Friedrich Merz schaut in die Runde der Journalisten, die sich in der Landesgeschäftsstelle der NRW-CDU an diesem Freitagnachmittag versammelt haben. Dann sagt er: "Ich freue mich, dass ich nach vielen Jahren mal wieder hier bin." Ein leichtes Lächeln huscht über sein mittlerweile nicht mehr ganz so jungenhaftes Gesicht.

Es ist in der Tat eine Rückkehr nach langer Abstinenz, wenn auch nur mit halber Kraft: Friedrich Merz, 56 Jahre alt, ehemaliger CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag und Star des wirtschaftsliberalen Flügels der Union, ist von Norbert Röttgen reaktiviert worden. Für den Spitzenkandidaten der nordrhein-westfälischen CDU soll Merz eine Regierungskommission leiten. Ihr Name: "Zukunft der Industrie in Nordrhein-Westfalen ". Merz wird in den kommenden Wochen Spitzenvertreter aus Verbänden und Wirtschaft zusammentrommeln, die im Falle eines Wahlsieges Röttgens Regierung beraten sollen.

Einerseits ist Merz' Einstieg ein Erfolg für die CDU: Der einstige Spitzenmann ist an der Basis, besonders der konservativen, noch immer äußerst beliebt. Als Sauerländer ist er fest in NRW verankert und hat hervorragende Kontakte in die heimische Industrie.

Andererseits aber wird Merz eben nur Berater, und eben kein vollwertiger Wahlkämpfer. Röttgen wollte ihn, so verlautet es aus Unionskreisen, am vergangenen Wochenende davon überzeugen, als Kandidat für einen Ministerposten in NRW mit einzusteigen. Doch Merz ließ sich nur auf die kleine Lösung ein. "Ich habe in meinem Job einfach zu viel zu tun, um vier Wochen Wahlkampf zu machen", stellte er heute in Düsseldorf noch einmal klar. Merz sitzt in einer ganzen Reihe von Aufsichtsräten, unter anderem beim Versicherungsriesen Axa , bei der Deutschen Börse AG, und beim Bundesligisten Borussia Dortmund .

Wahlkampf nebenher

Das passt fatal zum Verhalten des Spitzenkandidaten Norbert Röttgen selbst: So wie dieser die Bundespolitik nicht für NRW aufgeben will, so will Merz nicht auf seine Arbeit als Anwalt und in der Wirtschaft verzichten: Röttgen und Merz, zwei Teilzeit-Kräfte für NRW.

Die NRW-CDU hat somit zwei Gallionsfiguren an ihrer Spitze, die sich nur mit halber Kraft für die Landespolitik einsetzen: Denn auch Spitzenkandidat Röttgen muss ja nebenher noch das Bundesumweltministerium führen – und hat sich immer noch nicht festgelegt, ob er bei einer Niederlage in NRW nicht gleich in Berlin bleibt .

Friedrich Merz hätte für die CDU im Idealfall das sein können, was Christian Lindner für die FDP ist : Das zurückgekehrte Wunderkind, der einstige Star, der sich zum entscheidenden Wahlkampf wieder in den Dienst seiner Partei stellt. Stattdessen sagt er in Düsseldorf über sein Engagement: "Das ist ein Beitrag, der sozusagen aus meiner Freizeit heraus stattfindet."