Bundespräsidentenwahl: Kalter Krieg um Bellevue
Die Kandidatur von Beate Klarsfeld hat der Republik neue, alte Debatten beschert. Es geht um linke "SED-Marionetten" und bürgerliche "Nazi-Helfer".
© Michele Tantussi/AFP/Getty Images

Die Präsidentschaftskandidatin der Linkspartei, Beate Klarsfeld
Der Schauplatz: Das Babylon, früher ein Programmkino der DDR. Es ist Sonntagnachmittag. In wenigen Minuten wird hier auf der Bühne Beate Klarsfeld auftreten, die Präsidentschaftskandidatin der Linkspartei. Das Publikum bekommt an diesem Nachmittag nicht nur eine Kandidatenschau geboten, sondern auch ein veritables Stück Geschichtskampf.
Es geht um Faschismus und Sozialismus – und um die Aufarbeitung der politischen Systeme im 20. Jahrhundert. Zum Auftakt singt eine russische Interpretin Lieder aus dem anti-faschistischen Widerstand. Kaum ist ihr "dai dai dai" verklungen, geht es los: Auf offener Bühne wird die Politik der DDR mehrfach und inbrünstig verteidigt. Das alte westdeutsche Denken wird dagegen als Nährboden für "alte und neue Nazis" bezeichnet.
Wären Alexander Dobrindt und Hermann Gröhe im Babylon zugegen, bestimmt sähen sie sich in ihren schlimmsten Vorurteilen gegen die Linkspartei bestätigt. Die Generalsekretäre der Unionsparteien üben scharfe Kritik an der Kandidatin der Linken, seit die Welt vergangene Woche veröffentlicht hat, dass Klarsfeld in ihrem Engagement gegen NS-Verbrecher in den sechziger Jahren von der SED mit 2.000 D-Mark unterstützt worden war. Als "völlig untragbar" für Bellevue bezeichnete Gröhe Klarsfeld daraufhin. Dobrindt nannte sie eine "SED-Marionette". Auch Patrick Döring von der FDP schlug in seiner Kritik Töne an, die an den Kalten Krieg erinnern.
Linke sieht mediale Hetzkampagne
Aber auch die Linke beherrscht diesen Sound. Ihre Parteivorsitzende Gesine Lötzsch startet im Babylon die rhetorische Gegenoffensive. Springerpresse, CDU und FDP hätten sich "immer vor alte Nazis gestellt" und fielen nun in die alte Kampfformation zurück. Die Ohrfeige, die Klarsfeld 1968 dem damaligen Kanzler und früheren NSDAP-Mitglied Kurt-Georg Kiesinger verpasste, hätten ihr Union und FDP offenbar nie verziehen, so Lötzsch.
Der Ton der Parteichefin, die 1984 der SED beitrat, ist scharf und trotzig: "Ohne die Hilfe der DDR" hätte Klarsfeld die Nazi-Verbrecher vielleicht "nie hinter Gitter bringen können", sagt Lötzsch. Die DDR habe "Nazi-Jäger" unterstützt, die Bundesrepublik "Nazi-Kriegsverbrecher". Auch Klaus Ernst, Lötzsch’ Co-Parteichef aus Bayern, deutet es ähnlich: Der Skandal bestehe nicht darin, dass Klarsfeld 2.000 D-Mark von der DDR bekommen habe, sondern darin, dass es nicht 20.000 aus der BRD gewesen seien. Die "mediale Hetzkampagne", der Klarsfeld nun ausgesetzt sei, zeige, dass das bürgerliche Lager die Vergangenheit immer noch nicht ordentlich aufgearbeitet habe, so Ernst.
Geflissentlich übersehen wird von der Linkspartei dabei, dass die DDR mit ihrer Unterstützung für Klarsfeld keineswegs nur idealistische, sondern vor allem ideologische und propagandistische Ziele verfolgte. Ging es doch darum, eine moralische Überlegenheit der DDR zu postulieren. DDR-Bürger, die auf Ex-Nazis im östlichen Teil Deutschlands hinwiesen, landeten dagegen im Knast.
Keine unkontrollierten Interviews
Es dauert an diesem Nachmittag lange, bis Klarsfeld selbst zu Wort kommt. Es ist einer der wenigen Auftritte, die sie während ihrer Kandidatur überhaupt in Deutschland hat. Die anderen Parteien aus dem Bundestag, die geschlossen Joachim Gauck wählen, wollten sich nicht mit ihr treffen. Also blieb die 73-Jährige die meiste Zeit seit ihrer Nominierung in Paris, wo sie seit 50 Jahren lebt. Die Linke entsandte extra eine Pressesprecherin nach Frankreich, die verhindern sollte, dass Klarsfeld unkontrolliert Interviews gibt, wie sie es anfangs noch häufiger getan hatte.
Denn Klarsfeld steht nicht unbedingt für linke Positionen, sieht man einmal vom Antifaschismus ab. In Frankreich unterstützt sie den Wahlkampf von Präsident Sarkozy, der inhaltlich mit der Linken noch weniger gemein hat als Dobrindt und Gröhe. Klarsfeld hat unlängst freimütig bekannt, dass sie auch und sogar lieber für andere Parteien angetreten wäre. Die Nominierung empfindet sie in erster Linie als Auszeichnung für ihr Lebenswerk.





Gute Idee, allein, in fünf Tagen wird das nicht zu schaffen sein. Erst mal wird der neue BP gewählt, dann bekommt er die erste Nuss zu knacken und darf Gespräche mit seinem Vorgänger über bislang Unerledigtes führen und dann sehen wir weiter.
... aber eben auch fair und konstruktiv.
Ein klein wenig Respekt. Etwas mehr Augenmaß. Und nicht ganz so kräftiges Partei-Schielen. So ließe sich doch kontrovers, aber eben auch fair über die Kandidatin für das Bundespräsidenten-Amt und über den Schlieben-Artikel selbst diskutieren!
...wussten nach der Wende nicht mehr, was sie vorher gemacht haben. Vollkommen wertfrei geschrieben, aber aus 20 Jahren Nachrichtenkonsum eingeprägt.
"Auch einige ehemalige DDR-Bürger" sollte es heißen.
"Auch einige ehemalige DDR-Bürger" sollte es heißen.
"Auch einige ehemalige DDR-Bürger" sollte es heißen.
Die Auswahl an Präsidentschafts-Kandidaten ist ja nun nicht gerade arg groß. Erst mal gab es nur einen Kandidaten und dann mit Ach und Krach gerade mal einen zweiten. Bei über 81 Mio Bundesbürgern ist die Ausbeute ein bisschen mager.
>> Die Auswahl an Präsidentschafts-Kandidaten ist ja nun nicht gerade arg groß. <<
... Aspiranten wurden leider schon im Vorfeld aussortiert. Der kleinste, gemeinsame Nenner wird in Zukunft wohl in "Gauck" gemessen.
>> Die Auswahl an Präsidentschafts-Kandidaten ist ja nun nicht gerade arg groß. <<
... Aspiranten wurden leider schon im Vorfeld aussortiert. Der kleinste, gemeinsame Nenner wird in Zukunft wohl in "Gauck" gemessen.
Dann stellt sich ja nur noch eine einzige Frage im Bezug auf die Kandidaten:
Wer trifft da bitte die Vorauswahl ?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf haltlose Unterstellungen. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/au.
Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/au.
Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/au.
>> Die Auswahl an Präsidentschafts-Kandidaten ist ja nun nicht gerade arg groß. <<
... Aspiranten wurden leider schon im Vorfeld aussortiert. Der kleinste, gemeinsame Nenner wird in Zukunft wohl in "Gauck" gemessen.
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