Michael Hilberer, seit Sonntagabend Abgeordneter der Piratenpartei im saarländischen Landtag, feiert seinen Erfolg mit Malzbier. Er muss noch fahren. "Ich wohne auf dem Land", sagt der 32-Jährige fröhlich. Während auf der Wahlparty der Piraten in der Saarbrücker Studentendisko Canossa kurz vor Mitternacht noch die Musik wummert, ist Hilberers Frau mit den Kindern daheim geblieben. Die Kleinen sind längst im Bett. "Morgen ist ja wieder Schule."

Das Leben der Familie Hilberer aus der Nähe von St. Wendel hat sich an diesem Sonntag schlagartig geändert. Die Piraten sind mit 7,4 Prozent in den Landtag eingezogen, der Softwareentwickler ist jetzt Berufspolitiker. Sein Chef habe ihm am Abend eine E-Mail geschrieben, erzählt Hilberer. Ob er denn "drin sei" im Landtag. Der Chef kann vorerst nicht mehr mit seinem Mitarbeiter rechnen: Der 32-Jährige wird sich jetzt für seine politische Tätigkeit beurlauben lassen. Im Gegensatz zu Berlin hat das Saarland ein Vollzeitparlament.

Die Piraten haben sich schick gemacht

Hilberer nimmt die Ereignisse erstaunlich gelassen. "Wir hatten Zeit, uns darauf vorzubereiten", sagt der langhaarige Pirat, den seine Parteifreunde als Fraktionsvorsitzenden ins Gespräch bringen. Auch Andreas Augustin, ebenfalls 32, ebenfalls langhaarig, Informatiker und nun Landtagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Saarbrücken , ist ganz ruhig. "Ich bin den ganzen Tag schon sehr entspannt", sagt er, der sich für den Wahlabend extra einen schwarzen Anzug mit blauem Hemd angezogen hat. "'Ne Krawatte" fand er allerdings "ein bisschen übertrieben".

Nur die Spitzenkandidatin Jasmin Maurer kann nicht mitfeiern. Die 22-jährige Auszubildene habe Kreislaufprobleme, erzählen die Piraten. "Der stressige Wahlkampf, das war alles ein bisschen zu viel."

Aus der IT-Branche

Vier Abgeordnete wird die junge Partei im Landtag stellen: Hilberer, Augustin, die 22-Jährige Maurer und Michael Neyses, 43 Jahre alt und Netzwerkadministrator. Allesamt kommen sie aus der IT-Branche, allesamt wirken sie trotz ihrer Vorliebe für schwarze Kleidung ziemlich bodenständig.

"Es ist ein Klischee, dass wir Chaoten sind", sagt Augustin. Eine Protestpartei wollen die Piraten an der Saar ausdrücklich nicht sein, sondern "Politik den Bürgern wieder näher bringen", wie es Hilberer formuliert, der sogar erst vor einem halben Jahr der jungen Partei beigetreten ist. Konstruktiv wolle man im Landtag mit den anderen Parteien zusammenarbeiten, wenn sie gute Ideen haben, sagt auch Augustin.

Jetzt bereiten sich die Piraten an der Saar auf eine "Menge Verwaltungskram" vor. Sie müssen eine Fraktion gründen, lernen, wie man Anträge stellt und wie Landtagsausschüsse arbeiten. Eines ist schon klar: Die Fraktionssitzungen sollen natürlich öffentlich sein und live im Internet übertragen werden.