Bundestag und BundesratGauck als Bundespräsident vereidigt

Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Amtseid geschworen. In seiner Antrittsrede bekannte er sich zu Freiheit und Gerechtigkeit, Europa und Integration. von dpa

Der Theologe und frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck , ist vereidigt. Vor den Abgeordneten des Bundestages und den Mitgliedern des Bundesrates sprach Gauck die im Grundgesetz niedergeschriebene Formel, er werde seine Kraft "dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden" und die "Gesetze wahren und verteidigen". Er gelobte Pflichterfüllung und "Gerechtigkeit gegen jedermann" zu üben.

Während der Sitzung im Reichstagsgebäude skizzierte der frühere DDR-Bürgerrechtler einige Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit. Bisher hat der parteilose Gauck vor allem seine Erfahrungen in der DDR-Diktatur thematisiert und sich als "Liebhaber der Freiheit" bezeichnet.

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In seiner Antrittsrede brachte er dann Freiheit und Gerechtigkeit in einen Zusammenhang. Freiheit sei eine "notwendige Bedingung von Gerechtigkeit". Umgekehrt sei "das Bemühen um Gerechtigkeit unerlässlich für das Bewahren von Freiheit." Gauck legte zugleich ein nachdrückliches Bekenntnis zu Europa ab. Gerade in der Krise heiße es: "Wir müssen mehr Europa wagen", sagte das Staatsoberhaupt.

Gauck sicherte seinem vor einigen Wochen zurückgetretenen Vorgänger Christian Wulff zu, dessen Engagement für die Integration aller in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund auch zu seinem Anliegen zu machen. Alle, die hier leben, sollten sich auch hier zuhause fühlen können, sagte er.

Gute Wünsche für Gauck

Zu Beginn der Sitzung hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert Wulff für sein Wirken als Bundespräsident gedankt. Er hob hervor, dass Gauck das erste Staatsoberhaupt ist, das in der ehemaligen DDR geboren wurde. Er lobte Gaucks Einsatz für Freiheit und die Menschenwürde und wünschte ihm eine "stets glückliche Hand" für seine Arbeit zum Wohle der Menschen und auch "gelegentlich Freude" daran.

Nach Lammert sprach der bayerische Ministerpräsident und Bundesratspräsident Seehofer, der als Bundesratspräsident das Amt von Wulff vorläufig übernommen hatte. Er dankte Wulff, würdigte Gauck als Verteidiger der Freiheit und wünschte ihm alles Gute. Mit einem Hinweis auf die Eigenständigkeit der Länder und die föderale Vielfalt erntete er Gelächter.

Erste Auslandsreise nach Polen

Nach der Versammlung im Reichstagsgebäude will die Bundeswehr Gauck vor Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, mit militärischen Ehren begrüßen.

Gauck ist der 11. Präsident der Bundesrepublik Deutschland und mit 72 Jahren das bisher älteste Staatsoberhaupt bei Amtsantritt. Er ist Nachfolger von Christian Wulff, der nach nur 20 Monaten im Amt wegen Vorwürfen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zurückgetreten war. Den ehemaligen Rostocker Pfarrer hatten Union, SPD , Grüne und FDP nominiert. Am 18. März wählte ihn die Bundesversammlung.

Zu seiner ersten Auslandsreise als Bundespräsident wird Gauck am Montag in Polen erwartet. Er hat bereits mehrfach betont, dass ihm das deutsch-polnische Verhältnis besonders am Herzen liege. Antrittsbesuche in Frankreich und anderen Nachbarländern werden voraussichtlich bald folgen.

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Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

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    Aber es ist offensichtlich, dass er überzeugt und glücklich ist, dass der herausragende Mann am richtigen Platz das Amt mit Würde und kritischer Distanz ausfüllen wird.
    Er wird es nicht leicht haben die - überzogenen - Erwartungen zu erfüllen.
    Wenn er es schafft, trotz der überflüssigen, aber schwer zu verarbeitenden Vorschußlorbeeren die Füße auf dem Boden zu bringen, werde ich ihm das hoch anrechnen.
    Lassen wir ihn mal machen.

  2. Er redet über Freiheit und dass es sie in der DDR nicht gab und dass wir das alles zu schätzen lernen müssten, sonst droht uns DDR 2.0. So ähnlich dürfte seine Rede lauten.

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    • monz
    • 23. März 2012 10:14 Uhr

    Sechs, setzen!

    • AllEin
    • 23. März 2012 13:57 Uhr

    schon längst beim Blockflötenkonzert eröffnet-

  3. Endlich wieder ein Redner in diesem Amt. Und auch jemand, der den Fauxpas von Seehofer elegant ausgleichen konnte, der seinem Vorgänger trotz Lob in kurzen Worten aufzeigte, was Eintreten für Integration wirklich bedeutet und wie man es formuliert. Hochachtung.

    Seit heute weiß man, warum Merkel Gauck nicht wollte: neben ihm sieht sie so aus wie sie ist, blass und nur machtbesessen.

    Seehofer hat sich dagegen blamiert. Der Satz hieß: "Wir sind das Volk" und dieser Satz führte dazu, dass wir wieder ein Volk werden konnten. Gauck hat die Elemente dieses Satzes, den Mut zur Verantwortung und Gestaltung der Freiheit sehr gut präsentiert.

    • fluter
    • 23. März 2012 9:55 Uhr

    Und selbst wenn er sich auf den Kopf stellen würde und mit dem Poppes Fliegen fangen würde bliebe er immer noch für mich das was er war und ist der ehemalige Stasi Begünstigte Gauck !

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    zu dieser Behauptung

    "der ehemalige Stasi Begünstigte Gauck !" ?

    Nennen Sie Belege oder nehmen Sie das zurück!

  4. Eine große Rede, ein begnadeter Redner. Und leider so viele furchtbare und unwürdiger Postings hier. Schade.

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    Wie Recht Sie haben. Das sehe ich genauso.

    • AllEin
    • 23. März 2012 13:59 Uhr

    und Gauck ist nicht Jesus.
    *g*

    • kinnas
    • 23. März 2012 9:59 Uhr

    "Der neu gewählte Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Amtseid geschworen."

    Ich muss zugeben, ich tu mir mit der Bezeichnung "Wahl" des Bundespräsidenten unter diesen Umständen reichlich schwer.

    Bin trotzdem gespannt, ob das Amt jetzt bald wieder in der Versenkung verschwindet und man sich den wichtigen Themen der Welt zuwendet.

  5. und bedankt sich ausdrücklich bei seinem Vor-Vorgänger Christian Wulff (und Bettina Wulff; die "Deutschland von der modernen Seite gezeigt hat").

    Auch betonte er, dass er mehr Europa will; wie auch angeblich die "meisten Deutschen".
    "Fast jeder zweite Bundesbürger – 46 Prozent – ist laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für "Bild am Sonntag" der Meinung, dass es Deutschland ohne die Europäische Union besser ginge. 45 Prozent der Befragten glauben dagegen, dass Deutschland ohne die EU schlechter da stünde."
    http://www.welt.de/politi...

    Mit dem heutigen Tage der Vereidigung unseres Friedensstifters nimmt meine Politikverdrossenheit lustigerweise sogar zu.... danke Herr Gauck.

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    >> Gauck beklagt sich über Politikverdrossenheit und bedankt sich ausdrücklich bei seinem Vor-Vorgänger Christian Wulff (und Bettina Wulff; die "Deutschland von der modernen Seite gezeigt hat"). <<

    Die moderne Seite Deutschlands: Korruption und mangelndes Unrechtsbewusstsein. So falsch liegt er da nicht, aber sowas hört man sonst eher in "Neues aus der Anstalt". Hat offenbar eine kabarettistische Ader, der Neue. Da werden wir ja noch viel Spaß bekommen ;-)

  6. Übrigens möchte ich DIE ZEIT nochmals (was ich per e-mail schon am 17.03. und 21.03. tat) daran erinnern, die "Blitzumfrage", per Rundmail zu den ZEIT-Online Usern vom 28.02.2012 geschickt, zu veröffentlichen.

    Danke im Voraus,
    M. Schulz

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Christian Wulff | Joachim Gauck | FDP | Grüne | SPD | Bundesversammlung
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