BundespräsidentenwahlHohe Erwartungen an Joachim Gauck

Eine Mehrheit der Deutschen glaubt, dass Gauck ein den Parteien unbequemer Bundespräsident sein wird. Er solle sich für sozial Schwache, Freiheit und Familien einsetzen.

Joachim Gauck

Joachim Gauck

Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck genießt großes Vertrauen unter einer großen Mehrheit der Deutschen. Nach einer Umfrage von Infratest dimap für die ARD halten 80 Prozent der Befragten Gauck für glaubwürdig. Allerdings wissen 37 Prozent nicht, wofür der ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagenbehörde steht. Zwei Drittel der Befragten glaubt zudem, dass Gauck für die Parteien ein unbequemer Präsident werden dürfte.

Politiker aus Union, SPD, Grünen und FDP äußerten die Hoffnung, dass der ostdeutsche Theologe nach seiner Wahl am Sonntag die Politik mit Denkanstößen bereichern und dem Präsidentenamt zu neuer Würde verhelfen werde. Die FDP-Vizevorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, Gauck werde ein Bürgerpräsident sein, der in der Mitte der Gesellschaft stehe und viele Menschen ansprechen könne. "Er hat Empathie und ist unprätentiös, er ist staatsmännisch und bürgernah", sagte die Bundesjustizministerin dem Hamburger Abendblatt.

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CSU-Chef Horst Seehofer schrieb im Magazin Focus: "Sein Plädoyer für Freiheit wird uns aufrütteln." SPD-Chef Sigmar Gabriel äußerte die Hoffnung, Gauck werde die Kluft zwischen Bürgern und Politik schließen.

Hohe Erwartungen an Gauck

Nicht nur das Vertrauen in Gauck ist groß, sondern auch die Erwartungen an ihn. Gut zwei Drittel der Bürger gehen laut ARD-Umfrage davon aus, dass Gauck sich als Bundespräsident auch für die sozial Schwachen einsetzen wird. Ähnlich viele rechnen damit, dass er den politischen Parteien deutlich seine – auch unbequeme – Meinung sagen wird.

In kommenden Reden solle sich Gauck vordringlich mit den Themen Freiheit und Familie beschäftigen, wünschen sich laut einer Umfrage des Focus je 76 Prozent der Befragten. 65 Prozent erwarten ein Engagement zur Bekämpfung der EU-Finanzkrise, 51 Prozent Anstrengungen zur Vollendung der Einheit. 49 Prozent hoffen, dass Gauck sich zum Thema Afghanistan positioniert.

Altbundespräsident Herzog fordert neue Amtszeitregelung

Altbundespräsident Roman Herzog sprach sich unterdessen dafür aus, die Amtszeit des Staatsoberhaupts neu zu regeln. "Eine Begrenzung auf eine siebenjährige Amtszeit, also keine Möglichkeit der Wiederwahl, wäre besser", sagte er der Tageszeitung Die Welt. Derzeit kann ein Bundespräsident nach fünf Jahren für eine zweite Amtszeit wiedergewählt werden. "Wenn die ersten fünf Jahre gut laufen, erwartet das Volk von den zweiten fünf Jahren Wunderdinge. Sie können aber keine Wunder produzieren", sagte Herzog. 


Die Wahl des von Union, FDP, SPD und Grünen unterstützten Kandidaten an diesem Sonntag in der Bundesversammlung in Berlin gilt als sicher. Für die Linke kandidiert die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld.
Voraussichtlich an diesem Montag soll Gauck als Nachfolger des vor vier Wochen zurückgetretenen Christian Wulff in sein Amt eingeführt werden. Die Vereidigung des neuen Präsidenten vor Bundestag und Bundesrat ist für kommenden Freitag vorgesehen. Offiziell im Amt ist er aber bereits, sobald er die Wahl durch die Bundesversammlung am Sonntagnachmittag annimmt.

 
Leserkommentare
  1. Wahl einen Sieg des Marxismus. Sachens gibts bei denen die gibts eigentlich nicht....

    Eine Leserempfehlung
    • joG
    • 17.03.2012 um 18:43 Uhr

    ....wie positiv Die Zeit den von Rössler durchgesetzten Mann bewertet. Das ist ganz positiv.

    Antwort auf "Puuuh, Danke...."
  2. die Gabe hat, etwas zu sagen und dabei Inhalte für jeden verständlich rüberbringt, dann ist das Herr Gauck.

    Was geht hier im Forum eigentlich ab?

    Klar formulierte und -begründete- Kritik ist immer gut. Aber das hier?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mal sehen"
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    ...vor bringen und ihn ablehnen:

    Zum einen sind es einige Altkader der SED, die sich auf Grund des Zusammenbruchs der Honecker-Diktatur im Jahre 1989 in die Schmollecke zurückgezogen haben und sich ungerecht behandelt fühlen.

    Zum anderen sind es die Beleidigten, die den Super-GAU Christian Wulff nicht verwunden haben - und für die dessen Rücktritt eine schwere Niederlage eines selbsternannten "bürgerlichen Lagers" ist.

    Beiden ganz speziellen Gruppierungen wohnt ein Charakteristikum inne: beide haben immer noch nicht gemerkt, dass der Kalte Krieg schon seit 1990 vorbei ist. Man steht immer noch im Schützengraben.

    Mit der Bezeichnung Ländle meint man das Schwabenland in Baden Württemberg.
    Gauck ist meines Wissens kein Schwabe.

    ...vor bringen und ihn ablehnen:

    Zum einen sind es einige Altkader der SED, die sich auf Grund des Zusammenbruchs der Honecker-Diktatur im Jahre 1989 in die Schmollecke zurückgezogen haben und sich ungerecht behandelt fühlen.

    Zum anderen sind es die Beleidigten, die den Super-GAU Christian Wulff nicht verwunden haben - und für die dessen Rücktritt eine schwere Niederlage eines selbsternannten "bürgerlichen Lagers" ist.

    Beiden ganz speziellen Gruppierungen wohnt ein Charakteristikum inne: beide haben immer noch nicht gemerkt, dass der Kalte Krieg schon seit 1990 vorbei ist. Man steht immer noch im Schützengraben.

    Mit der Bezeichnung Ländle meint man das Schwabenland in Baden Württemberg.
    Gauck ist meines Wissens kein Schwabe.

  3. Es ist immer wieder interessant wie aus 80% der Befragten (in diesem Fall 1000) 80% der Deutschen werden.Nähme man nur die Kommentatoren aus Zeit Online käme man zum genau entgegengestzten Ergebnis.Da wären über 80% gegen Gauck oder hätten zumindest starke Bedenken.Ich kann leider nur von Spon Tagesspiegel Süddeutsche und derWesten sprechen aber da sieht das Ergebnis ebenso schlecht für Gauck aus.Ein anderes Beispiel sind Online Abstimmungen mit weit mehr als 1000 Befragten.Beim MDR-Fernsehen wurde, nachdem 77% sich gegen Gauck aussprachen die Abstimmung aus dem Netz genommen, die übrigens nicht manipuliert wurde wie später vom MDR eingestnden.Ein ähnliches Ergebnis gab es bei der Ostsee-Zeitung(dort auch mehrere tausend Stimmabgaben).Bei diesen Fakten muß die Frage doch erlaubt sein wie solche eklatanten Unterschiede der Bewertung des Kandidaten Gauck zustande kommen und ob man hier von missglückter Meinungsmache der Leitmedien sprechen sollte.

    14 Leserempfehlungen
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    "und ob man hier von missglückter Meinungsmache der Leitmedien sprechen sollte."

    nur kann man leider in keinster Weise
    von "missglückter Meinungsmache" der Leitmedien sprechen.

    Wie das Ergebnis der "WAHL"(diese Vokabel wird allen Ernstes und ohne jedes Schamgefühl benutzt)morgen zeigen wird,
    handelt es sich um eine SEHR GEGLÜCKTE MEINUNGSMACHE der Leitmedien.

    Zum obigen Wortsinn des Wortes Schamgefühl:
    "Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das durch Verletzung der Intimsphäre auftreten kann oder auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben."(Quelle: Wikipedia)

    MfG
    biggerB

    ... scheint (noch) nicht zum erwünschten Ergebnis geführt zu haben. Nachdem in den Foren öfter danach gefragt wurde, bekam ich einige Woche später auch eine Einladung zu dieser Blitzumfrage. Ich gab an, über das Ergebnis informiert zu werden, aber bisher Fehlanzeige.

    "und ob man hier von missglückter Meinungsmache der Leitmedien sprechen sollte."

    nur kann man leider in keinster Weise
    von "missglückter Meinungsmache" der Leitmedien sprechen.

    Wie das Ergebnis der "WAHL"(diese Vokabel wird allen Ernstes und ohne jedes Schamgefühl benutzt)morgen zeigen wird,
    handelt es sich um eine SEHR GEGLÜCKTE MEINUNGSMACHE der Leitmedien.

    Zum obigen Wortsinn des Wortes Schamgefühl:
    "Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das durch Verletzung der Intimsphäre auftreten kann oder auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben."(Quelle: Wikipedia)

    MfG
    biggerB

    ... scheint (noch) nicht zum erwünschten Ergebnis geführt zu haben. Nachdem in den Foren öfter danach gefragt wurde, bekam ich einige Woche später auch eine Einladung zu dieser Blitzumfrage. Ich gab an, über das Ergebnis informiert zu werden, aber bisher Fehlanzeige.

  4. "Gauck werde die Kluft zwischen Bürgern und Politik schließen
    äußerte SPD-Chef Sigmar Gabriel die Hoffnung."

    "Machen Sie Politik in genau dem Stil, den Sie von Gauck erwarten."

    so eine Politik ausgerechnet von einem BP Gauck erwarten zu können, zeigt das wahrlich beängstigende Ausmaß der Kluft zwischen Bürgern und Politik.

    MfG
    biggerB

    4 Leserempfehlungen
  5. Wenn man sich seine Leistungen als "Stasi-Jäger" anschaut, kann man ja wohl kaum hohe Erwartungen an ihn haben. Schon damals dachte er, das Wort genügt. Nun bin ich an seinen Worten nicht mehr interessiert.

    3 Leserempfehlungen
  6. "und ob man hier von missglückter Meinungsmache der Leitmedien sprechen sollte."

    nur kann man leider in keinster Weise
    von "missglückter Meinungsmache" der Leitmedien sprechen.

    Wie das Ergebnis der "WAHL"(diese Vokabel wird allen Ernstes und ohne jedes Schamgefühl benutzt)morgen zeigen wird,
    handelt es sich um eine SEHR GEGLÜCKTE MEINUNGSMACHE der Leitmedien.

    Zum obigen Wortsinn des Wortes Schamgefühl:
    "Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das durch Verletzung der Intimsphäre auftreten kann oder auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben."(Quelle: Wikipedia)

    MfG
    biggerB

    5 Leserempfehlungen
  7. Ein Bundespräsident verfügt nicht über eine derartige Machtbefugnis, wie sie Hindenburg hatte und duch den sogenannten "Gummiparagraphen", den Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung, auch weidlich ausnutzte. Gauck kann nicht per Notverordnung regieren und am Parlament vorbei - je nach eigenem Gefallen - Regierungen ernennen oder entlassen. Und ehrlich gesagt: wozu sollte er das auch?

    Um es einmal ehrlich zu sagen: wir haben hier einen Haufen grundsätzlicher Probleme im Lande. Dazu gehört auch das grandiose Missverständis, dem viele Menschen in den neuen Bundesländern 1989 aufgesessen sind - es ging im Westen beim Ruf nach Freiheit eben NICHT um Reise- und Meinungsfreiheit, sondern um WIRTSCHAFTLICHE Freiheit, die Freiheit des Warenaustauschs und die Freiheit des Finanzverkehrs. Und es gab - und gibt sie immer noch - viele tiefe Gräben und sehr tiefe Wunden, die Nachkriegszeit und Kalter Krieg geschlagen haben. Es gibt viele Leute, die immer noch offene Rechnungen haben. Nur: die Zeit ist weiter gegangen und manche Rechnungen können nun einmal niemals beglichen werden.

    Ich meine - diese alten Schützengräben müssen ganz einfach mal zugeschüttet und die Wunden geheilt werden. Und dazu gehört eben auch, dass man Klartext redet und einmal allen Beteiligten klar wird, dass der Kalte Krieg seit über 20 Jahren vorbei ist. Gauck ist da aus meiner Sicht der richtige Kandidat - genauso, wie es Beate Klarsfeld ist, der man immer noch die Kiesinger-Ohrfeige von vor 44 Jahren vorhält.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich muss sagen, das ich Ihren Kommentar wirklich ausgezeichnet finde - eigentlich, bis auf den letzten Absatz. Denn, meiner Ansicht nach, ist Gauck eben aus den von Ihnen genannten Gründen der falsche Kandidat bzw. wird der falsche Präsident, da er mit seiner Denkweise und seinem reflexhaften Misstrauen gegenüber allem, was das herrschende kapitalistische System auch nur ansatzweise in Frage stellt, doch noch genau in der alten bipolaren Welt feststeckt.

    Aber wie gesagt, den Rest Ihres Kommentares finde ich gut, daher gebe ich trotzdem meine Empfehlung. Nur ihre Schlußfolgerung kann ich nicht nachvollziehen.

    Ich muss sagen, das ich Ihren Kommentar wirklich ausgezeichnet finde - eigentlich, bis auf den letzten Absatz. Denn, meiner Ansicht nach, ist Gauck eben aus den von Ihnen genannten Gründen der falsche Kandidat bzw. wird der falsche Präsident, da er mit seiner Denkweise und seinem reflexhaften Misstrauen gegenüber allem, was das herrschende kapitalistische System auch nur ansatzweise in Frage stellt, doch noch genau in der alten bipolaren Welt feststeckt.

    Aber wie gesagt, den Rest Ihres Kommentares finde ich gut, daher gebe ich trotzdem meine Empfehlung. Nur ihre Schlußfolgerung kann ich nicht nachvollziehen.

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  • Schlagworte Joachim Gauck | FDP | Grüne | SPD | ARD | Christian Wulff
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