Um Punkt 13.05 Uhr halten die saarländischen Piraten inne. Spitzenkandidatin Jasmin Maurer hat um eine Schweigeminute für die Opfer des Erdbebens in Japan gebeten. "Auch wenn wir alle ziemlich viel zu tun haben und unter Druck sind", sagt die 22-jährige IT-Systemkauffrau. Und fügt, ganz basisdemokratisch, hinzu: "Wenn jemand dagegen ist, dann kann er das auch gerne sagen." Aber es gibt keinen Widerspruch. Im Bürgerhaus von Saarbrücken-Dudweiler erheben sich die Piraten von ihren Plätzen, und es wird so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte.

Danach beraten die rund 80 anwesenden Mitglieder zügig weiter über ihr Landtagswahlprogramm. Von 60 Anträgen zur Bildungspolitik sind erst 20 abgearbeitet. Die Zeit drängt. "Bis 19 Uhr muss das Programm stehen, dann müssen wir hier raus. Vergesst das nicht", sagt Versammlungsleiter Johannes Thon.

Tatkräftige Hilfe aus Rheinland-Pfalz

Thon ist engagierter Pirat aus Rheinland-Pfalz , im April will er Mitglied des Bundesvorstandes seiner Partei werden. Heute allerdings hilft er den Saarländern im Landtagswahlkampf . Denn die 300 Mitglieder zählende Partei wurde hier vom Aus der Jamaika-Koalition im Januar und den in zwei Wochen anstehenden Neuwahlen völlig überrascht.

Seit einigen Wochen haben die Saar-Piraten keine ruhige Minute mehr gehabt: Nach den jüngsten Umfragen werden sie mit rund fünf Prozent der Stimmen knapp in den saarländischen Landtag einziehen, könnten je nach Wahlergebnis zwei bis drei Abgeordnete stellen. Dabei hatte sich der kleine Landesverband bis zu diesem Wochenende noch nicht mal ein Programm gegeben.

Zwei Tage lang treffen sich die Piraten daher im Bürgerhaus Dudweiler, wo sonst eigentlich der örtliche Stadtrat tagt. Die Helfer aus Rheinland-Pfalz haben das WLAN installiert, ein Beamer wirft die Anträge, die gerade behandelt werden, an die Wand. Seit Samstagfrüh, kurz nach neun Uhr, geht es im durchgehend ruhigen Ton durch ein Sammelsurium an zumeist landespolitischen Anträgen.