KoalitionsausschussKoalitionäres Klein-Klein soll Klima bessern

Bei seinem Spitzentreffen am Sonntag will das angeschlagene Regierungsbündnis Handlungsfähigkeit demonstrieren. Größere Streitfragen bleiben ausgeklammert. Von K. Schuler

Ginge es nach einigen CDU-Abgeordneten, dann müsste es Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag im Koalitionsausschuss eigentlich so richtig krachen lassen. "Man sieht sich immer zweimal im Leben", hatte etwa der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach nach der von der FDP erzwungenen Kür von Joachim Gauck gedroht. Nun werde man den Liberalen nichts mehr durchgehen lassen, hieß es aus der Union.

Doch bislang sieht es eher nicht danach aus, dass das Treffen der Spitzenpolitiker der Koalitionsparteien und -fraktionen am Sonntag zu dem von manchem vielleicht erhofften Tribunal werden könnte. "Es wird ein harmonisches Treffen, Rückspiele sind nicht vorgesehen", heißt es aus Koalitionskreisen vielmehr.

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Vielleicht um das Klima nicht weiter zu strapazieren, wurden wichtigere Themen wie etwa der Dauerstreit um die Vorratsdatenspeicherung gar nicht erst auf die Tagesordnung gesetzt. Auch die Frage, wie die geplanten Steuererleichterungen trotz des Vetos der SPD-Länder umgesetzt werden können, wollen die Koalitionäre nicht aufgreifen, ebenso wenig wie den Streit um eine mögliche Aufstockung des europäischen Rettungsfonds ESM. Stattdessen soll es bei dem "Arbeitstreffen" um kleinere Dinge gehen, die spruchreif vorbereitet seien und schnell abgehakt werden können. Regierungsbusiness as usual eben.

Von Demografiebericht bis Warnschussarrest

Zu den Tagesordnungspunkten gehört eine Reform des Wettbewerbsrechts, die zu einer Stärkung des Kartellamtes führen soll. Des Weiteren wollen die Koalitionäre beispielsweise über eine Reform der Kronzeugenregelung, ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger, die Einrichtung einer Stiftung zur Bewertung von Finanzmarktprodukten oder das gemeinsame Sorgerecht für Unverheiratete sprechen. Auch der Demografiebericht, den die Bundesregierung demnächst vorstellen will, wird Thema sein. Insgesamt umfasst die Liste elf unterschiedliche Vorhaben.

Noch nicht sicher ist, ob die Koalitionäre auch über die Finanzierung der geplanten privaten Pflegeversicherung abstimmen werden. Die Fronten sind in diesem Fall allerdings unklar. Während FDP-Minister und Unions-Gesundheitspolitiker gemeinsam dafür eintreten, den Abschluss einer solchen Versicherung durch staatliche Zuschüsse zu fördern, will der Finanzminister die neue Police allein durch die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge unterstützen.

Ein Thema, bei dem die Union der FDP die Zähne zeigen könnte, ist der von ihr gewünschte Warnschussarrest für straffällige Jugendliche. Diesen haben die Liberalen bisher abgelehnt.

Häufigere Treffen geplant

Dass bei all diesen Punkten nicht mit allzu großen Kontroversen gerechnet wird, lässt sich auch daran ablesen, dass anders als bei früheren Zusammenkünften nicht nur ein Beginn sondern auch ein Ende der Veranstaltung festgelegt wurde. Länger als zwei Stunden soll das Treffen nach Möglichkeit nicht dauern.

Im Übrigen solle der Koalitionsausschuss künftig wieder häufiger tagen, damit er nicht immer mit den Erwartungen eines Spitzentreffens befrachtet werde, heißt es weiter. Wichtige Weichenstellungen würden ohnehin unter sechs Augen – sprich unter den drei Parteivorsitzenden – getroffen.

Was Angela Merkel angeht, so hat sie ohnehin Anlass zur Gelassenheit. Denn trotz ihrer schlechten Performance bei der Kandidatenkür für das Amt des Bundespräsidenten und des Verlustes der Kanzlermehrheit bei der Griechenland-Abstimmung in dieser Woche steht sie in der öffentlichen Meinung noch immer sehr gut da.

Nach wie vor belegt die Kanzlerin nach einer Umfrage von Infratest dimap mit 62 Prozent Zustimmung Platz eins im Ranking der wichtigsten Spitzenpolitiker, während der aufmüpfige FDP-Parteichef sich zwar um drei Prozentpunkte verbessert hat, aber nach wie vor weit abgeschlagen mit dem letzten Platz Vorlieb nehmen muss. Seine Partei verharrt bei drei Prozent.

Eine andere Zahl sollte allerdings beiden zu denken geben. Die Verfassung der Koalition halten laut Infratest dimap 75 Prozent für schlecht. Ein streitfreies Arbeitstreffen dürfte daran kaum etwas ändern. 

 
Leserkommentare
  1. sie könne die FDP endlos am Nasenring durch die Manege ziehen? Irgendwann ist es eben genug.

    2 Leserempfehlungen
  2. erneut gaanz herzlichen glückwunsch zu diesem photo!!!

    wenn ich mir das anschaue, dann brauche ich den artikel garnichtmehr zu lesen; beide körpersprachen bringen's auf den punkt.

    => der sohn ist aufmüpfig und 'mutti faßt sich am kopp' ,-)))

    Eine Leserempfehlung
    • IQ130
    • 02.03.2012 um 21:26 Uhr

    Viele regen sich auf. Über Merkel und Rösler, Seehofer und so weiter.

    Mein Lieblingssatz für diese Leute: Was wollt ihr denn, ihr habt sie doch gewählt! Selbst schuld.

    2 Leserempfehlungen
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    @ Nr 3 - hallo IQ130

    ein bißchen recht haben sie schon, nur...
    wenn man mal die wahlergebnisse von merkel, rösler (richtiger: westerwelle) und seehofer mit der wahlbeteiligung umrechnet (ist m.E. auch so ein manko in unserem wahlrecht), dann haben grad mal 34,4 % der bürger diese koalition gewählt.

    => eine echte mehrheit hat sich somit nicht direkt dafür ausgesprochen.

    @ Nr 3 - hallo IQ130

    ein bißchen recht haben sie schon, nur...
    wenn man mal die wahlergebnisse von merkel, rösler (richtiger: westerwelle) und seehofer mit der wahlbeteiligung umrechnet (ist m.E. auch so ein manko in unserem wahlrecht), dann haben grad mal 34,4 % der bürger diese koalition gewählt.

    => eine echte mehrheit hat sich somit nicht direkt dafür ausgesprochen.

  3. zu müssen ist eine Zumutung und ein Ding der Unmöglichkeit. Herr Rösler poltert nur noch angstbissig herum, er hat ja fast nichts mehr (3 %-Pünktchen) zu verlieren.

    Die CDU wird stoisch die Ausfälle der FDP ertragen bis zum Ende der Legislaturperiode, um sich dann, ohne eine Träne zu vergießen, einem anderen Partner zuzuwenden.

    kassandra

  4. Theater!
    .
    der Vorhang, der fällt!
    wie nennt man, nicht System konform,
    Dissident?
    Freiheitskämpfer?
    Systemkritiker?

    so etwas gibt es nur in Afrika?

    Systemkritiker bezeichnet einen Andersdenkenden, der seine von der Regierungslinie oder -politik abweichende Meinung öffentlich ausspricht. Im Allgemeinen wird der Begriff nur für Andersdenkende in Diktaturen und totalitären Staaten verwendet, weil das ungehinderte Aussprechen der eigenen Meinung in Demokratien ein Grundrecht ist und damit selbstverständlich sein sollte.
    Vereinzelt werden jedoch auch Andersdenkende in Demokratien so bezeichnet.
    (aus Wikipedia)

    vereinzelt? weil gezwungen?
    sonst nimmt man all das Leben, nur Atmen das darf er noch!
    der Sadismus in "A F R I K A"?

    ein Haus in dem Theater gespielt - Tragödien,
    aus den Marionetten des Schattentheaters der NeuWelt,
    mit dem Restlicht,
    wie Tristesse,
    an die Wand der drittklassigen Zukunft gehaucht.

    lasst Euch gesagt - Ihr Helden!
    das Harmonie-Miteinander, dass weiß erst, wer sie verloren,
    viel schlimmer noch,
    wenn sehend durch die Finger zerronnen!

    ÜberSystem-Konform, vaselieneglänzend wie eingeseift!
    Dissidenten könn´s nicht sein!

  5. @ Nr 3 - hallo IQ130

    ein bißchen recht haben sie schon, nur...
    wenn man mal die wahlergebnisse von merkel, rösler (richtiger: westerwelle) und seehofer mit der wahlbeteiligung umrechnet (ist m.E. auch so ein manko in unserem wahlrecht), dann haben grad mal 34,4 % der bürger diese koalition gewählt.

    => eine echte mehrheit hat sich somit nicht direkt dafür ausgesprochen.

    Antwort auf "Bilder - grausig"
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    Sie sprechen auf die Nichtwähler an:

    Die Wahlbeteiligung ist effektiv immer 100%. Wer nicht hingeht, stimmt mit Enthaltung. Der Nichtwähler erklärt sich mit dem Ergebnis einverstanden.
    Durch die Weigerung am Prozess teil zu haben und etwas verändern zu können gibt der Nichtwähler faktisch seine Enthaltung und damit sein Generaleinverständnis zur dann folgenden Politik.

    Insofern kann man schon von Mehrheiten sprechen, denn der Teil, der gegen diese Koalition gestimmt hat ist noch wesentlich kleiner als 34,4%..

    Sie sprechen auf die Nichtwähler an:

    Die Wahlbeteiligung ist effektiv immer 100%. Wer nicht hingeht, stimmt mit Enthaltung. Der Nichtwähler erklärt sich mit dem Ergebnis einverstanden.
    Durch die Weigerung am Prozess teil zu haben und etwas verändern zu können gibt der Nichtwähler faktisch seine Enthaltung und damit sein Generaleinverständnis zur dann folgenden Politik.

    Insofern kann man schon von Mehrheiten sprechen, denn der Teil, der gegen diese Koalition gestimmt hat ist noch wesentlich kleiner als 34,4%..

  6. Sie sprechen auf die Nichtwähler an:

    Die Wahlbeteiligung ist effektiv immer 100%. Wer nicht hingeht, stimmt mit Enthaltung. Der Nichtwähler erklärt sich mit dem Ergebnis einverstanden.
    Durch die Weigerung am Prozess teil zu haben und etwas verändern zu können gibt der Nichtwähler faktisch seine Enthaltung und damit sein Generaleinverständnis zur dann folgenden Politik.

    Insofern kann man schon von Mehrheiten sprechen, denn der Teil, der gegen diese Koalition gestimmt hat ist noch wesentlich kleiner als 34,4%..

    Antwort auf "bitte mal umrechnen"
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    @ Nr. 8 - hallo schoedefeld

    sorry, wenn ich nicht locker lasse.

    in der logik der politischen auslegung haben sie recht. im zivilrecht gilt aber der o.a. grundsatz - nur bei kaufleuten ist das anders.

    und zur mathematisch-logischen seite:

    auf die regierungskoalition entfielen 2009 48,3 % der abgegebenen stimmen - somit haben 51,6 % -bei 0,01 % ungültigen stimmen- NICHT dafür gestimmt.
    nur durch die 5 %-klausel, den überhangmandaten und durch die umrechnung auf sitze kommt dann eine mehrheit für die regierungskoaltion heraus.

    auch bei einer 'umrechung' auf alle wahlberechtigten -incl. einer prozentualer aufteilung der nichtwähler auf das wahlergebnis- bleibt es bei einer mehrheit > 50 %, die nicht für die regierungskoaltion gestimmt hat.

    fazit: das wahlrecht bedarf m.E. dringend eines freshup's hinsichtl. der umsetzung dessen, was der bürger 'wirklich' gewollt hat.

    @ Nr. 8 - hallo schoedefeld

    sorry, wenn ich nicht locker lasse.

    in der logik der politischen auslegung haben sie recht. im zivilrecht gilt aber der o.a. grundsatz - nur bei kaufleuten ist das anders.

    und zur mathematisch-logischen seite:

    auf die regierungskoalition entfielen 2009 48,3 % der abgegebenen stimmen - somit haben 51,6 % -bei 0,01 % ungültigen stimmen- NICHT dafür gestimmt.
    nur durch die 5 %-klausel, den überhangmandaten und durch die umrechnung auf sitze kommt dann eine mehrheit für die regierungskoaltion heraus.

    auch bei einer 'umrechung' auf alle wahlberechtigten -incl. einer prozentualer aufteilung der nichtwähler auf das wahlergebnis- bleibt es bei einer mehrheit > 50 %, die nicht für die regierungskoaltion gestimmt hat.

    fazit: das wahlrecht bedarf m.E. dringend eines freshup's hinsichtl. der umsetzung dessen, was der bürger 'wirklich' gewollt hat.

    • Eva S.
    • 03.03.2012 um 18:41 Uhr

    Frau Merkel mag ihre Fehler haben. Die hatten sämtliche (!) ihre männlichen Vorgänger auch. Aber ein respektloses Bübchen an ihrer Seite wünscht man nicht dem ärgsten Feind. Was Rösler sich erlaubt, ist unter aller Sau und an Respektlosigkeit kaum noch zu toppen. Interessant, wie wenig dies zu stören scheint. Für Herrn Gauck wird bereits Respekt eingefordert, bevor der überhaupt angefangen hat. Erneut: sehr aufschlussreich.

    Es zeigt auch das wahre Gesicht der FDP: Dass sich diese gestandenen Männer und Frauen den ausgebufften Mist, den Herr Rösler an diversen Mikrofonen teilweise so von sich gibt, ohne Murren oder öffentlichen Protest über sich ergehen lassen! Das ist keine Partei zum Ernstnehmen.

    Mich erstaunt die Ruhe der deutschen BürgerInnen angesichts der Vernachlässigung der echten Probleme in diesem Land.

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    gegenüber dem alten Filz, erfrischend humorvoll und die Probleme beim Namen nennend... mehr davon. Zeit für einen Wechsel zu moderner frecher und liberaler Politik!

    Das wichtigste für jeden Bürger ist derzeit: sich selber ernst nehmen, sich dabei nicht irre machen lassen. Denn in den lächerlichen taktischen Manövern der FDP und anderer Parteipolitiker steckt eben auch die Tatsache, dass sie nicht mehr in der Lage oder willens sind, den ernsten sozialen Problemen des Landes die Priorität zu geben vor Profilneurosen und anderem Gedöns. Nur aus diesem Grunde könnte man eine Große Koalition für sinnvoll halten. Dann kann sich Rösler in irgendwelchen Provinzgasthof-Hinterzimmern austoben. Die Quartalsweisheiten des Herrn Kubicki sind auch so überflüssig wie ein Kropf. ENDLICH REGIEREN oder AUFHÖREN!!!

    gegenüber dem alten Filz, erfrischend humorvoll und die Probleme beim Namen nennend... mehr davon. Zeit für einen Wechsel zu moderner frecher und liberaler Politik!

    Das wichtigste für jeden Bürger ist derzeit: sich selber ernst nehmen, sich dabei nicht irre machen lassen. Denn in den lächerlichen taktischen Manövern der FDP und anderer Parteipolitiker steckt eben auch die Tatsache, dass sie nicht mehr in der Lage oder willens sind, den ernsten sozialen Problemen des Landes die Priorität zu geben vor Profilneurosen und anderem Gedöns. Nur aus diesem Grunde könnte man eine Große Koalition für sinnvoll halten. Dann kann sich Rösler in irgendwelchen Provinzgasthof-Hinterzimmern austoben. Die Quartalsweisheiten des Herrn Kubicki sind auch so überflüssig wie ein Kropf. ENDLICH REGIEREN oder AUFHÖREN!!!

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