Präsidenten-AbgangGabriel nennt Wulffs Zapfenstreich "große Peinlichkeit"

SPD-Chef Gabriel hält die Inszenierung von Wulffs Verabschiedung für unangemessen. Das Verhalten des scheidenden Bundespräsidenten sei kaum auszuhalten. von afp und dpa

SPD-Chef Sigmar Gabriel

SPD-Chef Sigmar Gabriel  |  © Sean Gallup/Getty Images

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat den geplanten Großen Zapfenstreich für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff als "große Peinlichkeit" bezeichnet. Gabriel sagte den Stuttgarter Nachrichten : "Da wird einer, der im Amt gescheitert ist, so verabschiedet, als habe er Großes für Deutschland geleistet."

Wie sein Kollege, der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier , forderte Gabriel dem scheidenden Bundespräsidenten auf, die militärische Ehrerweisung abzusagen. Sie soll am morgigen Donnerstag stattfinden. Wulffs Amtsvorgänger Walter Scheel , Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Horst Köhler wollen nach Medienberichten nicht an der Zeremonie teilnehmen.

Eigene Vorschläge umsetzen

In den Augen des SPD-Chefs ist das Verhalten Wulffs kaum auszuhalten: Er legte ihm daher nahe, auf die gesamte Amtsausstattung für Alt-Präsidenten zu verzichten – Büro, Schreibkraft sowie Dienstwagen samt Fahrer. Dies werde Wulff deutlich weniger nutzen als seine Vorgänger, da er – so sagt Gabriel – kaum noch zu repräsentativen Anlässen und Terminen gebeten werde. Er kritisierte außerdem, dass sich Wulff nicht an seine eigenen Vorschläge hält, die er vor seiner Wahl machte – nämlich den Ehrensold zu halbieren.

Trotz der Kritik am Verhalten Wulffs, verteidigte der SPD-Chef, dass dieser den Ehrensold in Höhe von jährlich 199.000 Euro erhält. "Es ist nicht sinnvoll, aus dieser Frage einen politischen Streit zu konstruieren", sagte er. "Das Bundespräsidialamt muss die Rechtsgrundlagen beachten, und wenn es zu dem Schluss kommt, dass Christian Wulff dieser Ehrensold zusteht, werden wir das nicht ständig kritisieren."

Wulff war Mitte Februar unter massivem Druck zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen ihn wegen Verdachts der Vorteilsannahme. Dabei geht es um Wulffs Beziehung zu dem Filmunternehmer David Groenewold während der Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen .

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Leserkommentare
  1. "Auf anderen Kontinenten bedeutet Präsidentsein immer gleich Ausgesorgthaben für Sippe und Stamm,Titel-Vererbung an Nachkommen, Vereinnahmung des Bruttosozialprodukts als Privateigentum...
    Hier sieht man nichts von alledem." dispo-jack

    Und in China werden erwischte, korrupte Regierungsbeamte gerichtlich erschossen.

    In Lybien werden die Ex-Präsidenten auch erschossen.

    In Ägypten in's Gefängnis geworfen.

    In Rußland werden sie wiedergewählt.

    Und was hat das alles mit Wulff zu tun?.. Nichts!

    "Herr Wulff ist ein fleißiger Abiturient,der via Parteiarbeit ins Amt gespült wurde," dispo-jack

    Wulff ist hochgespült worden, weil er perfekt in das System rein gepasst hat.

    Ein Sprichwort sagt auch:
    "Willst du ein vollwertiges Mitglied einer Schweineherde sein, musst du vor allem ein Schwein sein"

    Antwort auf "Aufmarsch der Empörer"
  2. Gabriel regt sich künstlich auf.

    Über Wulf kann man sagen was man will, aber bis jetzt gibt es keinen klaren Beweis.
    Die Sache mit Amt und Würde ist eine ganz andere. Aber da haben die meisten Politiker Ihre eigene Sichtweise und Weltanschauung.

    Dies erklärt auch die Trotzreaktion für seine gekränkte Eitelkeit. Wulf scheint dies zu benötigen. Wieso auch nicht?!. Von seinem Standtpunkt aus gesehen, versteht er das ganze Geschehen eh nicht. Er sieht sich als Opfer.

    Daher regen sich Gabriel und Konsorten nur darüber auf, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, den sie weder herunter nehmen noch entsorgen können.
    Also regt man sich künstlich auf. Eine Würde und Ehre haben die meisten Politiker heute eh nicht mehr. Sonst wären Sie auch nicht Politiker geworden.
    Die Worte Amt und Würde aus der Vergangenheit gereift werden mehr als missbraucht.

    Daher habe ich auch hier mit Absicht das Wort Herr/en vermieden. Denn eins ist sicher: "Beide sind es nicht!"

  3. Man sollte auch einmal an die Soldaten denken, die den ganzen Zapfenstreich durchführen müssen. Wie sollen die sich bei einer solchen Ehrenbezeugung fühlen, die sie ja auf Befehl durchführen müssen, wenn schon im Vorfeld wieder diese ganze Kritik kommt? Wulff geht seinen Weg eben konsequent zu Ende und keiner konnte etwas anderes erwarten. Es ist völlig unsinnig, jetzt von Wulff zu erwarten, dass er mit einem Mal einsichtig wird und von sich aus verzichtet. Das müsste auch Gabriel wissen. Mit der Wulff-Nachtreterei kann man keine Punkte mehr machen. Und beschädigt werden jetzt nur noch die Bundeswehr und ihr Ansehen. Das könnte man doch gut vermeiden.

  4. entweder ein zurückgetretener BP bekommt alles, oder gar nichts. Sie sind wieder einmal Sprachrohr einer SPD, wie man sie heute kennt:

    Dass Sie als Vertreter der SPD Herrn Wulff zwar den lebenslangen Ehrensold zugestehen, ihm aber die weiteren Leistungen, die ihm aus diesem Amt zustünden nicht gewähren wollen, zeigt wieder nur eines. - Ja zum Ehrensold: anbiedern an die Union als evtl. zukünftigem Koalitionspartner. Nein zu Büro, Fahrer, Wagen, Zapfenstreich: Anbiedern beim Wahlvolk, reden nach "Volkes Schnauze".

    So biegsam ist die SPD geworden. Von allem ein bisschen. Steht die SPD für mehr als nur noch Opportunismus?

    • HorFe
    • 07. März 2012 12:33 Uhr

    an Gabriel fest. Das zeigt mal wieder , dass Neben-
    schauplätze aufgemacht werden. Mann und Frau müssen mit aller Eindringlichkeit sagen , wie peinlich dieser Herr Wulff ist . Dieser Man kränkt und beleidigt jeden halbwegs nachdenkenden Menschen. Ob Herr Gabriel oder sonstwer sich äußert : die Tatsachen um und mit herrn wulff sind absolut beschämend.
    Leider hat er nur durch seine massive Absahnung unserer Steuergelder ein solches Echo. Ohne dieses Absahnen bräuchte man sich mit diesem man nicht weiter zu beschäftigen und könnte sich Erbaulicherem zuwenden.

  5. Gabriel hat mit der Gauck-Nominierung das Amt des Bundespräsidenten beschädigt? Und soll auch gleich in den Ruhestand? Auf welcher Grundlage?

    Einfach mal alles über einen Kamm zu scheren, macht die Welt auch nicht besser.

  6. So etwas schräges, althergebrachtes wie der Zapfenstreich ist immer peinlich. Vielleicht macht Herr Gauck ja damit Schluß.
    Wir sind eine Demokratie und brauchen weder Pomp noch Circumstance. Wer es unbedingt haben will, kann ja zum Koniginen Dag nach Holland fahren.

  7. ...gute Politiker will, sollte dafür auch zahlen.

    Die guten Leute gehen sonst nämlich in die Wirtschaft - uh ja, jetzt bitte eine "genau, die sind alle korrupt und wirtschaftsfreundlich"-Antwort, aber fix.

    Antwort auf "Jeder Politiker, "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die guten leute GEHEN in die wirtschaft.

    • HorFe
    • 07. März 2012 15:31 Uhr

    Sommer , Clement , Schlecker u.a. ?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Christian Wulff | Frank Walter Steinmeier | Horst Köhler | Roman Herzog | Walter Scheel | Beziehung
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