KriegsgerätWaffenhändler in Uniform

Panzer, Pistolen, Patriot-Raketen: Die Bundeswehr verkauft ausgemusterte Rüstungsgüter ins Ausland. Nicht alle Kunden sind unbedenklich. von 

Leopard 2

Ein Leopard-2-Panzer auf dem Bundeswehr-Trainingsgelände im sachsen-anhaltinischen Letzlingen  |  © Sean Gallup/Getty Images

Der Leopard war einst der Stolz der Truppe . Mit dem Kampfpanzer sollte die Bundeswehr bis zum Fall der Mauer die sowjetischen Streitkräfte aufhalten, wenn diese gegen Westen angerollt wären – doch längst spielen die schweren Maschinen keine große Rolle mehr in den Planungen der Militärs. Die Bundeswehr mustert deswegen seit Jahren die Leopard-Panzer Typ 1 und 2 aus und verkauft sie ins Ausland.

Für acht weitere Bergepanzer auf Grundlage des Leopard 1 wird das Bundesverteidigungsministerium in den nächsten Jahren Käufer suchen. Zudem sollen 30 Transportpanzer, 16 Feuerleitpanzer, 84 Tornado-Kampfjets, 29 F-4-Jagdbomber, 78 Hubschrauber vom Typ UH-1D, acht Fregatten vom Typ F122 außer Dienst gestellt und zu Geld gemacht werden.

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Das teilt die Bundesregierung in einer Antwort auf die Kleine Anfrage der Linkspartei mit, die zum Ende der Woche veröffentlicht wird und ZEIT ONLINE vorliegt. Teile der Antwort sind als Verschlusssache eingestuft und nur in der Geheimschutzstelle des Bundestages einsehbar.

Das gebrauchte Bundeswehr-Kriegsgerät ist begehrt

Dass die Bundeswehr ausgemusterte Waffen verkauft, ist bekannt. Erstmals liegen nun aber die Zahlen für die vergangenen fünf Jahre vor. Von Treibladungszündern, die für 104.832 Euro an die Niederlande gingen über acht Patriot-Raketensysteme, die Südkorea für 211 Millionen Euro kaufte, finden sich insgesamt 94 Rüstungsverkäufe in der Liste des Verteidigungsministeriums .

"Es wird grundsätzlich angestrebt, für die außer Dienst gestellten Waffensysteme durch Weiterverkauf einen Erlös zu erzielen", schreibt die Regierung. "Der derzeitige Verwertungsbestand der Bundeswehr an Waffensystemen beträgt 24 Stück Panzerhaubitzen PzH 2000 und 6 U-Boote der Klasse 206A." Interessenten dürfte es sowohl für die U-Boote als auch für die Haubitzen geben, die die Bundeswehr nach eigenen Angaben momentan erfolgreich in Nordafghanistan gegen Aufständische einsetzt.

Das gebrauchte Kriegsgerät der Bundeswehr ist im Ausland begehrt. Zu den Abnehmern gehören viele Nato-Staaten und andere Verbündete wie Schweden, die Schweiz und Neuseeland . Aber auch einige Schwellenstaaten und Entwicklungsländer erhielten ausgemusterte Bundeswehr-Ausrüstung. Brasilien nahm 250 Kampfpanzer vom Typ Leopard 1 ab. Das kurz vor der Staatspleite stehende Griechenland kaufte der Bundeswehr 223 Panzerhaubitzen vom Typ M109 ab. Das deutsche Heer hatte dieses Kriegsgerät bereits 2007 ausgemustert.

Die Türkei orderte 56 Leopard 2, der Stadtstaat Singapur sogar 168 Kampfpanzer. Auch einige afrikanische Staaten erhielten Material der deutschen Streitkräfte. Sie profitierten von dem Ausstattungshilfsprogramm der Bundeswehr: Ghana, Namibia, Nigeria , der Senegal und Mali bekamen Laster, Busse und Motorboote. Jemen erhielt eine Laboreinrichtung, Djibuti Werkzeuge und Tansania medizinische Ausstattung. Andere Staaten in Europa und Asien erhielten als "unentgeltliche Überlassung" weiteres Material.

Leserkommentare
  1. Trifft dieses Statement nur für den geneigten Käufer von Waffen zu?

  2. ... suggerieren? Auch der ZEIT dürfte doch bekannt sein, dass Soldaten (Uniformträgern) die Beschaffung und der Verkauf von Waffen etc. untersagt ist.
    Für die Beschaffung ist das zivile Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zuständig, für die Verwertung von überzähligem Gerät die VEBEG.
    Miese Stimmungmache, diese Überschrift

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

    • helgam
    • 05. März 2012 17:50 Uhr

    Wohin gingen die DDR-Waffenbestände nach 1989, die in Brandenburg lagen (z.B.die aus dem Gebiet Gransee?
    Verschenkt wurden die sicher nicht, aber vielleicht in den Osten Europas verkauft?
    Warum fordern die anderen-die bürgerlichen -Parteien keine strengere Auswahl der Empfängerländer?
    Sind die alle so selbstsicher, daß sich keine der verkauften Tötungssysteme einmal gegen unser Land richten könnten?
    Solche Berichte gehören in die ZEIT .

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    ...wozu sollten Waffen aus NVA / DDR Beständen vermeintlich in den Osten Europas verkauft worden sein? Da kamen die Waffen überhaupt erst her...

    ging zumindest Anfang 1994 geschlossen an Indonesien für insgesamt 20 Millionen DM.
    Es war aber ein Danaer-Geschenk, weil die Kampfschiffe keine Air Condition hatten und rosteten wie die Siebe.

    • Harzer
    • 05. März 2012 19:17 Uhr

    die in Brandenburg lagen (z.B.die aus dem Gebiet Gransee?)

    - z.B. in die Türkei und nach Kroatien ... .

    ... der NVA-Altgeräte waren vor allem GUS-Staaten. So gingen etwa die Kampfhubschrauber des Typs Mil-Mi 24 "Hind" nach Ungarn, die meisten Kampfflugzeuge (MiG-21, MiG-23 etc.) wurden verschrottet, lediglich die MiG-29 wurde ins das Inventar der Bundeswehr übernommen und um 2003 für einen symbolischen Euro nach Polen verkauft.

    Von den zwei übernommenen Tu-154 stürzte eine 1997 nach Kollision mit einer C-141 der amerikanischen Luftwaffe vor Namibia in den Atlantik, die andere wurde daraufhin eingemottet und später in die Ukraine verkauft.

    Das nur mal als Übersicht.

    • Zack34
    • 05. März 2012 17:51 Uhr
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    ein Geparden-Anstrich.

    Aber wie ich gerade sehe, hat man bereits das Bild ausgetauscht...

  3. sinnvoll. Aber PzH2000 und Typ 206A sind nun alles andere als "alter Ramsch" und ich frage mich, wieso selbst Rüstgüter aus den späten 90ern bzw. frühen 2000er Jahren entsorgt werden.
    Zumal insbesondere die PzH2000 selbst in der originären Ausführung (also nicht A1) noch zu den leistungsfähigsten ihrer Gattung gehört.

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    Wenn Einheiten komplett aufgelöst werden, dann sind auch neuwertige Waffensysteme wie die Panzerhaubitze 2000 eben "über". Was soll man damit machen? In den Vorgarten des Kommandeurs stellen?

    Die Bundeswehr schrumpft auf (de facto) fast 50% ihrer ursprünglichen Stärke zusammen. Da ist auch bei den schweren Einheiten des Heeres einiges an Material über.

    • joG
    • 05. März 2012 18:36 Uhr

    ...erzielte man jedenfalls nicht.

  4. "Im sogenannten Verwertungsbestand befindet sich noch ein beachtliches Arsenal, das verkauft werden soll":
    Am deutschen Wesen soll die Welt genesen -
    oder sich mit Krieg überziehen

  5. ein Geparden-Anstrich.

    Aber wie ich gerade sehe, hat man bereits das Bild ausgetauscht...

  6. Deutschlands ist der drittgroesste Waffenliefert der Welt, nach den USA (No1) und Russland (No2).

    Das sind die absoluten Zahlen. Relativ gesehen, nach praktisch jedem Massstab (Bevoelkerungzahl, Groesse der eigenen Streitkraefte, prozentuale Eigenverwertung von Waffen, etc) ist Deutschland klar Nummer 1.

    Exportweltmeister des Todes. Herzlichen Glueckwunsch!

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    • cvnde
    • 05. März 2012 18:45 Uhr

    diese Zahlen muss man sich immer genau ansehen!
    Fraglich ist immer was exportiert wird.
    Wenn man eine U-Jagd-Fregatte exportiertt wie die F122 eine ist, dann sind die teuer, aber kaum zum Einsatz gegen die eigene Bevölkerung geeignet.
    Außer man will irgendwelche Küstendörfer beschiessen.,
    Genauso teure U-Boote, sind auch sündhaftteuer,aber viel maqchen, außer tauschen kann man mit der 206A nicht, die wurde für die Ostsee gebaut nicht für den Nordatlantik.

    • simlei
    • 05. März 2012 20:12 Uhr

    ist hier das gesamte Exportvolumen mal Bevölkerungszahl.

    Im Klartext: Wieviel Devisen Deutschland durch Waffen, normalisiert an der Bevölkerungszahl, beschafft. Ist doch logisch.

    Im Interesse der Finanz- und Rüstungsindustrie hat Deutschland schon 2 Weltkriege vom Zaun gebrochen und verdientermaßen schändlich verloren.
    Alle Schwüre der Verlierer sind jedoch vergessen, wenn wieder Profit lockt.
    Die unheilige Allianz des Geld- und Rüstungsadels ist wieder auf dem Weg ...

    • essilu
    • 06. März 2012 3:10 Uhr

    ...aus dem Senfgas wird oder geworden ist, das seinerzeit, unter Gaddhafis Regierung, nach Libyen geliefert worden war?

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