KrankenversicherungSchwarz-Gelb debattiert Beitragssenkung

Die Kassen sind voll – die FDP will die Praxisgebühr abschaffen, die Union den Versicherungsbeitrag senken. Nun sucht die Koalition nach einem Kompromiss.

Blutwertekontrolle

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In der Debatte um finanzielle Belastungen der Krankenversicherten gerät nun auch der Beitragssatz ins Blickfeld. Unionsfraktionschef Volker Kauder brachte eine Senkung um 0,1 Prozentpunkte ins Gespräch. Denn die Abgeordneten von CDU und CSU stemmen sich gegen die von FDP-Politikern geforderte Abschaffung der Praxisgebühr.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) lobte den Vorschlag einer Beitragssenkung. "In die Debatte kommt Bewegung", sagte der FDP-Politiker der Welt.

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Hintergrund der Entlastungsforderungen ist der Überschuss von etwa 20 Milliarden Euro, den die gesetzlichen Krankenkassen und der Gesundheitsfonds angehäuft haben. Unionsfraktionschef Volker Kauder hatte gesagt, es sei falsch, über die Praxisgebühr zu diskutieren. Falls es überhaupt Spielräume gebe, sei eine Beitragssenkung von 0,1 Prozentpunkten denkbar.

Eine Reduzierung des allgemeinen Beitragssatzes von 15,5 auf 15,4 Prozent würde laut einer Faustformel rund eine Milliarde Euro kosten. Die Praxisgebühr bringt den Kassen dagegen zwei Milliarden Euro pro Jahr ein.

Guter Kompromiss gesucht

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ am Freitag durch ihren Sprecher Hoffnungen der Liberalen auf ein Aus für die Zehn-Euro-Abgabe dämpfen. "Pläne zur Abschaffung der Praxisgebühr gibt es in der Bundesregierung nicht", sagte er. "Eine ersatzlose Streichung ist keine Lösung", sagte auch der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Jens Spahn. "Für uns gilt der Koalitionsvertrag." Der FDP warf der CDU-Politiker Parteitaktik vor. "Die FDP will sich mit zehn Euro wieder auf zehn Prozent kaufen."

Kauders Vorschlag dagegen sei ein sehr guter Kompromiss, sagte Spahn.

Auch Liberale aus Schleswig-Holstein, die sich derzeit im Wahlkampf befinden, ist Minister Bahr kündigte an, über der Vorschlag werde in der Koalition beraten. Für ihn sei wichtig, dass Versicherte und Patienten etwas von dem vorhandenen Überschuss hätten.

Keine Steuerungswirkung

FDP-Fachpolitiker verweisen darauf, dass die beabsichtigte Steuerwirkung der Praxisgebühr nicht eingetreten ist. Die Zahlung von zehn Euro soll verhindern, dass Patienten zu viele Ärzte zugleich konsultieren. Der Union gehe es ausschließlich um Mehreinnahmen, kritisierte etwa der Abgeordnete und Arzt Erwin Lotter. Die Gebühr sei "ein gigantischer Etikettenschwindel, der die Taschen der Versicherten leert, um die Kassen der Kassen zu füllen".

Die Gebühr hatte 2003 die rot-grüne Regierung gemeinsam mit der Union ausgehandelt. Seit Anfang 2004 werden zehn Euro bei jedem ersten Arztbesuch im Quartal fällig sowie bei jedem Facharztbesuch ohne Überweisung. Als Hauptziel galt, das Kostenbewusstsein der Versicherten zu schärfen und dass Facharztbesuche mit dem Hausarzt abgestimmt werden. Diese Steuerung wird Studien zufolge aber nicht erreicht.
 

 
Leserkommentare
  1. Ich musste den Satz drei mal lesen und er ist immer noch falsch. Leerer als aktuell können die Kassen gar nicht sein. Man muss sich ja mal nur die Zustände in den Krankenhäusern anschauen:

    - 7 Patienten in einem Zimmer, trotz Infektionsgefahr
    - Toiletten auf dem Flur für die ganze Station
    - drei Schwester und ein Arzt für eine ganze Station, letzterer schiebt auch noch Doppel- und Dreifachschichten
    - häufig unzureichende Ausbildung des medizinischen Personals bzw. Unkonzentration aufgrund Arbeitsüberlastung, auch ansonsten prekäre Verhältnisse, kaum freie Tage oder gar Urlaub

    Diese Infos habe ich alle aus erster Hand, da ich leider des Öfteren im Krankenhaus bin, auch auf speziellen Stationen.

    Und dann soll es Erleichterungen geben? Das bringt doch nichts, diese minimalen Prozente wirken sich nicht wirklich aus. Sinnvoller wäre es, private Krankenkassen gänzlich abzuschaffen, ALLE Patienten, ob arm, reich, gesund, krank in eine Kasse zu verfrachten und die Beiträge prozentual ans Einkommen zu bündeln. Die Kassen würden im Geld schwimmen.

    11 Leserempfehlungen
  2. Ich habe mal kurz durchgerechnet:

    Bei meinen 1600 Brutto im Monat würde die Beitragssatzsenkung um 0,1% einen wahren Goldrausch freisetzen: mind. 1,60 Euro mehr. Jeden Monat! Da bleibt mir glatt die Spucke weg.

    7 Leserempfehlungen
  3. 3. [...]

    Schäuble kassiert Milliarden von den Krankenkassen

    http://www.spiegel.de/wir...

    Und ebenso wie vieles werden so die die wahren Schulden vertuscht mit Schattenhaushalt und Kassenplünderungen.

    Und in wenigen Jahren, wenn die jungen fleissigen von heute - die die flexibel sein müssen, dreißig Sprachen sprechen sieben Master und nicht älter als zwanzig sein dürfen in Rente gehen werden - dann ist alles weg!

    Warum lügen die Demokraten so? Warum sagen sie nicht ganz klar, dass sie das Volk angelogen haben, dass HIV niemals zu einer Nullverschuldung führen wird, dass egal ob man spart oder vorsorgt das Geld bei den Kapitalitzen landen wird. Warum lügen sie uns an und brüsten sich mit "super-weniger 'neue' Schulden als gedacht". Warum erzählen die Demokraten nicht, dass sie unser Sozialsystem verraten und verkaufen. [...]

    Es wäre möglich, dass die Gesellschaft die Richtung bestimmt - nur niemals in dieser Demokratie...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ls

    4 Leserempfehlungen
    • JMDGF
    • 09.03.2012 um 22:47 Uhr

    Na da wird sich der Binnenmarkt aber freuen, die Beitragszahler sollen eventuell um stolze 0,1% entlastet werden, man das ist ne Hausmarke, was man da nicht alles Kaufen kann, die wirtschaft wird angekurbelt, die Steuereinnahmen schnellen nach oben, und die FDP wird bei der nächsten Bundestagswahl 22,22 % bekommen- so schade der Traum ist ausgeträumt, es lebe Frau Merkel und Konsorten !

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Fairerweise muss man hier nochmal sagen, dass die Beitragssenkung von der CDU gewollt ist, die FDP möchte die Praxisgebühr abschaffen. Das fände ich schonmal einen guten Anfang.. seltsam dem Bahr zuzustimmen.

    Fairerweise muss man hier nochmal sagen, dass die Beitragssenkung von der CDU gewollt ist, die FDP möchte die Praxisgebühr abschaffen. Das fände ich schonmal einen guten Anfang.. seltsam dem Bahr zuzustimmen.

  4. Fairerweise muss man hier nochmal sagen, dass die Beitragssenkung von der CDU gewollt ist, die FDP möchte die Praxisgebühr abschaffen. Das fände ich schonmal einen guten Anfang.. seltsam dem Bahr zuzustimmen.

    3 Leserempfehlungen
  5. "Der FDP warf der CDU-Politiker Parteitaktik vor. "Die FDP will sich mit zehn Euro wieder auf zehn Prozent kaufen."

    zu verwirklichen, was das volk möchte, ist verwerfliche wahltaktik?
    immerhin treffen sie doch jetzt tatsächlich mal etwas, das der allgemeinheit dienlich ist.

    Eine Leserempfehlung
  6. - noch. bis zur nächsten erhöhung der krankenkassenmanagerbezüge.^^ - die sollten das lieber sparen und garantieren, dass in nächster zeit die kosten stabil bleiben und nicht hier und da wieder eine beitragserhöhung oder irgendwelche dubiosen zusatzbeiträge aufkommen.

    Eine Leserempfehlung
  7. Die Beiträge stiegen, weil Artfremde Leistungen die Rücklagen der KK und der Rente aufgebraucht haben. Ich erinnere mich an meine Mutter, die 1991 verstarb, sie sagte zu mir. Mist, wir hatten ma 12 Monate und mehr Geld in den Kassen der Rente. Rente ohne Zuschüsse für mehr als ein jahr. Heute kann ohne Bundeszuschuss nicht mal
    1 Monat lang Rente gezahlt werden.

    Und wir haben alle Nase lang höhere Beiträge in der KV - jetzt schon etwas nicht mehr. Fast als hätte der Verzicht dazu geführt, das wir den Point of No Return doch noch mal geschafft haben. Die Kassen machen Plus. Sollen sie es anlegen, sparen, sparen und Zinsen verdienen. Das was wir heute haben, schaffen wir gerade mit Schmerz, Leid und persönlichen Nachteilen.

    Das ist VERSICHERTENGELD. Das sind keine Haushaltsgelder zur Einnahmenverbesserung. Wir hätten diese Beiträge nicht,
    wenn die Politiker in den Zeiten des Wirtschaftswunders und danach auch noch die gute Kassenlage nicht für die eigene Profilierung genutzt hätten. Und das wird nun wieder gestohlen?

    Deutschland erwache und jage die Diebe aus der Bundeshauptstadt!
    Thomas

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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