AtomenergieTausende in Deutschland protestieren gegen Atomkraft

Ein Jahr nach der Atomkatastrophe von Fukushima sind mehrere Tausend Menschen gegen Atomenergie auf die Straße gegangen – überwiegend an AKW-Standorten. von afp und dpa

Demonstranten stehen mit Plakaten und Fahnen bei einer Kundgebung auf einer Anti-Atomkraft Demonstration vor dem AKW Brokdorf.

Demonstranten stehen mit Plakaten und Fahnen bei einer Kundgebung auf einer Anti-Atomkraft Demonstration vor dem AKW Brokdorf.  |  © Malte Christians dpa/lno

Zum Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima haben in Deutschland mehrere Tausende Menschen gegen Atomkraft demonstriert. Mit Protestaktionen unter anderem in Brokdorf und Neckarwestheim forderten sie die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen.

In Schleswig-Holstein umstellten nach Angaben der Anti-Atom-Initiative Ausgestrahlt knapp 3.000 Menschen das Atomkraftwerk Brokdorf. In Neckarwestheim in Baden-Württemberg zogen rund 5.000 Demonstranten zum AKW – viele legten zum Gedenken an den Atomunfall in Fukushima Papierkraniche nieder.

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Proteste gab es auch in Gundremmingen und Hannover sowie gegen die Urananreicherungsanlage Gronau. Die Veranstalter sprachen von insgesamt rund 23.000 Teilnehmern. Zu einer Lichterkette nahe des Atommülllagers Asse und des geplanten Endlagers Schacht Konrad wurden am Abend noch einmal Tausende Menschen erwartet.

Zu den Anti-Atom-Protesten hatten örtliche Initiativen und Umweltverbände aufgerufen. Jochen Stay, Sprecher der Initiative Ausgestrahlt, forderte die Bundesregierung auf, die nötigen Konsequenzen aus Fukushima zu ziehen. Es sei "absolut verantwortungslos, neun Reaktoren noch über viele Jahre weiterlaufen zu lassen", sagte er.

Merkel sieht Schwachstelle in Ausbau von Stromnetzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) sagte in ihrer am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Videobotschaft, der Beschluss zum Atomausstieg sei angesichts der Atomkatastrophe von Fukushima richtig gewesen. Die Energieversorgung in Deutschland lasse sich auch durch andere Energieträger sicherstellen. Notwendig dafür sei allerdings ein konsequenter und schneller Ausbau der Stromnetze. "Da liegt unsere Schwachstelle", sagte die Kanzlerin.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sieht Deutschland bei der Energiewende als Vorreiter. "Ob andere Länder unser Modell übernehmen, hängt auch davon ab, dass wir erfolgreich sind", sagte er in Berlin . In der Debatte über die Suche nach einem Endlager für radioaktiven Atommüll zeigte sich Röttgen optimistisch, dass Bund und Länder einen Konsens finden können. Es bestehe Einigkeit, dass geologische und wissenschaftliche Kriterien entscheidend sind. Der Salzstock Gorleben werde dabei "wie jeder andere Standort behandelt".

Grüne werfen Regierung Versäumnisse vor

SPD-Chef Sigmar Gabriel warf der Bundesregierung fehlendes Engagement beim Atomausstieg vor. Die Vorbereitungen auf die Energiewende stünden auf Stufe null, sagte Gabriel der Zeitung Sonntag Aktuell .

Auch die Grünen warfen der Koalition Versäumnisse vor. "Die Bundesregierung arbeitet nicht an der Energiewende, sondern gegen sie", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast dem Hamburger Abendblatt . Ständig würden der Energiewende Bremsklötze angelegt, sei es beim Ausbau der erneuerbaren Energie oder bei der Gebäudesanierung.

Am 11. März des vergangenen Jahres hatte ein Tsunami in Folge eines schweren Erdbebens die Atomkatastrophe von Fukushima ausgelöst. Die wenige Monate zuvor von Union und FDP gegen erbitterten Widerstand durchgesetzten längeren Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke wurden daraufhin zurückgenommen und ein beschleunigter Atomausstieg beschlossen.

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Leserkommentare
  1. Atomar gesehen, sollten wir uns alle an die Windräder binden, ich denke da ist bestimmt für jeden Bundesbürger ein Windrad da, ein Telefon und ne Streuzelschnecke, und schon hältst du durch, von Früh bis zur Mittagspause.

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  2. denn diese Regierung torpediert den Ausbau erneuerbarer Energien und die Abkehr von fossil-endlichen Energiequellen.
    Das EEG wird gerade von Herrn Röttgen im Schulterschluss mit Herrn Rösler mit dem Solarausstiegsgesetz ausgehöhlt.
    Maßnahmen zum Energiesparen werden erst gar nicht ergriffen, die Nachfrage soll weiterhin hoch gehalten werden.

    Vorreiter? Das war einmal.

    kassandra

    15 Leserempfehlungen
  3. soviele waren schon zum Schutz des Juchtenkäfers auf der Strasse.
    Vielleicht dämmert es einigen mittlerweile, dass der einsame Ausstieg unangenehme Folgen mit sich bringt, im Geldbeutel.
    Zumindest haben das schon Greenpeacemitbegründer eingesehen.
    Wenn auch aus anderen Motiven.
    http://www.focus.de/polit...

    Da uns die Abschaltung von 8 KKWs ( 6 davon im Betrieb )bereits zum Stromimporteur gemacht hat, die geforderte Sofortabschaltung der restlichen 9 KKWs würde zu einem Netzzusammenbruch führen, nicht nur bei uns.
    Süss anzuschauen, wenn Demomütter ihre Kleinen auf dem Arm tragen, man kann es auch verantwortungslos nennen.
    Geschmackssache.

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    • bugme
    • 11. März 2012 19:18 Uhr

    Wenn ich die Zahlen dieses Jahr richtig gelesen habe exportieren wir einfach nicht mehr so viel Strom. D.h. wir sind kein Importeur. Und im Gegensatz zu Frankreich gab es bei uns im Winter auch keine Blackouts.
    Natürlich kann man die anderen AKWs nicht über Nacht abschalten aber es wird nicht mehr Lange auf sich warten lassen, wenn es von der Regierung gefördert wird. Leider wird da die Energielobby was dagegen haben und die Wulffs der Regierung ordentlich dafür finanzieren, dass wir weiter auf AKWs angewiesen sind.

    Verbreiten Sie doch keine Unwahrheiten!

    In 2011 hat die Bundesrepublik 3,7 TWh mehr exportiert als importiert, ist also effektiv Exporteur.

    http://de.wikipedia.org/w...

    oder in dieser Zeitung:
    http://www.zeit.de/wirtsc...

    k.

    "Vielleicht dämmert es einigen mittlerweile, dass der einsame Ausstieg unangenehme Folgen mit sich bringt, im Geldbeutel."

    Was meinen sie mit "einsamer Ausstieg"?

    Italien ist nach Tschernobyl ausgestiegen und das italienische Volk hat seinen Beschluss 2011 noch einmal bestätigt. Österreich und Irland haben ihre Meiler gar nicht erst angefahren. Spanien, Belgien und die Schweiz steigen ebenfalls aus. Schweden und die Niederlande wollen keine neuen bauen. Portugal, Griechenland, Dänemark und Norwegen und alle Kleinstaaten hatten nie Anlagen und wollen keine.

    Also bleiben in Westeuropa drei Staaten, Frankreich, Finnland und Großbritannien. Die wahren Außenseiter sind eben nicht wir, sondern die drei Länder, die die Zeichen der Zeit (noch) nicht erkannt haben.

    Ganz so "einsam" wie gar gerne von Ihnen behauptet, sind wir also bei näherer Betrachtung gar nicht.

    • IQ130
    • 11. März 2012 19:12 Uhr

    Wir hinterlassen unseren Kindern, Enkeln und deren Nachkommen das gefährlichste Risiko aller Zeiten: Atomruinen.

    Heute verdienen Konzerne und Finanzassis Milliarden. Morgen sind genau die nicht verantwortlich. Wie sähe denn eine solche Verantwortung aus?

    Schluss mit der Kernenergie. Alternative Energiequellen nutzen, Förderungen gezielt einsetzen und den Vorgang dem Bürger erklären.

    Bitte!

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    • bayert
    • 11. März 2012 20:44 Uhr

    die Hinterlassenschaften werden ca. 30.000 Menschengenerationen gefährlich sein. Eine eigene Disziplin ist entstanden, um Symbole zu entwickeln, die man versteht, wenn es die Bundesrepublik schon lange nicht mehr gibt (http://de.wikipedia.org/w...)

    Nur eine Politikerin wie Merkel konnte damit schluss
    machen!!! Wogegen wird denn jetzt noch demonstriet?
    Ich denke die vielen tausend- wieviel waren das eigentlich?-
    sollten nach Frankreich gehen oder woandershin.
    Wir sind out, outer geht nicht!
    Diese Demonstrationen waren Abschlussmesen für Nostalgiker.Und da sind die Grünen die richtigen "Trauerarbeiter"!

    • bugme
    • 11. März 2012 19:18 Uhr

    Wenn ich die Zahlen dieses Jahr richtig gelesen habe exportieren wir einfach nicht mehr so viel Strom. D.h. wir sind kein Importeur. Und im Gegensatz zu Frankreich gab es bei uns im Winter auch keine Blackouts.
    Natürlich kann man die anderen AKWs nicht über Nacht abschalten aber es wird nicht mehr Lange auf sich warten lassen, wenn es von der Regierung gefördert wird. Leider wird da die Energielobby was dagegen haben und die Wulffs der Regierung ordentlich dafür finanzieren, dass wir weiter auf AKWs angewiesen sind.

    7 Leserempfehlungen
    • Amreix
    • 11. März 2012 19:21 Uhr

    wird leider auch von der ZEIT verbreitet, Das ist ja auch ganz praktisch für die Kraftwerkbetreiber, denn die sind ja nun wirklich recht selten und weit weg. Das es tatsächlich das Erdbeben war rückt die Geschichte schon ein ganzes Stück näher. Wer nachlesen will findet hier genauere Informationen: http://www.fukushima-disa...

    4 Leserempfehlungen
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    sich lieber auf Schadenanalysen von Experten verlassen, die deckungsgleich mit Organisation wie GRS, RSK,TÜV,IEAO us.w. ist, als auf Antiatomanplattformanalysen.

    http://www.ke-research.de...

    Wenns auch schwer fallen mag, da bei uns zwar Erdbeben, aber keine Tsunamies möglich sind.
    Den Nichttechnischen Teil können Sie ja überlesen, obwohl er auch zutreffend ist.

    Ich glaube ich habe noch nie so eine idiotische Internetseite gesehen. Mal hier was von einem Kernphysiker.

    http://www.handelsblatt.c...

    Es ist bewiesen und dokumentiert, dass die Abschaltung der Reaktoren direkt nach dem Beben planmäßig und innerhalb aller Parameter erfolgte. Sämtliche Sicherungssysteme haben perfekt funktioniert und die Kühlung war stabil. Der Tsunami hat aber die Notstromversorgung zerstört und dadurch ist die Kühlung zusammengebrochen. Das Erdbeben hat an der Reaktortechnik keine Schäden verursacht.

    Das ist Fakt!
    Bitte unterlassen Sie es doch, irgendwelche Verschwörungstheorien zu verbreiten.

    PS: Elvis ist tot, der Holocaust existierte und die Mondlandung hat stattgefunden. Nur so zur Vorbeugung....

  4. Verbreiten Sie doch keine Unwahrheiten!

    In 2011 hat die Bundesrepublik 3,7 TWh mehr exportiert als importiert, ist also effektiv Exporteur.

    http://de.wikipedia.org/w...

    oder in dieser Zeitung:
    http://www.zeit.de/wirtsc...

    k.

    13 Leserempfehlungen
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    man nicht mehr, wer die richtigen Zahlen veröffentlicht.
    http://de.statista.com/st...
    Hier werden 5 TWh Import angegeben.
    Die neuesten Zahlen der Bundesnetzagentur lassen auf sich warten.

    aus dem Diagramm in Ihrem Link is eindeutig zu entnehmen, dass auch 2011 mehr Strom exportiert als importiert wurde... wie Sie auf 5 TWh als Importsaldo kommen ist mir nicht schleierhaft.

    Das sagt doch gar nichts. Elektrische Energie ist kein Produkt wie ein Auto oder wie Brot. Bei Autos und Brot haben wir eine Asynchronität zwischen Bereitstellung und Kauf, außerdem haben wir das Pull-Prinzip. Elektrische Energie aber kann nicht asynchron übertragen werden, sondern muss in dem Moment konsumiert (und damit auch exportiert) werden, wenn dieser anfällt. Da wir bei praller Sonne 10 GW und mehr allein durch Photovoltaik einspeisen, sind alle anderen Kraftwerke gezwungen, die Leistung herunterzufahren. Die Polen sind schon mächtig verärgert deshalb. Durch Wind- und Sonnenenergie ist das Pull-Prinzip aufgeweicht worden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Angela Merkel | Bundesregierung | CDU | Grüne | Norbert Röttgen | Renate Künast
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