Joachim Gauck : Ein Präsident, wie er gebraucht wird
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Gauck wird nerven

Nun kommt Gauck. Man muss ihm wünschen, dass er es schafft, eine Kultur der gemeinwohlorientierten, zivilen Debatte zu erstreiten. Er bringt die besten Voraussetzungen dafür mit. Gauck schert sich nicht weiter um die Marken links, liberal, konservativ; ein wenig macht er sich sogar über sie lustig, indem er sich alle drei gleichzeitig ansteckt. Das ist keine Parteienverachtung, sondern erkennt einfach an, dass die Problemlagen vielfältiger werden. Gauck, sagt einer, der ihn gut kennt, gehe zehnmal um den Tisch, um das Objekt von allen Seiten zu sehen. Erst dann entscheide er, wie er darüber denkt.

Ziemlich sicher wird er auf diese Weise in jeder Partei mal anecken. Unwahrscheinlich aber, dass er damit auf denselben Unmut wie der politikerskeptische Horst Köhler trifft. Wenn es Gauck wirklich gelingt, an die großen Fragen glaubhaft den Maßstab anzulegen, inwieweit sie der politischen Freiheit des Einzelnen dienen, dann könnte er sogar schaffen, die Parteien zu inspirieren.

Nur bitte kein Gleichmut

Wichtiger aber ist: Anders als Köhler wird Gauck auch die Bürger selbst an das Gemeinwesen erinnern. Es wird wahrscheinlich sogar nerven, wenn Gauck vor jeder Wahl daran erinnert, welch erhabenes Recht die Stimmabgabe ist. Egal. Es ist ein Grund zum Diskutieren, dass immer weniger wählen. Es ist Grund zum Streiten, dass immer weniger daran glauben, gleichberechtigt zu sein . Und alles wäre besser, als wenn er auf Gleichmut trifft.

Gauck weiß, worum es geht. Nicht weit von seiner alten Gemeinde Rostock-Evershagen steht das frühere Asylbewerberheim Lichtenhagen, wo sich die Tage des rechtsextremen Bürgerterrors bald zum zwanzigsten Mal jähren. Und es ist seine Heimatregion, in der Neonazis mehr Vertrauen finden als an jedem anderen Ort. Wenn einer wie Gauck ein paar Menschen an solchen Orten von der Demokratie überzeugen kann, dann wäre er schon ein großer Präsident.

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Kommentare

299 Kommentare Seite 1 von 38 Kommentieren

Nur.....

gehört Gauck zu jenen, die vom einfachen Volk weit entfernt sind. Von daher ist es unwahrscheinlich, dass Gauck mit seinen Überzeugungen die politischen und ökonomische Eliten näher ans Volk bringt. Im Gegenteil er poralisiert mit seinen Überzeugungen, ganze Wählergruppen stößt er vor den Kopf (Hartz IV-Empfänger, Golbalisierungskritiker, Linke, ausländische Mitbürger, Arme, etc.). Gauck vereint nicht, er schafft neue Gräben.

3 Dramidoc:

"Im Gegenteil er poralisiert mit seinen Überzeugungen, ganze Wählergruppen stößt er vor den Kopf (Hartz IV-Empfänger, Golbalisierungskritiker, Linke, ausländische Mitbürger, Arme, etc.). Gauck vereint nicht, er schafft neue Gräben."

Es recht zu machen jedermann ist eine Kunst die niemand kann.

Wer in so ein Amt kommt und von allen (nicht nur von der Mehrheit) gelobt wird, macht etwas falsch.

Das Artikelthema? Ein Flachflug über Banalien.

Nein, und Gauck wird nicht nerven.

Ein bürgerlicher, braver Konservativer, der niemandem weh tun wird, der es verdient hätte.

Ein stramm auf Linie gebrachtes Atlantik-Brücke-Mitglied, der in Treue fest zum limitierten westlichen Freiheitsideal steht.

Der beste Artikel zum Thema Gauck stand in Telepolis:
http://www.heise.de/tp/ar...

Lesen.... und über die ZEIT wundern.

Kein Wort zum Bundespräsidenten mehr

dagegen vom ZEIT-Herausgeber,da Herrn Joffe dazu nichts mehr einfällt und er findet, dass alles gesagt sei. Hoffentlich hält wenigstens er das durch.
Stattdessen sorgt er sich vor allem um das Wohlergehen der Talkshows.
"Was machen die ohne Wulff–Gauck? Zuverlässig bleibt nur die Euro-Krise, aber die erfordert zu viel Sachverstand."
http://www.tagesspiegel.d...

Doch die Sorgen des Herrn Joffe bezüglich der Talk-Shows werden sich als völlig unbegründet erweisen, dank Maschmeyers "Memoiren"
Der Freund von Ex-Bundespräsident Christian Wulff verrät darin wie man reich wird. (Wow!!! Die Spiegel-Bestseller-Rating-Agentur wird wohl baldigst Gaucks Freiheits-Büchlein herunterstufen müssen)
http://www.tagesspiegel.d...

Und siehe da, auf diese Weise lässt sich "Wulff–Gauck" wundersam zuverlässig wieder mit der "Euro-Krise" verknüpfen - mit und ohne Sachverstand an "Küchentischen" und in Redaktionsstuben.

Erfolgreiche ZEITen ...

Bitte keine Moralpredigten!

Der Mann ist immer noch verheiratet, lebt aber als Bundespräsident mit einer Lebensgefährtin zusammen? Ist das seine Vorstellung von "Freiheit" ? Erinnert mich irgendwie an Luther.....
Ich erwarte von einem Bundespräsidenten einen tadellosen moralischen und charakterischen Lebenswandel. Genauer gesagt, einen noch wesentlich vorzeigbareren als den meinigen. Das ist vermessen und ich solle vor meiner eigenen Türe kehren? Nun gut, mache ich ja indem ich nämlich nicht für ein hochdekoriertes, politisches Amt kandidiere !

So schnell lernt unser Bundespräsident :

In der ZDF-Sendung „Was nun, Herr Gauck?“ vom 18. März sollte der neu gewählte Bundespräsident folgenden Halbsatz ergänzen: „Gegen einen Zapfenstreich mit Vuvuzelas zu demonstrieren ....“ --- Gauck vervollständigte: „...ist in einer freiheitlichen Demokratie völlig normal.“

Während Interimspräsident Seehofer dem Regierenden von Berlin heute einen saftigen blauen Brief zustellen ließ, weil 700 Demonstranten vor dem Schloss den Kehraus Wulffs mit passender "Musike" auf Vuvuzelas unterstützen, Herr Wowereit aber diese demonstrativen Maßnahmen nicht unterbunden hatte, und Petra Diroll vom Bundespräsidialamt die Berliner Polizei kritisiert hatte, weil diese die „Störung des Staatsaktes“ für Wulff nicht noch strikter unterband...
http://www.tagesspiegel.d...

Da bin ich doch platt, wie lernfähig unser neuer Bundespräsident dagegen bereits am 1.Tag erscheint!!!
In seinen Augen bin ich nun mehr "unsäglich albern", "hysterisch" oder "einfach widerlich", weil das demonstrative Anprangern von Missständen "in einer freiheitlichen Demokratie völlig normal" ist.

Dann erwarten uns ja hoffentlich auch hier noch spannende ZEITen!