch nicht darum, ob wir alle frei von Fehlern sind, aber Politiker entscheiden nunmal Dinge die uns alle angehen, da sollte man schon einen anderen Maßstab ansetzen.

Desweiteren ist Wulff selbst mit moralischen Verfehlungen seiner Kollegen sehr hart ins Gericht gegangen incl. mit Nachtreten. Für ihn selbst gelten diese Massstaeben aber nicht!
Er muss sich also nicht wundern, wenn andere dies nein tun.

Danke!

Ich begleite diese unsägliche Causa in meinen Kommentaren immer mit einer gesunden Mischung aus Satire und Sarkasumus.

Ihnen ist es hingegen gelungen meine Ansichten und Gefühle hierzu auf den Punkt zu bringen, ohne sich meines Hilfsmittels zu bedienen.

Ich mache hier aber dennoch den Vorschlag, dass wir bei einem Rücktritt Wulffs alle gemeinsam aufstehen und zusammen ein Lied singen:

http://www.youtube.com/wa...

Sonst geht es uns am Ende allen so:

http://www.titanic-magazi...

Beste Grüße
norbertZ

mal ehrlich

ich mache meine Steuererklärung nach bestem Wissen und Gewissen. Und wenn ich Geschenke erhalte, gebe ich in der Regel etwas entsprechendes zurück. Bei Wulff ist das etwas anderes er nimmt Geschenke persönlich an, die das Amt meinen und gibt dann ebenfalls etwas zurück - eine Einladung zum Fest, eine Mitnahme bei einer Auslandsreise.

Meine Moral beginnt mit der bewussten Lüge. Nehmen wir einen ganz banalen Fall. Herr Wulff lies mitteilen, dass das Audi-Bobby-Car im Schloss in der Besucherecke stehe für die Besucherkinder. Jetzt kann man lesen noch im Dezember hat das Bobby-Car auf der Terrasse des privaten Wohnhauses gestanden. Ich möchte meinen Mitmenschen glauben was sie sagen und versuche prinzipiell die Wahrheit zu sagen. Gerade wenn man Kinder hat, ist ein solches Verhalten außerordentlich wichtig.

Ich habe auch ein Problem mit der "geliehenen", "geschenkten" Garderobe von Frau Wulff. Die Befürworter sagen dann immer: "Es ist doch gut, wenn die Frau schön aussieht und dies den Steuerzahler nichts kostet." Frau Wulff ist nicht die Königin von England, sie ist die Frau des gewählten Bundespräsidenten. Diesem Präsidenten stellt der Steuerzahler ein Einkommen zur Verfügung. So wie der normale Bürger sich mit Hilfe seines Einkommens kleidet erwarte ich dies auch von meinem Vertreter. Wenn die Deutschen wollen, dass die Präsidentengattin "edel" und "immer neu" gekleidet ist, dann sollte die Gesellschaft dafür ein entsprechendes Budget zur Verfügung stellen.

das erinnert mich etwas an "ich bezahle 150€, wenn ich bei

Freunden übernachte!"

Sie sollte hier auch kein Seelen Striptease veranstalten, ich bat nur einmal die moralischen Maßstäbe "einzunorden". Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass ich Wulffs Verhalten ebenfalls nicht appetitlich finde.

Aber ich glaube nicht, dass Sie heute in der politischen Klasse jemanden wie Heinemann noch finden! Es ist gut, dass viele Menschen moralisches Verhalten fordern, es sollte aber auch allgemein akzeptiert sein.

Ja, es ist schade, dass Wulffs Verhalten für die überwiegende Zahl der Deutschen ein für sich selbst akzeptables Verhalten ansehen.

@PigDog

"Abgesehen davon:
Wer in Fragen der Moral mit der Moral anderer argumentiert - der hat keine eigene!"

Kann ich dass in meine Liste für Kalendersprüche mit aufnehmen? Ganz ehrlich, genau so ist es.

Ich finde es immer sehr bezeichnend, wenn Menschen argumentieren, weil die da oben sich ungesetzlich verhalten, darf ich auch ein paar Kilometer mehr bei der Steuer angeben und aus meiner Speisekammer ein Arbeitszimmer machen.

Endweder ich habe eine Moral und lebe auch danach oder ich habe eben keine. Nur dann sollte ich auch nicht über die da oben schimpfen, sondern mich einreihen.

Ja - die Moral...

von der Geschichte ist:

Auch Bundespräsidenten sind "nur" Menschen...

Ich weiß nicht unter welchen vergessenen Felsbrocken die immer lauter werdende "Meute" hervorgekrochen ist, die da schreit: "Hängt ihn auf"...

War und ist er glaubwürdig?!? Wohl ehrer nicht mehr...

Der Fall "Glogowski" zeigt nun auch auf ihn...

Getreu dem Motto - "der Finger mit dem du auf Andere zeigst - zeigt auf dich zurück"...

Er sollte "tabula rasa" praktizieren und zurücktreten...

Für sich und seine Familie...

Natürlich nur wenn ihm daran liegt, vor sich und ihnen die "eigene Glaubwürigkeit als Mensch Christian Wulff" zu reparieren oder meinetwegen auch zu bewahren (es kommt ja immer auf die jeweilige Perspektive an - und keiner kann sagen, wie es in ihm aussieht - außer seiner eigenen Person...)...

Damit ziehe ich das Fazit: Es ist immer leicht andere Menschen zu verurteilen - aber es gibt auch ein ungeschriebenes Gesetz: Alles kommt zurück - auch wenn es manchmal dauert...

Mir fallen in diesem Kontext folgende Worte ein, die ich für mich persönlich als sehr treffend halte, weil ich diese Erfahrung gemacht habe; mit nicht ganz so ehrlichen Zeitgenossen: "Nicht jede/r LügnerIN hat kurze Beine - aber jede Lüge hat ihr eigenes Verfallsdatum - und es beginnt mit dem Ausspruch derselben...

Die Moral von der Geschichte bleibt: Moral und Mensch ergeben nur dann eine Symbiose, wenn sie sich nicht im gleichen Universum (oder gar Sonnensystem)aufhalten...

In diesem Sinne ZEITlos liebe Grüße

Pech...

Ich habe wohl das Pech, in einem Umfeld aufgewachsen zu sein, wo es nicht "normal" war, dass man jeden nur denkbaren Vorteil rechts und links des Wegs mitnimmt, seine Doktorarbeit zur Hälfte abschreibt, sich mit Halbwahrheiten durchmogelt und möglichst jede Abkürzung nimmt. Ich habe auch das Pech, im öffentlichen Dienst beschäftigt gewesen zu sein und die strengen Regeln im Hinblick auf Geschenke, die dort gelten, vor allem für Amtsträger zu kennen und mit Leuten zusammengearbeitet zu haben, von denen diese Regeln eingehalten worden sind. Und nein, ich "interpretiere" bei meiner Steuererklärung nicht. Also sprechen Sie für sich, und nicht andere.
Und abgesehen davon, von "mal" nicht ganz mit weißer Weste dagestanden zu sein kann doch bei Wulffs bei dieser Serie keine Rede mehr sein.

Auch wenn ich mich wiederhole:

Nein, so sind WIR DEUTSCHE nicht!

So ist Herr Wulff!
Und viele andere (nicht nur Deutsche übrigens, ist Ihnen das schon aufgefallen...???) leider auch - aber eben nicht ALLE!

Finden Sie Herr Wulff's Verhalten in Ordnung? Sind Sie genauso, würden Sie an seiner Stelle genauso handeln? Dann sollten Sie auch den Mut haben, sich hinzustellen und zu sagen ICH finde das in Ordnung, ICH mache das genauso.

Sich hinter einem WIR ALLE zu verstecken halte ich für armselige Feigheit!

Und wenn Sie selbst nicht so sind, aber aus - welchen Gründen auch immer - Verständniss für Herrn Wulff aufbringen, gilt sinngemäß das gleiche:
Sagen Sie "ICH finde das nicht allzu schlimm." Und relativieren Sie bitte nicht die Charaktermängel eines einzelnen durch pauschale Herabwürdigung von Menschen, die Sie nicht kennen!

Danke!

Die sogenannte Moral der ehrbaren Deutschen

stimmt mich immer etwas skeptisch. Zu leicht lassen sie sich im Namen der Moral vor irgendeinen Karren spannen. Wenn es niemanden interessiert, interessieren sie sich in der Regel nicht für die Moral und wenn dann nur dann, wenn sie sich in ihren Dimensionen abspielt. Als Maschmeyer dem Gerd eine Million für seine Memoiren zahlte, fanden das alle ziemlich ok. Ab welchem Betrag stellt Otto Normalverbraucher nochmals seine Bedenken zurück? Auch als Bundeskanzler Schröder den Milliardendeal mit der Gazprom abgeschlossen hatte und zum Dank dann in deren gut dotierten Aufsichtsrat aufrückte, haben Sie, wie eigentlich so ziemlich alle im Land geschwiegen. Ging halt in Ordnung. Als aber ruchbar wurde, dass - man stelle sich das vor - umsonst bei reichen Freunden übernachtet hatte, da schlugen die Wellen der Empörung hoch.

Kennen Sie

"Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht" oder

"Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht"?

Wulffs ebenso dreiste wie offensichtliche Tricksereien im höchsten Staatsamt - Korruption ohne jede Skrupel bei gleichzeitig moralisch erhobenem Zeigefinger - waren eben einfach irgendwann zuviel.

Das betrifft übrigens auch andere in Politik und Wirtschaft und es gäbe eigentlich reichlich Arbeit für die Medien. Aber irgendwo muss man mal anfangen.

Volkes Stimme in Meinungsumfragen

.. ist zwar nicht unbedingt maßgeblich und der GehaltUmfragen fraglich. Wenn sich aber eine Mehrheit im Land gegen den Verbleib des amtierenden Schnäppchenpresidenten im Amt des BP ausspricht, kann er das nicht völlig ignorieren. Meine Meinung: Riefe mich heute ein Meinungsmacheinstitut an und fragte, ob ich den Rücktritt des Bundespräsidenten befürworten würde, meine Antwort wäre „Nein“. Nicht dass ich Wulff für ehrlich, integer oder rechtschaffen hielte oder ihm gar Symphatien entgegenbrächte. Nein, Wulff muss bleiben, weil sich ein schlechtes Vorbild, ein charakterloser Politiker, ein Gesetzesbrecher bestens als Mahnmal gegen eine rücksichtslose, egoistische zur Lobbykratie verkommenen Gesellschaftsordnung eignet und auf diesem leidvollen Wege möglicherweise Denkprozesse und Erkenntnisgewinne in Gang setzt.