Der US-Soldat, der in Afghanistan 16 Menschen gezielt tötete, hat einem Bericht zufolge in der fraglichen Nacht Alkohol getrunken. Außerdem habe er im Zusammenhang mit seinem vierten Kampfeinsatz unter Stress gestanden und wegen der Einsätze auch Probleme mit seiner Frau gehabt, hieß es.

"Am Ende wird es eine Kombination aus Stress, Alkohol und häuslichen Problemen sein – er ist einfach ausgerastet", zitierte die New York Times einen Regierungsvertreter, der dem Bericht zufolge über die Untersuchungsergebnisse informiert wurde.

Bisherigen Informationen nach hatte der Soldat in der Nacht zum Sonntag seinen Stützpunkt im Unruhedistrikt Pandschwai unbemerkt verlassen. In dem knapp zwei Kilometer entfernten Ort Alkozai, etwa 30 Kilometer südwestlich der Stadt Kandahar , tötete er in drei Häusern 16 Dorfbewohner, in der Mehrzahl Frauen und Kinder. Einige Leichen soll er angezündet haben. Danach kehrte er zurück und stellte sich.

Der Anwalt des Soldaten wies den Zeitungsbericht zurück. Er habe keine Informationen, dass Alkohol eine Rolle gespielt habe, sagte John Henry Browne. Es habe auch keinen Streit mit der Frau gegeben. Gespräche mit der Familie des 38-Jährigen hätten darüber hinaus ergeben, dass sein Mandant keinen Hass auf Muslime gehegt habe.

Den US-Soldaten habe die Verletzung eines Kameraden bei einer Explosion am Tag vor der Tat sehr mitgenommen, sagte Anwalt Browne. Der Familienvater habe wegen seines Auslandseinsatzes unter Stress gelitten, sei aber zur Tatzeit nicht betrunken gewesen. Sein Mandant sei unglücklich darüber gewesen, dass er nach seinen drei Einsätzen im Irak im Dezember nochmals in ein Kampfgebiet entsendet worden sei. "Seine Familie hat darauf gezählt, dass er nicht noch einmal ins Ausland verlegt wird und das hat sich dann praktisch über Nacht geändert", sagte Browne.

Der Regierungsvertreter sagte, der Soldat werde bereits in Kürze in die USA gebracht, vermutlich nach Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas . Er hat Medienberichten zufolge  Afghanistan bereits verlassen und befindet sich auf einer US-Militärbasis in Kuwait . Er soll in einem früheren Einsatz im Irak bei einem Autounfall eine Kopf- und Hirnverletzung erlitten haben. Auch von psychischen Problemen war die Rede.

Die Identität des US-Soldaten ist nach wie vor nicht bekannt. Anklage wurde noch nicht erhoben. In den USA könnte er zum Tode verurteilt werden.

In Afghanistan untersuchte ein Team von Vertretern des afghanischen Unterhauses und Provinzpolitikern den Vorfall. Hamidzai Lali, Mitglied der acht Abgeordnete zählenden Gruppe, sagte der afghanischen Nachrichtenagentur Pajhwok , es seien 15 bis 20 US-Soldaten an dem Massaker beteiligt gewesen. Sie sollen in zwei Gruppen agiert haben. Das Untersuchungsteam hatte Lalis Angaben zufolge zwei Tage lang in der Gegend Betroffene befragt und Hinweise auf den Verlauf des Vorfalls zusammengetragen. Lalis äußerte sich überzeugt, dass ein einzelner Soldat in so kurzer Zeit nicht so viele Menschen getötet haben könne. Die Isaf-Truppenführung ließ daraufhin wissen , sie wisse nach wie vor nur von einem Täter. Und der sei in Gewahrsam.

Wegen des Vorfalls hatten Afghanen gegen die Nato-Truppen im Lande protestiert. Das Parlament warnte die Amerikaner mit deutlichen Worten. Unter Bundeswehr-Experten lässt der Vorfall die Sorge wachsen, die Lage könnte sich durch die Äußerungen der Parlamentarier weiter verschärfen. Die Afghanen könnten der Schilderung ihrer Landsleute eher glauben als der Darstellung der Nato.

Am Donnerstag hatte Präsident Hamid Karsai angeregt, die Nato-Truppe möge die Verantwortung für die Sicherheit im Lande bereits 2013 an die nationalen Kräfte übergeben , ein Jahr vor dem bisher geplanten Abzugstermin.