Die Bundeskanzlerin hat die FDP im Streit um die Schlecker-Insolvenz indirekt unterstützt. Nachdem die geplante Auffanggesellschaft für die etwa 11.000 Mitarbeiter am Widerstand der Liberalen scheiterte, hatte es massive Kritik am Vorgehen der FDP gegeben. Merkels Sprecher sagte nun, eine Auffanggesellschaft sei ein "Mittel aus der Zeit der Massenarbeitslosigkeit, als in Arbeitsämtern volle Flure waren und geringe Vermittlungschancen". Es gebe Gründe für eine Transfergesellschaft, und es gebe "sehr gute Gründe dagegen".

Die Bundesagentur für Arbeit stehe mit all ihren Mitteln an Vermittlungs- und Beratungsleistungen bereit. Angesichts der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften sei zudem die Chance auf Wiederbeschäftigung in der Branche "durchaus gegeben". FDP-Chef Philipp Rösler habe als Wirtschaftsminister und damit als Mitglied der Bundesregierung gesprochen, als er die Weigerung seiner Partei begründete, die Gesellschaft zu unterstützen.

Auslöser war die bayerische FDP gewesen: Sie hatte der Auffanggesellschaft die Unterstützung versagt, nachdem nach langen Verhandlungen am Mittwoch Niedersachsen ausgestiegen war. Baden-Württemberg – das Land, in dem Schlecker sitzt – und Nordrhein-Westfalen wollten die notwendige Kreditbürgschaft von 71 Millionen Euro nicht allein stemmen. Der Plan scheiterte.

FDP-Politiker hatten zuvor den Widerstand ihrer Partei verteidigt. "Es ist so, dass man den Steuerzahler nicht in Haftung nehmen kann für jahrelange Fehlentscheidungen im Management und Fehlentwicklungen im Unternehmen", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Die Entscheidung sei nicht leicht, aber richtig gewesen. Er sei zuversichtlich, dass die Schlecker-Mitarbeiterinnen über die Bundesagentur in neue Stellen vermittelt werden könnten.

Kritik aus den Reihen des Koalitionspartners CSU wies Zeil zurück. Der Kabinettsbeschluss sei einhellig gewesen. "Ich wundere mich, dass manche in der öffentlichen Debatte sich jetzt davonmachen wollen", sagte Zeil. Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) hatte der FDP vorgeworfen, die Transfergesellschaft zuletzt nur aus politischen Gründen blockiert zu haben.

Der designierte FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner , unterstützte die Argumentation Zeils. "Der Staat kann nicht einem einzelnen Unternehmen zu Hilfe eilen", sagte er. Die Situation bei der Drogeriekette erinnere ihn an die Diskussion um Opel und den Baukonzern Holzmann. "Meine These ist, dass wir über Schlecker deshalb so intensiv diskutieren, weil es einmal 11.000 Mitarbeiter sind", sagte Lindner. "Wären es elfmal tausend, würde kein Mensch diesen Unternehmen zu Hilfe eilen."

Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) setzten sich gegen die Kritik zur Wehr. "Geld für etwas auszugeben, dass nach gutachterlicher Einschätzung nicht funktioniert, macht keinen Sinn", sagte Bode. Kein Einzelhändler oder Existenzgründer hätte unter diesen Umständen eine Bürgschaft des Landes erhalten. Brüderle sagte, der Staat dürfe in einer Sozialen Marktwirtschaft den Wettbewerb nicht aushebeln.

Kritik der anderen Parteien hält an

Die massive Kritik am Verhalten der FDP in den Schlecker-Verhandlungen hält derweil an. Die FDP habe durch die Ablehnung einer Auffanggesellschaft den Mitarbeiterinnen "die kalte Schulter" gezeigt, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Die "ordnungspolitischen Dogmatiker" der FDP seien Schuld daran, dass den Frauen nun die Arbeitslosigkeit drohe. "Es liegt jetzt bei der Wählerschaft, darüber zu entscheiden, was sie von solch einer Partei hält", sagte Kretschmann .

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf der FDP Profilierungssucht vor. "Ich bin stinksauer auf die FDP. Auf dem Rücken der Schlecker-Frauen will sie unbedingt Profil schinden", sagte Nahles. Die Entscheidung gegen eine Auffanggesellschaft erschwere zudem womöglich den Einstieg eines Investors bei der Drogeriemarktkette.

Die Schlecker-Transfergesellschaft war am gestrigen Donnerstag gescheitert , weil drei Länder mit FDP-Wirtschaftsministerium - Sachsen , Niedersachsen und Bayern - nicht bereit waren, sich an einer Kreditbürgschaft zu beteiligen.