Ach, Heiko Maas hatte sich das so schön vorgestellt. Mit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten des Saarlands werde es in Deutschland erstmals wieder mehr SPD-Ministerpräsidenten geben als CDU-Länderchefs, hatte er noch vor wenigen Tagen getönt. Zu einem Signal für die Umkehr der Machtverhältnisse in Deutschland wollte der Mann, der im Saarland schon zweimal verloren hatte, diesen Abend machen. Und jetzt das:

Die SPD hat zwar im Vergleich zur letzten Landtagswahl sechs Prozentpunkte hinzugewonnen.Gleichwohl blieb sie gut vier Prozentpunkte hinter der CDU zurück. Bedenkt man, dass die saarländischen Sozialdemokraten nach dem Bruch der Jamaika-Koalition im Januar in Umfragen noch vor der CDU lagen, kommt dieses Ergebnis einer Klatsche gleich.

In der Bundes-SPD wird man nun bemüht sein, die spezifisch saarländischen Ursachen dafür zu beleuchten. Eine heißt Oskar Lafontaine , Spitzenkandidat der Linkspartei . Die ungebrochene Popularität des früheren Ministerpräsidenten und SPD-Chefs sicherte der Linkspartei dort auch diesmal trotz Verlusten immerhin noch 16 Prozent, obwohl die Partei bundesweit viel schlechter da steht.

Kramp-Karrenbauer sympathischer

Hinzu kommt, dass die SPD mit Annegret Kramp-Karrenbauer auf eine Ministerpräsidentin traf, die erst ein halbes Jahr im Amt war, die sich für die Wähler also noch nicht abgenutzt hatte. Und ebenfalls zu den saarländischen Besonderheiten muss man wohl auch die Persönlichkeit des SPD-Spitzenkandidaten zählen. Maas gilt als spröde und wenig kumpelhaft, was gerade in einem Ländchen, in dem jeder jeden duzt, von Nachteil sein dürfte. Umfragen zeigen, dass er bei den Sympathiewerten deutlich schlechter abschnitt als die Amtsinhaberin.

Gleichwohl muss sich die SPD im Bund damit abfinden, dass der Auftakt ins Wahljahr 2012 trotz der wahrscheinlichen Regierungsbeteiligung verpatzt ist. Auf einen Siegeszug in allen drei Bundesländern hatte man in Berlin gehofft, der erste Triumph fiel schon mal aus.

Eine unterschätzte Frau

Gescheitert sind die Sozialdemokraten an einer Frau, die sie offenbar deutlich unterschätzt haben. Ansonsten hätten sie sich kaum auf das Wagnis von Neuwahlen eingelassen. Auch diese Erfahrung kennt man in der Bundes-SPD. Noch schlimmer aber für die Parteiführung dürfte sein, dass die Wahlniederlage nicht nur im Saarland zu erneuten Debatten darüber führen könnte, ob es wirklich im Sinne sozialdemokratischer Politik ist, rot-rote Koalitionen zugunsten der Juniorpartnerschaft in einer Großen Koalition abzulehnen.

Grund zum Jubeln hat man dagegen natürlich in der CDU, und das nicht nur im Saarland. Für die CDU im Bund ist der Wechsel in eine Große Koalition unter Führung der Union schließlich ein Modell, das sie sich auch für 2013 gut vorstellen kann.